Chanel

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Chanel (Begriffsklärung) aufgeführt.
Chanel S.A.S.
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Rechtsform Société par Actions Simplifiée
Gründung 1913[1]
Sitz Neuilly-sur-Seine, Frankreich
Leitung Alain Wertheimer (CEO)
Branche Luxusartikel
Website www.chanel.com
Chanel-Boutique an der Pariser Place Vendôme mit Spiegelung des Hôtel Ritz im Schaufenster

Chanel S.A.S. (frz. [ʃaˈnɛl]) heißt der von Gabrielle Bonheur Chanel, genannt Coco Chanel, mit der Eröffnung einer Chanel-Boutique 1913 in Deauville[2] gegründete Modekonzern mit heutigem Sitz in Neuilly-sur-Seine. Mittlerweile gehört Chanel weltweit zu den größten und bedeutendsten Unternehmen in der Mode- und Kosmetikbranche. Neben der Haute Couture und Prêt-à-porter für Damen produziert und verkauft Chanel für Damen und zum Teil auch für Herren darüber hinaus Uhren, Schmuck, Brillen, Modeaccessoires, Parfüm und Kosmetik im Luxusgüter-Segment.

Nach Forbes ist Chanel ein privat geführtes Unternehmen, das den Franzosen Alain Wertheimer (* 1949) und Gérard Wertheimer (* 1950) gehört, den Enkeln von Pierre Wertheimer (1888–1965), einem einstigen Geschäftspartner von Coco Chanel.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Coco Chanel[Bearbeiten]

Hauptartikel: Coco Chanel
Blick in eine Chanel-Boutique in Hongkong

1909 eröffnete Coco Chanel, eine gelernte Näherin, in Paris ein Hutatelier mit eleganten, schlichten Hüten für wohlhabende Damen. Da sich ihre modernen Hutkreationen in ihrem erweiterten Bekanntenkreis der Pariser High Society rasch größter Beliebtheit erfreuten, erwarb Mademoiselle Chanel 1910 ein Anwesen in der Pariser Rue Cambon 21 und eröffnete unter dem Namen Chanel Modes dort ein Atelier, gegenüber der Rückseite des Hotel Ritz, in welchem sie ab Mitte der 1930er Jahre eine Suite beziehen sollte. Es folgten 1913 eine Boutique, ebenfalls namens Chanel Modes, im mondänen Deauville und in den folgenden Jahren ein Couture-Haus im schicken Badeort Biarritz, wo Mademoiselle eine für die Zeit ungewöhnlich sportlich-lässige, dennoch elegante und hochpreisige Damenmode anbot. Das offizielle Gründungsdatum des Unternehmens gibt Chanel selbst mit der Boutique-Eröffnung im Jahr 1913 in Deauville an und feierte im Jahr 2013 dementsprechend 100-jähriges Bestehen.[4] Im Jahr 1916 präsentierte Mademoiselle erstmals eine komplette Couture-Kollektion, und Chanel-Mode wurde in der amerikanischen Vogue thematisiert. Gegen 1918 eröffnete eine Chanel-Boutique in der Rue Cambon 31, wo sich bis heute das Haupt-Atelier und eine Flagship-Boutique von Chanel befinden. 1919 trat Chanel dem Pariser Haute Couture Verband, Chambre Syndicale de la Couture Parisienne, bei.

