Carmen (Mérimée)

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Carmen ist der Titel einer 1847 erschienenen Novelle des französischen Schriftstellers Prosper Mérimée (1803–1870).

Sie bildet die Grundlage für das 1875 von Henri Meilhac und Ludovic Halévy verfasste Libretto zu Georges Bizets gleichnamiger Oper. Mit kleinem C geschrieben ist „carmen“ ein lateinisches Wort und bedeutet „Liedgesang“, „Zauberdichtung“ oder auch „Orakelspruch“, sodass in der Opernfassung diese besondere Konnotation des Wortes sehr gut zur Geltung kommt. Carmen wurde auch mehrmals für Ballett adaptiert.

Inhalt[Bearbeiten]

Rahmenhandlung[Bearbeiten]

Der Erzähler trifft auf einer Reise durch Andalusien auf einen Unbekannten, den er schon bald für einen gesuchten Räuber hält. Da dieser sich dem Erzähler gegenüber als Freund verhält, verhilft er ihm zur Flucht vor Soldaten. Einige Monate später erfährt der Erzähler von der Verhaftung und bevorstehenden Hinrichtung des Räubers Don José. Beim Besuch im Gefängnis erfährt der Erzähler dessen Lebensgeschichte.

Binnenerzählung[Bearbeiten]

Der Baske José Lizarrabengoa tötete im Streit seinen Gegner in einem Spiel und muss aus seiner Heimat fliehen. Er kommt nach Andalusien, und als Unteroffizier im Wachkommando an der Tabakfabrik von Sevilla arbeitend, trifft er zum ersten Mal auf die junge Zigeunerin Carmen. Eine schicksalhafte Begegnung, die sein weiteres Leben auf tragische Weise verändern soll.

Während der Arbeit in der Tabakfabrik sticht die impulsive Carmen im Zuge eines Streits eine andere Frau mit einem Messer nieder. Der Unteroffizier erhält den Befehl, sie in das Stadtgefängnis zu überführen, doch anstatt seiner Aufgabe gewissenhaft nachzukommen, lässt sich José von der Zigeunerin bezirzen und ermöglicht ihr die Flucht. Nach vierwöchigem Arrest und der Degradierung zum gewöhnlichen Rekruten begegnet er Carmen ein weiteres Mal, wobei sich José unsterblich in sie verliebt. Aus Dankbarkeit für seine Hilfe bei ihrer Flucht verbringt Carmen die Nacht mit ihm. Gegen seine Erwartungen erhält er am nächsten Morgen von ihr eine Abfuhr, mit der Erklärung, sie seien nicht füreinander geschaffen und er solle sie am besten schnell wieder vergessen.

Am besten hätte er daran getan, ihren Rat zu befolgen, doch nachdem er sich einige Wochen später – im Dienst als Wachposten – von ihr überreden lässt, bei der Schmuggelaktion einer Zigeunerbande ein Auge zuzudrücken, und dann noch einen von Carmens Liebhabern im Streit mit dem Säbel tötet, gibt es für ihn kein Zurück mehr. Er muss aus Sevilla fliehen. Diesmal ist es Carmen, die ihm dabei hilft. Er tritt einer Schmugglerbande bei, für die auch Carmen als Kundschafterin bei kriminellen Unternehmungen zuständig ist. Er lebt wie ein Zigeuner, freundet sich mit dem Schmugglerdasein an und genießt vor allem die häufige Nähe zu Carmen, der er ständig seine Liebe kundtut. Auch sie sagt, dass sie ihn liebe.

Mit dem Erscheinen des einäugigen Garcia, der der eigentliche Anführer der Bande und zudem auch noch Carmens Mann ist, ist José in seiner Eifersucht und Wut nicht mehr zu bremsen, wird abermals zum Mörder und übernimmt Garcias Rolle. Doch nun hat José andere Pläne, er möchte das Zigeuner- und Gaunerleben aufgeben und mit Carmen in Amerika einen Neuanfang machen. Doch sie gibt an, dass sie ihn nicht mehr liebe, sondern den Picador Lucas. Carmen weigert sich mit aller Macht, seine Befehle beachtet sie nicht und sein Flehen lässt sie kalt: Eher würde sie sterben, als auf ihr freies Leben als Zigeunerin zu verzichten. Und so trifft José, nachdem all seine Anstrengungen nicht gefruchtet haben, seine fatale Entscheidung und tötet sie. Carmen wehrt sich nicht, da sie glaubt, dass es ihr Schicksal sei. Kurz nach dem Mord gibt er sich einem Wachposten zu erkennen, gesteht seine Tat und wird daraufhin zum Tode durch den Strang verurteilt.

Geschichtlicher Hintergrund[Bearbeiten]

Mérimée zufolge basierte seine Figur der Carmen auf der Geliebten eines berüchtigten spanischen Deserteurs und Banditen namens Don José Maria Zempranito in den 1830ern. Diese verschmolz er mit einer gewissen Carmencita, der Frau eines Grafen von Montijo, welche eine Zigarettenarbeiterin in Granada war, bis der Graf sie entdeckte, sich in sie verliebte und sie gegen den Willen seiner Familie heiratete. Als Gast bei der Familie des Grafen hatte Mérimée von diesem familiären Skandal erfahren.[1]

Aktuelle Ausgaben[Bearbeiten]

Opernadaption[Bearbeiten]

  • Georges Bizet: Carmen. Oper in vier Aufzügen Textbuch französisch-deutsch (Universal-Bibliothek Nr. 9648) / Libretto von Henri Meilhac und Ludovic Halévy nach der Novelle von Prosper Mérimée. Übers. und hrsg. von Henning Mehnert, Reclam (Stuttgart) 1997, ISBN 3-15-009648-0

Comicadaption[Bearbeiten]

1981 adaptierte der französische Künstler Georges Pichard die Geschichte für einen Comic, der bei Edition Albin Michel in Paris erschienen ist, und 1982 auch in Deutschland bei Bahia Verlag in München (dann 1984 bei Heyne-Verlag) verlegt worden ist.

  • Georges Pichard: Carmen, München (Heyne-Bücher: 21; Heyne-Bildpaperback Nr. 11; Aus dem Franz. übers. von Dorian Link) 1984, ISBN 3-453-52091-2

Hörbuchadaption[Bearbeiten]

2006 wurde die Erzählung von Helmut Hafner vertont. Das Hörbuch ist bei hoerbuch.cc-Verlag in Wien erschienen.

  • Carmen und andere Novellen /Prosper Mérimée/; Übers. von Arthur Schurig; bearb. von Alexander Kraft, Sprecher: Helmut Hafner, Wien (hoerbuch.cc), 2006, ISBN 3-900037-74-4

Filmadaptionen[Bearbeiten]

Ballettadaption[Bearbeiten]

Literatur zur Figur „Carmen“[Bearbeiten]

  • Ulrich Herzog: Wer ist Carmen? Droemer Knaur 3836 Sachbuch, München 1987, ISBN 3-426-03836-6.
  • Kirsten Möller: Carmen: Ein Mythos in Literatur, Film und Kunst. Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2010, ISBN 978-3-412-20579-9.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Antonius Lux (Hrsg.): Große Frauen der Weltgeschichte. Tausend Biographien in Wort und Bild. Sebastian Lux Verlag, München 1963, S. 95.