Caroline von Braunschweig-Wolfenbüttel

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Caroline von Braunschweig (1804) von Thomas Lawrence

Caroline Amalie Elisabeth von Braunschweig-Wolfenbüttel (* 17. Mai 1768 in Schloss Richmond bei Braunschweig; † 7. August 1821 in London) war durch Heirat Königin von Großbritannien, Irland und Hannover.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Caroline war die zweite Tochter Herzog Karl Wilhelm Ferdinands von Braunschweig (1735–1806) und der Prinzessin Augusta von Hannover (1737–1813).

Als Kind war sie hin- und hergerissen zwischen ihrem übervorsorglichen Vater und der verbitterten Mutter. Sie wuchs ziemlich ungezügelt heran, zum Leidwesen ihrer Lehrer und Gouvernanten, da sie ein aufsässiges und respektloses Kind war, wild, ungebärdig, burschikos und vorlaut. Sie spielte lieber mit den Brüdern als mit Mädchen und konnte Puppen nicht ausstehen, außerdem war sie ein ausgesprochen mutiges Kind. Um ihr alle Optionen für eine protestantische, katholische oder auch anglikanische Verehelichung offenzuhalten, erhielt sie keinerlei religiöse Erziehung. Graf Mirabeau urteilte nach einem Besuch am Braunschweiger Hof über die Prinzessin:„höchst liebenswert, lebhaft, verspielt, witzig und hübsch.“

Als sie sich im Alter von 18 Jahren in einen jungen Offizier verliebte, wurde dieser ins Feld abkommandiert und sie selber in ein entlegenes Jagdschloss geschickt, wo sie zur Vernunft kommen sollte. Diese Zeit genoss sie allerdings sehr, da sie dort tun und lassen konnte, was sie wollte - sie pflegte hier mit Bauern und anderen gewöhnlichen Leuten Kontakte. [1]

Hochzeit[Bearbeiten]

Wappen von Caroline von Braunschweig

Sie wurde am 7. April 1795 die Gemahlin ihres Cousins, des Prinzen von Wales und nachmaligen Königs Georg IV. Die Ehe wurde mehr als unglücklich. Die Prinzessin empfand ihren Bräutigam als viel zu dick und seinem Porträt völlig unähnlich. Schon während der Hochzeit war Georg schwer betrunken und beide Eheleute waren sich von Anfang an abgeneigt. Die Hochzeitsnacht verbrachte Georg laut Angaben seiner Gemahlin im Vollrausch unter dem Kamingitter.[2] Ihre Meinung über ihn war entsprechend schlecht: "Mon père etait un héros, mon mari est un zéro." (Mein Vater war ein Held, mein Mann ist eine Null).[3]

Zwar wurde die Prinzessin am 7. Januar 1796 Mutter einer Tochter, Charlotte; doch schon wenige Wochen später gingen beide getrennte Wege. Caroline wurde am Hof ignoriert und lebte faktisch unter Hausarrest, während Georg sich seiner Mätresse zuwandte. Nach zweieinhalb Jahren verließ die Prinzessin von Wales den Hof und lebte zehn Jahre lang auf einem Landhaus zu Blackheath.

Leben als Verstoßene[Bearbeiten]

Caroline von Braunschweig

Georg hatte 1799 seine Beziehung zu Maria Fitzherbert wieder aufgenommen und seine heimliche Heirat mit ihr vom Papst bestätigen lassen. Er wünschte sich jetzt die Scheidung von Caroline und ließ sie zu diesem Zweck überwachen.

Im Jahr 1802 adoptierte Caroline den wenige Monate alten William „Willy“ Austin, Sohn eines Segelmachers, was Gerüchte nährte, der Säugling sei ihr leiblicher Sohn. Caroline bemerkte daraufhin: „Beweist es nur, dann wird er euer König sein.“

Als sie 1806 auch noch des unerlaubten Umganges mit Kapitän Thomas Manby, dem Admiral Sidney Smith, George Canning, Thomas Lawrence und anderen verdächtigt wurde, setzte der König eine Kommission zur Untersuchung ihres Betragens ein; dieselbe vermochte ihr jedoch nur Unbesonnenheit zur Last zu legen und Caroline wurde 1807 durch ein Protokoll des Kronrats vollständig rehabilitiert. Deshalb konnte sie auch 1808 ihre Rechte als Princess of Wales wieder wahrnehmen und in den Kensington Palace übersiedeln. 1811 wurde Carolines Ehemann zum Prinzregenten für seinen geisteskranken Vater ernannt. Wiederum wurde es um Caroline einsamer, selbst der Kontakt zu ihrer geliebten Tochter Charlotte wurde auf zweimal monatlich reglementiert. In der Öffentlichkeit wurde Caroline jedoch stürmisch verehrt.

