Château-d’Œx

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Château-d’Œx
Wappen von Château-d’Œx
Staat: Schweiz
Kanton: Waadt (VD)
Bezirk: Riviera-Pays-d’Enhaut
BFS-Nr.: 5841i1f3f4
Postleitzahl: 1660
UN/LOCODE: CH CHO
Koordinaten: 576317 / 14696846.4736157.130275958Koordinaten: 46° 28′ 25″ N, 7° 7′ 49″ O; CH1903: 576317 / 146968
Höhe: 958 m ü. M.
Fläche: 113.76 km²
Einwohner: 3320 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 29 Einw. pro km²
Website: www.chateau-doex.ch
Château-d’Œx

Château-d’Œx

Karte
Genfersee Lac de Bret Lac de Lussy Lac du Vernex Lac de l’Hongrin Lac Lioson Arnensee Frankreich Kanton Bern Kanton Freiburg Kanton Wallis Kanton Wallis Bezirk Aigle Bezirk Lavaux-Oron Blonay Chardonne VD Château-d’Œx Corseaux Corsier-sur-Vevey Jongny Montreux Rossinière Rougemont VD Saint-Légier-La Chiésaz La Tour-de-Peilz Vevey VeytauxKarte von Château-d’Œx
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Château-d’Œx (französisch [ʃɑtode] oder [ʃɑtodɛ], im lokalen Frankoprovenzalisch [u tsaθi d ˈeː][2]), deutsch früher Oesch, ist eine politische Gemeinde im Bezirk Riviera-Pays-d’Enhaut im Schweizer Kanton Waadt.

Geographie[Bearbeiten]

Château-d’Œx

Château-d’Œx liegt auf 958 m ü. M., 22 km östlich des Bezirkshauptortes Vevey (Luftlinie). Das Dorf erstreckt sich in einer Talweitung des Pays-d’Enhaut auf einer Geländeterrasse am Dorfbach, leicht erhöht über dem Tal der Saane (frz. Sarine), in den Waadtländer Alpen.

Die Fläche des 113,8 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt der Waadtländer Alpen und den mittleren Teil des Pays d’Enhaut. Das Gebiet wird von Osten nach Westen von der Saane durchflossen, die bei Château-d’Œx eine Talweitung bildet, in der von Norden mehrere kleine Bäche, von Süden die Torneresse münden. Im Westen verläuft die Grenze im Bereich der Talenge von La Chaudanne. Der Talkessel von Château-d’Œx wird im Norden von den Bergflanken von Pointe de Cray (2'070 m ü. M.), Vanil Carré (2'197 m ü. M.) und La Laitemaire (1'678 m ü. M.) begrenzt. Nordöstlich der Laitemaire befindet sich das Tal von Ciernes Picat (der Ruisseau des Ciernes Picat bildet die Grenze), dessen westliche Talflanke inklusive Pointe de Paray (2'375 m ü. M.) und Vanil Noir (2'389 m ü. M.) ebenfalls noch zu Château-d’Œx gehört.

Der grössere südliche Gemeindeteil umfasst das gesamte Einzugsgebiet der Torneresse mit ihrem Seitenbach Eau Froide. Kurz vor ihrer Mündung in die Saane bildet die Torneresse eine tiefe Felsschlucht. Dieses Tal wird im Osten durch Rocher du Midi (2'097 m ü. M.), Gummfluh (2'458 m ü. M.) und Wittenberghorn (2'350 m ü. M.) begrenzt. Die Südgrenze verläuft auf der Bergkette zwischen dem Torneresse-Tal und der Talschaft von Les Ormonts. Auf dem Tarent wird mit 2'548 m ü. M. der höchste Punkt von Château-d’Œx erreicht.

Nach Südwesten erstreckt sich der Gemeindeboden über die Passhöhe von La Lécherette und die Monts Chevreuils (1'749 m ü. M.) in das Tal des Hongrin. Dieser Fluss ist zum Lac de l'Hongrin aufgestaut, von dem der nördliche Teil auf dem Gemeindegebiet von Château-d’Œx liegt. Im äussersten Südwesten reicht das Gebiet bis auf die Höhen der Pointe d’Aveneyre, die zur Bergkette der Rochers de Naye zählt. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 3 % auf Siedlungen, 34 % auf Wald und Gehölze, 45 % auf Landwirtschaft und etwas mehr als 18 % war unproduktives Land.

