Chanith

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Chanith (arabisch ‏خنيث‎, DMG ḫanīṯ), auch Khanith, im englischen meistens Xanit genannt, ist das umgangssprachliche arabische Wort für Menschen in Oman, die entweder − obwohl sie mit männlichen Geschlechtsorganen geboren wurden − die männliche Geschlechtsrolle weitgehend ablehnen (Transgender). Die Benennung betrifft auch Menschen, die im westlichen Sprachraum zur intersexuellen Kategorie gehören, bei denen die körperlichen Geschlechtsmerkmale also nicht eindeutig sind.

Beschreibung[Bearbeiten]

Zwar werden die Xanit von der omanischen Gesellschaft behandelt, als ob sie Frauen seien, sie werden aber nicht der Kategorie Frau zugeordnet. Ihr Zwischenstatus wird in ihrem äußeren Erscheinungsbild deutlich: Sie tragen sowohl Männer- als auch Frauenkleidung, wobei sich zum Beispiel die Frauenkleidung durch die Farbgebung von der normalen Frauenkleidung absetzt. Xanit verhüllen ihr Haupt im Gegensatz zu Männern und Frauen nicht, haben einen halblangen Haarschnitt, der weder von Männern noch von Frauen getragen wird. In ihrem Verhalten ähneln Xanit eher den Frauen. Sie sind stark parfümiert, imitieren ihren Gang und die hohe Stimmlage. Außerdem ist es ihnen möglich, sich in den beiden normalerweise getrennten räumlichen Welten von Männern und Frauen aufzuhalten. So können sie sich im häuslichen Bereich der Frauen, sowie im öffentlichen Bereich der Männer bewegen. Bei bestimmten Ereignissen wie Hochzeiten nehmen die Xanit eine wichtige Rolle ein.

Aufgrund ihres Zwischenstatus wurden sie in der Ethnologie lange als eine Art drittes Geschlecht betrachtet. Doch diese Annahme deckt sich nicht mit dem Verständnis der Omanis. Xanit werden wie ein Eunuch angesehen. Zwar besitzen sie männliche Geschlechtsorgane, doch sind diese inaktiv und somit gelten sie als impotent. Die Option, ein Mann zu werden, ist gegeben, wenn sich die Impotenz zu Potenz ändert. Dann ändert sich der Status und Xanit können als Männer angesehen werden. Somit setzt sich das Bild von Männlichkeit aus dem Besitz und dem Gebrauch eines Penises zusammen. Männer sind diejenigen, die aktiv handeln. Frauen und Xanit sind diejenigen, die passiv sind. Das omanische Geschlechtermodell ist somit doch binär, da es schon bei der Geburt in Menschen mit und ohne Penis unterscheidet. Auf den ersten Differenzierungsvorgang bei der Geburt folgt ein zweiter mit der Pubertät in der Männer noch einmal in zwei Kategorien eingeteilt [werden]: in diejenigen, die penetrieren, und in diejenigen, die penetriert werden.[1]

Das Modell löst das Problem, dass Männern im Oman die Notwendigkeit sexueller Aktivität zugeschrieben wird, Frauen hingegen sich vor und außerhalb der Ehe nicht sexuell betätigen sollen. Doch da Männer ohne Ehefrauen auf Frauen als Sexualpartner angewiesen sind, ergäbe sich daraus das Problem, dass entweder Mann oder Frau von der ihm/ihr zugeschriebenem Verhaltensmuster abweichen müsste. Die Xanith ersetzen die Frauen und lösen somit das Problem. Daraus lässt sich schließen, dass im Oman kein drittes Geschlecht existiert, sondern eine binäre Geschlechterordnung.

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Susanne Schröter: FeMale. Über Grenzverläufe zwischen den Geschlechtern. Fischer, Frankfurt am Main 2002, S. 113.