Carrasco, der Schänder

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Carrasco, der Schänder
Originaltitel The Outrage
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1964
Länge 96 Minuten
Altersfreigabe FSK 18
Stab
Regie Martin Ritt
Drehbuch Michael Kanin
Produktion A. Ronald Lubin
Martin Ritt
Musik Alex North
Kamera James Wong Howe
Schnitt Frank Santillo
Besetzung

Carrasco, der Schänder ist ein US-amerikanischer Western des Regisseurs Martin Ritt aus dem Jahr 1964. Michael Kanins Drehbuch basiert auf der japanischen Kurzgeschichte "Rashomon" von Akutagawa Ryunosuke, sowie auf dem Drehbuch der Filmadaption von Akira Kurosawa aus dem Jahre 1950, "Rashomon – Das Lustwäldchen", verfasst von Kurosawa und seinem Co-Autor Shinobu Hashimoto.

Handlung[Bearbeiten]

Im Südwesten der USA treffen drei Männer an einem Bahnhof zusammen und warten gemeinsam auf ihren Zug - ein desillusionierter Priester, ein nörglerischer Goldsucher und ein zynischer Betrüger. Um sich die Zeit zu vertreiben, diskutieren sie den Fall Juan Carrasco. Carrasco ist der meistgesuchte Verbrecher der Gegend, der gerade vom Gericht zum Tode verurteilt wurde wegen Mord an einem Bürger und der Vergewaltigung dessen Frau. Bei der Diskussion stellt sich heraus, dass die Verhandlung durch unterschiedliche Versionen des Hergangs belastet wurde.

Carrasco sagte aus, dass er den Mann fesselte, ihn zwang der Vergewaltigung zuzuschauen und ihn dann in einem Duell tötete. Die Frau hingegen sagte aus, dass sie, nachdem sie von Carrasco vergewaltigt wurde und dieser floh, ihren Mann selbst getötet habe. Dies sei in einem Anfall von Wut geschehen, weil ihr Mann ihr vorwarf, den Banditen zu seiner Tat ermutigt zu haben. Ein alter Indianer sagte aus, der Mann habe sich selber getötet, da er durch die Vergewaltigung seiner Frau gedemütigt war.

Die Männer unterbrechen ihre Diskussion als sie einen Schrei hören. Sie suchen nach der Ursache und finden ein ausgesetztes Baby. Zudem finden sie Gold, das wohl für die Versorgung des Kindes hinterlassen wurde. Als der Betrüger versucht, das Gold zu stehlen, entsteht ein Streit unter den Männern, bei dem sich herausstellt, dass auch der Goldsucher in den Fall Carrasco verwickelt war. Er war Zeuge des Verbrechens, sagte aber nicht aus, da er dem sterbenden Ehemann einen Zierdolch entwendet hatte. Der Goldsucher sagt aus, Carrasco habe die Vergewaltigung bereut und wollte mit der Frau fliehen. Doch die Frau brachte die beiden Männer dazu, um sie zu kämpfen, wobei ihr Ehemann versehentlich auf den Dolch fiel.

Der Goldsucher eröffnet, dass er das Baby annehmen will, obwohl er schon fünf Kinder habe. Der Priester findet seinen Glauben an die Menschlichkeit wieder und kehrt zu seiner Gemeinde zurück.

Kritiken[Bearbeiten]

Das Lexikon des Internationalen Films empfand den Film "trotz beachtlicher darstellerischer und fotografischer Einzelleistungen weder formal noch inhaltlich so abgerundet und überzeugend wie das japanische Vorbild; reizvoll jedoch als cineastisches Experiment."[1]

Die Filmzeitschrift Cinema zog folgendes Fazit: "Packend: Wahrheitsfindung als intellektuelles Drama"[2]

A. H. Weiler von der New York Times schrieb, Ritt und Newman seien harte und unerschrockene Typen, die Aspekte der menschlichen Schwäche zerlegen und damit ein flottes und anspruchsvolles Drama fertigen, das weit von jeder Filmnorm abweiche.[3]

Die Variety beschrieb den Film als akkurate Metamorphose des japanischen Stücks aus dem 12. Jahrhundert in eine Westerngeschichte, in der aus einem Samurai ein amerikanischer Gentleman wird.[4]

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Produktion der MGM wurde am 7. Oktober 1964 in New York uraufgeführt. In Deutschland erschien der Film 1965, unter anderem auch unter dem Titel Ich bin Carrasco.

Michael Kanin und seine Ehefrau Fay schrieben das ursprüngliche Drehbuch Kurosawas zu einem Broadwaystück mit dem Titel Rashomon um, in dem Claire Bloom ihre Filmrolle spielte. Im Gegensatz zu dem Film beließen die Kanins für das Theaterstück den mittelalterlichen Japan-Hintergrund. In der Rolle des Banditen war Rod Steiger zu sehen. Das Stück erschien erstmals 1959.

Der Film ist die vierte von sechs Produktionen, bei denen Regisseur Ritt und Hauptdarsteller Newman zusammenarbeiteten.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carrasco, der Schänder im Lexikon des Internationalen Films
  2. Kritik der Cinema
  3. Kritik der New York Times (engl.)
  4. Kritik der Variety (engl.)