Cem Özdemir
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Cem Özdemir (* 21. Dezember 1965 in Bad Urach) ist ein deutscher Politiker und Bundesvorsitzender der Partei Bündnis 90/Die Grünen.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Leben und Beruf
Özdemir ist der Sohn einer türkischen Gastarbeiterfamilie; er nahm 1983 die deutsche Staatsbürgerschaft an. Nach der Mittleren Reife machte er eine Ausbildung zum Erzieher. Anschließend erwarb er die Fachhochschulreife und absolvierte ein Studium der Sozialpädagogik an der „Evangelischen Fachhochschule für Sozialwesen Reutlingen“ (heute Evangelische Hochschule Ludwigsburg), das er als Diplom-Sozialpädagoge (FH) beendete. Seit 1987 war Özdemir als Erzieher und freier Journalist tätig. Özdemir ist ein säkularer Muslim[1] und mit der aus Argentinien stammenden Journalistin Pia Maria Castro verheiratet; das Paar hat zwei Kinder.
2003 war Özdemir Transatlantic Fellow des German Marshall Fund of the United States.[2] In dieser Zeit hielt er u. a. Brownbag-Lesungen an der University of Madison im US-Bundesstaat Wisconsin[3] zur Rolle der Türkei in Europa.
[Bearbeiten] Partei
Özdemir ist seit 1981 Mitglied der Grünen. Er hat seine politische Heimat im Grünen-Kreisverband Ludwigsburg.[4] Von 1989 bis 1994 war er im Grünen-Landesvorstand von Baden-Württemberg. 1992 zählte er zu den Mitbegründern von Immi-Grün – Bündnis der neuen InländerInnen.
Am 2. Juni 2008 kündigte Özdemir seine Kandidatur für den Bundesvorsitz seiner Partei an.[5] Gegenkandidat Özdemirs für die im November angesetzte Wahl war Volker Ratzmann, Grünen-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus von Berlin,[6] der jedoch aus privaten Gründen seine Kandidatur am 4. September 2008 aufgab.
Im Vorfeld der Wahl zum Bundesvorsitzenden bewarb sich Özdemir auf dem Landesparteitag der Grünen Baden-Württemberg um einen aussichtsreichen Listenplatz für die Bundestagswahl 2009. Er unterlag dabei in zwei Kampfkandidaturen seinen parteiinternen Gegenkandidaten.[7] Özdemir hielt dennoch an seiner Kandidatur für den Parteivorsitz fest.[8]
Seit 15. November 2008 ist Özdemir - neben der wiedergewählten Claudia Roth - einer von zwei Bundesvorsitzenden der Partei. Er wurde mit 79,2 Prozent der Delegiertenstimmen gewählt.[9].
[Bearbeiten] Abgeordneter
[Bearbeiten] Bundestagsabgeordneter
Von 1994 bis 2002 war Özdemir Mitglied des Deutschen Bundestages. Seit 1998 war er dort innenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen.
Dieses Amt legte er am 26. Juli 2002 nieder, nachdem Veröffentlichungen über einen günstigen Privatkredit von PR-Berater Moritz Hunzinger [10] und die unzulässige Verwendung dienstlich erworbener Bonus-Meilen Aufsehen erregt hatten. Ebenso erklärte er seinen Rückzug aus dem Bundestag.[11] Die Kandidatur für die Bundestagswahl 2002 konnte er wegen einer bereits erteilten Zustimmung nicht mehr zurückziehen, aber nach seiner Wiederwahl nahm er das Bundestagsmandat nicht an.
Özdemir war bis dahin stets über die Landesliste Baden-Württemberg in den Deutschen Bundestag eingezogen.
