Carnyx

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Platte E des Kessels von Gundestrupp: Initiation von Kriegern

Die Carnyx war ein Blasinstrument der eisenzeitlichen Kelten, von etwa 300 v. Chr. bis 200 n. Chr. Sie ist eine hornartig gebogene Bronze-Trompete, die beim Blasen aufrecht gehalten wurde. Die Mündung ist meist als Wildschweinkopf geformt. Genutzt wurde die Carnyx bei Kriegszügen (evtl. auch bei Kulthandlungen), wohl um die Truppen zur Schlacht anzustacheln und den Feind mit einer Art akustischer Kriegsführung zu demoralisieren.

Funde und Nachweise zur Carnyx[Bearbeiten]

Keltischer Krieger mit einer Carnyx

Darstellung auf Abbildungen[Bearbeiten]

Das Instrument ist auf dem Kessel von Gundestrup sowie auf Spät-La Tène Münzen abgebildet.

Nachweis in der Literatur[Bearbeiten]

Der Name ist durch mehrere römische Autoren überliefert, so wird der Gebrauch einer Carnyx beim keltischen Angriff auf Delphi im Jahre 279 v. Chr. erwähnt. Auch Julius Caesar nennt die Carnyx bei seinem Feldzug durch Gallien, ebenso Claudius bei der Invasion von Britannien.

Diodorus Siculus sagt in seinen (Historien, 5.30):

Ihre Trompeten waren wieder von einer eigentümlich barbarischen Art, sie blasen hinein und lassen einen rauen Laut ertönen, der an die Wirren des Krieges erinnert

Auch Polybios beschreibt die Angst der Römer beim Angriff der Kelten in der Schlacht von Telamon.

Archäologische Funde[Bearbeiten]

Ein gut erhaltenes Exemplar wurde am Ufer des Moray Firth, in Aberdeenshire, in Schottland im Jahre 1816 gefunden (Deskford Carnyx). Bis 2004 wurden die Fragmente von vier anderen Carnyces gefunden. Im November 2004 fanden Archäologen dann fünf gut erhaltene Instrumente unter einem gallo-römischen Umgangstempel bei Tintignac (Corrèze in Frankreich). Vier hatten die bekannten Wildschweinmündungen, einer eine Schlange. Bei Navan Fort (County Armagh) wurde eine Carnyx in einem See-Opferplatz entdeckt, die den Namen Loughnashade Trompete erhielt.

Carnyces in anderen Kulturen[Bearbeiten]

Nicht nur die Kelten nutzten die Carnyx - auch in Dakien wurden sie verwendet. Darstellungen aus den Dakerkriegen finden sich auf der Trajanssäule in Rom. Wahrscheinlich wurden ähnliche Instrumente bei vielen Völkern des eisenzeitlichen Europa genutzt. Die römischen Lituus waren sehr ähnlich gestaltet.

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Lure, nordeuropäisches Blasinstrument aus der jüngeren Bronzezeit
  • Shringa (sanskrit), ähnlich geformte Trompete mit Tierkopf aus derselben Zeit in Indien

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Birkhan: Kelten. Bilder ihrer Kultur. Verlag d. Öst. Akad. d. Wiss., Wien 1999 ISBN 3700128142
  • Fraser Hunter: Reconstructing the Carnyx. In: E. Hickmann, I. Laufs und R. Eichmann (Hrsg.), Studien zur Musikarchäologie II. Musikarchäologie früher Metallzeiten. Vorträge des 1. Symposiums der International Study Group on Music Archaeology im Kloster Michaelstein, 18.-24. Mai 1998. In memoriam Hans Hickmann (1908–1968). VML Vlg Marie Leidorf, Rahden/ Westf. 2000: 341-345, ISBN 3896466372
  • Stuart Piggott: The Carnyx in Early Iron Age Britain. The Antiquaries Journal 39/1959: 19-32.
  • John Purser: The Sounds of Ancient Scotland. In: E. Hickmann, I. Laufs und R. Eichmann (Hrsg.), Studien zur Musikarchäologie II. Musikarchäologie früher Metallzeiten. Vorträge des 1. Symposiums der International Study Group on Music Archaeology im Kloster Michaelstein, 18.-24. Mai 1998. In memoriam Hans Hickmann (1908–1968). Rahden/ Westf. 2000: 325-331.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Carnyx – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien