ChangKong-1

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ChangKong-1
Typ: Zieldarstellungsdrohne
Entwurfsland: China VolksrepublikChina Volksrepublik China
Hersteller: Nanjing Aeronautical Institute, NAI
Erstflug: 1966
Produktionszeit: ab 1976

Die unbemannten Luftfahrzeuge der ChangKong-1-Reihe (chinesisch 长空一号Pinyin Cháng Kōng Yīhào ‚Weiter Himmel Nr. 1‘) basieren konstruktiv auf der sowjetischen Lawotschkin La-17. Sie waren die ersten Zieldarstellungsdrohnen der Volksrepublik China und wurden über viele Jahrzehnte für chinesische Anforderungen weiterentwickelt und mit eigener Technik ausgerüstet.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits Ende der 1950er Jahre erhielt China eine Lieferung von wenigen La-17-Drohnen. Nach dem politischen Bruch mit der Sowjetunion und dem damit verbundenen Wegfall des Lieferanten, entschloss man sich in China eine eigene Zieldarstellungsdrohne zu produzieren. Als der einfachste und schnellste Weg erwies sich der, eine Kopie der bewährten La-17 anzufertigen, wie es die Volksrepublik zu jener Zeit mit vielen sowjetischen Flugzeugmustern machte.

Das Chang Kong 1 Projekt begann in den 1960er Jahren in der Waffenversuchs- und Trainingsbasis der chinesischen Luftstreitkräfte unter Federführung von General Zhao Xu. Der Erstflug soll im Jahr 1966 erfolgreich stattgefunden haben, aber wegen der chinesischen Kulturrevolution musste die Entwicklung mehrfach unterbrochen werden. Die Arbeiten an dem Projekt wurden 1970 von dem Nanjing Institute of Aeronautics (heute Nanjing University of Aeronautics & Astronautics, NUAA) übernommen.[1] Erst 1976 und damit zehn Jahre nach Beginn der Entwicklungsarbeiten kam die als CK-1 (Chang Kong – Blauer Himmel) bezeichnete Zieldrohne offiziell zu den Streitkräften. Dort wird sie auch unter der Kennung „Ziel-5“ bzw. D-5 genutzt.[2] Einige wenige Quellen beziehen sich auch mit der Bezeichnung BA-5 auf die CK-1, wobei allerdings schon eine unbemannte Zieldrohnenversion des Jagdflugzeuges J-5 (MiG-17) schlüssigerweise so bezeichnet wird.[3]

Konstruktion[Bearbeiten]

Trotz des offensichtlichen Vorfahren war die ChangKong 1 keine 1-zu-1-Kopie. Als Antrieb dienten umgebaute Wopen WP-6 Turbojettriebwerke – eine in Lizenz produzierte RD-9B Turbine. Durch die Verwendung eines Turbojettriebwerks von Anfang an, hatten die chinesischen Konstrukteure den gleichen Weg beschritten, wie ihre sowjetischen Kollegen mit den aktuellen La-17-Weiterentwicklungen der damaligen Zeit. Die WP-6-Triebwerke wurden von J-6 (MiG-19) Maschinen ausgebaut, als sie ihre vorgesehene Einsatzzeit fast erreicht hatten und durch den Ausbau des Nachbrenners und Modifikation des Lufteinlaufs für die Montage an der CK-1 vorbereitet. Die erste Triebwerksversion lieferte einen Schub von 21,08 kN. Weitere Unterschiede zur La-17 betrafen kleinere Änderungen am Rumpf, ein eigener Autopilot und der Einbau eines Fallschirmsystems.

Alle chinesischen Varianten waren von vornherein für den Bodenstart ausgelegt. Dazu wurde die Drohne auf einen antriebslosen Startwagen gesetzt, mit dem sie auf normalen Startbahnen abheben konnte. Ein Bremsschirm stoppte den Startwagen nachdem die Trennung von der Zieldrohne nach Erreichen einer festgelegten Geschwindigkeit erfolgte. Während zuerst nur die Turbine zur Startbeschleunigung diente, konnten später Hilfsraketen die Startstrecke deutlich verkürzen.

Weiterentwicklung[Bearbeiten]

CK-1A[Bearbeiten]

Die erste Weiterentwicklung mit der Kennung CK-1A erhielt zylindrischer Ausrüstungsbehälter, die unterhalb der Tragflächen am Rumpf befestigt wurden. Darin wurden bei Atombombenversuchen Proben genommen, indem die CK-1A direkt nach der Detonation durch die radioaktive Wolke flog. Die in wenigen Stückzahlen produzierte CK-1A konnte die Verwendung bemannter Flugzeuge für ähnliche Probenflüge ersetzen und schnellere und direktere Ergebnisse liefern.