Zu Château-d’Œx gehören zahlreiche Weiler, Feriensiedlungen, Alpsiedlungen und Einzelhöfe, darunter:

  • La Frasse, 980 m ü. M., am westlichen Dorfrand von Château-d’Œx
  • Les Moulins, 890 m ü. M., in der Talniederung der Torneresse kurz vor ihrer Mündung in die Saane
  • Le Monteiller, 915 m ü. M., oberhalb von Les Moulins
  • Le Pré, 891 m ü. M., am rechten Ufer der Saane
  • Granges-d’Œx, 942 m ü. M., südlich der Saane gegenüber von Château-d’Œx am Fuss des Rocher du Midi
  • Les Granges, 1'000 m ü. M., am Südhang der Laitemaire, östlich des Dorfes
  • Le Mont, 1'097 m ü. M., am Südhang der Laitemaire, oberhalb des Dorfes
  • Les Combes, 994 m ü. M., am Südhang der Laitemaire
  • Gérignoz, 959 m ü. M., südlich der Saane am Bergbach Gérine
  • L’Etivaz, 1'140 m ü. M., im Tal der Torneresse am Aufstieg zum Col des Mosses
  • La Lécherette, 1'379 m ü. M., auf der Passhöhe zwischen den Tälern von Hongrin und Torneresse, wenig nördlich des Col des Mosses

Nachbargemeinden von Château-d’Œx sind Ormont-Dessus, Ormont-Dessous, Villeneuve, Rossinière und Rougemont im Kanton Waadt, Haut-Intyamon, Grandvillard und Charmey im Kanton Freiburg sowie Saanen und Gsteig bei Gstaad im Kanton Bern.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1803 2001
1850 2054
1900 3025
1930 3840
1950 3381
1960 3378
1970 3203
1980 2872
1990 3110
2000 2949

Mit 3320 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) gehört Château-d’Œx zu den mittelgrossen Gemeinden des Kantons Waadt. Von den Bewohnern sind 88,5 % französischsprachig, 3,6 % deutschsprachig und 2,4 % englischsprachig (Stand: 2000). Die Bevölkerungszahl von Château-d’Œx stieg vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark an. Nachdem die Bevölkerung bis 1930 weiter auf 3840 Einwohner zugenommen hatte, wurde danach bis 1980 durch starke Abwanderung eine Abnahme um über 25 % verzeichnet. Seither wurde wieder ein leichtes Bevölkerungswachstum verzeichnet.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Château-d’Œx war bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein vorwiegend durch die Landwirtschaft geprägtes Dorf. Früher waren vor allem die Käseproduktion und die Viehzucht (Simmentaler Rasse) von Bedeutung. Weil die Talschaft im Lauf des 19. Jahrhunderts mehrfach von Viehseuchen heimgesucht worden war, verbot die Gemeinde den Durchzug von fremden Herden. Gegen 1900 begann die Entwicklung zum Ferienort.

Noch heute haben die Milchwirtschaft mit Käseproduktion und die Viehzucht einen wichtigen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Die Gemeinde verfügt über ausgedehnte Alpweiden zur Sömmerung der Viehbestände. Die Wälder des Pays-d’Enhaut werden forstwirtschaftlich genutzt. Weitere Arbeitsplätze sind im lokalen Kleingewerbe und im Dienstleistungssektor vorhanden. Das Gewerbe ist neben den Gütern des täglichen Bedarfs stark auf den Tourismus ausgerichtet. Im weiteren gibt es mehrere Sägereien, Kiesabbau und einheimisches Handwerk (Scherenschnittkunst, Kupferschmieden, Küfer).

