Castell de Sant Ferran

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Castell de Sant Ferran
Festungsansicht

Festungsansicht

Alternativname(n): Castillo de San Fernando
Entstehungszeit: 18. Jahrhundert
Ort: Figueres
Geographische Lage 42° 16′ 26″ N, 2° 56′ 47″ O42.2738888888892.9463888888889Koordinaten: 42° 16′ 26″ N, 2° 56′ 47″ O
Castell de Sant Ferran (Katalonien)
Castell de Sant Ferran

Das Castell de Sant Ferran (kastilisch Castillo de San Fernando) ist die größte Festung Europas aus dem 18. Jahrhundert und das größte Bauwerk Kataloniens.

Lage und Konstruktion[Bearbeiten]

Das Castell de Sant Ferran liegt in exponierter Lage nordwestlich oberhalb der Stadt Figueres auf einem Plateau. Die Bollwerkfestung hat einen Durchmesser von drei Kilometern und erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 32 Hektar.

Die Festung bildet ein unregelmäßiges Achteck und wird von einer doppelten Wehrmauer umschlossen. Dei Verteidigungsanlagen umfassen sechs Bastionen, die mit den sie verbindenden vier Kurtinen im Norden, Süden und Westen sowie dem Stall im Osten den inneren Ring bilden. Vier Bastionen bilden im Norden (Sant Jaume), Nordwesten (Sant Felip), Süden (Sant Dalmau) und Südosten (Sant Narcís) die "Eckpunkte", während zwei weitere Bastionen auf halber Strecke im Osten (Santa Tecla) und Westen (Santa Bárbara) aus den Längsseiten hervor ragen. Vier Ravelins decken im Osten (Roser, Les Ànimes) und Westen (Sant José, Sant Antoni) die Kurtinenmauern sowie den Stall zwischen den Bastionen. Die Kurtinen der Nord- und Südseite sowie die westliche Bastion werden von jeweils einem Hornwerk (Sant Roc, Sant Miquel, Sant Zenó) geschützt. Die Kurtine jedes Hornwerks, in der sich Unterkünfte für die Besatzung befinden, wird ebenfalls durch einen Ravelin gedeckt. Vor den westlichen "Eckbastionen" sind Kontergarden (Sant Pere, Sant Joan) angelegt und vervollständigen den äußeren Verteidigungsring. Ein Grabensystem, das den inneren Verteidigungsring und jedes Element des äußeren Ringes umgibt und voneinander trennt, vervollständigt zusammen mit einem den gesamten Komplex umgebenden gedeckten Weg die Befestigung. Der Zugang zur Festung erfolgt über das südliche Hornwerk "Sant Roc".

Da zum Bau der Festung der gesamte Hügel zunächst planiert und abgetragen wurde, um ein ausreichend großes Areal zu schaffen, steht die Festung größtenteils auf Fels und kann somit kaum durch Unterminierung angegriffen werden. Lediglich auf der schwer gesicherten Westseite ist ein solcher Angriff am Hornwerk "Sant Zenó" teilweise möglich, daher befinden sich dort am äußeren Fuß des Grabens insgesamt fünf gemauerte Minengänge, die wie die Finger einer Hand nach Westen in das Vorfeld hinausragen und in ihrem hinteren Drittel mehrere Quergänge mit Horchkammern an jedem Ende besitzen. Von dort aus konnten Grabungsaktivitäten durch Horchposten erkannt und geortet werden. War die Grabungsrichtung bekannt, konnte die nächstgelegene Horchkammer mit Sprengstoff gefüllt und diese Gegenmine auf kürzesten Abstand gezündet werden. Die Schockwelle brachte dann den feindlichen Tunnel zum Einsturz.

Der militärische Befestigungskomplex besitzt zahlreiche (heute noch erhaltene) Bauwerke, zwei mittlerweile entfernte Zugbrücken und einen großen Waffenhof. In den vier Zisternen unterhalb des Waffenhofs konnte jeweils ein Wasservorrat von zehn Millionen Litern gespeichert werden. Jede Zisterne ist über einen zentralen Verbindungsgang erreichbar, über den sie bei Bedarf auch geleert werden kann, kann separat gefüllt werden und besitzt einen eigenen Brunnenschacht für die Wasserentnahme (insgesamt vier Brunnen an den Ecken des Waffenhofes). Das Wasser kommt über eine Wasserleitung von außerhalb der Anlage gelegenen Quellen. Der Militärkomplex war für eine Stammbesatzung von 6000 Soldaten und 500 Pferde ausgelegt. Um den Waffenhof herum befinden sich die Quartiere des Kommandanten, der Offiziere und der Spezialisten. Besonders beeindruckend ist der riesige Pferdestall, der als Kasematte in der östlichen Mauer angelegt ist und einen Zugang zum Festungsgraben besitzt.

Geschichte[Bearbeiten]

Artilleriegeschütze flankieren einen Gedenkstein an den Heiligen Ferdinand
Kavallerie-Stallung
Zugangsbereich

Die Festung Castell de Sant Ferran wurde 1753 als Ersatz für an Frankreich gefallene, weiter nördlich gelegene Grenzfestungen unter anderem von den Militärachitekten Pedro Martín Cermeño und Juan Martín Cermeño geplant und diente gleichsam zum Schutz vor den Franzosen. Nach 13-jähriger Bauzeit war die Festung fertiggestellt und wurde nach König Ferdinand, dem Heiligen benannt. Während des Napoleonischen Krieges wurde die Festung von den Franzosen erobert und militärisch besetzt. Der als Held der Region geltende vormalige Verteidiger Gironas, General Alvarez de Castro, starb innerhalb der Festung in Napoleonischer Gefangenschaft. Die Festung wurde später von spanischen Truppen zurückerobert.

