Carlsen Verlag

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Carlsen Verlag
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Rechtsform GmbH
Sitz Hamburg, Deutschland
Leitung Renate Herre (Verlegerin). Joachim Kaufmann
Branche Verlag
Website www.carlsen.de
Verlagshaus des Carlsen Verlages in Hamburg-Ottensen

Der Hamburger Carlsen Verlag gehört zum schwedischen Medienunternehmen Bonnier AB. Sein Schwerpunkt liegt auf Comics (Mangas), Kinderbüchern und Jugendliteratur (unter anderem Harry Potter). Auf diesen Gebieten gehört er in Deutschland zu den führenden Verlagen. Geschäftsführer sind Renate Herre (als Verlegerin) und Joachim Kaufmann.

Geschichte[Bearbeiten]

Logo der Reihe Carlsen Comics (2012)

Der Carlsen Verlag wurde am 25. April 1953 von Per Hjald Carlsen in Hamburg als Tochtergesellschaft des dänischen Illustrationsforlaget/PIB gegründet. Anfangs bestand das Programm in erster Linie aus Büchern über den Bären Petzi und seine Freunde, die bereits erfolgreich in verschiedenen deutschen Tageszeitungen abgedruckt wurden. 1954 erschienen die ersten Pixi-Bücher im Format 10 x 10 cm.

1967 startete der Verlag sein Comic-Programm mit dem ersten Album aus der Serie Tim und Struppi. Das Programm wurde zunächst um traditionelle, frankobelgische Serien wie Alix, Blake und Mortimer, Valerian und Veronique und Die Schlümpfe erweitert. Zu Beginn der 1980er Jahre ergänzten unter anderem Spirou und Fantasio, die Abenteuer des Büroboten Gaston und Leonardo das Programm. Die Produktion wurde kontinuierlich ausgebaut; 1989 erschienen mehreren Alben monatlich.

Unter dem Lektor Eckart Sackmann wurde Anfang der 1980er Jahre die Edition ComicArt gegründet, eine Comic-Sparte für erwachsene Leser. Sackmanns Nachfolger Andreas C. Knigge prägte das Comic-Programm für viele Jahre und sorgte für eine immense Erweiterung dieses Bereichs. 1987/88 versuchte der Verlag, mit Moxxito ein eigenes Magazin auf dem Markt zu etablieren, das aber nach sechs Ausgaben wieder eingestellt wurde. 1989 zog der Verlag nach 24 Jahren von Reinbek zurück nach Hamburg Ottensen. Neben frankobelgischen Comics wurden Anfang der 1990er Jahre auch Superhelden-Comics von DC Comics als Paperbacks veröffentlicht. Hauptsächlich wurden voneinander unabhängige Sonderausgaben, sogenannte One Shots, übersetzt. Besondere Aufmerksamkeit erhielt Frank Millers Werk The Dark Knight Returns. Der Carlsen Verlag versuchte zeitgleich, Heftserien von Buffy – Im Bann der Dämonen, Angel – Jäger der Finsternis, Godzilla und Akte X zu etablieren.

Knigges Nachfolger wurde Joachim Kaps. In dessen Wirkungszeit wurde durch die noch von Knigge beschlossene Veröffentlichung des Mangas Dragonball in japanischer Leserichtung (von rechts nach links) ein Manga-Boom ausgelöst.

Anfang 2002 kaufte der Carlsen Verlag den Namen und diverse Autorenrechte des Kleinverlages B&L (die anderen Serien des B&L-Verlages gingen in den BSE Verlag über). B&L wurde bei Carlsen als Label für lustige Erwachsenencomics fortgeführt und durch weitere Serien ergänzt. 2006 ging B&L im neuen Bereich Carlsen Cartoon und Humor auf, in dem auch die Bestseller-Cartoons Nichtlustig von Joscha Sauer und Shit happens! von Ralph Ruthe erscheinen.

