Carlos Lehder Rivas

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Carlos Lehder Rivas

Carlos Lehder Rivas (* 7. September 1949 in Armenia, Kolumbien) ist einer der bekanntesten kolumbianischen Drogenhändler und mit dem Medellín-Kartell assoziiert. Er war zusammen mit George Jung für die Kokainwelle Ende der 1970er Jahre in den USA mitverantwortlich. Seit 1987 sitzt er in den USA in Haft.

Lehders Vater ist ein deutscher Ingenieur und seine Mutter eine kolumbianische Lehrerin. [1] Er besitzt neben der kolumbianischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft.[2][3]

Tätigkeit[Bearbeiten]

Lehder begann seine kriminelle Karriere als Marihuanadealer und mit dem Schmuggel gestohlener Autos. Während einer Haftstrafe im Staatsgefängnis von Danbury (Connecticut) plante er zusammen mit seinem Zellengenossen George Jung weitere kriminelle Aktivitäten, diesmal jedoch mit einem neuen Exportgut aus Kolumbien, welches bis dahin in den USA noch relativ unbekannt war: Kokain.

Durch seine vielen Kontakte zu einflussreichen Personen, u. a. zu Pablo Escobar, gelang es den beiden in kürzester Zeit, etwa 100 Mio. US-$ Reingewinn mit dem „weißen Schnee“ zu erwirtschaften. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Bahamas-Insel Norman's Cay, die Lehder zeitweise als Sitz diente und von der aus der Kokain-Schmuggel mit Hilfe von Sportflugzeugen und Offshore-Booten organisiert wurde. 1977 kaufte er sich auf der Insel ein Landhaus (24° 37′ 26″ N 76° 49′ 1″ W) und später für 900.000 US-$ eine Hälfte der Insel von 650 acre Größe, das entspricht in etwa 1,3 km². Eingeschlossen waren ein Yachthafen, -dock und der Startstreifen des Flug- und Landeplatzes.

Der Lärm von Kreissägen, Gewehrschüssen und der Fund eines Segelbootes in der Nähe der Insel, welches mit toten Körpern beladen war, erregten alsbald die Aufmerksamkeit der US-amerikanischen Behörde für Drogenbekämpfung DEA. Ihre Task Force (genannt Operation Caribe) überwachte die Norman's Cay von einem Küstenwachposten an Land aus. Die gesamte Insel wurde abgeschirmt und von Beamten observiert, die als Bootsfahrer verkleidet waren und eine Panne vortäuschten.

Bedeutung[Bearbeiten]

Durch seine Rolle im weltweiten Kokain-Schmuggel wurde Lehder von den USA zum Staatsfeind Nr. 1 erklärt, 1987 verhaftet und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe plus 134 Jahren verurteilt. Durch eine Zeugenaussage gegen den ehemaligen Machthaber Panamas, Noriega, wurde er 1995 angeblich in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen und konnte so die Haftstrafe auf 55 Jahre reduzieren. Von offizieller Seite wird dies jedoch dementiert. Lehders heutiger Aufenthaltsort ist unbekannt.

Im Mai 2007, also nach 20 Jahren Haft, beantragte Lehder beim obersten kolumbianischen Gericht die Ungültigkeit seiner Auslieferung. Dies ist gleichbedeutend mit einem Antrag auf Haftentlassung in den USA durch die kolumbianische Regierung. Grundlage für diesen Antrag ist eine Regelung im Auslieferungsabkommen zwischen Kolumbien und den USA. Wenn durch den Staat, an den die Auslieferung erfolgt, keine Begrenzung der Strafe auf maximal 30 Jahre garantiert wird, ist die Auslieferung unmöglich. Die USA haben die übliche Freilassung nach Verbüßung von 2/3 der maximalen 30 Jahre bei Lehder nicht vorgenommen. Daher sei zu erwarten, dass Lehder mehr als 30 Jahre verbüßen soll. Somit liege ein Verstoß gegen das Auslieferungsabkommen vor. Die Entscheidung des obersten Gerichts Kolumbiens zu diesem Antrag steht noch aus.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. St. Petersburg Times: Carlos Lehder
  2. El narco Carlos Lehder quiere volver a Colombia, BBC Mundo, 12. Mai 2010
  3. Der Deutsche im Drogenkartell von Medellín, tagesanzeiger.ch, 6. Februar 2012

Siehe auch[Bearbeiten]