Carlo Ginzburg

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Carlo Ginzburg, März 2013

Carlo Ginzburg (* 15. April 1939 in Turin) ist ein italienischer Historiker und Kulturwissenschaftler.

Leben[Bearbeiten]

Carlo Ginzburg, Sohn von Leone und Natalia Ginzburg, wuchs in Turin auf. 1961 machte er seinen Universitätsabschluss an der Universität Pisa und erhielt kurz darauf einen Ruf an die Universität Bologna, wo er bis 1988 unterrichtete. Anschließend ging er in die Vereinigten Staaten an die UCLA, wo er Neuere Geschichte lehrte. Er ist Professore emerito an der Scuola Normale Superiore in Pisa, an der er seit 2006 lehrte.

Ginzburgs Fachgebiet erstreckt sich von der italienischen Renaissance bis zur frühen Moderne Europas. Er ist außerdem führender Vertreter der Mikrogeschichte und der Neuen Kulturgeschichte.

Sein 1980 erschienenes Werk Der Käse und die Würmer – Die Welt eines Müllers um 1600, das von dem italienischen Bauern Menocchio und dessen Weltbild handelt, machte ihn berühmt; es wurde in 15 Sprachen übersetzt und brachte ihm mehrere Auszeichnungen ein. In seinen Werken über die Hexenverfolgungen der frühen Neuzeit, zum Beispiel Hexensabbat, verfolgt er die Idee eines europäischen Schamanismus.

Ginzburg interessiert sich ebenso für den Prozess des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns: In Spurensicherung vergleicht er die Arbeitsmethoden von Sigmund Freud und Sherlock Holmes mit denjenigen des Kunsthistorikers Giovanni Morelli, der als Erster nebensächliche Details für die Zuschreibung von Gemälden heranzog. Vor dem Hintergrund des 19. Jahrhunderts beschreibt Ginzburg die jeweils epochentypischen Formen der Spurensicherung.

Er beteiligte sich an der Diskussion um Adriano Sofri und hat seinen Fall 1991 in einem Buch dargestellt. [1]

1996/1997 war er Mitglied des Wissenschaftskollegs zu Berlin mit dem Forschungsthema Verfremdung und die Rhetorik der Aufklärung im Werk von Voltaire.[2] Am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin ist Ginzburg Ehrenmitglied. 2008 erhielt er auf Vorschlag des ZfL den Humboldt-Forschungspreis.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Ginzburgs Werke wurden hauptsächlich in dem von seinem Vater mitgegründeten Einaudi-Verlag herausgegeben. Deutsche Ausgaben erschienen unter anderem im Syndikat- und Wagenbach-Verlag.

Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Der Käse und die Würmer: Die Welt eines Müllers um 1600, übers. v. Karl F. Hauber. Syndikat, Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-8108-0118-6.
  • Die Benandanti: Feldkulte und Hexenwesen im 16. und 17. Jahrhundert, übers. v. Karl F. Hauber. Syndikat, Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-8108-0160-7.
  • Erkundungen über Piero: Piero della Francesca, ein Maler der frühen Renaissance, übers. v. Karl F. Hauber. Wagenbach, Berlin 1981, ISBN 3-8031-3500-1.
  • Spurensicherungen: über verborgene Geschichte, Kunst und soziales Gedächtnis, übers. v. Karl F. Hauber. Wagenbach, Berlin 1983, ISBN 3-8031-3514-1.
  • Hexensabbat: Entzifferung einer nächtlichen Geschichte, übers. v. Martina Kempter. Wagenbach, Berlin 1990, ISBN 3-8031-3549-4.
  • Der Richter und der Historiker: Überlegungen zum Fall Sofri, übers. v. Walter Kögler. Wagenbach, Berlin 1991, ISBN 3-8031-2189-2.
  • Die Venus von Giorgione, übers. v. Catharina Berents. Akademie-Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-05-003217-0.
  • Holzaugen: über Nähe und Distanz, übers. v. Renate Heimbucher. Wagenbach, Berlin 1999, ISBN 3-8031-3599-0.
  • Das Schwert und die Glühbirne: eine neue Lektüre von Picassos Guernica, übers. v. Reinhard Kaiser. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-518-12103-0.
  • Die Wahrheit der Geschichte: Rhetorik und Beweis, übers. v. Wolfgang Kaiser. Wagenbach, Berlin 2001, ISBN 3-8031-5165-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Interview mit Luca Sofri und Ginzburg in: Jungle World, 1998
  2. Seite des Wissenschaftskollegs zu Ginzburg
  3. Seite von Ginzburg beim ZfL

Weblinks[Bearbeiten]