Champa
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Champa ist ein Oberbegriff für die historische politisch-kulturelle Organisation der im heutigen Südvietnam lebenden austronesisch-sprechenden Bevölkerung, besonders der Cham. Sie wurde durch lokale Inschriften und chinesisch-vietnamesische Quellen überliefert.
Piraterie und Sklavenjagden der Cham wurden an benachbarten Küsten verzeichnet. Diese Aktionen stießen dann auf Strafexpeditionen und später auf die mittelalterliche Eroberungspolitik („Nam tien“) der Vietnamesen, welche die Cham schließlich in der Neuzeit fast vollständig assimilierten.
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[Bearbeiten] Herkunft und Gemeinschaft
Die Einwohner Champas (Cham, Rhade, Jarai) waren in vorchristlicher Zeit über die südlichen Meere gekommen[1] und ethnisch-sprachlich den Malaien und Polynesiern zuzuordnen.[2] Trotzdem weist die Sprache ein großes Durcheinander von geborgten Wörtern auf (Sanskrit, Khmer, Annamitisch, Chinesisch, Tamil).[3] Kleidung und Aussehen entsprachen dem der (Proto-)Malaien (Baumwollgewand, Haarknoten, Ohrringe, ungewöhnliche Reinlichkeit, Parfüm).
Ihre politische Gemeinschaft erwuchs aus der Unbeständigkeit maritimer Nomaden, d. h. sie bevorzugten ungebundene, kleine Gruppen, ordneten sich aber auch wiederholt energischen Führern in politischen Zentren unter. Es regierten viele Könige in mehreren Zentren gleichzeitig, d. h. die ganze Staatsorganisation kann man bestenfalls als ethnisches, religiöses, politisches und kommerzielles Netzwerk verstehen. Die unzureichende politische Organisation wurde auch durch die Geografie bedingt, d. h. ihr Land bestand aus engen Tälern und steilen Berghängen und mangelte an guten Häfen, was den Zusammenschluss erschwerte.
[Bearbeiten] Die politischen Zentren
Es gab Anfang des 10. Jh. fünf Cham-Provinzen: Inđrapura (zwischen dem Deò Ngang und Huế), Amaravati (bei Huế und Đà Nẵng), Vijaya (bei Qui Nhơn), Kauthara (bei Nha Trang) und Pan Duranga (zwischen Phan Rang und Phan Thiết).
[Bearbeiten] Lin-yi
Zunächst machte sich in den letzten Jahren der Han-Dynastie (ca. 192) K’iu Lien (Ch’ü-lien), der Sohn eines lokalen Magistrats, im Süden der Je Nan-Kommandantur zum König von „Lin-yi“ (vietnamesisch Lâm Ấp).
Das Zentrum „Lin-yi“s wird beim heutigen Huế vermutet, vielleicht in Long Tho südlich des Huong-Flusses. Archäologische Beweise oder Inschriften „Lin-yi“s sind praktisch nicht erhalten, sondern nur chinesisch-vietnamesische Quellen darüber. Einzelne Autoren vermuten heute, dass die Einwohner „Lin-yi“s sprachlich ursprünglich zu den Mon-Khmern gehörten oder dass ihr Territorium gar nicht mit dem heutigen Vietnam, sondern mit irgendeinem Teil des Mekong-Gebietes identisch ist.[4] Südlich von „Lin-yi“ sollen sich zudem noch zehn weitere kleine Königreiche an der Küste befunden haben.
„Lin-yi“ beschäftigte die Han zweieinhalb Jahrhunderte mit Plünderungen und Grenzkriegen. Bereits 248 war es stark genug, um die chin. Grenzprovinzen Jiaozhi und Jiuzhen zu attackieren. Nach dem Shuijing Shu (6. Jh.) wurde es 446 durch eine chinesisch-vietnamesische Expedition zerstört. Die Chinesen unter General T’an-Ho-che fertigten Löwen aus Papier und Bambus an, mit denen sie die gegnerischen Kriegselefanten erschrecken konnten und dadurch einen überwältigenden Sieg errangen.
Zwischen 758 und 877 hörten die chinesisch-vietnamesischen Chronisten mit der Benutzung des Begriffes „Lin-yi“ auf, stattdessen verwendeten sie den Begriff „Huan-wang“, der sich aber sehr wahrscheinlich auf den Süden (d. h. auf Kauthara und Panduranga) bezog. Anschließend kam der Begriff Chan-ch’eng, d. h. Stadt von Champa oder Champapura auf; und damit das Wort Champa.
[Bearbeiten] Indrapura
Nach der Expedition von 446 tat sich ein benachbartes Zentrum bei Da Nang in der heutigen Provinz Quang Nam hervor, das auch mit Indrapura bezeichnet wird. Diese Region ist durch ihre Architektur, Statuen und Inschriften in Sanskrit und Cham bekannt. Ausgrabungstätten sind Dong Duong, My Son, und Tra Kieu (vgl. Cham Architektur).
In My Son ließ Bhadravarman I. (ca. 399–413) den „Ersten Tempel“ bauen, von dem nur noch Überreste existieren. Bhadravarman ist zudem der früheste mit seinem Sanskritnamen überlieferte Cham-König und er ließ den Gott Bhadresvara etablieren, eine private Abart von Shiva. Zu dieser Zeit (4. Jh.) scheinen die Einwohner der Region die Cham-Sprache gesprochen zu haben (z. B. Inschriften in archaischem Cham ähnlich der königlichen Sanskrit-Texte). Der „Erste Tempel“ wurde später durch Feuer zerstört und von König Sambhuvarman (Fan Fan-che, reg. ca. 595–629) wieder aufgebaut.
Zur Zeit des Königs Sambhuvarman (Fan Fan-che) besetzten die Chinesen unter General Liu Fang das Land in Erwartung reicherer Tribute, konnten es aber nicht wirksam regieren (605).
875 etablierte Indravarman II. Indrapura (reg. ca. 875–898) dort eine neue Dynastie und führte den Buddhismus ein, der parallel zum Shiva-Kult existierte. Die folgenden Könige betätigten sich als Bauherren und bauten z. B. My Son weiter aus.
Indrapura wurde 982 von dem Vietnamesen Le Hoan (reg. 980–1005), einem König der Frühen Le-Dynastie erobert, welcher auf einen vorherigen Angriff der Cham antwortete, nachdem der Cham-König Paramesvaravarman seine Botschafter ins Gefängnis hatte werfen lassen. Paramesvaravarman verlor in dem Krieg sein Leben und sein Nachfolger Indravarman IV. musste dann aus der Hauptstadt fliehen. Die Vietnamesen zerstörten die Hauptstadt und bei den Cham brach ein Bürgerkrieg aus. 989 stellte Harivarman II. Champa wieder her und schickte einen Tribut nach China.
Damals begann die Expansion des (seit 938 von China unabhängigen) „Vietnam“ nach Süden (Nam tien), verbunden mit der Inbesitznahme und Bewirtschaftung des Landes durch die Vietnamesen. Über die weitere Zugehörigkeit der Region von Quang Nam gibt es mehrdeutige Hinweise, höchstwahrscheinlich waren die Cham-Könige dort noch bis zum späten 12. Jh. aktiv.
[Bearbeiten] Vijaya
Vom 11. bis zum 15. Jh. werden die Könige von Champa von den vietnamesischen Chronisten in der Region von Qui Nhon geortet, d. h. in Vijaya. Und zwar hatte Yan Pu Ku, der Nachfolger von Harivarman II. um das Jahr 1000 die Hauptstadt von Indrapura dorthin verlegt.
Die Stadt wurde im 11. Jh. zweimal von den Vietnamesen eingenommen. 1043 hatte der König Jaya Sinhavarman II. ein paar Schiffe zu Plünderungen an die vietnamesische Küste entsandt, und zudem auch noch dem Kaiser Phat Ma (reg. 1028–1054) den Tribut verweigert. 1044 schickte Vietnam daher seine Flotte und konnte die nichtsahnenden Cham vernichtend schlagen. Der König wurde getötet, die Hauptstadt erobert. 1068 wiederholte sich die Geschichte unter dem Cham-König Rudravarman III. (gest. 1074), welcher gefangengenommen wurde und einige Gebiete im Norden abtreten musste.
Der nächste König Harivarman IV. (reg. 1074–1081) war erfolgreicher. Er schlug die Vietnamesen zurück und fügte auch den Khmern größere Niederlagen zu. 1076 griff er Vietnam im Bunde mit den Chinesen und Khmern an, erzielte aber keine Erfolge. Er ließ auch Indrapura wieder aufbauen.
Im 12. Jh. und frühen 13. Jh. wurde das Land wiederholt von den Armeen des Khmer-Reiches erobert, welche eine Oberherrschaft über die Cham-Könige errichteten. Schon 1145 griffen sie an, weil der König von Champa das Bündnis mit Suryavarman II. (reg. 1113–1150) gelöst hatte und eroberten dabei die Hauptstadt. Trotzdem blieben die Cham aktiv: Der König Jaya Harivarman I. (1149 in Vijaya) wurde durch religiöse Stiftungen und die Förderung von Gelehrten bekannt, von denen einer der nächste König wurde. 1177 fiel sogar die Khmer-Hauptstadt Angkor vorübergehend in die Hände der Cham. Aber bereits 1190 revanchierten sich die Khmer (König Jayavarman VII., reg. 1181-c.1220) und konnten Jaya Indravarman IV. (reg. 1167–1190) besiegen und gefangennehmen. Der Versuch des Cham-Fürsten Vidyānandana zum Sturz der Khmerherrschaft scheiterte (1203). Erst mit dem Verfall des Khmer-Reiches wurde Champa um 1226 wiederhergestellt.
Die Invasion Yüan-Chinas 1283 blieb eine Episode. Ihr Grund war, dass der greise König Indravarman V. (reg. 1266–88) ein persönliches Erscheinen am Kaiserhof ablehnte und sein Sohn einen Aufruhr gegen den chinesischen „Vizekönig“ organisierte. 1285 einigte man sich mit einer milden Tributzahlung.
Weitaus ernstzunehmender war die Bedrohung durch Vietnam. Und zwar war der abgedankte König (bzw. „Kaiser“) Vietnams 1301 auf seiner Pilgerfahrt nach Champa gekommen und hatte dem dortigen König die Hand seiner Tochter versprochen. Die Vietnamesen waren damit aber nicht einverstanden, und so bot der König Champas 1306 zwei seiner Grenzprovinzen (im heutigen Quang Tri und Thua Thien) als Entschädigung an. Der Handel wurde durch den Tod des Königs, die Heimreise der Prinzessin (wegen Witwenverbrennung) und Unruhen in den betreffenden Provinzen ungültig gemacht: es kam zum Krieg. 1312 eroberten die Vietnamesen Champa und machten es zu einer Provinz, bis es sich unter dem vietnamesischen Vizekönig Che Anan wieder als unabhängig erklärte.
Im weiteren Verlauf des 14. Jh. kam es unter dem König Che Bong Nga (reg. 1360–90) zu einer Gegenoffensive der Cham gegen Vietnam, unter Ausnutzung des dynastischen Streits bei der untergehenden Tran-Dynastie. 1371 erobert Che Bong Nga die Hauptstadt Hanoi (Thang Long): ein Angriff, der sich 1377 und 1383 erfolgreich wiederholte. Insgesamt unternahm dieser kriegerische König über zehn Angriffe auf Vietnam (Dai Viet). Er wurde in einer Seeschlacht getötet, bei der die Vietnamesen massiv neue Feuerwaffen einsetzten.[5]
Nach 1441 zerfiel der Staat: Bürgerkriege, Herrscherwechel und vietnamesische Interventionen (z. B. 1446) prägten das Bild. Schließlich eroberten die Vietnamesen 1471 die Hauptstadt Vijaya endgültig. Dabei wurden je nach Quelle 40–60.000 Menschen massakriert, und die Gefangenen wurden bis zum Kap Varella getrieben. Die heutige Provinz Binh Dinh wurde Vietnam einverleibt, das Königreich verschwand und an seine Stelle traten kleine, den Vietnamesen tributabhängige Fürstentümer, die dann im 17. und 19. Jh. vollständig im vietnamesischen Staat aufgingen. Gleichzeitig kam es zu einer Auswanderung der Cham bis nach Malakka.
[Bearbeiten] Kauthara und Panduranga
Das vierte Zentrum der Cham war Kauthara, beim modernen Nha Trang in der Provinz Khanh Hoa. Es ist von den Inschriften und Funden her mit der Quang Nam-Region, d. h. mit Indrapura vergleichbar, existierte aber noch bis zum Ende des 17. Jahrhunderts. Ein letztes Zentrum lag bei Phan Rang in der Ninh Thuan-Provinz, d. h. in Panduranga. Auch in Panduranga regierten Cham-Könige Jahrhunderte lang, und zuletzt noch bis 1832 unter vietnamesischer Oberherrschaft.
Im 8. und 9. Jh. wurde die Region von Panduranga und Kauthara von den chinesisch-vietnamesischen Chronisten als „Huan-wang“ bezeichnet. 744 griffen die Malaien und Javaner Kauthara an und plünderten viele Tempel, konnten aber von König Satyavarman verfolgt und geschlagen werden. 787 kam es zu einem erneuten javanischen Angriff. Satyavarman und seine Nachfolger (8./9. Jh.) residierten in Panduranga und sind auch als Bauherren bekannt, z. B. in dem Heiligtum von Po Nagar bei Nha Trang. Indravarman I. (reg. ca. 787/802) soll seine Herrschaft sogar auf ganz Champa ausgedehnt haben.