CK-1B[Bearbeiten]

Um eine vollwertige Zieldrohne einsetzen zu können wurde bis zum Jahr 1983 die für niedrige Flughöhen optimierte CK-1B entwickelt. Die Ausrüstungsbehälter wurden vergrößert und um zusätzliche Treibstofftanks ergänzt. Außerdem wurden darin ein Rauchgenerator oder Lichtreflektierende Raketen als optische Hilfe für die Piloten und den Drohnenbediener am Boden sowie Radarreflektoren zur Nachbildung einer kampfflugzeugtypischen Radarsignatur eingebaut. Zum gleichen Zweck dienten auch die Infrarot-Transmitter in den Flügelenden.

CK-1C[Bearbeiten]

Zur Zieldarstellung moderner Jagdflugzeuge entwickelten die chinesischen Konstrukteure 1984 die CK-1C, die als erste Version in signifikanten Stückzahlen gebaut wurde. Mit dessen verstärktem Rumpf und dem angepassten Flugkontrollsystem konnte die Zieldrohne auch Manöver mit hoher G-Belastung fliegen und so agile Kampfflugzeuge simulieren. In den Flügelenden wurde ein Messsystem von Nahbereichstreffern installiert. Zusätzlich zum raketenunterstützten Rollstart konnte die Drohne auch fliegend von großen Flugzeugen aus gestartet werden.

CK-1E[Bearbeiten]

Mit der CK-1E kam eine weitere für sehr niedrige Flughöhen optimierte Variante mit kürzerer Flügelspannweite zu den Streitkräften, die zur Darstellung der Konturenflüge von Flugzeugen und Marschflugkörpern diente. Die Entwicklung begann 1986 und die Testflüge begannen zwei Jahre später und führten zur Indienststellung einer Zieldrohne die auch in Flughöhen von 50 bis 100 Meter über Grund 850 km/h schnell fliegen konnte.[4]

CK-1G[Bearbeiten]

Im Jahr 2000 wurde die als CK-1G benannte Version mit Startraketen bei den Streitkräften eingeführt, wodurch der Betrieb nicht länger auf Startbahnen begrenzt ist.[2]

CK-2[Bearbeiten]

Anfang der 1990er Jahre begann das Entwicklungsprogramm der ChangKong 2, die maßgeblich auf der CK-1 basiert. Die überschallfähige Drohne ermöglicht die realistische Zieldarstellung von Luftbedrohungen der neuesten Generation und wurde erstmals mit einem digitalen Flugkontrollsystem ausgestattet.[5] Über Details zum Programm-Status der ChangKong Drohnen bezüglich aktueller Entwicklungen oder Nutzung seitens der chinesischen Streitkräfte ist nichts bekannt. Auch wie viele Drohnen bisher produziert wurden ist unklar, allerdings sollen es bis 1987 – kurz vor der Einführung der CK-1E - nur 50 Exemplare gewesen sein.[6]

Technische Daten[Bearbeiten]

Kenngröße Daten der CK-1C[5]
Länge: 8,44 m
Spannweite: 7,50 m
Flügelfläche: 8,55 m²
Höhe: 2,96 m
Leergewicht: 1537 kg
Maximales Startgewicht: 2450 kg
Treibstoffkapazität: Innentank: 600 kg
Außentanks: 280 kg
Einsatzgeschwindigkeit: 850–910 km/h
Einsatzflughöhe: 500–16.500 m
Einsatzradius: 600–900 km
Flugdauer: 45–60 min
Triebwerk: Shenyang WP-6 Turbojet mit einer Schubkraft von 24,5 kN

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Yefim Gordon, Dmitriy Komissarov: “Chinese Aircraft - China’s Aviation Industry since 1951”, 2008, Hikoki Publications Ltd. Manchester, England, S. 293–296
  • Yefim Gordon: Red Star Volume 20 - Soviet/Russian Unmanned Aerial Vehicles, 2005, Midland Publishing, Hinckley, England S. 25–26
  • ChangKong 1 Drone Serie” GlobalSecurity Website, (abgerufen am 4. Oktober 2012)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ‘‘ChangKong 1‘‘. Sinodefence Website in Englisch. Abgerufen am 4. Oktober 2012.
  2. a b ‘‘CK1 Target Plane‘‘. Airforceworld Website in Chinesisch. Abgerufen am 4. Oktober 2012.
  3. ‘‘Ba-5 (Jian-5) Target Drone‘‘. Sinodefence Website in Englisch. Abgerufen am 8. Oktober 2012.
  4. ‘‘Science & Technology China‘‘ (PDF; 5,0 MB). Defense Technical Information Center Website. Abgerufen am 6. Oktober 2012.
  5. a b Jane's Database – Chinas Aerospace and Defence Industries
  6. Jane's Database – Air launched Weapons, 2002.

Weblinks[Bearbeiten]