Ähnlich wie bei Modeschöpfer-Kollege Jean Patou bestand bei Chanel der typische Look – im Gegensatz zur konservativ-opulenten, steifen Damenmode jener Zeit – aus schlichten, androgynen Schnitten mit fließenden, weichen Stoffen und tiefsitzenden Taillen, wie es in den 1920er Jahren für junge, emanzipierte Frauen der letzte Schrei war. Inspiriert von Sportbekleidung für Damen, dem maritimen Mode-Stil der Badeorte und der Praktikabilität von Herren-Bekleidung und Armee-Uniformen, machte sich Chanel mit jugendlichen Blusen, eleganten Blazern, dreiteiligen Kostümen, weiten Hosen und Pailletten-Tops in einfarbig-dezenten Tönen in der Pariser Modewelt rasch einen Namen. Auch ihr bis dahin nur bei Unterwäsche gekannter Einsatz von weichem Baumwoll-Jersey in der Damengarderobe – ursprünglich eine Notwendigkeit aus Kostengründen und wegen der Ressourcenknappheit in der Zeit um den Ersten Weltkrieg – verhalf ihr bald zu internationaler Anerkennung.[5] 1925 kreierte sie erstmals ein Kostüm mit Cardigan-Jacke ohne Revers aus Tweed, welches eine Ikone der Chanel-Mode werden sollte und später bspw. als mit Bordüren abgesetztes Bouclé-Kostüm zahlreich variiert wurde. Ab 1926 erregte Coco Chanel mit ihrem Klassiker, dem „kleinen Schwarzen“ (frz.: petite robe noire), einem knielangen schwarzen Abendkleid – in einer Zeit, in der kurze Rocklängen noch immer ungewohnt und die Kleider-Farbe schwarz zumeist den Dienstboten vorbehalten war oder mit Trauerkleidung assoziiert wurde – erneut große Aufmerksamkeit in der Modebranche und erschuf somit eines der bedeutendsten Kleidungsstücke des 20. Jahrhunderts. Bald wurde der Chanel-Stil von allen Seiten kopiert, was allerdings nur noch mehr zum Prestige des Hauses beitrug. Coco Chanel entwarf auch Schmuckkollektionen, ab 1924 in einem eigenen Studio – sie gilt als Erfinderin des Modeschmucks – wobei sehr häufig lange Perlen-Ketten zum Einsatz kamen. Ab 1926 entwarf Mademoiselle unter anderem für den Theater-Regisseur Jean Cocteau Bühnen-Kostüme.

Die Parfümsparte von Chanel wurde 1924 als Parfums Chanel in Neuilly-sur-Seine (wo sich bis heute der Firmensitz des Unternehmens Chanel befindet) offiziell etabliert, nachdem bereits 1922 von Coco Chanel zusammen mit dem Chemiker Ernest Beaux (1881-1961) aus Grasse das berühmte Parfüm Chanel Nº 5 sowie eine Reihe anderer, später eingestellter Parfüms (Nº 11, Nº 14, Nº 20, Nº 21, Nº 27, Nº 55) lanciert worden war. Die Flaschenform für den Duft N° 5 hatte Mademoiselle selbst entworfen. Der französische Geschäftsmann Pierre Wertheimer (* 8. Januar 1888; † 24. April 1965) und sein Bruder Paul (* 22. Juni 1883; † ), Eigentümer des international agierenden Kosmetik-Konzerns Bourjois aus Pantin, brachten die finanziellen Möglichkeiten, die Fabrikationsstätten für Parfüm, die kommerzielle Expertise und die nötigen Geschäftsverbindungen in das Unternehmen mit ein und hielten dadurch 70 % an der von der Mode-Sparte des Hauses Chanel getrennt tätigen Firma. Mademoiselle Chanel selbst besaß lediglich 10 % der Anteile, und der Gründer der Galeries Lafayette Théophile Bader – ein elsässischer Freund des Vaters der Wertheimers, welcher die Begegnung mit Coco Chanel 1923 in Deauville initiiert hatte – hielt 20 %. Mit Bader war Chanel über ihren Modesalon und das Parfüm Nº 5 bereits geschäftlich verbunden und befreundet gewesen. 1926 wurde die erste Chanel-Boutique in London eröffnet. Coco Chanel versuchte nach für sowohl die Mode- als auch die Parfüm-Sparte geschäftlich sehr erfolgreichen Jahren in den 1930ern vergebens durch Klagen, ihre Besitzanteile an Parfums Chanel zu erhöhen.

Ab 1930 stattete Chanel für einige Jahre die Leinwand-Stars von United Artists aus. 1935 zählte Chanel bereits 4.000 Angestellte und verkaufte 28.000 Kleidungsstücke, obwohl das Unternehmen die Weltwirtschaftskrise 1929 besonders auf dem amerikanischen Markt zu spüren bekommen hatte. Im September 1939, nachdem der Zweite Weltkrieg begonnen hatte, stellte Coco Chanel die Haute-Couture-Mode ein und verkaufte vorübergehend nur noch Parfüm und Accessories. 1940 emigrierte die ursprünglich aus dem Elsass stammende, jüdische Familie Wertheimer mit deutschen Wurzeln über Brasilien in die USA; die Anteile an Parfums Chanel wurden bis zu ihrer Rückkehr nach dem Weltkrieg vom befreundeten Flugzeug-Hersteller Félix Amiot pro forma übernommen und danach an Pierre Wertheimer zurückgegeben, ohne dass Coco Chanel die Besitzverhältnisse beeinflussen konnte. Mlle. Chanel zog nach Vorwürfen, sie habe mit Nazi-Deutschland kollaboriert, bis 1954 in die Schweiz. Nach finanziellen Auseinandersetzungen und persönlichen Streitigkeiten mit Pierre Wertheimer einigten sich Coco Chanel und er 1947 auf eine weitere geschäftliche Zusammenarbeit, wobei Wertheimer sich die Rechte an allen Produkten der Marke Chanel sicherte und Coco Chanel eine Einmalzahlung von umgerechnet 350.000 Dollar sowie eine fortwährende Umsatzbeteiligung von 2 % (entsprach bis zu einer Million Dollar pro Jahr) zugestand, um einen Gerichtsprozess oder einen Alleingang von Mlle. Chanel zu vermeiden. 1954 übernahmen die Wertheimers auch den 20-%-Anteil von Théophil Bader sowie die Modesparte des Unternehmens. Die Haute Couture – inzwischen dominiert von Konkurrenten wie Dior, Fath oder Balenciaga – wurde unter der Regie der mittlerweile 70-jährigen Coco Chanel im Hause Chanel wiederbelebt. Die Kollektionen waren nach anfänglichen Schwierigkeiten äußerst erfolgreich und beflügelten im Nebeneffekt den Umsatz des Parfüm-Geschäfts.

Der erste Herren-Duft des Hauses, Chanel pour Monsieur, wurde 1955 auf den Markt gebracht und ist bis heute erhältlich. Im gleichen Jahr wurde eine abgesteppte Chanel-Handtasche mit Goldkette namens Chanel 2.55 (für 'Februar 1955') präsentiert, die bis heute zu den Klassikern des Unternehmens gehört, siehe Bild unten. 1956 wurde die US-amerikanische Niederlassung Chanel, Inc. in New York gegründet.[6] 1957 wurde Mademoiselle mit dem Neiman Marcus Award geehrt. 1959 wurde der Chanel N° 5-Flakon erstmals im New Yorker Museum of Modern Art als Kunstobjekt präsentiert und später in die ständige Sammlung des Museums aufgenommen. Von Marilyn Monroe ist bekannt, dass sie "zum Schlafen nur einige Tropfen Chanel No. 5" und sonst nichts trug, und die Fotos der sich in einem blutverschmiertem Chanel-Kostüm (bzw. je nach Quelle ein pinkfarbenes Kostüm im Chanel-Stil) über ihren angeschossenen Ehemann beugenden Jacqueline Kennedy gingen 1963 um die Welt.[7][8][9] 1965 übernahm nach Pierres Tod dessen Sohn Jacques (* 18. August 1911; † 6. Februar 1996), ein begeisterter Pferdezüchter, die Leitung des Hauses Chanel. Unter seiner Führung sanken die Umsätze des Parfüm-Geschäfts; Chanel-Parfüm war in den USA mittlerweile sogar zu immer weiter sinkenden Preisen in Drogerie-Ketten zu kaufen.

Bis zu ihrem Tod im Alter von 87 Jahren war Coco Chanel für die Kreationen des Hauses verantwortlich. Nach Coco Chanels Tod 1971 nahm Gaston Berthelot, ein Dior-Designer, wenig erfolgreich ihren Platz als Designer der Chanel-Mode ein. Er wurde bereits 1973 über die folgenden Jahre mit wechselnden Designern ersetzt. 1974 übernahm Pierres Sohn Alain, welcher mit seinem Bruder Gerard bis heute alleiniger Eigentümer von Chanel ist, die Leitung des Konzerns, während sein Vater bis 1978 dem Aufsichtsrat angehörte. Die erste Prêt-à-porter-Modekollektion von Chanel, Chanel Boutique, wurde 1978 unter der Leitung von Philippe Guibourgé mit mäßigem Erfolg präsentiert.