Château-d’Œx verfügt auch über ein Bezirksspital, das 1926 an Stelle der alten Krankenstation gegründet wurde. 1979 wurde das Spital mit Solarheizung ausgebaut und um ein Alters- und Pflegeheim erweitert. In Château-d’Œx befindet sich ferner eine Bezirksschule mit Progymnasium.

Tourismus[Bearbeiten]

Heissluftballon als Obelix beim Start
Themenballons beim Start

Die ersten Touristen kamen Ende des 19. Jahrhunderts nach Château-d’Œx. Der eigentliche wirtschaftliche Aufschwung begann aber mit der Eröffnung der Montreux-Berner-Oberland-Bahn im Jahr 1904. Damit besass Château-d’Œx eine direkte Verbindung mit dem Fremdenverkehrszentrum Montreux. In der Folge wurde Château-d’Œx zu einem bedeutenden Touristenort, und es wurden zahlreiche Hotels und Ferienwohnungen erbaut. Der Aufschwung widerspiegelt sich auch in der deutlichen Bevölkerungszunahme der Gemeinde während dieser Zeit.

Ab den 1930er Jahren begann der Niedergang des Fremdenverkehrs infolge der Weltwirtschaftskrise und der veralteten Hotellerie. Durch die Erschliessung neuer Skigebiete und die Restauration der bestehenden sowie den Bau neuer Hotels fand Château-d’Œx seit den 1950er Jahren wieder den Anschluss.

Heute ist Château-d’Œx eine moderne Fremdenverkehrsgemeinde, die sowohl auf den Sommer- als auch auf den Wintertourismus ausgerichtet ist. Es gibt eine Luftseilbahn (zwei Sektionen) auf einen Aussichtspunkt an der Westflanke des Rocher du Midi. Die Alpenlandschaft rund um Château-d’Œx lädt zu ausgedehnten Sommerwanderungen ein. Während des Winters sind an den Nordhängen des Rocher du Midi und der Monts Chevreuils sowie bei La Lécherette Skilifte in Betrieb. Das Gebiet von La Lécherette hängt mit dem grossen Skigebiet von Les Mosses zusammen.

Château-d’Œx hat einige Touristenattraktionen zu bieten. Seit 1979 hat es sich mit der alljährlichen Durchführung der Internationalen Heissluftballonwoche zu einem Mekka der Ballonfahrer entwickelt. Von hier aus startete Bertrand Piccard im März 1999 mit dem Ballon Breitling Orbiter III seine Nonstop-Ballonfahrt rund um die Erde. Während des ganzen Jahres werden bei günstigen Wetterverhältnissen auch Passagierflüge angeboten. Im Dorf befindet sich seit 1922 das Heimatmuseum Musée du Vieux Pays-d’Enhaut, das unter anderem eine Sammlung von Scherenschnitten zeigt.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist verkehrstechnisch gut erschlossen. Sie liegt an der Hauptstrasse 11, die von Aigle via den Passübergang Col des Mosses, Château-d’Œx und Saanen nach Zweisimmen im Berner Oberland führt. Die Hauptzufahrt erfolgt jedoch vom freiburgischen Bulle.

Am 19. August 1904 wurde der Abschnitt Montbovon-Château-d’Œx der Montreux–Berner Oberland-Bahn (MOB), (frz.: Chemin de fer Montreux-Oberland bernois), eröffnet. Nur wenige Monate später, am 20. Dezember 1904 erfolgte auch die Einweihung der östlichen Fortsetzung nach Gstaad. Für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr sorgt eine Buslinie, welche die Strecke von Château-d’Œx auf den Col des Mosses bedient.

Geschichte[Bearbeiten]

Haus im Ortskern von Château-d’Œx

Schon im Spätpaläolithikum war ein Abri bei Château-d’Œx zumindest saisonal besiedelt. Auch aus der Bronzezeit wurden einige Spuren gefunden. Seit der Römerzeit war die Talschaft wegen ihres kargen Bodens und dem Fehlen von Eisenvorkommen äusserst dünn, vermutlich jedoch gar nicht besiedelt.