Den größten Erfolg hatte Carlsen mit der Buchreihe um Harry Potter von Joanne K. Rowling. Schon vor dem Durchbruch des Zauberlehrlings erwarb der Verlag die Lizenz für alle geplanten sieben Bände. Damit mussten sich die deutschen Titelillustrationen nicht nach den Vorgaben des Rechtehalters Warner Brothers richten. Auch bei der Vermarktung der Bücher hatte der Verlag deutlich freiere Hand als Potter-Verlage in anderen Ländern. Bis heute erreichten die Harry-Potter-Bände im deutschen Sprachraum eine Gesamtauflage von 30 Millionen Exemplaren.[1]

Derzeit ist Carlsen einer der drei größten Comicverlage in Deutschland, bei den Kinderbuchverlagen zählt er zu den zehn größten. Der dänische Carlsen Verlag, aus dem der Verlag ursprünglich hervorgegangen war, gehörte früher auch zu Bonnier, ist aber nach mehreren Verkäufen seit 2007 Teil der internationalen Verlagsgruppe Egmont Foundation. Somit sind die gleichnamigen Verlage in Dänemark und Deutschland nicht mehr als Unternehmen miteinander verbunden.

Im Herbst 2008 gründete der Carlsen Verlag mit dem zur US-amerikanischen Scholastic Corporation gehörenden britischen Kinderbuchverlag The Chicken House das Gemeinschaftsunternehmen Chicken House Deutschland. Im Jahr 2011 übernahm Carlsen von der Verlagsgruppe Oetinger die Xenos Verlagsgesellschaft und gliederte sie an sein Imprint Nelson Verlag an.[2]

Im Herbst 2014 lancierte Carlsen ein neues Imprint: den Königskinder Verlag. Geleitet wird der Subverlag von Barbara König, die ohnehin seit 2003 das erzählende Kinder- und Jugendbuch bei Carlsen verantwortete. Geplant ist, Kinderbücher ab zwölf Jahren, Jugendbücher und Crossover-Titel mit acht bis zehn Titeln pro Halbjahr herauszubringen.[3]

Weitere Publikationen des Carlsen Verlag[Bearbeiten]

Übersicht Comic-Serien[Bearbeiten]

Verlagsvergriffene Dokumentationen[Bearbeiten]

  • Batem, Verhoest und Cambier: Alles über das Marsupilami, Carlsen 1993.
  • Horst Schröder: Bilderwelten und Weltbilder. SF Comics in den USA, Deutschland, England und Frankreich., Carlsen 1982.
  • Andreas Knigge (Hrsg.): Comic Jahrbuch 1990, Carlsen 1990.
  • Andreas Knigge (Hrsg.): Comic Jahrbuch 1991, Carlsen 1991.
  • Scott McCloud: Comics richtig lesen, Carlsen 1994.
  • Hugo Pratt: Corto Maltese-Aus dem Leben eines Abenteurers, Carlsen 1992,
  • Horst Schröder: Die ersten Comics - Zeitungscomics in den USA von der Jahrhundertwende bis zu den 30er Jahren, Carlsen 1981.
  • Jean Annestay: Die Geheimnisse des Incal, Carlsen 1991.
  • Numa Sadoul: Das große André Franquin-Buch, carlsen 1989.
  • Andreas Knigge (Hrsg.): Das große Hal Foster-Buch, Carlsen 1992.
  • Numa Sadoul: Das große Moebius-Buch, Carlsen 1992.
  • Benoît Peeters: Hergé - Ein Leben für die Comics, Carlsen 1983.
  • Bill Blackbeard (Hrsg.): 100 Jahre Comicstrips, 2 Bände, Carlsen 1995.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verlags-Website: Geschichte
  2. Verlage: Carlsen übernimmt die Marke Xenos. In: boersenblatt.net, 16. März 2011
  3. Carlsen startet neues Imprint, Börsenblatt des dt. Buchhandels vom 13. Juni 2013, abgerufen 23. Oktober 2014