Catch-22

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Roman Catch-22, zu anderen Bedeutungen siehe Catch 22.

Catch-22 ist der Titel des 1961 erschienenen ersten Romans von Joseph Heller über die Absurdität des Krieges und die Dummheit der Militär-Maschinerie. Das anfangs wenig erfolgreiche Buch wurde erst durch Mundpropaganda und Weitergabe und Empfehlung des Buches durch begeisterte Leser zu einem Welterfolg. Heller schrieb bereits 1953 das erste Kapitel des Romans, das 1955 unter dem Titel „Catch-18“ in New World Writing #7 veröffentlicht wurde. Um Verwechslungen mit Leon Uris’ Roman „Mila 18“ zu vermeiden, der ebenfalls 1961 erschien, wurde der Roman dann in „Catch-22“ umbenannt. Das Magazin Time zählt diesen Roman zu den besten 100 englischsprachigen Romanen, die zwischen 1923 und 2005 veröffentlicht wurden.

Auf Deutsch wurde der Roman anfangs unter dem Titel Der IKS-Haken veröffentlicht, nach der Verfilmung erschien er in Westdeutschland dann unter dem Originaltitel Catch-22, die DDR-Ausgaben blieben beim ursprünglichen deutschen Titel.

Inhalt[Bearbeiten]

In einem kurzen Vorwort erklärt Yossarian, dass er von nun an nur noch an sich selbst denken werde. Nachsichtig bedeutet ihm sein Vorgesetzter Major Danby, wozu das führen würde, wenn jeder nur noch an sich selbst denke. Doch Yossarian meint schlagfertig, dass er dann nicht der einzige sein wolle, der nicht an sich selbst denke.

Im Roman Catch-22 versucht Captain (Hauptmann) John Yossarian, im Zweiten Weltkrieg als Bombenschütze einer North American B-25 der US-Army Airforce auf der Insel Pianosa im Mittelmeer stationiert, sein eigenes Leben vor verschiedenen irrealen und realen Bedrohungen zu schützen, indem er sich krankschreiben lässt oder versucht, durch Sollerfüllung nach Hause geschickt zu werden. Das Soll an notwendigen Feindflügen wird jedoch kontinuierlich erhöht.

Die andere Möglichkeit, nämlich durch eine Krankschreibung nach Hause zu dürfen, macht aber eine obskure Regel, genannt Catch-22, mit paradoxen Begründungen unmöglich. So kann beispielsweise nur nach Hause geschickt werden, wer geisteskrank ist und selbst danach verlangt. Wer aber selbst verlangt, nach Hause geschickt zu werden, kann nicht geisteskrank sein und wird entsprechend nicht nach Hause geschickt. Schließlich ist der Wunsch, sein Leben durch Drücken vor dem Kriegsdienst zu retten, ein Beweis für das tadellose Funktionieren des Verstandes.

Beim Truppenarzt Doc Daneeka, der dauernd um seine eigene Gesundheit besorgt ist, eruiert Yossarian die Möglichkeiten, wegen Verrücktheit fluguntauglich geschrieben zu werden, weil er bei seinen Einsätzen immer schreckliche Angst habe. Doch Doc Daneeka klärt ihn auf, dass es völlig normal sei, bei einem Feindflug verrückt vor Angst zu sein. Hätte er allerdings bei einem Feindflug keine Angst, wäre er verrückt und müsste auf dem Boden bleiben. Da beginnt Yossarian, den tieferen Sinn von Catch-22 zu begreifen.

Catch-22 existiert eigentlich gar nicht (dies macht aber keinen Unterschied, solange alle daran glauben), wird aber trotzdem als Rechtfertigung für verschiedene Ungerechtigkeiten und Widersprüchlichkeiten bemüht – eines von vielen Beispielen für die sarkastische Art und Weise, mit welcher die Dummheit des Systems und seiner Jünger zur Schau gestellt werden. Catch-22 ist der hinterhältige Trick eines absurden Systems (verkörpert durch die US Air Force und ihre verrückten Stabsoffiziere), den Einzelnen (verkörpert durch den geistig gesunden Yossarian) immer als Verlierer dastehen zu lassen.

Die Motivation anderer Romanfiguren, am Krieg teilzunehmen, ist unterschiedlicher Natur: Colonel Cathcart will in einem Kriegsberichterstatter-Magazin erwähnt werden, General Peckem will durch elegante Memoranda befördert werden, Colonel Scheisskopf will Paraden abhalten und wird wegen deren Perfektion schließlich zum General befördert, Milo Minderbinder möchte ein Schwarzmarkt-Kartell aufbauen, und Hungry Joe möchte nackte Frauen fotografieren - während Yossarian einfach nur mit heiler Haut aus dem Krieg herauskommen möchte.

