STX France

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STX France
Rechtsform S.A.
Gründung 1955
Sitz Saint-Nazaire FrankreichFrankreich Frankreich
Branche Schiffbau
Die Werft Chantiers de l’Atlantique

Die Werft STX France S.A., früher Chantiers de l’Atlantique (dt. Atlantikwerften), befindet sich in Saint-Nazaire/Frankreich an der Mündung der Loire. Sie gehört zu den größten Schiffbauunternehmen der Welt, die Produktion betrug im Jahr 2004 ca. 630 Millionen EUR.

Geschichte[Bearbeiten]

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die Geschichte der Werft beginnt mit der maritimen Industrialisierung Frankreichs Mitte des 19. Jahrhunderts. Von Beginn an verband sich die Existenz der Werft mit dem Bau von Linienschiffen. Zu dieser Zeit wurde Saint-Nazaire durch ein Gesetz vom 18. Juli 1840 als Haupthafen der Linie nach Südamerika vorgesehen, das durch drei Dekrete 1857, 1858 und 1861 bestätigt wurde. Die Ligne postale des Antilles et du Mexique der Compagnie Générale Transatlantique (CGT) wurde geschaffen. Damals fehlte jedoch das technische Wissen für den Bau moderner Schiffe mit Dampfantrieb und Metallhülle in Frankreich vollständig. Die CGT, von Napoleon III. verpflichtet, bis April 1862 die Verbindung herzustellen, kaufte daher in England drei Linienschiffe. Die Linie nach Fort-de-France wurde am 14. April 1862 eröffnet. Parallel dazu gründete die CGT eine Werft in Saint-Nazaire.

Das technische Wissen kam aus Großbritannien, wo 1857 die Great Eastern gebaut worden war – ein Schiff aus Metall mit einer Länge von 230 m. Der Schotte John Scott verließ die Werft in Greenock und brachte deren Techniken nach Frankreich. Er fertigte bei Penhoët die Außenhüllen an und konstruierte zusammen mit 15 englischen Vorarbeitern und einer in der Brière rekrutierten Belegschaft vier Schiffe. Am 24. April 1864 wurde mit der 108 m langen "Impératrice Eugénie" das erste Schiff der Chantiers John Scott vom Stapel gelassen. Aber die Euphorie dauerte nur kurz: 1866 ging die Scott-Werft, die 1.800 Personen beschäftigte, in Konkurs. Später eröffnete die CGT die Werft als Chantiers de Penhoët wieder. Im Jahr 1882 siedelte sich die Société Anonyme des Ateliers et Chantiers de la Loire aus Nantes ebenfalls dort an.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Chantiers de la Loire und Chantiers de Penhoët fusionierten im Jahre 1955 zur Chantiers de l’Atlantique.

Neben dem Bau von Linienschiffen war vor allem die Konstruktion von Tankern lange Zeit ein Hauptstandbein der Werft: Nach dem Bau der Le France modernisierte die Werft Anfang der 1960er-Jahre ihre Produktionsanlagen, um den Anforderungen des Ölmarktes entsprechen zu können. Bis zum Bau der Le France baute die Werft die Schiffe auf einer Helling; sobald die Außenhülle und die Aufbauten fertig waren, wurden sie vom Stapel gelassen und rutschten über den Boden ins Meer. Anschließend wurden sie am Kai fertiggestellt. Bei den damals zunehmend größeren Neubauten war diese Methode aufgrund der auftretenden Rumpfbelastungen nicht mehr praktikabel.

1984 übernahm der Konzern Alstom die Werft, die Teil des Alstom Leroux Naval bildete. Im Januar 2006 verkaufte Alstom 75 % der Anteile an Chantiers de l’Atlantique an das norwegische Schiffbauunternehmen Aker Yards (heute STX Europe), damals ein Tochterunternehmen des Konzerns Aker Solutions und verpflichtete sich, die restlichen 25 Prozent bis 2010 zu behalten.

Werfteinrichtungen[Bearbeiten]

Ausrüstungskai der Werft

Das in den Jahren 1929 bis 1934 gebaute Trockendock Forme Joubert ist mit seiner Länge von 350 m und Breite von 50 m eines der größten Trockendocks der Welt. Am 27./28. März 1942 wurde das Schleusentor durch einen britischen Angriff (Operation Chariot) zerstört, um die Einsatzmöglichkeiten deutscher Großkampfschiffe (Schlachtschiff Tirpitz) zu beeinträchtigen. Heute dient es vor allem der Ausrüstung vor der Auslieferung der Schiffe und deren Überholung.

In den 1970ern wurde ein Konstruktionsbecken angelegt, das 1.200 m lang und 60 m breit ist. Es besitzt unterschiedliche Tiefen und ermöglicht den gleichzeitigen Bau von bis zu drei Schiffen. Dieses Becken erlaubte den Bau von vier der größten Tanker der Welt: Batillus, Bellamya, Pierre Guillaumat und Prairial. (Jeder von ihnen mit einer Ladekapazität von etwa 500.000 t Öl).

Verursacht wurde das Größenwachstum der Tanker durch die Ölkrise in den 1970ern, als der Sueskanal gesperrt wurde. Dadurch waren die Tanker gezwungen, bei gleicher Wirtschaftlichkeit die längere Reise um das Kap der Guten Hoffnung zu nehmen. So wurde bei den Chantiers de l’Atlantique ein weiteres Bassin angelegt: das Bassin C. Dieses sollte eigentlich für den Bau von 1.000.000-tdw-Tankern dienen, aber die Tankerkrise bedingt durch die Wiedereröffnung des Suez-Kanals machte es überflüssig. Dieses Becken dient heute für die Abschlussarbeiten an den Schiffen.

Die Werft hat das größte Trockendock in Frankreich, das Trockendock B, mit einer Länge von 415 Metern und einer Breite von 66 Metern.

Gebaute Schiffe (Auswahl)[Bearbeiten]

Die fertiggestellte Batillus

Die Chantiers de l’Atlantique bauen momentan Passagierschiffe, Gastanker, Fregatten und Forschungsschiffe.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chantiers de l'Atlantique – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.280555555556-2.2086111111111Koordinaten: 47° 16′ 50″ N, 2° 12′ 31″ W