Karl Lagerfeld[Bearbeiten]

Hauptartikel: Karl Lagerfeld
Karl Lagerfeld mit Sebastien Jondeau im Hintergrund (2008)
Claudia Schiffer im Chanel-Outfit als Gast bei der Chanel Prêt-à-porter-Schau F/S 2010 (2009)

1980 stellte Alain Wertheimer die Werbefachfrau und spätere Chanel-Nordamerika-Chefin Kitty D'Alessio ein, welche wiederum den damaligen Chloé-Designer Karl Lagerfeld mit Wertheimer bekannt machte. 1983 wurde Lagerfeld zunächst als Berater für die Haute Couture eingestellt, während Hervé Léger (Hervé L. Leroux), der bei Fendi in Rom seit 1981 Lagerfelds Assistent gewesen war, die Prêt-à-porter-Sparte übernahm. Im folgenden Jahr machten die Wertheimers Lagerfeld zum Chef-Designer der gesamten Mode-Sparte des Hauses. Lagerfeld verhalf durch moderne, bisweilen unkonventionelle Interpretationen des Erbes von Coco Chanel der damals etwas angestaubten Modemarke für ältere Damen wieder zu ihrem alten Glanz und trug durch den Ausbau der Kollektionen maßgeblich dazu bei, dass Chanel heute auch bei jungen Frauen zu den tonangebenden Top-Marken in der hochpreisigen Damenmode zählt. Kritiker bemängeln, dass Lagerfeld – wenngleich mit immensem finanziellen Erfolg für das Haus Chanel – lediglich die Ideen von Coco Chanel zeitgemäß umsetzt, statt die Marke mit etwas Eigenem zu bereichern.[10] Das Atelier von Chanel, und damit der Arbeitsplatz von Karl Lagerfeld, befindet sich bis heute in der Rue Cambon in Paris. Das Chanel-Management lässt Lagerfeld bei seinen Entwürfen – auch im Hinblick auf die Budgetierung – freie Hand und sieht die vielseitigen Verpflichtungen des Designers bei anderen Modefirmen als kreative Bereicherung für Chanel.[11][12] 1988 erhielt Lagerfeld vom Council of Fashion Designers of America den International Award für seine Chanel-Kollektionen.

Unter Lagerfeld wurde das französische Model Inès de la Fressange ab 1983 medienwirksames Werbe-Gesicht für Chanel, bis Lagerfeld sie 1990 durch das deutsche Model Claudia Schiffer ersetzte. Schiffer und Lagerfeld gingen 1996 getrennte Wege, arbeiteten aber seit Anfang der 2000er Jahre wieder für die Marke Chanel miteinander. Inès de la Fressange führte Ende 2010 die Haute-Couture-Modenschau von Chanel als Model an. Zu Lagerfelds persönlichen Mitarbeiterinnen bei Chanel gehört seit 1997 die britische Modeberaterin Amanda, Lady Harlech, die zuvor 12 Jahre lang für John Galliano gearbeitet hatte, bis dieser zu Dior wechselte.[13] Ab den 2000er Jahren wurden vermehrt internationale Stars wie Vanessa Paradis, Nicole Kidman, Audrey Tautou, Keira Knightley oder Blake Lively als Testimonials für Chanel eingesetzt.

Markenzeichen[Bearbeiten]

Zum Markenauftritt von Chanel gehören neben dem markanten Firmensignet in Großbuchstaben samt rückseitig aufeinander gelegten Cs als Unternehmenslogo in schwarz auf weißem Grund oder weiß auf schwarzem Grund die Gestaltung der weltweiten Boutiquen und der Verkaufsflächen für Parfüm und Kosmetik in den monochromen Tönen schwarz und weiß. Zu den charakteristischen Merkmalen und wiederkehrenden Stilelementen von Chanel zählen das Kleine Schwarze, kragenlose Tweedjacken und -kostüme in Boucléverarbeitung und mit Bordürensaum, Goldknöpfe, Handtaschen mit Steppverzierungen und Trageriemen aus metallischen Kettengliedern, die Kamelienblüte oder andere Blüten und deren stilisierte Formen, lange Perlenketten und Goldschmuck sowie die schlicht-eleganten Verpackungen und Behälter der Parfüm- und Kosmetikprodukte in simplen, rechteckigen Formen,[14]

Chanel-Konzern[Bearbeiten]

Die Chanel-Boutique am Rodeo Drive (2008)