Krieg wird als absurd dargestellt, da alle Ideale des Kriegs als absurd entlarvt werden (Patriotismus, Nationalismus, Kriegsindustrie, der Glaube, Gott auf seiner Seite zu haben, Heldentum, Obrigkeitsdenken). Insgesamt gesehen beziehen sich die Angriffspunkte des Romans weniger auf den konkreten Zweiten Weltkrieg, sondern eher auf die USA der 1950er-Jahre. Besondere Aktualität bekam das Buch durch den Vietnamkrieg, für den das Element der Absurdität besser zutrifft.

Romanfiguren[Bearbeiten]

Yossarian ist in vielen unterschiedlichen Weisen beschrieben und gedeutet worden: als ewig Unschuldiger in der Tradition von Huckleberry Finn und Josef Schwejk, als Symbol humanistischen Glaubens, als Antiheld in einer kranken Welt. Wichtige Charakterzüge sind seine Fleischeslust, Paranoia, Subversivität (schwingt auch im Namen mit und wird im Buch mehrfach festgehalten), Egoismus, soziale Verantwortung und Aufwieglerei.

Milo Minderbinder ist ein brillanter, nur scheinbar irrsinniger „Mess Officer“ (also zuständig für die Verpflegung) von Yossarians Truppe auf Pianosa. Er baut mit den Mitteln der Truppe (er leiht sich Bomber und benutzt sie als Transportflugzeuge) einen weltumspannenden Schwarzmarkt (genannt M & M Enterprises) für alles von ägyptischer Baumwolle, Fallschirmseide bis Morphin aus Erste Hilfe-Kästen auf. Milo ist eigentlich ein sehr moralischer Mensch, dessen stärkster Charakterzug aber seine Profitgier ist. Sein schlechtes Gewissen beruhigt er, indem er gegenüber sich selbst argumentiert, nicht er, sondern die Allgemeinheit hätte Vorteile („und jeder hat seinen Anteil“). Milo ist eine parodistische Übertreibung des gewöhnlichen Kapitalismus. Als eine Art Superkapitalist ohne jede Ideologie unterstützt er Freund oder Feind, je nachdem, welche Seite gerade mehr zahlt. Milo Minderbinder übernimmt so Aufträge, seine eigenen Truppen zu bombardieren und verkauft Überschussmaterialien an die Deutschen (eigentlich der Feind, Zitat: „Doch die Deutschen sind angesehene Mitglieder des Syndikats. […] doch zahlen sie ihre Rechnungen sehr viel prompter als etliche unserer Alliierten.“). Das beste an seinem System ist, dass alle davon profitieren, wenn er sich selbst Dinge verkauft und krumme Geschäfte macht (z. B. versucht er, mit Schokolade überzogene Baumwolle als Schokoriegel zu verkaufen), denn „everyone has a share“.

Orr ist der scheinbar Verrückteste. Er wirkt harmlos und naiv. Aber dennoch ist er es, dem es als einzigem letztlich gelingt, den Kriegsirrsinn auszutricksen. Während annähernd alle anderen Freunde Yossarians im Laufe des Romans ums Leben kommen, überlebt Orr; seine ständigen Bruchlandungen sind für ihn ein Training für seinen offenbar langfristig geplanten Coup: Er flieht, indem er sein Flugzeug notwassert und mit dem Ein-Mann-Rettungsboot nach Schweden paddelt. Dies erfährt Yossarian – und mit ihm die Leser – erst am Schluss. Diese surreale Schlusspointe betont noch einmal den ebenfalls surrealen Charakter des Geschehens, ohne dass dadurch die packende Kritik des Romans am höchst realen Wahnsinn des Krieges geschmälert würde.

Fortsetzung[Bearbeiten]

1994, 33 Jahre nach Catch-22 (1961) erschien mit Closing Time (dt: Endzeit) die Fortsetzung, welche dieselben Figuren (zumindest die Überlebenden) im Alter zeigt.

Verfilmung[Bearbeiten]

1970 wurde Catch-22 von Mike Nichols verfilmt. Es spielten unter anderem Orson Welles (General Dreedle), Anthony Perkins (Kaplan Tappman), Jon Voight (Milo Minderbinder), Martin Sheen (Dunbar), Art Garfunkel (Nately) und Alan Arkin (Yossarian). Der deutsche Titel lautet Catch-22 – Der böse Trick. Der Film gilt als Literaturverfilmung einer schwierigen Vorlage. Die auf den ersten Blick „chaotisch“ wirkende Romanhandlung wurde durch die Kontrastierung von Komik und Grauen, von explosiver Gewalt und Alltagsbanalitäten umgesetzt. Die wiederkehrenden Rückblenden auf das traumatisierende Schlüsselerlebnis Yossarians – den Tod des erst 17-jährigen Soldaten Snowden – lassen seine Entwicklung zum quasi „Verrückten“ plausibel erscheinen. Der Film wurde in die Reihe der „50 wichtigsten Filme“ der Süddeutschen Zeitung aufgenommen.

Adaption[Bearbeiten]

Der Erfolg des Romans führte dazu, dass der Begriff zur Bezeichnung derartig paradoxer Situationen in die englische Sprache übernommen wurde.

Ausgaben[Bearbeiten]

deutsch