Cellules Communistes Combattantes

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Logo der CCC

Die Cellules Communistes Combattantes (CCC) (deutsch: Kämpfende kommunistische Zellen) waren eine in der Mitte der 1980er Jahre in Belgien aktive, linksterroristische Gruppe. Sie war für 24 Anschläge verantwortlich.

Geschichte[Bearbeiten]

Die CCC wurde im Juni 1983 unter Beteiligung des ehemaligen Mitglieds der französischen Action directe Pierre Carette gegründet. Öffentlich in Erscheinung trat sie erstmal am 2. Oktober 1984 mit einem Anschlag auf eine Niederlassung von Litton Industries in Evere. In einem per Flugblatt verbreiteten Bekennerschreiben kündigte die bis dahin unbekannten CCC „eine organisierte Praxis des bewaffneten politisch-militärischen Kampfes“[1] in Belgien an. Der Anschlag stellte den Auftakt einer von der CCC als „antiimperialistischen Oktoberkampagne“ bezeichneten Anschlagsserie gegen die NATO und Unternehmen, die von der CCC dem militärisch-industriellem Komplex zu geordnet wurden. Die CCC begründete diese mit dem NATO-Doppelbeschluss und kritisierten den Pazifismus der Friedensbewegung. Die belgische Polizei reagierte am 19. Oktober erfolglos mit der „Operation Mammut“, der Durchsuchung von 120 Häusern und Wohnungen von Angehörigen des linken und linksextremen Milieus, auf die fünf bis dahin erfolgten Anschläge. Mit einem Anschlag auf eine Einrichtung der NATO in Stint-Stevens-Woluwee (Zaventem) am 15. Januar 1985 beendete die CCC ihre Kampagne.

Unter dem Titel „Zum bewaffneten Kampf“ veröffentlichte sie am 1. Mai 1985 ihre ideologischen Ansichten und begleitet dies mit einem Anschlag auf die belgische Arbeitgebervertretung, bei dem zwei Feuerwehrmänner starben. In der Folge sah sich die CCC zunehmend einer feindlich gesinnten Öffentlichkeit gegenüber.

Am 8. Oktober beginnen die CCC ihre zweite Anschlagsserie, die Kampagne „Karl Marx“. Rechtfertigung für die Anschläge gegen Unternehmen, Wirtschaftsverbände und staatliche Einrichtungen liefert die soziale Frage. Parallel zu dieser beginnen sie eine Kampagne „Pierre Akkerman“, in deren Rahmen sie - als Fortsetzung der „antiimperialistischen Oktoberkampagne“ - Anschläge gegen Einrichtungen des Militärs, der NATO und eine Bank verübt. Ziel ist die Bekämpfung des „bürgerlichen Militarismus und des kleinbürglichen Pazifismus“.[2] Die Kampagne wurden durch einen erneuten Anschlag gegen das Central Europe Pipeline System der NATO am 6. Dezember 1985 beendet.

Am 16. Dezember wurden vier führende Mitglieder des CCC in Namur verhaftet. Dies erwies sich in der Folge als entscheidender Schlag gegen den CCC. Versuche den CCC wiederaufzubauen, scheiterten. Im Sommer 1986 löste sich schließlich auch die Unterstützerorganisation Ligne Rouge auf. Die vier Inhaftierten traten zweimal gegen ihre Haftbedingungen in den Hungerstreik. Sie wurden im Dezember 1988 zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Carette wurde im Februar 2003 als letztes inhaftiertes Mitglied der CCC entlassen.

Ideologie und Ausrichtung[Bearbeiten]

Die CCC vertraten einen orthodoxen Marxismus-Leninismus, den sie mit dem Konzept der Stadtguerilla verbanden. Ihre Anschläge zielten auf Sachschaden. Um Tote und Verletzte zu vermeiden, erfolgte im Vorfeld von Anschlägen mittels Flugblätter oder Telefonanruf eine Warnung. Im Gegensatz zur Action directe und der deutschen Rote Armee Fraktion verübte die CCC keine Mordanschläge gegen führende Personen der Wirtschaft oder des Staates. Die Anschläge waren einzelnen Kampagnen zugeordnet und von ausführlichen Bekennerschreiben begleitet.

Die CCC unterhielt Kontakte zu anderen linken Untergrundorganisationen in Europa und arbeitete unter anderem mit der Action directe und der Rote Armee Fraktion logistisch zusammen. Einer von der RAF 1985 initiierten „Antiimperialistische Front westeuropäischer Guerillas“ schloss sich die CCC jedoch wegen ideologischer Differenzen nicht an.

Anschläge[Bearbeiten]

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Zeit Anschlag Ort
02.10.1984 Anschlag auf das US-Unternehmen Litton Industries Evere
03.10.1984 Anschlag auf die deutsche Unternehmung MAN AG Groot-Bijgaarden
08.10.1984 Anschlag auf Honeywell Evere
15.10.1984 Anschlag auf das neoliberale Paul Hymans Institut Elsene
17.10.1984 Anschlag auf ein Büro der Partei CVP Gent
26.10.1984 Anschlag auf eine Kaserne der belgischen Armee Bierset
11.12.1984 Anschläge auf das Pipeline-Netz der NATO Estival, Gages, Gastuche, Glaaien und Ittre
15.01.1985 Anschlag auf die NATO Unterabteilung SHAPE Woluwe-Saint-Lambert
01.05.1985 Anschlag auf den belgischen Unternehmer-Verband
06.05.1985 Anschlag auf eine belgische Polizeistation Woluwe-Saint-Lambert
08.10.1985 Anschlag auf die belgische Firma Sibelgaz Laeken
12.10.1985 Anschlag auf die belgische Firma Fabrimetal Charleroi
04.11.1985 Anschlag auf die belgische Firma BBL Etterbeek
04.11.1985 Anschlag auf Manufacturers Hanover Corporation
04.11.1985 Anschlag auf die belgische Bank 'Generale Bank' Charleroi
05.11.1985 Anschlag auf die belgische Bank 'Kredietbank' Leuven
05.11.1985 Anschlag auf Motorola Watermael-Boitsfort
04.12.1985 Anschlag auf die US-Bank Bank of America Antwerpen
06.12.1985 Anschlag auf das Pipeline-Netz der NATO Wortegem-Petegem

Aktionen im Gefängnis[Bearbeiten]

  • Mai 1986: Die Gefangenen beginnen einen Hungerstreik gegen ihre Haftbedingungen. Der Hungerstreik wurde nach 43 Tagen beendet, nachdem das Ministerium zugesagt haben solle, Post zuzulassen und Besuche zu genehmigen, aber diese Zusagen nicht eingehalten habe.
  • September 1988: Der Prozess gegen die Gefangenen steht unmittelbar bevor. Sie nehmen einen neuen Hungerstreik auf.
  • Hungerstreik von 1988 wird in der Schweiz, in Deutschland und Dänemark mit internationalen Protestaktionen begleitet. Das Ministerium gibt den Forderungen der Gefangenen nach, zu dem Zeitpunkt, da sie zu lebenslangem Gefängnis verurteilt werden.
  • 1992 flieht Bertrand Sassoye mit anderen Gefangenen aus dem Gefängnis, wird aber schon bald wieder gefasst.
  • 1995 beginnt nach belgischem Recht die Möglichkeit auf Freilassung auf Bewährung, die zuständigen Ausschüsse spielen zusehends auf Zeit, zwischenzeitlich haben die Gefangenen einen Zeitraum hinter Gittern verbracht, der sonst nur für Rückfällige in Belgien Anwendung findet. Pascale Vandegeerde ist zeitweilig die älteste Gefangene in einem belgischen Gefängnis. Als Möglichkeit freizukommen offeriert man den Gefangenen, öffentlich von ihren politischen Positionen abzuschwören, um das Bewährungsverfahren zu beschleunigen. Dies lehnen die Gefangenen ab.

Literatur[Bearbeiten]

  • Barbara Fendt, Susanne Schäfer: Orthodoxer marxismus und Antiimperialismus: Die Belgischen Kommunistischen Zellen. In: Alexander Straßner (Hrsg.): Sozialrevolutionärer Terrorismus. Wiesbaden 2008, S. 189–208.
  • Jos Vander Velpen, De CCC, de staat en het terrorisme. EPO, Berchem 1987.
  • Rote Hilfe Schweiz, Cellules Communistes Combattantes: Zu ihrer Geschichte, bewaffneter Kampf, Knast, Perspektive. Zürich 2005.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Zitiert nach: Barbara Fendt, Susanne Schäfer: Orthodoxer marxismus und Antiimperialismus: Die Belgischen Kommunistischen Zellen. In: Alexander Straßner (Hrsg.): Sozialrevolutionärer Terrorismus. Wiesbaden 2008, S. 199.
  2. Zitiert nach: Barbara Fendt, Susanne Schäfer: Orthodoxer marxismus und Antiimperialismus: Die Belgischen Kommunistischen Zellen. In: Alexander Straßner (Hrsg.): Sozialrevolutionärer Terrorismus. Wiesbaden 2008, S. 204.