Zur Chanel-Gruppe (Holdings: Pamerco AG, Glarus sowie New Litor Limited, George Town) gehörten unter anderem von 1993 bis 1998 eine Beteiligung am defizitären amerikanischen Modelabel Isaac Mizrahi, seit 1993 der Schweizer Uhrenhersteller G&F Chatelain, seit 1996 der britische Waffenhersteller Holland & Holland mit eigener Jagdmodenkollektion, von 1996 bis 2005 als Joint Venture die Friseursalon-Kette Frédéric Fekkai, seit 1997 der Bademodenhersteller Eres, seit 1998 eine Beteiligung am Uhrenhersteller Bell & Ross und seit spätestens 2002 die langjährigen Chanel-Zulieferer A. Michel et Cie. (Hüte), Massaro (Schuhe), Lemarié (Federn), Desrues (Accessoires) und Lesage (Stickereien) aus Paris.[15] 1987 wurden zum ersten Mal Armbanduhren von Chanel in einer eigenen Uhren-Boutique auf der eleganten Avenue Montaigne in Paris angeboten. 2012 übernahm Chanel den in Hawick (Schottland) angesiedelten Strickwarenspezialisten Barrie Knitwear. Konzern-Zahlen werden von Chanel nicht veröffentlicht. Anfang der 2000er Jahre wurde der Jahresumsatz auf über 2 Mrd. Dollar geschätzt. Das Familienvermögen von Alain (Konzern-Chef, New York) und Gérard (Europa-Chef, Genf) Wertheimer wurde Mitte der 2000er auf 5 Mrd. Euro geschätzt.[16] Die Familie lebt zurückgezogen und tritt in der Öffentlichkeit nicht in Erscheinung. Seit 2007 ist die ehemalige Nordamerika-Chefin von Chanel, Maureen Chiquet, Global CEO des Unternehmens.

Boutiquen[Bearbeiten]

Chanel-Mode wird nur über die eigenen Boutiquen und wenige ausgewählte Kaufhäuser des gehobenen Genres, in denen sich meist Chanel-Shops-in-Shop befinden, vertrieben. Die erste Chanel-Boutique, abgesehen vom Stammsitz in Paris, war 1913 in Deauville eröffnet worden. Weltweit gab es zum Stand 2013 um die 300 Chanel-Boutiquen[17], von denen nicht alle das Komplett-Sortiment führen.[18] Die 1984 in Honolulu eröffnete Chanel-Boutique war in den 1990ern aufgrund der zahlreichen japanischen Touristen in Hawaii das profitabelste Chanel-Geschäft weltweit. Die erste Chanel-Boutique auf dem US-amerikanischen Festland öffnete 1985 auf dem Rodeo Drive ihre Türen, die erste Chanel-Boutique in New York City folgte 1986. In Deutschland unterhält Chanel sechs Geschäfte: Berlin (2x), Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt am Main und München. In der Schweiz sind es die Standorte Genf (2x), St. Moritz und Zürich, und in Österreich befindet sich Chanel am Kohlmarkt in Wien.

Produkte[Bearbeiten]

Mode und Accessoires[Bearbeiten]

Haute Couture Kollektion H/W 2011; präsentiert im Juli 2011 im Grand Palais
Prêt-à-porter Kollektion F/S 2009; präsentiert im Oktober 2008 im Grand Palais

Chanel bietet Bekleidung und Accessoires – mit wenigen Ausnahmen, wie etwa Herren-Krawatten – ausschließlich für Damen an. Karl Lagerfeld entwirft für das Haus Chanel acht Damen-Kollektionen pro Jahr:[19] vier hochpreisige Prêt-à-porter-Kollektionen, zwei nicht weniger teuere Vor-Kollektionen (ebenso Prêt-à-porter-Mode) sowie zwei Haute Couture Kollektionen im obersten Preissegment. Bei den regulären Prêt-à-porter-Kollektionen gibt es pro Saison je eine modisch-aufwendige Laufstegkollektion, welche bereits sechs Monate vor dem Verkauf während der Pariser Modewochen präsentiert wird, sowie eine klassischere Kollektion, welche direkt in den Verkauf geht und zuvor nicht auf dem Laufsteg präsentiert wird. Die Croisière/Resort Vor-Kollektion wird im späten Frühling (ca. Mai) vorgestellt und geht im darauffolgenden Winter (ca. November) in den Verkauf. Die Metiers d'art Vor-Kollektion wird im Winter (ca. Dezember) vorgestellt und geht im späten Frühling (ca. Mai) in den Verkauf. Die weltweiten Chanel-Boutiquen werden demnach alle zwei Monate mit neuer Ware aus den Prêt-à-porter- und Vor-Kollektionen beliefert. Die für einen exklusiven Käuferkreis bestimmte Haute Couture Mode wird der zahlungskräftigen internationalen Kundschaft – mit Ausnahme von in größeren Boutiquen wie bspw. in New York angebotenen Mustermodellen – vorwiegend im Atelier in der Rue Cambon in Paris angepasst und verkauft.

  • Haute Couture – Frühjahr/Sommer sowie Herbst/Winter
  • Prêt-à-porter – Frühjahr/Sommer sowie Herbst/Winter (jeweils Laufsteg- und Klassik-Kollektion)
  • Vor-Kollektionen:
    • Croisière/Resort – "Pre-Spring" (cruise collection; Frühjahrs-/Sommermode im Winter)
    • Metiers d'art – "Pre-Fall" (Herbst-/Wintermode im Sommer)

Letztere wurde 2002 (für die Saison 2003) zum ersten Mal als Gegenstück zu den Resort-Kollektionen gezeigt und soll im Rahmen des Erwerbs der ehemals eigenständigen Zulieferer-WerksstättenDesrues/Schmuck-Accessoires und Knöpfe (1984 von Chanel erworben), Lemarié/Federn und Blüten (1996), Michel/Hüte (1997), Massaro/Schuhe (2002), Lesage/Stickereien (2002), Goosens/Goldschmiede (2005), Guillet/Blüten (2006)[20] – deren kunsthandwerkliche Fertigkeiten hervorheben.[21] Die Métiers d'art (dt.: Kunsthandwerk) Schauen wurden seit 2004 nach Metropolen benannt (und meist auch dort vorgeführt), welche in irgendeiner Weise mit Coco Chanel in Verbindung stehen: Paris-Tokio (Pre-Fall 2005), Paris-New York (Pre-Fall 2006), Paris-Monte Carlo (Pre-Fall 2007), Paris-London (Pre-Fall 2008), Paris-Moskau (Pre-Fall 2009),[22] Paris-Shanghai (Pre-Fall 2010),[23] Paris-Byzanz (Pre-Fall 2011, in Paris gezeigt)[24], Paris-Bombay (Pre-Fall 2012, in Paris gezeigt).[25], Paris-Edinburgh (Pre-Fall 2013, Linlithgow Palace),[26] (Pre-Fall 2014, Dallas).

Analog wurden die Resort-Kollektionen an besonderen Schauplätzen vorgeführt: Bootsfahrt auf der Seine (Pre-Spring 2005), Busfahrt durch Paris (Pre-Spring 2006), New York Grand Central Station (Pre-Spring 2007), Santa Monica Airport (Pre-Spring 2008), Miami (Pre-Spring 2009), Lido di Venezia (Pre-Spring 2010), Saint Tropez (Pre-Spring 2011), Antibes (Pre-Spring 2012), Garten von Schloss Versailles (Pre-Spring 2013)[27], Singapur (Pre-Spring 2014).

Neuauflage der 1955 lancierten Chanel 2.55 Handtasche (2009)

Seit 2006 werden die Prêt-à-porter-Schauen und in den Jahren seither mitunter auch die Haute Couture Präsentationen von Chanel im Pariser Grand Palais vorgeführt, welcher zu diesem Zweck jeweils ein besonderes Dekor erhält. Die Haute Couture Schauen fanden ansonsten überwiegend im Haupthaus in der Pariser Rue Cambon statt. Seit 1991 wird die Hintergrundmusik bei den Chanel-Schauen im Auftrag von Karl Lagerfeld von dem Pariser DJ Michel Gaubert arrangiert.[28] Alle Chanel-Schauen sind – aufgrund der wohlhabenden Besucher unter hohen Sicherheitsvorkehrungen – aufwendig inszenierte und kostenintensive Veranstaltungen für geladene Gäste und ziehen jedes Mal ein großes Medien-Echo auf sich.

Ab ungefähr den 2000er Jahren tauchten in den Chanel-Modenschauen auch männliche Modelle - vorgeführt von Lagerfelds Lieblingsmodels wie Brad Kroenig, Sebastien Jondeau oder Baptiste Giabiconi - auf, obwohl Chanel keine Bekleidung für Herren herstellt. Lagerfeld erklärte dies mit dem Umstand, dass Coco Chanel sich die Inspiration für ihre Damenkollektionen einst aus der Männermode holte. Mit seinen männlichen Chanel-Modellen (im Grunde für Herren modifizierte Damen-Modelle) wolle Lagerfeld diesen Umstand - zumindest während der Modenschauen - als Hommage an Coco umkehren.

Typische Chanel-Verkaufsfläche für Kosmetik in Hongkong
Das berühmteste Parfüm von Chanel: N° 5

Parfüm und Kosmetik[Bearbeiten]

Hauptartikel: Chanel Nº 5

Parfüm und Kosmetik von Chanel gibt es sowohl für Damen als auch Herren. Das bekannteste Parfüm aus dem Hause Chanel heißt Chanel N° 5 und wurde 1921 in Frankreich als Damenduft auf den Markt gebracht. Das Unternehmen entwickelte im Laufe der Jahre eine ganze Reihe bis heute erhältlicher hochpreisiger Damen- und Herrendüfte, z. B. Pour Monsieur (1955), Nº 19 (1971), Cristalle (1974), Antaeus (1981), Coco (1984), Egoïste (1990), Platinum Egoïste (1993), Allure / Allure Homme (1999; und Variationen in den Folgejahren), Coco Mademoiselle (2001), Chance (2002; und spätere Variationen), Bleu de Chanel (2010) und viele weitere. Daneben gibt es die Exclusifs de Chanel, eine Reihe von 12 in den Chanel-Boutiquen erhältliche Eaux de Toilette in identischen 200ml-Flacons, zu denen neben Nº 22 (1922) und Sycomore (2008) auch Gardénia (1925), Cuir de Russie (1927), Coromandel (2007), Nº 18 (2007), Beige (2008) und weitere zählen. Im Laufe der Jahre wurden allerdings auch einige - besonders die zahlreichen während der 1930er und 1940er Jahre lancierten Düfte (Ivoire, Glamour, Cynique etc.) - wieder eingestellt.

Chanel bedient sich bei der Entwicklung der Parfüms neuester Erkenntnisse der organischen Chemie und der Duftwissenschaft. Der Erschaffer des Duftes Chanel N° 5, Ernest Beaux, blieb bis 1954 für Chanel tätig, sein Nachfolger wurde bis 1978 Henri Robert (1899-1987). Langjähriger Parfümeur und damit 'Nase' des Hauses Chanel ist seither der Franzose Jacques Polge (*1943). Neben den Düften existieren hochpreisige pflegende und dekorative Kosmetik-Serien aus dem Hause Chanel, welche sowohl über die eigenen Boutiquen als auch über den Parfümerie-Fachhandel vertrieben werden.

Für Chanel-Parfüms wurden immer wieder prominente weibliche Persönlichkeiten als Werbeträger eingesetzt. Coco Chanel posierte in den 1930er Jahren selbst für Werbekampagnen für Chanel N° 5. In späteren Jahren verkörperten unter anderem die Schauspielerinnen Catherine Deneuve (ab 1968), Ali MacGraw (ab 1968), Carole Bouquet (ab 1986), Vanessa Paradis (ab 1991), Estella Warren (ab 1998), Nicole Kidman (ab 2004) und Audrey Tautou (ab 2008) das 'Gesicht' von Chanel N° 5. 1990 drehte der Werbefilmregisseur Jean-Paul Goude für den Herren-Duft Egoïste einen markanten Werbespot.[29] Ende 2012 warb Chanel mit Brad Pitt erstmals mit einem Mann für Chanel N° 5 in Fernseh- und Printkampagnen.[30][31]

Uhren und Schmuck[Bearbeiten]

Die erste Schmuckkollektion von Chanel wurde 1932 von Coco Chanel präsentiert. Heutzutage bietet Chanel für Damen sowohl hochpreisigen Modeschmuck als auch seit 1993 Echtschmuck im obersten Preissegment an.[32] Von 1992 bis 2007 kreierte der deutsch-französische Juwelier Lorenz Bäumer Chanel-Schmuck als Chefdesigner bevor er von Louis Vuitton (Unternehmen) abgeworben wurde. Seither werden die Schmuckstücke von einem Design-Team im Schmuck-Atelier von Chanel an der Place Vendôme in Paris entworfen.

1987 lancierte Chanel mit dem Damen-Modell Première erstmals eine Armbanduhren-Kollektion. Seither sind zahlreiche hochpreisige Modelle für Damen und Herren erschienen. Die Uhrenmanufaktur von Chanel befindet sich in La Chaux-de-Fonds in der Schweiz.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chanel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geraldine Chaplin ist Coco Chanel salzburg.com, 22. November 1913
  2. Keira Knightley spielt Coco Chanel, elle.de, 20. März 2013
  3. World's Richest People: Wertheimer, Alain & Gerard, forbes.com, 2005
  4. Karl Lagerfeld to Celebrate Chanel’s 100th Anniversary by Directing Keira Knightley
  5. Königin der Haute Couture, Die Zeit, 12. August 2009
  6. Chanel, Inc., Business Week, abgerufen: 19. Oktober 2010
  7. Vor 85 Jahren: Chanel No. 5 kommt auf den Markt – Der Duft der Emanzipation, wdr.de, 5. Mai 2006
  8. The woman who REALLY invented French dressing: New movie reveals a different side to Coco Chanel, dailymail.co.uk, 31. Juli 2009
  9. Pink Chanel suit of Jacqueline Bouvier Kennedy, en.wikipedia.org, abgerufen: 6. Juni 2011
  10. Is Chanel Designer Karl Lagerfeld Spread Too Thin?, Newsweek, 30. Januar 2012
  11. "Ich bin der Organisierer", welt.de, 30. Januar 2011
  12. Chanel denkt nicht über Nachfolger für Lagerfeld nach, capital.de, 16. Februar 2011
  13. Amanda Harlech ist Karl Lagerfelds neue Beraterin, berliner-zeitung.de, 29. Januar 1997
  14. Erkennen Sie den Stilcode von... Typisch Chanel, elle.de, abgerufen: 25. Januar 2014
  15. The Power Behind The Cologne, The New York Times (engl.), 24. Februar 2002
  16. Wer steckt hinter ... dem Chanel-Konzern?, stern.de, 25. Februar 2006
  17. Karl Lagerfeld's Interview Herbst-Winter 2013/14 Prêt-à-porter, chanel-news.chanel.com, 6. März 2013
  18. Chanel – Unternehmensgeschichte, Abruf: 24. Mai 2009 (englischer Artikel)
  19. Fünf Minuten Lagerfeld, manager-magazin.de, 17. Februar 2009
  20. The Art of Empire, flauntmagazine.com, abgerufen: 13. Juni 2012
  21. Haute-Luxe, brandeins.de, Dezember 2006
  22. Folkloristische Hommage, amica.de, abgerufen: 21. März 2011
  23. Chanel meets China, vogue.de, 7. Dezember 2009
  24. Chanel Pre-Fall 2011 Métiers d'Art line - Für Könige und Kaiser, fem.com, 11. Dezember 2010
  25. Lagerfeld’s India-Inspired Looks for Chanel, wsj.com, 6. Dezember 2011
  26. Chanel in Schottland: Im Linlithgow Palace präsentierte Karl Lagerfeld die Pre-Fall-Kollektion 2013, vogue.de, 5. Dezember 2012
  27. Chanel Cruise Collection 2013, vogue.de, 15. Mai 2012
  28. Michel Gaubert, elleuk.com, 26. Oktober 2010
  29. Rue Faubourg: Famous Chanel Egoiste Ad Jean Paul Goude Commercial, youtube.com, abgerufen: 13. Juni 2012
  30. Brad Pitt wirbt für Chanel No. 5 , sueddeutsche.de, 16. Oktober 2012
  31. Brad Pitt sorgt bei Chanel für dufte Verkaufszahlen, bild.de, 30. November 2012
  32. Wissenschaftlicher Artikel von Thomas Neubner zu ikonischen Realisationen in Schmuckkollektionen bei Chanel. In: Nek-Mag. Magazin für Kommunikationswissenschaft 02/2011, Universität Essen.