Heute gibt es noch einige Hunderttausend Cham und die Mehrzahl davon lebt in dieser Region, in der Binh Thuan-Provinz. Unter ihnen ist spätestens seit dem 17. Jh. der Islam weit verbreitet.[6]
- Siehe auch: Geschichte der Cham seit der Neuzeit
[Bearbeiten] Kulturelles
Man vermerkte hinduistischen Einfluss in der Kultur und indischen Stil an Palästen und Tempeln, der dann durch Einflüsse aus dem Khmerreich und Java abgelöst wurde. Bereits Ende des 2. Jh. könnten Inder vom Godavari und Krishna-Fluss nach Champa gekommen sein, wie die (zeitlich umstrittene) Pfeiler-Inschrift von Vô-canh nahelegt.[7] Die ganze Literatur ist in (verdorbenen) Sanskrit geschrieben. Der religiöse Kult erreichte nie die Ausmaße wie bei den Khmern und die Tempel der Cham blieben schlichte Turmheiligtümer. Die bevorzugten Götter waren Shiva nebst Gattinnen und sein Sohn Ganesha. Der Buddhismus hatte aber auch seit dem 9. Jh. Klöster und Tempel in Champa.
Die Cham waren aber nicht nur Seefahrer, Fischer und Piraten, sondern auch erfahrene Ackerbauern mit eisernen Pflügen und 12 Meter hohen Pumpwerken für die Bewässerung. Zudem galten sie als gute Weber und Metallarbeiter. Bereits im 5. Jh. hätten sie nach chinesischen Quellen die Ziegelbauweise benutzt.
Das indische Kastensystem wurde in Champa nicht allzu ernst genommen, weil es das Clan-System der indonesischen Inselwelt nicht verdrängen konnte. So konnten adelige Damen Männer niederer Kasten heiraten, wenn sie nur aus der gleichen Familiengruppe stammten. Witwenverbrennungen waren am Königshof üblich.
Anscheinend hat in Champa kein organisiertes System der Strafjustiz bestanden.
Die Gesellschaft basierte in großen Ausmaß auf Sklaverei. Diese Tatsache trug entscheidend zum Untergang bei.[8]
[Bearbeiten] Anmerkungen
- ↑ Die von Kern vertretene gegenteilige Variante besagt, daß Champa die Urheimat der Malaien war und daß sie sich von dort über Indonesien und Polynesien ausgebreitet haben. Vgl. Fischer Weltgeschichte Band 18, S. 118.
- ↑ Vgl. Cambridge History of South East Asia, S. 153.
- ↑ Fischer Weltgeschichte Band 18, S. 119.
- ↑ Vgl. D. O’Reilly: Early civilizations of Southeast Asia, S. 129 f.
- ↑ Vgl. Nhung Tuyet Tran, Anthony Reid: Viet Nam: Borderless Histories, S. 75
- ↑ Früheste islamische Spuren lassen sich ins 11. Jahrhundert zurückdatieren, zu Anfang des 15. Jh. wurde eine Schwester des Königs, die dem Islam angehörte, nach Majapahit verheiratet. Nach der Niederlage von 1471 gegen Vietnam nahm die Zahl der Übertritte zum Islam stark zu, ab 1607 folgten auch Champa-Herrscher.
- ↑ Vgl. FWG Bd. 18, S. 60 ff. und S. 124
- ↑ Jean Chesneaux, Geschichte Vietnams, S. 33
[Bearbeiten] Literatur
- Nicholas Tarling: The Cambridge History of Southeast Asia: From Early Times to c. 1800, Cambridge University Press, 1992. ISBN 0-521-35505-2, 9780521355056
- Fischer Weltgeschichte Band 18, Südostasien vor der Kolonialzeit.
- Dougald J. W. O’Reilly: Early civilizations of Southeast Asia, Rowman Altamira, 2006. ISBN 0-7591-0279-1, 9780759102798
- George Coedes, Walter F. Vella: The Indianized States of Southeast Asia, University of Hawaii Press, 1968
[Bearbeiten] Siehe auch
- Cham Architektur
- Champasak, eine Provinz im Süden von Laos
- Kampong Cham (Provinz), im Osten Kambodschas


