Charango

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Charango (aus Bolivien)
Charango aus Palisander, Rückseite
Charango (aus Peru)

Das Charango ist ein kleines Zupfinstrument aus der südamerikanischen Andenregion, bei dem als Resonanzkörper ursprünglich der getrocknete Panzer eines Gürteltieres verwendet wurde. Heutzutage wird der Resonanzkörper überwiegend aus Holz hergestellt. Die äußere Form ähnelt einer Gitarre, sehr selten auch der Laute. Die Priminstrumente sind gewöhnlich mit einer Korpuslänge um 23 cm kleiner als eine Ukulele. Die Mensur beträgt dann ca. 35 cm. Größere Instrumente, auch mit tieferer Stimmung, sind in Musikgruppen oft anzutreffen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Wurzeln des Charangos vermutet man in der bolivianischen Silberstadt Potosí im 16. Jahrhundert, als Menschen aus aller Welt in dieser Stadt zusammenkamen und Instrumente wie Gitarren, Vihuelas und Leiern mitbrachten. Sie sind also nicht ursprünglich aus Südamerika, wo man in vorspanischer Zeit keine Saiteninstrumente kannte[1]. Zahlreiche Abbildungen in lokalen Kirchen deuten darauf hin. Der Name kommt von den beiden Wörtern Charanga (etwa Musik mit Blechinstrumenten) und Charanguero (roh, grob, ungehobelt). Im Jahr 2006 hat Bolivien das Instrument als das musikalische Erbe Boliviens deklariert. Am 4. September 2007 hat das Instituto Nacional de Cultura von Peru das Charango als kulturelles Erbe von Peru deklariert. Ursprünglich wurde nur in abgelegenen Regionen ein Gürteltierpanzer als Resonanzkörper benutzt, während man in den Städten Resonanzkörper aus Holz nahm. Heute nehmen alle professionellen Charangospieler wegen des besseren Klangs Instrumente aus Holz. Instrumente aus dem Panzer des Gürteltiers werden aber noch an Touristen verkauft, obwohl einige Gürteltier-Arten gefährdet sind. [2]

Aufbau[Bearbeiten]

Grundsätzlich kann man bei der Bauweise zwischen Charangos aus Gürteltier (Quechua: Khirkinchu, Quirquincho), ausgehöhltem Holzblock und der Gitarre analogen Bauweise unterscheiden. Letzteren Bautypus trifft man häufig in Peru (vor allem Ayacucho, aber auch Cuzco und Arequipa) an, während man in Bolivien häufiger Charangos, die aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt und manchmal auf ihrer gewölbten Unterseite mit kunstvoll geschnitzten Bildern verziert sind, sieht.

Charangos aus Gürteltier gelten oft als klanglich den Holzinstrumenten unterlegen oder gar minderwertig. Man muss jedoch in Betracht ziehen, dass in den ländlichen Regionen, wo die Gürteltier-Charangos noch häufig gespielt werden, ein anderer Musikstil gepflegt wird, als das, was im Allgemeinen als „Andine Musik“ bezeichnet wird. Dort werden die Charangos mit Metallsaiten gespielt und ein direkter Qualitätsvergleich ist deshalb nicht zulässig.

Je nach Bedarf ist das Griffbrett mit 5 bis 17 Bünden (oder noch einigen mehr) versehen.

Das Stimmen und die Spielweise[Bearbeiten]

Gegriffen wird mit der linken Hand, während die rechte die fünf ursprünglich Darmsaiten, jetzt Nylon-Doppelsaite seltener auch Metallsaiten, oder auch Nylon- und Metallsaiten gemischt mit unterschiedlichen Stärken spielt. Die Tonhöhe ist dabei nicht in aufsteigender Reihenfolge, sondern überkreuzt. Die gebräuchlichste Stimmung, das Charango Tipo oder a-moll-7-Stimmung, ist e"e"-a'a'-e"e'-c"c"-g'g' (spanisch: MI LA MI DO SOL) von den ersten und dünnsten zu den fünften und dicksten Doppelsaiten. Dadurch ist es für gitarregewohnte Spieler relativ schwer, das Instrument zupfend zu spielen. Die dritten (mittleren) Doppelsaiten sind im Oktavenabstand gestimmt, ein tiefes e (die Saite am nächsten zur zweiten Saite) und ein hohes e (die Saite am nächsten zur vierten Saite). Alle anderen Doppelsaiten werden paarweise unison (auf dieselbe Höhe) gestimmt.

Sehr verbreitet ist die rhythmische Schlagtechnik, bei der alle Saiten gemeinsam als Akkord gespielt werden. Begleitet wird so die traditionelle andine Musik, wie z.B. Cueca, Takirari oder Huayno. Gehalten wird das Charango dabei relativ hoch mit dem Klangkörper an der rechten Brust, alternativ auch sitzend auf dem rechten Oberschenkel.

Verbreitung[Bearbeiten]

Durch die Entwicklung eines Folklorestils der gesamten Anden breitete sich in der Neuzeit das Charango weit über den ursprünglichen Verbreitungsraum aus, so dass das Instrument heute nicht nur in Bolivien und Peru, sondern auch in Ecuador, im Nordosten Argentiniens sowie in Chile eine große Rolle in der Folkloremusik spielt. Durch zahlreiche Straßenmusiker wurde es weltweit bekannt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klänge der Vergangenheit. in: epoc. Heidelberg 2009,2,15. ISSN 1865-5718
  2. http://www.herz-fuer-tiere.de/ratgeber-tier/wildlife/wildtier-lexikon/g/guerteltier.html

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Charangos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Charango – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen