Ceroplastik

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Als Ceroplastik (von altgriechisch keros (κέρος) - Wachs) oder Wachsbildnerei bezeichnet man die Kunst, durch Bossieren oder Gießen Gegenstände aus Wachs zu bilden.

Am häufigsten dient die Ceroplastik zur Darstellung von Früchten, anatomischen Präparaten, künstlichen Perlen, Puppengesichtern und den sogenannten Wachsfiguren. Bei diesen sind gewöhnlich nur Gesicht, Kopf, Hals, Hände oder andere nackte Teile aus Wachs, die mit Kleidern bedeckten Teile des Körpers dagegen ausgestopft. Sammlungen von Wachsfiguren bilden ein Wachsfigurenkabinett.

Die Ceroplastik war schon im Altertum bekannt. Doch haben sich nur aus der Renaissancezeit, in welcher die Wachsbildnerei sehr beliebt war, kleinere, meist bemalte, größtenteils komische Genrefiguren und Porträtmedaillons aus Wachs erhalten. Das Hauptstück der Wachsbildnerei der Renaissancezeit ist der naturalistisch bemalte Kopf eines jungen Mädchens aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts im Museum zu Lille (italienische Arbeit).

Die Kunst der Wachsmodellation zur Herstellung von anatomischen Präparaten aber auch als medizinische Modelle, etwa zur Ausbildung in der Geburtshilfe, kam im 17. Jahrhundert und vor allem im 18. Jahrhundert auf. Die Zentren dieser kunsthandwerklichen Fertigkeiten waren in Florenz, in London am Guy’s Hospital, in Paris hier vor allem durch Marie Marguerite Bihéron (1719–1795) sowie in Jena. Besondere Bedeutung erlangten die Wachsmoulagen in der Dermatologie.

Unter den Wachsfigurenkabinetten des 19. Jahrhunderts sind die berühmtesten das von Madame Tussauds (1780–1802 in Paris, dann in London), Castans Panoptikum (in Berlin und anderen Städten von 1874 bis 1921) und schließlich das Musée Grévin in Paris.

Anatomische Wachsmodelle aus Museum für Zoologie und Naturgeschichte La Specola, Florenz, Italien
Anatomisches Wachsmodell, Detail. La Specola, Florenz

Das für wächserne Gegenstände benutzte Wachs (Bossierwachs) besteht beim eigentlichen Bossieren aus vier Teilen Wachs, drei Teilen weißem Terpentin, etwas Baumöl oder Schweinefett und wird gewöhnlich mit Mennige, Zinnober oder Bolus rot gefärbt, um ihm die störende Durchsichtigkeit zu nehmen. Bossierwachs zu Wachsabgüssen wird dagegen mit Kolophonium versetzt und erhält, soll es rot werden, etwas Zinnober, soll es weiß bleiben, etwas Mastix und Schieferweiß. Grünes Bossierwachs erhält man durch Zusatz von Grünspan. Für Wachspuppen etc. benutzt man in neuerer Zeit statt des Wachses Paraffin und Ceresin. Beim Guss wächsener Gegenstände (Wachsabgüsse) hat man Formen aus Holz oder Gips.

Literatur[Bearbeiten]

  • Joseph Meisl: Die Kunst der Wachsarbeit. Eine kurze faßliche Anleitung, menschliche Figuren und alle Gegenstände des Thier- und Pflanzenreichs, so wie die Producte der Kunst, in Wachs bildlich darzustellen. Nebst einer Anweisung zur Schmelzung und Färbung des Wachses. Eurich und Sohn, Linz 1837.
  • Peggy Seehafer: Moulagen – das Ebenbild in Wachs. S. 97–111, online (PDF; 544 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Wachsfigur – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Skulpturen aus Wachs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten]