Chaiber-Pass-Bahnlinie

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Die Chaiber-Pass-Bahnlinie im Jahr 1993 als Touristenattraktion mit einer Dampflokomotive

Die Chaiber-Pass-Bahnlinie, manchmal auch als Khyber-Pass-Line bezeichnet, ist eine eingleisige, nicht-elektrifizierte Bahnstrecke von der westpakistanischen Stadt Peshawar über den im Hindukush gelegenen Chaiber-Pass zum pakistanisch-afghanischen Grenzort Landi Khana .

Streckenführung[Bearbeiten]

Die Strecke beginnt im Bahnhof von Peshawar. Am Stadtrand kreuzt sie die Landebahn des Flughafens, wodurch es heutzutage fast immer zu langen Wartezeiten bei der Abfahrt kommt. Bis Jamrud auf 461 Meter Höhe verläuft sie relativ flach durch eine Vorgebirgsebene. Von dort geht es auf 16 Kilometer Länge und durch mehrere Tunnel sowie zwei Spitzkehren weiter nach Shahgai, das knapp unterhalb des Scheitelpunktes der Strecke auf 818 Meter liegt. Die Strecke verläuft anschließend ebenfalls recht gebirgig auf einer Strecke von 18 Kilometer bis Landi Kotal, welches auf einer Höhe von 760 Metern liegt.

Der Bahnhof von Landi Kotal besitzt mit 6 Gleisen eine sehr umfangreiche Gleisanlage, welche für die ursprünglich geplanten drei Züge pro Woche völlig überdimensioniert ist.

Die drei Kilometer lange Weiterführung bis Landi Khana wurde bereits kurz nach der Inbetriebnahme wieder stillgelegt, ist aber nach wie vor erhalten und besitzt auf der kurzen Streckenlänge sogar Tunnel und eine Spitzkehre.

Da die Strecke vor allem aus militärischen Gründen errichtet wurde, spielten die Kosten beim Bau kaum eine Rolle. Aus dem Grund ist die Strecke vergleichsweise aufwendig trassiert. So gibt es auf der heute erhaltenen Strecke bis Landi Kotal auf 40 Kilometer Länge insgesamt vier Spitzkehren, 92 Brücken, 34 Tunnel und sehr umfangreiche Gleisanlagen.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Pläne zum Bau einer Bahnlinie von Peshawar nach Kabul entstanden im zweiten Afghanistan-Krieg 1879. Durch die schwierige Geografie wurde der Bau aber als zu kompliziert und kostspielig eingestuft, weshalb die Strecke bis 1901 nur bis zu den ersten Gebirgsausläufern bei Fort Jamrud gebaut wurde.

1919 wurde in einem Gutachten die Realisierbarkeit der Gesamtlinie erklärt und bereits 1920 konnte, nachdem sich die ortsansässigen Pathanenstämme einverstanden erklärt hatten, der Bau beginnen. Am 3. November 1925 wurde schließlich Landi Kotal, wo sich eine Festung der britischen Armee befand, erreicht. Bis 1926 wurde die restliche Strecke bis zum Grenzort Landi Khana fertiggestellt. Beim Bau wurde zwar die Fortsetzung des Baus Richtung Kabul bereits geplant und einzelne Vorarbeiten für eine Verlängerung bis Tork-ham bereits getan, gebaut wurde diese allerdings nie. Bereits 1932 wurde der Streckenabschnitt zwischen Landi Kotal und Landi Khana aufgegeben, allerdings nie abgebaut. Es sind noch sämtliche Gleise und Signale vorhanden, wenngleich die Strecke teilweise von Felsstürzen verschüttet wurde.

Mit der Unabhängigkeit Pakistans 1947 wurde die Strecke von der neu gegründeten Pakistanischen Staatseisenbahn übernommen.

Seit den 1970er Jahren fuhr nur noch ein wöchentlicher Zug, jeweils am Freitag, welcher zumeist nur aus zwei Personenwagen und gelegentlich Güterwagen bestand. Mit Beginn des Sowjetisch-afghanischen Krieges 1980 wurde der Personenverkehr vollständig eingestellt, auch der Güterverkehr kam weitgehend zum Erliegen.

Während der 1990er Jahre versuchte die pakistanische Regierung, die Strecke als Touristenattraktionen zu vermarkten. Dabei verkehrten, soweit es die Sicherheitslage zuließ, gelegentlich Sonderzüge mit Dampflokbespannung.

Das Gebiet des Chaiber-Pass war zu keiner Zeit tatsächlich unter britischer bzw. pakistanischer Kontrolle, sondern wurde immer von den lokalen Paschtunenstämmen beherrscht. Aus diesem Grund wurden auch die Khyber Rifles gegründet, eine bewaffnete Miliz aus Stammesangehörigen, die für den Schutz der Strecke von der pakistanischen Zentralregierung bezahlt werden.

Weblinks[Bearbeiten]