Chandella

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Khandariya-Mahadeo-Tempel in Khajuraho, 10./11. Jh. Der dortige Tempelbezirk ist den Chandella zuzuschreiben.

Die Chandella (auch: Chandratreyas) waren eine indische Dynastie des Mittelalters (9.-16. Jahrhundert), die im 10./11. Jahrhundert die Vormachtposition in Nordindien anstrebte. Sie saßen in Bundelkhand und hinterließen in Khajuraho die aufgrund ihrer erotischen Darstellungen weltbekannte Tempelanlage.

Ursprung[Bearbeiten]

Sie nahmen eine Rajputen-Herkunft[1] für sich in Anspruch, waren auch Einheimische, aber wahrscheinlich ursprünglich Gonds[2] gewesen. Ihr Häuptling Nannuka riss um 807 das heutige Bundelkhand-Gebiet um Kalinjar und Khajuraho an sich, als der in Kanauj regierende Pratihara-Herrscher Nagabhatra II. (reg. ca. 800–833) vor den Rashtrakuta und Pala in die Wüste Rajasthans fliehen musste. Als Nagabhatra II. zurückkehrte, musste er die Chandella als seine Vasallen in Bundelkhand dulden.

Die Glanzzeit der Chandella[Bearbeiten]

Um 915/16 wurden die Pratihara erneut schwer geschlagen: ihr König Mahipala (reg. ca. 914–943) verlor kurzzeitig Kanauj an den Rashtrakuta Indra III., dessen General Narasimha ihn durchs Land verfolgte. Die Unterstützung des Chandella Harsha Deva (reg. ca. 900-925) führte ihn wieder auf den Thron zurück und seitdem waren die Chandella praktisch die Hausmeier der letzten Pratihara-Könige. Um 950 setzten sie sich in Gwalior fest und strebten (obwohl noch formell Vasallen der Pratihara) die Vormacht in Nordindien an. 954 musste der Pratihara-König Devapala (reg. ca. 948–954) das Reichsheiligtum, ein Idol Vishnus an den Chandella Yasovarman (reg. etwa 925–950) abtreten und in den 960ern gingen seinem Nachfolger Vijayapala große Ländereien an den Chandella Dhanga (reg. ca. 950–1002) verloren, der auch die Kalachuri deklassierte.

Als der Moslem-Eroberer Mahmud von Ghazni (reg. 997-1030) plündernd nach Indien vorrückte fiel der Chandella Ganda (reg. ca. 1002–25) den Pratihara erneut in den Rücken. Rajyapala Pratihara floh aus Kanauj, wurde nun als „Verräter“ bezichtigt, von den Chandella und anderen Fürsten besiegt und ermordet (1018). Aber Ganda und sein Sohn Vidyadhara gaben sich auch mystisch-erotischen Ausschweifungen hin und überließen ihren Chedi-Ministern die Regierungsgeschäfte, zudem erschien Mahmud von Ghazna vor Gwalior und Kalinjar (1023) und brachte den Chandella eine Reihe schwerer Niederlagen[3] bei, was den baldigen Aufstieg der Kalachuri und Paramara zur Folge hatte.

Der Großteil der Tempel in Khajuraho wurde von den Chandella im 10./11. Jahrhundert errichtet, aber neben diesen Baumaßnahmen kümmerten sie sich auch um die Wasserregulierung. Sie errichteten Anlagen, die manchmal noch in heutiger Zeit benutzt werden.

Spätere Zeit[Bearbeiten]

In der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts wurde der Chandella-Staat von Kirtivarman (reg. ca. 1060–1100) wieder hergestellt, indem er sich an den Bündnissen gegen den Paramara Bhoja von Dhara (reg. ca. 1021-65) und den Kalachuri Karna (reg. ca. 1041–1072) beteiligte, die ihrerseits die Vormacht in Nordindien anstrebten, aber dadurch nur erfolgreiche Bündnisse ihrer Nachbarn heraufbeschworen.

König Madanavarman Deva (reg. ca. 1128–1165) besiegte den Solanki Jayasimha (reg. ca. 1093–1143) und rühmte sich in einer Inschrift, den König von Kasi, d.h. den Gahadavala Vijayachandra (reg. ca. 1155–1169) zu einem friedlichen Zeitvertreib gezwungen zu haben.

Schwere Niederlagen gegen den Chauhan Prithviraj III. (reg. 1178–1192) um 1182 und die Moslems um 1202 zogen die Chandella unter Paramardi Deva I. (reg. ca. 1165–1202) in Mitleidenschaft. Für den weiteren Verlauf des 13. Jahrhunderts wurden die Chandella durch die islamischen Angriffe (vgl. Sultanat von Delhi) auf den Status einer unbedeutenden Lokaldynastie reduziert, die allerdings noch bis 1569 existierte.

Regenten[Bearbeiten]

  • Nannuka Deva (Nanika) ca. 820
  • Vakpati
  • Jayasakti (Jejjaka)
  • Vijayasakti (Vijjaka)
  • Rahila ca. 890-910
  • Harsha Deva ca. 900-925
  • Yasovarman (Lakshavarman) ca. 925-950
  • Dhanga ca. 950-1002
  • Ganda (Nanda Rai) ca. 1002–1025
  • Vidhyadhara Deva ca. 1025–1035
  • Vijayapala Deva ca. 1035–1045
  • Devavarman Deva (Devendravarman) ca. 1045–1060
  • Kirtivarman Deva ca. 1060–1100
  • Sallakshana-varman Deva ca. 1100–1117
  • Jayavarman Deva ca. 1117
  • Prithivivarman Deva ca. 1117–1128
  • Madanavarman Deva ca. 1128–1165
  • Paramardi Deva (Parmal) ca. 1165–1203
  • Trailokyavarman Deva ca. 1203–1254
  • Viravarman Deva ca. 1254–1285
  • Bhojavarman Deva ca. 1285–1289
  • Hammiravarman Deva ca. 1289–1308

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Kulke/Rothermund: Geschichte Indiens, München 1998, S.150
  2. H. Goetz: Geschichte Indiens, Stuttgart 1962, S.100
  3. Vidyadhara musste sich vor Kalinjar den Abzug Mahmuds mit 300 Kriegselefanten erkaufen.

Literatur[Bearbeiten]

  • H. Goetz: Geschichte Indiens, Stuttgart 1962