Zu Beginn des Spanischen Bürgerkriegs diente Sant Ferran den Internationalen Brigaden als Munitionslager und Depot für Kunstwerke. Auch zahlreiche Kunstwerke aus dem Prado in Madrid wurden während des Bürgerkrieges innerhalb der Festungsmauern untergebracht, um sie vor der möglichen Zerstörung zu bewahren. In der Festung fand im Februar 1939 die letzte Sitzung des arg dezimierten republikanischen Parlaments statt, dessen Mitglieder sich bereits auf der Flucht vor Francos Truppen befanden. Die beiden Munitionsdepots der Festung wurden durch die Republikaner gesprengt, um die Munition nicht den Franquisten zu überlassen, dabei wurden das eigentliche, in der südöstlichen Kurtinenmauer gelegene, Haupttor der Festung sowie das Hospital samt der nordöstlichen Hälfte des Stalls vollständig zerstört, wodurch der innere Ring gebrochen und die Festung als militärisches Bollwerk unbrauchbar wurde. Der Schaden wurde nie behoben.

Nach Ende des Bürgerkrieges wurde die Festungsanlage durch das Franco-Regime übernommen und als militärische Ausbildungseinrichtung sowie Munitionsdepot genutzt. Seit 1966 wurde das Castell de Sant Ferran nicht mehr primär militärisch genutzt und diente zwischenzeitlich unter anderem als Gefängnis. Die Verantwortlichen des Militärputsches vom 23. Februar 1981 wurden hier inhaftiert. 1991 wurde das Gefängnis geschlossen und die Festung nicht weiter genutzt.

Kulturhistorisches Monument[Bearbeiten]

Künstlerische Hommage an Salvador Dalí

Die Festung Castell de Sant Ferran wurde im Jahre 1949 zum kulturhistorischen Monument erklärt. Seit 1997 ist der ehemalige Militärkomplex der Öffentlichkeit zugänglich und wird in Teilen restauriert.

Besichtigung[Bearbeiten]

Besucher können nach Voranmeldung an einer geführten Tour teilnehmen (auf Englisch, Spanisch, Katalanisch oder Französisch), die eine Rundfahrt durch das Grabensystem, einen Besuch der Minengänge und eine Schlauchbootfahrt durch eine der Zisternen umfasst, außerdem ist eine Audioführung (mit Kopfhörern) im Angebot. Der innere Festungsbereich sowie das Hornwerk "Sant Roc" können auch eigenständig besucht und - unter Beachtung der gesperrten Zonen - erkundet werden. Die Ravelins, Kontergarden und die Hornwerke "Sant Miguel" und "Sant Zenó" sowie das Grabensystem und das Innere der Gebäude sind aufgrund aktueller Nutzung oder aus Sicherheitsgründen die Bausubstanz betreffend nicht zugänglich.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Im Jahre 1927 leistete der surrealistische Maler, Grafiker, Schriftsteller, Bildhauer und Bühnenbildner Salvador Dalí im Castell de Sant Ferran seinen Wehrdienst.

Literatur[Bearbeiten]

  • Joan Manuel Alfaro Guixot: El castell de Sant Ferran de Figueres, Figueres, Les Fortaleses Catalanes, 2007 (katalanisch)
  • Carlos Díaz Capmany: El castell de Sant Ferran de Figueres: la seva història, Barcelona, Generalitat de Catalunya (spanisch und katalanisch)
  • Carlos Díaz Capmany: "Les obres per instal·lar el penal de Figueres a la fortalesa de Sant Ferran", Annals de l'Institut d'Estudis Empordanesos, 32 (1999), 193-214 (katalanisch)
  • Carlos Díaz Capmany: "Obres al castell de Sant Ferran després de la voladura de l'any 1939", Annals de l'Institut d'Estudis Empordanesos, 33 (2000), 167-189 (katalanisch)
  • Carlos Díaz Capmany: "L'artilleria i el castell de Sant Ferran de Figueres", Annals de l'Institut d'Estudis Empordanesos, 34 (2001), 401-422 (katalanisch)
  • Carlos Díaz Capmany: "La construcció de la plaça forta de Sant Ferran a Figueres", Annals de l'Institut d'Estudis Empordanesos, 36 (2003), 265-295 (katalanisch)
  • Carlos Díaz Capmany: "La fortalesa de Sant Ferran de Figueres i l'aigua", Annals de l'Institut d'Estudis Empordanesos, 37 (2004), 257-279 (katalanisch)
  • Carlos Díaz Capmany: "Els enginyers de la fortalesa de Sant Ferran de Figueres", Annals de l'Institut d'Estudis Empordanesos, 38 (2005), 279-302 (katalanisch)
  • Pablo de la Fuente: "Anàlisi d'alguns aspectes sobre la concepció teòrica del projecte del castell de Sant Ferran", Annals de l'Institut d'Estudis Empordanesos, 29 (1996), 177-190 (katalanisch)
  • Albert Testart i Guri: "La premsa del castell de Sant Ferran de Figueres durant l'època franquista", Annals de l'Institut d'Estudis Empordanesos, 37 (2004), 345-370 (katalanisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Castell de Sant Ferran – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien