Cesseras

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Cesseras (Sesseraç)
Wappen von Cesseras
Cesseras (Frankreich)
Cesseras
Region Languedoc-Roussillon
Département Hérault
Arrondissement Béziers
Kanton Olonzac
Gemeindeverband Communauté de communes le Minervois.
Koordinaten 43° 20′ N, 2° 43′ O43.3258333333332.715833333333385Koordinaten: 43° 20′ N, 2° 43′ O
Höhe 54–417 m
Fläche 15,07 km²
Einwohner 369 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 24 Einw./km²
Postleitzahl 34210
INSEE-Code

Cesseras (occitanisch: Sesseraç) ist eine französische Gemeinde mit 369 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) in der Kulturlandschaft des Minervois im Département Hérault in der Region Languedoc-Roussillon.

Lage[Bearbeiten]

Cesseras liegt etwa 50 Kilometer (Fahrtstrecke) westlich von Béziers bzw. gut 40 Kilometer nordöstlich von Carcassonne. Bis nach Narbonne sind es ca. 35 Kilometer in südöstlicher Richtung. Ein Fluss mit Namen Cesse, ein linker Nebenfluss der Aude, fließt etwa fünf Kilometer nördlich am Ort vorbei und könnte eventuell namengebend gewesen sein. Das Gemeindegebiet gehört zum Regionalen Naturpark Haut-Languedoc. Die nur zwei Kilometer östlich gelegene Nachbargemeinde Azillanet ist ebenfalls sehenswert.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2008
Einwohner 560 442 433 388 382 400 411

Im 19. Jahrhundert hatte der Ort zeitweise noch über 700 Einwohner, doch die Reblauskrise und die Mechanisierung der Landwirtschaft führten danach zu einem stetigen Bevölkerungsrückgang, der erst in den 1990er Jahren zum Stillstand gekommen zu sein scheint.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Landwirtschaft und Kleinhandel bzw. Kleinhandwerk prägen den Ort seit Jahrhunderten. Cesseras gehört zum Weinbaugebiet Minervois, doch ist der Weinabsatz in Frankreich seit den 1990er Jahren rückläufig.

Geschichte[Bearbeiten]

Wie aus Grabungsfunden in der Grotte d’Aldène zu erschließen ist, sind bereits seit vorgeschichtlicher Zeit Menschen in der Region unterwegs. Auch Zeugnisse aus der Zeit der Megalithkultur (ca. 3500–4000 v. Chr.) sind vorhanden. Cesseras erscheint möglicherweise erstmals unter dem Namen villa Censaradus („Landgut des Censaradus“) in einer Urkunde Karls des Kahlen aus dem Jahre 844. Im 13. Jahrhundert wurde der Grundherr (seigneur) des Ortes wegen Ketzerei verhaftet und in Carcassonne ins Gefängnis gesperrt; König Ludwig IX. gab den Ort in die Hände von Raimund II. Trencavel, der den König auf dem sechsten Kreuzzug (1248–1254) begleitet hatte. In der Zeit des Hundertjährigen Krieges (1337–1453) zogen Wegelagerer und Räuberbanden durch den Ort und zerstörten die Kirche Saint-Geniès. Am 25. Oktober 1591 – in der Zeit der Religionskriege – fand in der Gegend von Cesseras und Azillanet eine Schlacht zwischen katholischen und protestantischen Heereseinheiten statt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Dolmen de la Cigalière
  • Die etwa fünf Kilometer nordöstlich von Cesseras befindliche Grotte d’Aldène ist eine prähistorische Fundstelle, in der aber auch Fundstücke aus der späten Bronzezeit und der frühen Eisenzeit entdeckt wurden. Die Höhle ist seit 1955 als Monument historique[1] ausgewiesen.
  • Der etwa zwei Kilometer nordöstlich von Cesseras mitten in einem Wald gelegene Dolmen de la Cigalière stammt aus der Zeit der Megalithkultur. Sein riesiger Deckstein ist gekippt und die seitlichen Orthostaten sind weitgehend verschwunden; dennoch wurde er im Jahr 1981 ebenfalls als Monument historique[2] anerkannt.
  • Die einschiffige romanische Chapelle Saint-Germain de la Serre aus dem 11. und 12. Jahrhundert liegt etwa zwei Kilometer westlich des Ortes in einem Pinienwäldchen. Sie war die Pfarrkirche eines heute verschwundenen Ortes und beeindruckt durch ihre Lage, durch die handwerklich perfekte und beinahe mörtellose Mauerwerkstechnik sowie durch ihre ausgewogenen Proportionen. Das nahezu fensterlose Halbrund der Apsis ist durch mehrere Lisenen gegliedert, die unter der Dachtraufe in einem Rundbogenfries enden. Die Außenwände des Kirchenschiffs sind durch Strebepfeiler stabilisiert. Die schmalen Schlitzfenster haben monolithische Bogensteine im schwarz abgesetzten Überfangbögen. Im 12. Jahrhundert wurde auf der Nordseite ein Turm mit Glockengiebelaufsatz angefügt. Das einschiffige Kircheninnere ist mit einem Tonnengewölbe bedeckt. Die Kapelle ist seit 1947 als Monument historique[3] anerkannt.
  • Die Église Saint-Geniès gibt dem Ort seine markante Silhouette. Es ist eine spätgotische Kirche aus dem 15. Jahrhundert mit einem einzigen, aber dafür breiten Kirchenschiff, wie es im Süden Frankreichs häufiger anzutreffen ist – hier sind Kirchen mit einem dreischiffigen, basilikalen Grundriss eher die Ausnahme. Der Glockenturm stammt noch von einem Vorgängerbau, der im Hundertjährigen Krieg zerstört wurde, und war gleichzeitig Teil der Stadtbefestigung. Die Kirche ist seit 1933 als Monument historique[4] eingetragen.
  • Das spätmittelalterliche Schloss (château) liegt auf dem höchsten Punkt des Ortes und trägt so ebenfalls zum Ortsbild bei. Aus der Nähe macht es einen stark vernachlässigten Eindruck.
  • Die Chapelle Saint-Salvy wurde während der Hugenottenkriege zerstört und liegt heute in Ruinen. Sie beherbergte einst einen Reliquienschatz, von dem Teile in die Kirche Saint-Geniès verbracht wurden. Die Überreste des Kirchenbaus sind seit 1971 als Monument historique[5] anerkannt und unter Schutz gestellt.
  • Teile der ehemaligen Stadtbefestigung (z. B. zwei Rundtürme) sind ebenfalls erhalten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Denis Vialou: Grotte d’Aldène á Cesseras (Hérault) in: Gallia Préhistoire N° 22, 1979 S. 1-85

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cesseras – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Grotte d’Aldène, Cesseras in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  2. Dolmen de la Cigalière, Cesseras in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  3. Chapelle Saint-Germain, Cesseras in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  4. Église Saint-Geniès, Cesseras in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  5. Chapelle Saint-Salvy, Cesseras in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)