Castelvecchio

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Castelvecchio

Castelvecchio war das Kastell der Scaliger in Verona. Seit 1923 beherbergt das Gebäude ein Museum.

Geschichte[Bearbeiten]

Cangrande II. della Scala ließ das Castelvecchio von 1354–1356 errichten[1]. Eine 1355 über die Etsch errichtete Brücke sicherte den Burgbewohnern den Fluchtweg in die benachbarten Besitzungen der Scaliger. 1375 wurde der Turm über dem Torbogen errichtet und gleichzeitig eine Verbindung zur Brücke geschaffen. Diese Brücke wurde 1945 gesprengt und später durch einen Neubau ersetzt. In den folgenden Jahrhunderten wurde das Gebäude mehrfach verändert. Die Venezianer nutzten das Castel als Festung, auch als Lagerhaus, den französischen und österreichischen Besatzern diente es als Kaserne. Seit 1923 wird das Castelvecchio als Museum genutzt. Bei den dabei vorgenommenen baulichen Veränderungen, wurde massiv in die überkommene Baustubstanz und -struktur eingegriffen wurde. Im Sinne des Historismus orientierte man sich einerseits an Bauformen der Renaissance, verwendete andererseits Material von den Überresten der im Krieg in Verona zerstörten Paläste. Von 1958 bis 1964 wurde das Museum vom italienischen Architekten Carlo Scarpa umgebaut.

Das Museum[Bearbeiten]

Gezeigt werden Werke der Veroneser Malerei von der Gotik bis ins 17. Jahrhundert, mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Kunst der Renaissance. Darunter sind Werke von Stefano da Verona, Pisanello, Giovanni und Francesco Caroto oder Liberale da Verona. Außerdem besitzt das Museum mehrere bedeutende Werke der venezianischen Malerei, darunter Werke von Mantegna, Jacopo, Giovanni und Gentile Bellini, Carlo Crivelli, Jacopo Tintoretto, Tizian, Paolo Veronese und Tiepolo.

Das Reiterstandbild des Cangrande della Scala[Bearbeiten]

Cangrande della Scala

Das Museum beherbergt außerdem einige hervorragende lebensgroße Standbilder. Das berühmteste ist der sogenannte „Lächelnde Ritter zu Pferde“ aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, Francesco della Scala, mit Kriegsnamen Cangrande della Scala. Diese zwei Meter hohe Reiterstatue stand ursprünglich auf dem Areal der Skaligergräber und sie ist zum Schutz später hierhin verlegt worden, nachdem ein Blitz sie zu Boden geschleudert hatte.

Die Statue zeigt einen originellen Zuschnitt: das Pferd steht still, aber eine lange, wie vom Wind zurück geblähte Satteldecke erweckt den Eindruck von lebhafter Bewegung. Dasselbe gilt vom Kopf des Tieres und von der Seitenansicht des Ritters, dessen großer heraldischer Helm schräg über der Schulter hängt. Das Tier ist völlig bedeckt mit einer fein ornamentierten Decke, die die ganze Kunst der Veroneser Steinmetzen um 1330 beweist.

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Berühmt wurde diese Statue wegen des ungewöhnlichen spöttischen Lächelns des Ritters, einer Geste, die bei Grabmälern sonst nicht üblich ist. Kurz gesagt ist es eine ritterliche Selbstbehauptung gegen die daseinsfeindliche Sichtweise der Kirche. Hier zeigt sich eine Tendenz, deutlich und mit Nachdruck gegen eine damalige Lehrmeinung der Kirche vorzugehen, die im 14. Jahrhundert den Tod und den verwesenden Leichnam als abschreckendes Bild gegen die Versuchungen und Genüsse des Lebens eingesetzt hatte, als ständiges „Memento mori“, – und die ihre Toten unter liegenden Grabplatten beerdigte.

Die Ritter der damaligen Zeit propagierten dagegen ein anderes Bild, das eher zum Ruhm des Helden und zur höfischen Kultur passte, indem der Sieg über den Tod gefeiert wurde. Man orientierte sich dabei besonders an den Heldenliedern, die aus Frankreich und Deutschland durch das Etschtal gekommen waren, an Gestalten wie Roland und Parsifal. In der Tradition solcher Helden sahen sich die della Scala, die ihre Toten nicht unter einer liegenden Platte beerdigten, sondern – wie hier – lächelnd und hoch zu Ross

Literatur[Bearbeiten]

  • Duby, Georges: Die Zeit der Kathedralen. Kunst und Gesellschaft 980-1420 [1976]. Frankfurt am Main [1992] 2. Auflage 1994, S. 432-435. ISBN 3518286110
  • Reclams Kunstführer. Italien Bd 2. Oberitalien Ost. Bearb. von Erich Egg, Erich Hubala u.a. Stuttgart: Reclam 1965. S. 1083-1084.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Offizielle Museumsseite (engl.)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Castelvecchio (Verona) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

45.43972222222210.987777777778Koordinaten: 45° 26′ 23″ N, 10° 59′ 16″ O