Cavafilter

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Vena-Cava-Filter (Günther-Tulip-Filter)

Cavafilter (auch Vena-Cava-Filter) sind feine selbstexpandierbare und selbstfixierende Metallkonstruktionen, die Blutgerinnsel, die durch Wanderung aus den Venen der unteren Körperhälfte in die Lungenstrombahn gelangen (Lungenembolie) und zu einem akuten tödlichen Rechtsherzversagen führen können, an ungefährlicherer Stelle in der unteren Hohlvene (Vena cava inferior) auffangen.

Cavafilter sind in der Regel keine primäre Technik zur Prävention von Lungenembolien, sondern dann sinnvoll, wenn es trotz ausreichender medikamentöser Antikoagulation zum Lungenembolierezidiv kommt oder wenn bei schwerer Lungenembolie eine Antikoagulation kontraindiziert ist. Cavafilter werden in der Regel in der Vena cava inferior unterhalb der Niere platziert, seltener oberhalb dieser und am seltensten in der oberen Hohlvene. Sie bieten allerdings keinen absoluten Schutz vor Lungenembolien.

Es gibt heute permanente und wieder entfernbare (optionale) Filter. Die Implantation von Cavafiltern erfolgte ursprünglich operativ (Mobin-Uddin-Filter 1967, Kim-Ray-Greenfield-Filter 1973), später perkutan ohne Operation in örtlicher Betäubung über eine Vene der Leiste oder des Halses (Simon-Nitinol-Filter 1977, Bird’s nest filter 1980, Basket-Filter 1985, LGM-Filter).

Aufgrund der Ergebnisse der PREPIC-Studie (Decousus et al. 2005), die auf die längerfristigen Probleme der chronisch venösen Insuffizienz bei Cavafiltern hinwiesen, wurde der Trend zu entfernbaren Filtern gestärkt. Nachdem früher ein Zeitfenster von 14 Tagen angenommen wurde, hat sich die Filter-Entfernung auch nach längerer Zeit als möglich erwiesen. Nach dem ersten wieder entfernbaren Filter (Günther-Tulip-Filter 1992) folgten weitere wie Recovery-Filter, OptEase-Filter, ALN-Filter und Celect-Filter. Derartige Filter lassen sich auch nach längerer Zeit aus der unteren Hohlvene ohne Operation in örtlicher Betäubung wieder entfernen, wenn sie frei von größeren Blutgerinnseln und nicht zu fest in die Cavawand eingewachsen sind.

Literatur[Bearbeiten]

  • K. Mobin-Uddin, R. McLean, H. Bolooki, J. R. Jude: Caval interruption for prevention of pulmonary embolism. Long-term results of a new method. In: Archives of Surgery Band 99, Nummer 6, Dezember 1969, S. 711–715, ISSN 0004-0010. PMID 5370194.
  • L. J. Greenfield, J. R. McCurdy, P. P. Brown, R. C. Elkins: A new intracaval filter permitting continued flow and resolution of emboli. In: Surgery. Band 73, Nummer 4, April 1973, S. 599–606, ISSN 0039-6060. PMID 4690105.
  • J. M. Neuerburg, R. W. Günther, D. Vorwerk, R. F. Dondelinger, H. Jäger, K. J. Lackner, H. H. Schild, G. R. Plant, F. G. Joffre, P. A. Schneider, J. H. Janssen: Results of a multicenter study of the retrievable Tulip Vena Cava Filter: early clinical experience. In: Cardiovascular and interventional radiology. Band 20, Nummer 1, 1997 Jan-Feb, S. 10–16, ISSN 0174-1551. PMID 8994718.
  • PREPIC study group : Eight-year follow-up of patients with permanent vena cava filters in the prevention of pulmonary embolism: the PREPIC (Prevention du Risque d'Embolie Pulmonaire par Interruption Cave) randomized study. In: Circulation. Band 112, Nummer 3, Juli 2005, S. 416–422, ISSN 1524-4539. doi:10.1161/CIRCULATIONAHA.104.512834. PMID 16009794.
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