Im August 1814 verließ Caroline, mit Bewilligung ihres Gemahls, England, bereiste Deutschland, verweilte in Rom und Neapel und begab sich nach Griechenland, Kairo und Jerusalem, worauf sie sich, nach Italien zurückgekehrt, für längere Zeit in der Villa d'Este in Cernobbio am Comer See niederließ.

Abermals verbreiteten sich anstößige Gerüchte über ihren Umgang mit dem italienischen Baron Bartolomeo Pergami, den sie als Kurier in ihre Dienste genommen hatte. Caroline, die sich inzwischen in Pesaro angesiedelt hatte, wurde erneut Ziel der Spionagetätigkeit ihres Gatten, der nach wie vor die Scheidung voranzutreiben suchte.

Die verhinderte Königin[Bearbeiten]

George Hayter, Der Prozess der Königin Caroline, 1820

Als ihr Gemahl 1820 den Thron Englands bestieg, stellte er die Forderung an sie, sich künftig des Namens und der Rechte einer Königin von England zu enthalten und nie nach England zurückzukehren. Sie wies jedoch den Antrag zurück und hielt sogar (6. Juni) unter dem Jubel des Volkes einen triumphierenden Einzug in London.

Nun aber trat Lord Liverpool mit einer Anklage auf Ehebruch im Parlament gegen sie auf, und es begann ein skandalöser Prozess. Fast aus allen Ländern hatte die Regierung Zeugen verschrieben; die öffentliche Stimme aber sprach sich so stark zu Gunsten der von Lord Brougham verteidigten Königin aus, dass man die in zweiter Lesung mit nur sehr kleiner Majorität am 10. November im Oberhaus durchgegangene Strafbill fallen lassen musste. Caroline lebte hierauf zu Brandenburgh House im Genuss königlichen Ranges; von der Krönung ihres Gemahls 19. Juli 1821 wurde sie indes zurückgewiesen, obwohl sie an der Portaltür um Einlass ersuchte.

Sie starb kurz darauf am 7. August 1821 nach dem Genuss eines Glases Limonade, im Glauben, vergiftet worden zu sein. Die wahrscheinlichere Todesursache war vermutlich eine Unterleibserkrankung. Ihre Ärzte behandelten sie dagegen mit gigantischen Dosen von Kalomel, und nur hohe Gaben von Opiaten machten ihr Leben zuletzt noch erträglich. Ihre letzten Worte waren: "Die Ärzte erkennen meine Krankheit nicht. Es sitzt hier" - wobei sie die rechte Hand aufs Herz legte.[4] Ihr Leichnam wurde, ihrem letzten Willen gemäß, nach Braunschweig gebracht und dort im Dom an der Seite ihres Vaters bestattet.

Ihre Tochter Charlotte war als Gemahlin des späteren Königs der Belgier, Leopolds I., schon im November 1817 bei der Geburt eines totgeborenen Sohnes, verstorben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Tagebuch eines Britischen Reisenden oder Denkwürdigkeiten über J.K.H. die Prinzessin Karoline von Wallis, geb. Prinzessin von Braunschweig während der Jahre 1815 bis 1816. Aus dem Italienischen. Sauerländer, Aarau, 1817. Autor ist vermutlich Giuseppe Marocco.
  • Pergami, Bartolomeo Baron von. Historische Denkwürdigkeiten und Aktenstücke aus dem Leben und über den Proceß des Königin Caroline von England. Denkwürdigkeiten des Baron von Pergami. Brockhaus, Leipzig und Altenburg, 1821
  • Karin Feuerstein-Praßer: Caroline von Braunschweig. Englands ungekrönte Königin. Pustet, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7917-2224-5
  • Thea Leitner: Skandal bei Hof. Piper, München 2004, ISBN 3-492-23682-0
  • Marita A. Panzer: Englands Königinnen. Von den Tudors zu den Windsors. Piper, München 2003, ISBN 3-492-23682-0
  • Jane Robins: Rebel Queen – How the Trial of Caroline Brought England to the Brink of Revolution, Pocket Books, London 2007, ISBN 0-7434-7826-6
  • E. Schlüter´: Caroline Amalie Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg, Prinzessin von Wales. In: Christof Römer (Hrsg.): Braunschweig-Bevern, ein Fürstenhaus als europäische Dynastie 1667–1884. Landesmuseum, Braunschweig 1997, ISBN 3-927939-38-2

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thea Leitner: Skandal bei Hof, Ueberreuter, 1993, ISBN 3-8000-3492-1
  2. Panzer S. 203
  3. Robert Nöll von der Nahmer:Bismarcks Reptilienfonds. Mainz 1968, S. 29.
  4. Leitner,T. S.306–307

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Caroline von Braunschweig-Wolfenbüttel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgängerin Amt Nachfolgerin
Charlotte von Mecklenburg-Strelitz Queen Consort des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Irland
1820–1821
Adelheid von Sachsen-Meiningen
Charlotte von Mecklenburg-Strelitz Königin von Hannover
1820–1821
Adelheid von Sachsen-Meiningen