Im 10. Jahrhundert eroberten die Grafen von Greyerz das Pays-d’Enhaut und damit auch die Siedlung Château-d’Œx. Diese wird 1040 unter dem Namen Castrum in Ogo erstmals urkundlich erwähnt. Später erschienen die Bezeichnungen Oit (1115) sowie Oyz, Oix und Oyez. Dieser Name ist vermutlich vom alemannischen Wort Äsch (für Esche) abgeleitet und erscheint auch in Oesch, der deutschsprachigen Version des Ortsnamens.

Unter den Grafen von Greyerz bildete Château-d’Œx seit dem 11. Jahrhundert zusammen mit Rossinière eine Kastlanei. Die Burg befand sich auf dem Hügel, auf dem heute die Kirche steht. Sie wurde bei kriegerischen Auseinandersetzungen im 14. Jahrhundert zerstört. Im Jahr 1403 schlossen die Bewohner von Château-d'Œx gegen den Widerstand der Grafen von Greyerz einen Burgrechtsvertrag mit Bern und konnten in der Folge an den Kriegszügen von Bern teilnehmen. Das Gebiet verblieb aber unter der Oberhoheit von Greyerz.

Als der letzte Graf von Greyerz 1554 Konkurs machte, teilten seine Gläubiger, die Stände Bern und Freiburg, die Hinterlassenschaft unter sich auf. Dadurch kam es zur Teilung des oberen Saanetals: das Pays-d’Enhaut und das Saanenland gelangten an Bern, während Freiburg die Herrschaft über das Greyerzerland übernahm. Bern richtete in seinem Gebiet 1555 die Landvogtei Saanen ein und setzte dort sofort die Reformation durch.

Beim Zusammenbruch des Ancien régime blieb die Talbevölkerung zunächst berntreu. Der französischsprachige Teil der ehemaligen Landvogtei Saanen wurde mit der helvetischen Verfassung 1798 dem Kanton Léman angegliedert, der 1803 mit der Inkraftsetzung der Mediationsverfassung im Kanton Waadt aufging. Das Pays-d’Enhaut wurde 1803 zu einem Bezirk erhoben, dessen Hauptort Château-d’Œx wurde.

Das Dorf Château-d’Œx fiel 1664, 1741 und 1800 grossen Feuersbrünsten zum Opfer. Die früheren Holzhäuser wurden nach dem Brand von 1800 aus Stein wieder aufgebaut. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Château-d’Œx von englischen Touristen entdeckt und erlebte anschliessend einen wirtschaftlichen Aufschwung als Fremdenverkehrsort.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirche Saint-Donat

Auf einem isolierten Hügel südlich des Dorfes steht die reformierte Kirche Saint-Donat. Sie wurde im 14. Jahrhundert an der Stelle der ehemaligen Burg erbaut, wobei der Festungsturm in einen Glockenturm umgewandelt wurde. Die Kirche wurde beim Brand von 1800 weitgehend zerstört. Heute sind vom ursprünglichen Gotteshaus nur noch der gotische Chor und das Mauerwerk des Turmes erhalten. Der Bau der katholischen Kirche stammt von 1936.

Der alte Ortskern am Fuss des Kirchenhügels zeigt für das Pays-d’Enhaut charakteristische Bauten aus dem frühen 19. Jahrhundert. Ansonsten ist das Ortsbild hauptsächlich durch Hotels und Chaletbauten geprägt. Das Gemeindehaus wurde 1912 erstellt und 1958 restauriert. Seit 1883 überspannt die Hängebrücke Pont-Turrian südlich des Dorfes die Saane. In L’Etivaz befand sich bereits im 15. Jahrhundert eine Kirche, die 1589 neu erbaut wurde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

1983 verstarb hier der berühmte Schauspieler David Niven an ALS.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistique annuelle de la population vaudoise au 31.12.2013. Service cantonal de recherche et d’information statistiques (Statistiques Vaud). Kanton Waadt (Canton de Vaud). Abgerufen am 28. Juli 2014.
  2. Lexikon der Gemeindenamen, hg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol, Frauenfeld 2005, S. 234.