Centre de la mémoire (Oradour-sur-Glane)

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Das Centre de la mémoire in Oradour-sur-Glane hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Massaker von Oradour – ein durch die Waffen-SS am 10. Juni 1944 verübtes Kriegsverbrechen, zu gedenken, darüber zu informieren und als Mahnmal für kommende Generationen zu wirken.

Centre de la mémoire oradour

Entstehung[Bearbeiten]

Auf Initiative von Jean-Claude Peyronnet, Präsident des Conseil Général der Haute-Vienne und im Einvernehmen mit dem Französischen Verein der Familien der Märtyrer, wurde das Projekt 1989 dem damaligen französischen Staatspräsidenten François Mitterrand vorgelegt. 1992 wurde die Projektleitung in einer internationalen Ausschreibung festgelegt und erhielt die Unterstützung des Kultusministeriums, des Ministeriums der Kriegsversehrten und -veteranen, der Region und der Europäischen Gemeinschaft. Im Jahr 1994 wird ein Projektleiter eingestellt, der mit den historischen Recherchen und mit der Koordination des Projekts betraut wird. Zur gleichen Zeit wird beschlossen, die Verantwortung für die Architektur und den Bau Yves Devraine und seinem Team zu übertragen.

1999 wurde das Centre de la mémoire von Jacques Chirac und der französischen Ministerin für Kultur, Catherine Trautmann, eröffnet.

Seit 2001 kann ein österreichischer Gedenkdienst im Centre de la mémoire abgeleistet werden.[1]

2002 hatte das Centre de la mémoire bereits 300.000 Besucher die sich sowohl die Dauerausstellung, als auch zeitlich begrenzte Projekte ansehen konnten.

Architektur[Bearbeiten]

Nach dem Konzept von Yves Devraine sollte das Centre de la mémoire eine Symbiose mit der Landschaft bilden und so zu einer Art „Nichtarchitektur“ werden. Diese sogenannte „Nichtarchitektur“ besteht aus einem Dach von dem man einen Blick über das Glane Tal, die Ruinen und das neue Dorf werfen kann und wird von einem zentralen Riss im Gebäude, angedeutet durch verrostete Stahlplatten, zusätzlich unterstrichen. Dieser Riss soll durch seine Form die Zerstörung symbolisieren, durch sein Material die Vergänglichkeit vor Augen führen und so ein gealtertes Erscheinungsbild bieten. Der gesamte Komplex wurde teilweise im Boden versenkt, um nicht von den Ruinen abzulenken, oder sie gar zu verdecken.

Ausstellungen[Bearbeiten]

In der kreisförmigen Eingangshalle wird der Besucher mit zwei hochgradig symbolischen Photographien konfrontiert: Auf der einen Seite Hitler, bei seiner Rede an die Volksmassen am Reichsparteitag in Nürnberg, auf der anderen Seite steht der Schriftzug „Souviens-toi“ (Erinnere dich), der auch am Eingang zu den Ruinen Oradours zu lesen ist. Auch die Dauerausstellung ist in diesem Stil der Gegensätzlichkeiten gehalten. So wird mithilfe der Farben schwarz und rot, der Nazismus und der Werdegang der SS Division „Das Reich“ beschrieben. Im Kontrast dazu steht die Beschreibung des täglichen Lebens in Oradour vor dem Massaker, dargestellt mit Hilfe von weichen, hellen Farben und Materialien. In der untersten Ebene befindet sich das Dokumentationszentrum, mit seinen modulartig veränderbaren Sälen, die es ermöglichen, sowohl Schülergruppen als auch Lehrkräfte, bzw. Pädagogen unter optimalen Bedingungen zu empfangen. Zu Anfang war diese umfangreiche Dokumentation die französische und ausländische Archive, Fotografien, Filme, Veröffentlichungen und Zeitschriften enthält, dazu bestimmt, die historischen Recherchen in der Vorbereitung der permanenten Ausstellung zu stützen.

Die Nüchternheit, die durch das äußere Erscheinungsbild vermittelt wird, ermöglicht jedem, den eigenen Überlegungen nachzugehen. Die Größe der verglasten und verspiegelten Oberfläche lädt den Besucher zu einer Reise von der Vergangenheit in die Zukunft ein, die sich auf der anderen Seite des Spiegels befindet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verein Österreichischer Auslandsdienst: Beschreibung der Einsatzstelle

45.9291666666671.0352777777778Koordinaten: 45° 55′ 45″ N, 1° 2′ 7″ O