Nachdem ihm der Baden-Württembergische Landesverband der Grünen einen aussichtsreichen Listenplatz versagt hatte und er somit bei der Bundestagswahl 2009 nicht über einen Listenplatz abgesichert war, gelang ihm der Einzug in den 17. Deutschen Bundestag nicht. Bei seiner Bewerbung um ein Direktmandat im Wahlkreis Stuttgart I holte er 29,9 % der Erststimmen und verlor knapp gegen den Gegenkandidaten Stefan Kaufmann (CDU), der 34,4 % erreichte.[12]
[Bearbeiten] Europaabgeordneter
Von 2004 bis 2009 war er Mitglied des Europäischen Parlaments in der Fraktion Die Grünen/EFA. Er gehörte dem Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten an und war außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Zudem war er Vize-Präsident des nichtständigen Ausschusses zur behaupteten Nutzung europäischer Staaten durch die CIA für die Beförderung und das rechtswidrige Festhalten von Gefangenen (CIA-Ausschuss)[4] sowie Mitglied der hochrangigen Kontaktgruppe Nordzypern, der interparlamentarischen Delegation EU-Türkei, der Anti-Racism and Diversity Intergroup[4] sowie der Atlantikbrücke. 2007 war er an der Gründung der europäischen Denkfabrik European Council on Foreign Relations beteiligt.[13]
Als Europaabgeordneter übernahm er im Jahr 2007 die Schirmherrschaft über den Christopher Street Day Stuttgart.[4] Er ist offizieller Unterstützer des Bündnisses Freiheit statt Angst für Datenschutz und gegen staatliche Überwachung.[14]
[Bearbeiten] Veröffentlichungen
- Ich bin Inländer. dtv, München 1997, ISBN 3423241098.
- Currywurst und Döner. Lübbe, Bergisch Gladbach 1999, ISBN 3785709463.
- Deutsch oder nicht sein? Lübbe, Bergisch Gladbach 2000, ISBN 3404604822.
- Die Türkei – Politik, Religion, Kultur. Beltz, Weinheim 2008, ISBN 3407753438.
[Bearbeiten] Weblinks
-
Commons: Cem Özdemir – Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien - Website von Cem Özdemir
- Literatur von und über Cem Özdemir im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Spiegel online, 15. Oktober 2008: A Turk at the Top (englisch).
- ↑ Past Fellows
- ↑ Center for European Studies Spring 2003 Events
- ↑ a b c d Gayweb-Newsticker: Cem Özdemir: Schirmherr des CSD Stuttgart 2007
- ↑ vgl. Özdemir kündigt Kandidatur als Parteichef an bei Spiegel-Online (aufgerufen am 2. Juni 2008)
- ↑ vgl. Volker Ratzmann kandidiert für Grünen-Vorsitz bei welt.de, 15. Juni 2008 (aufgerufen am 15. Juni 2008)
- ↑ Ferda Ataman: Özdemir gescheitert: Grüne demütigen designierten Vorsitzenden, SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik, 12. Oktober 2008
- ↑ Trotz Demütigung: Özdemir kandidiert für Grünen-Vorsitz, SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik, 13. Oktober 2008
- ↑ Özdemir und Roth neue Doppelspitze der Grünen bei welt.de, 15. November 2008
- ↑ Der Skandal um die PR-Honorare. In: Manager-Magazin, 22. Juli 2002
- ↑ Matthias Geis: Özdemir fliegt – Und die Grünen geben sich moralisch. In: Die Zeit Nr. 32 vom 1. August 2002 (Özdemirs Rücktritt in Relation zu den Verfehlungen von Scharping und Gysi)
- ↑ Ergebnisse der Bundestagswahl 2009 in Stuttgart
- ↑ Übersicht über die Mitglieder auf der ECFR-Homepage
- ↑ Demonstration Freiheit statt Angst Unterstützerliste
1980–1993: Die Grünen
August Haußleiter | Petra Kelly | Norbert Mann | Dieter Burgmann | Manon Maren-Grisebach | Wilhelm Knabe | Rainer Trampert | Rebekka Schmidt | Jutta Ditfurth | Lukas Beckmann | Christian Schmidt | Regina Michalik | Verena Krieger | Ralf Fücks | Ruth Hammerbacher | Renate Damus | Hans-Christian Ströbele | Heide Rühle | Ludger Volmer | Christine Weiske
ab 1993: Bündnis 90/Die Grünen
Marianne Birthler | Ludger Volmer | Krista Sager | Jürgen Trittin | Gunda Röstel | Antje Radcke | Renate Künast | Fritz Kuhn | Claudia Roth | Angelika Beer | Reinhard Bütikofer | Cem Özdemir
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Özdemir, Cem |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen) |
| GEBURTSDATUM | 21. Dezember 1965 |
| GEBURTSORT | Bad Urach |