Cenote

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Der Cenote de los Sacrificios in Chichén Itzá ist einer der bekanntesten Cenotes auf der Halbinsel Yucatán.

Ein Cenote (Spanisch; Mayathan ts’o’noot, in Ortsnamen meist dzonot) ist ein dolinenartiges Kalksteinloch, das durch den Einsturz einer Höhlendecke entstanden und mit Süßwasser gefüllt ist.

Der Begriff stammt von den Maya der mexikanischen Halbinsel Yucatán. 954 Cenotes sind im mexikanischen Bundesstaat Quintana Roo bekannt,[1] eine weitaus geringere Anzahl im benachbarten Bundesstaat Yucatán sowie in Belize. Sie besitzen im Durchschnitt eine Tiefe von etwa 15 Metern, vereinzelt auch von über 100 Metern.[1][2]

Entstehung, Eigenschaften und Nutzung[Bearbeiten]

Cenotes (span. Plural) entstehen in Karstgebieten. Durch die Auflösung des Kalkgesteins bilden sich Höhlen und unterirdische Wasserläufe. Brechen die Decken dieser Höhlen ein, so entstehen Tagöffnungen (engl. Aston Collapse), die bis zum Grundwasser (Aquifer) reichen können. Die Maya betrachteten sie als Eingänge zur Unterwelt (xibalba) und nutzten sie häufig als religiöse Opferstätten.

Cenote-Tauchen bei Tulúm, Mexiko

Viele Cenotes in Yucatán stehen mit dem vermutlich größten zusammenhängenden Unterwasserhöhlensystem der Erde in Verbindung. Die beiden längsten Systeme, Ox Bel Ha (242 km) und Sac Actun (220 km), sind über jeweils mehr als 140 Cenotes zugänglich. Die Gesamtlänge aller erforschten Unterwasserhöhlensysteme in Quintana Roo beträgt nach derzeitigem (Januar 2013) Kenntnisstand 1085 km.[1]

Man nimmt an, dass diese Höhlensysteme, die zum größten Teil unter Wasser stehen, der Grund für die Entwicklung der Maya-Zivilisation besonders im nordwestlichen Teil von Yucatán war. Die Maya nutzten die Cenotes als Brunnen, sie dienten damit der Wasserversorgung, die in nahezu allen anderen Hochkulturen durch große oberirdische Flüsse erfolgte, wie Nil, Euphrat, Indus oder Ganges. Deswegen bezeichnen einige Forscher das Höhlensystem auch als „großen Strom der Maya“. Auch die trotz lang anhaltender Dürreperioden dichte Bewaldung von Yucatán wird auf die unterirdische Speisung aus den Höhlen zurückgeführt.

Während der Regenzeit fließen die Wassermassen in den Aquifer ab. Süßwasser lagert sich in Meeresnähe innerhalb der Höhlengänge auf dem Salzwasser ab, so dass beides übereinander existiert, sich aber nicht vermischt (Süßwasserlinse). Innerhalb der Höhlen kommt es zur Ausbildung einer Sprungschicht, der sogenannten Halokline. Die Tiefe der Halokline nimmt von wenigen Metern in Meeresnähe kontinuierlich bis zu etwa 30 Metern im Landesinneren zu. Durch Mischungskorrosion kommt es im Bereich der Halokline zu einer Verbreiterung des Höhlenquerschnitts.[3] Die Cenotes bilden während der Trockenzeit in Yucatán oft die einzigen Wasserstellen und sind dementsprechend von einer vielfältigen Fauna bewohnt.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Die Ufer der Cenotenöffnungen sind mit Sumpfpflanzen und Seerosengewächsen (Nymphaeaceae) bewachsen, das blanke Gestein unter Wasser mit krustierend wachsenden Rotalgen (Rhodophyta). An den Ufern leben Sumpfschildkröten der Unterart Trachemys venusta venustra, fast ständig im Wasser die bissige Schlammschildkrötenart Kinosternon leucostomum. Zur Fischfauna gehören die Buntbarsche Amphilophus robertsoni, Rocio gemmata und Friedrichsthals Buntbarsch (Parachromis friedrichsthalii), die im Osten Yukatans endemisch vorkommen, Paraneetroplus synspilus und der Schwarzgebänderte Buntbarsch (Rocio octofasciata). Außerdem die blinde Brotulaart Typhliasina pearsei, der Spitzmaulkärpfling (Poecilia sphenops), Poecilia mexicana, der Segelkärpfling (Poecilia velifera), der Zweifleckkärpfling (Pseudoxiphophorus bimaculatus), die Schläfergrundel Gobiomorus dormitor, der Guatemala-Antennenwels (Rhamdia quelen) und die Salmlerarten Astyanax aeneus, Astyanax fasciatus und Astyanax mexicanus. Von letzterem werden die Cenoten durch die „Normalform“ besiedelt, während die als Blinder Höhlensalmler bekannte blinde Höhlenform nur in drei Höhlen im zentralmexikanischen Bundesstaat San Luis Potosí vorkommt.[4][5]

