Chữ Nôm

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Seiten Hán Nôm und Chữ Nôm überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zusammenzuführen (→ Anleitung). Beteilige dich dazu an der betreffenden Redundanzdiskussion. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollständiger Abarbeitung der Redundanz und vergiss nicht, den betreffenden Eintrag auf der Redundanzdiskussionsseite mit {{Erledigt|1=~~~~}} zu markieren. FordPrefect42 (Diskussion) 10:16, 17. Apr. 2013 (CEST)
Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.

Chữ Nôm (𡦂喃, auch 𡨸喃/字喃, wörtlich „Murmelschrift“) ist die klassische Schrift der vietnamesischen Sprache. Sie basiert auf chinesischen Schriftzeichen (vietnamesisch Hán tự). Der vietnamesische Ausdruck für chinesische Schrift ist bekannt als Hán tự (漢字), was die einzig verfügbare Möglichkeit war, bis zum 14. Jahrhundert seine Sprache auszudrücken, und wurde nahezu ausschließlich von chinesisch ausgebildeten, vietnamesischen Eliten benutzt. Vietnamesisch wurde vom 14. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sporadisch mit chữ Nôm geschrieben, was eine modifizierte chinesische Schrift war, die Klänge und Silben beinhaltete, die Vietnamesisch-Sprechenden eigen waren. Dies wurde später komplett von Quốc ngữ (國語) ersetzt, dem aktuellen Schreibsystem in Vietnam. Quốc ngữ wurde von portugiesischen und französischen Missionaren (die ein ausgedehntes linguistisches Training hatten) entwickelt, um die vietnamesische Sprache festzuhalten. Quốc ngữ beinhaltet ein System diakritischer Zeichen, um die Töne anzugeben, ebenso wie modifizierte Vokale.

Herkunft[Bearbeiten]

Es wird vermutet, dass chữ Nôm, früher auch Quốc âm (國音), um das 10. Jahrhundert entstand. Der alte Name Vietnams, Đại Cồ Việt (939) (大瞿越) benutzt Quốc âm. Das früheste geschriebene Material in chữ Nôm, das bis heute überlebt hat, aus dem Jahre 1209, wurde auf einem Träger eines Tempels in Bảo Ân (保恩) gefunden. Eine andere Chữ-nôm-Inschrift wurde auf einer bronzenen Röhre bei der Vân Bản (雲岅) Pagode in Đồ Sơn (徒山) gefunden. Es stammt von 1076, aber es gibt Zweifel über die Korrektheit des Datums.

Nach der vietnamesischen Unabhängigkeit von China 939 begannen Gelehrte mit der Entwicklung von Chữ Nôm, einer logografischen Schrift, die die vietnamesische Sprache repräsentiert. Für die nächsten nahezu 1000 Jahre – vom 10. bis ins 20. Jahrhundert hinein – wurde viel der vietnamesischen Literatur, Philosophie, Geschichte, Gesetz, Medizin, Religion und Regierungspolitik in Nom-Schrift verfasst. Während der 14 Jahre der Tây Sơn (西山) Herrscher (1788-1802) wurden alle administrativen Dokumente in chữ Nôm geschrieben. Im 18. Jahrhundert verfassten viele bekannte vietnamesische Schriftsteller und Dichter ihre Werke in chữ Nôm, u.a. Nguyễn Du (阮攸) und Hồ Xuân Hương (胡春香). Mit der Ankunft von Quốc ngữ im 17. Jahrhundert – der modernen romanischen Schrift – starb chữ Nôm allmählich aus. 1920 entschied die Kolonialregierung gegen seine Verwendung. Heutzutage können weniger als 100 Gelehrte chữ Nôm tatsächlich lesen. Viel von Vietnams geschriebener Geschichte ist für die 80 Millionen Sprecher dieser Sprache unerreichbar. Ein paar wenige buddhistische Mönche und die Jing (), die in China lebenden Vietnamesen, können chữ Nôm bis zu einem gewissen Umfang lesen.

Es gibt Anstrengungen der vietnamesischen Regierung, chữ Nôm in das Bildungssystem einzubauen. Chữ-nôm-Schriftzeichen wurden in Unicode codiert. Es wurde Software entwickelt, um das Schreibsystem per Computer verfügbar zu machen, und Computerschriften, die Chữ-nôm-Schriftzeichen enthalten, wurden erst kürzlich entwickelt.

Schreibsystem[Bearbeiten]

In Vietnam wurden chinesische Schriftzeichen ursprünglich nur benutzt, um Chữ nho (𡦂儒)(klassisches Chinesisch) zu schreiben. In chữ Nôm wurde die Benutzung dieser Schriftzeichen auf vielen Wegen erweitert. Zusätzlich wurde eine große Anzahl neuer Schriftzeichen von vietnamesischen Schriftstellern erfunden.

Verwandtschaften[Bearbeiten]

Es gibt viele klassisch-chinesische Wörter, die ihren Weg in die vietnamesische Sprache durch Entlehnung gefunden haben. Diese Lehnwörter sind mit dem ursprünglichen chinesischen Schriftzeichen (hán tự) geschrieben. Beispiele: vị () „Geschmack“ (Mandarin: wèi), niên () „Jahr“ (Mandarin: nián). Zusätzlich können viele eingebürgerte chinesische Wörter im Vietnamesischen gefunden werden, z. B. Wörter, die aus dem Chinesischen entlehnt wurden, bevor chinesische Schriftzeichen in Vietnam eingeführt wurden, und die sich deshalb eine andere Aussprache bewahrt haben. Diese Wörter sind auch anhand der entsprechenden Schriftzeichen des klassischen Chinesisch entworfen. Beispiele: mùi () (gleichbedeutend mit vị, Geschmack), năm ( oder 𢆥) (gleichbedeutend mit niên, Jahr). Oft werden auch beide Versionen mit ein und demselben Zeichen geschrieben, was den Schreibaufwand und die Anzahl der erforderlichen Zeichen erheblich reduziert. So existiert für viele vietnamisierte chinesische Wörter gar kein Chu nom, das eine Unterscheidung zur normalen chinesischen Entlehnung zulassen würde. Wie das Zeichen gelesen werden muss, ist dann aus dem Kontext ersichtlich. So würde man in 字喃 als chữ lesen, in 喃字 würde man es tự lesen. Im Vietnamesischen erscheinen zusammengesetzte Wörter meist verkehrt herum: Adjektive werden den Nomen angehängt und gehen diesen nicht wie im Chinesischen voraus.

Phonetische Entlehnung von Schriftzeichen[Bearbeiten]

Viele genuin vietnamesische Wörter werden durch die Benutzung von Schriftzeichen ohne Bedeutung geschrieben (chữ giả tá (𡦂假借), falsche Lehnwörter). Solch ein Schriftzeichen wird ausschließlich für seine Aussprache erneut verwendet. Seine ursprüngliche Bedeutung wird verworfen. So erhält das Schriftzeichen eine zweite Bedeutung. Oftmals erhält ein Schriftzeichen unterschiedlichste Bedeutung durch die phonetische Entlehnung.

Erfindung von Schriftzeichen[Bearbeiten]

Viele neue Schriftzeichen wurden für genuin vietnamesische Wörter erfunden (chữ thuần nôm (𡦂純喃) genannt, kurz nôm). Diese neuen Schriftzeichen basieren auf der phonetischen Entlehnung und fügen eine semantische Komponente hinzu, die auf die neue Bedeutung hinweist, was zu einem neuen, abgesonderten Schriftzeichen führt. In manchen Fällen sieht ein sich ergebendes Schriftzeichen wie ein bereits existierendes chinesisches aus, aber mit einer anderen Bedeutung.

Standardisierung[Bearbeiten]

1867 beabsichtigte Nguyễn Trường Tộ (阮長祚) eine Standardisierung von chữ Nôm, aber das neue System (Quốc Âm Hán Tự (國音漢字)) wurde von Kaiser Tự Đức (嗣德) zurückgewiesen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde chữ Nôm nie offiziell standardisiert. Als ein Ergebnis gibt es viele verschiedene Schriftzeichen für ursprünglich vietnamesische Wörter. Als Schreiber von Texten in Nom verfolgt man aber immer gewisse Auswahlprinzipien.

Chữ-nôm-Software[Bearbeiten]

Es gibt eine Anzahl von Software-Hilfsmitteln, die Chữ-Nôm-Schriftzeichen produzieren, indem man einfach vietnamesische Wörter in Quốc ngữ schreibt.

  • Vietnamese Keyboard Set ermöglicht das Schreiben von chữ Nôm in Mac OS X.
  • WinVNKey ist ein auf Windows basierender vietnamesischer Tastaturtreiber, der chữ Nôm unterstützt.


Weblinks[Bearbeiten]