Yucatán – der 180 km-Kraterrand des Meteoriteneinschlags und die Cenotes

Chicxulub-Krater[Bearbeiten]

Im Nordwesten von Yucatán folgen die wasserführenden Schichten und damit die Höhlen den durch den Einschlag des Chicxulub-Meteoriten verursachten Brüchen und Verwerfungen. Der damit verbundene halbkreisförmige Ring von Cenotes bildet den ansonsten längst verschütteten Kraterrand auch heute noch nach.[6][7]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cenote – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Lange Unterwasserhöhlen in Quintana Roo Mexiko. National Speleological Society, Quintana Roo Speleological Survey, 15. Januar 2013, abgerufen am 13. Februar 2013.
  2.  P.A. Beddows: Yucatán Phreas. In: J. Gunn (Hrsg.): Encyclopaedia of Cave and Karst Science. 2, Fitzroy Dearborn / Taylor and Francis, New York Februar 2004, ISBN 1-57958-399-7, S. 1677–1681 (englisch, 1.3MB PDF, abgerufen am 13. Januar 2011).
  3.  Peter Smart, Patricia Beddows, Jim Coke, Stefan Doerr, Samantha Smith, Fiona Whitaker: Cave development on the Caribbean coast of the Yucatan Peninsula, Quintana Roo, Mexico. In: Russell Harmon, Carol Wicks (Hrsg.): Perspectives on Karst Geomorphology, Hydrology, and Geochemistry. The Geological Society of America, 2006, ISBN 0-8137-2404-X, S. 105–128, doi:10.1130/2006.2404(10) (englisch, 2.6MB PDF, abgerufen am 13. Januar 2011).
  4.  Werner Fiedler: In Cenotengewässern auf Yukatan. In: Aquaristik Fachmagazin. 43, Nr. 218, Tetra Verlag, Berlin April/Mai 2011, ISSN 1437-4854, S. 36–47.
  5.  Heiko Blessin: Im Reich der blinden Fische. In: Aquaristik Fachmagazin. 44, Nr. 227, Tetra Verlag, Berlin Oktober/November 2012, ISSN 1437-4854, S. 52–59.
  6.  Eugene Perry, Luis Marin, Jana McClain, Guadalupe Velazquez: Ring of Cenotes (sinkholes), northwest Yucatan, Mexico: Its hydrogeologic characteristics and possible association with the Chicxulub impact crater. In: Geology. 23, Nr. 1, The Geological Society of America, 1995, S. 17–20, doi:10.1130/0091-7613(1995)023<0017:ROCSNY>2.3.CO;2 (englisch, Abstract, abgerufen am 16. Januar 2011).
  7.  A.R. Hildebrand, M. Pilkington, C. Ortiz-Aleman, R.E. Chavez, J. Urrutia-Fucugauchi, M. Connors, E. Graniel-Castro, A. Camara-Zi, J.F. Halpenny, D. Niehaus: Mapping Chicxulub crater structure with gravity and seismic reflection data. In: The Geological Society (Hrsg.): Special Publications. 140, London 1998, S. 155–176, doi:10.1144/GSL.SP.1998.140.01.12 (englisch, Abstract, abgerufen am 16. Januar 2011).