Charbrowo

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Charbrowo
Charbrowo führt kein Wappen
Charbrowo (Polen)
Charbrowo
Charbrowo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Landkreis: Lębork,
Gmina: Wicko
Geographische Lage: 54° 41′ N, 17° 36′ O54.67777777777817.596388888889Koordinaten: 54° 40′ 40″ N, 17° 35′ 47″ O
Einwohner: 560 ([1])
Postleitzahl: 84-352 (Wicko)
Telefonvorwahl: (+48) 59
Kfz-Kennzeichen: GLE
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 214: WickoŁeba
Nächster int. Flughafen: Danzig

Charbrowo (deutsch Charbrow) ist ein Dorf in der Gemeinde Wicko bei Lębork (Lauenburg) in der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Charbrowo liegt in Hinterpommern, etwa 8 Kilometer südlich von Łeba (Leba) und 18 Kilometer nordwestlich von Lębork (Lauenburg) entfernt an der Woiwodschaftsstraße 214, der ehemaligen Poststraße zwischen Lauenburg und Leba. Nachbardörfer sind Krakulice (Karlshof) im Nordwesten, Wrzeście (Freist) im Osten und das etwa 2 Kilometer entfernte Wicko (Vietzig) im Süden.

Geschichte[Bearbeiten]

Vormaliges Herrenhaus der Familie von Somnitz

Charbrowo, in alten Urkunden Serberow genannt, ist ein altes Kirchdorf mit einem Vorwerk, das früher ein Adelssitz war. Im Jahr 1286 schenkte Herzog Mestwin II. von Pommerellen Charbrow dem Kujavischen Domkapitel[2] in Leslau.[3] Im Jahr 1564 kaufte der Lauenburger Landeshauptmann Ernst von Weiher, der ältere Bruder des Camminer Bischofs Martin von Weiher, die Dörfer Charbrow, Labenz und Ossecken, die zuvor zum Kloster Zuckau gehört hatten, von dem Leslauer Bischof Jakub Uchański für 12.000 Taler.[4] Im 17. Jahrhundert fiel Charbrow an die Familie Krockow.[5] Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Landgut von der Familie Somnitz aufgekauft, die es bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Frühjahr 1945 verwaltete. Um 1780 gab es in Charbrow [6]: ein Vorwerk mit einem repräsentativen Herrschaftshaus, eine Wassermühle, eine Kirche mit einem Prediger und einem Küster, elf Bauern, fünf Halbbauern, fünf Kossäten, einen Gasthof, eine Schmiede und insgesamt 43 Feuerstellen (Haushalte). Die Dorfbewohner betrieben neben Landwirtschaft auch Fischerei auf dem Lebasee und in drei Teichen. Zweimal jährlich wurde in dem Dorf ein Markt abgehalten. In den Jahrhunderten vor der Bodenreform in Hinterpommern Anfang des 19. Jahrhunderts hatte sich das Dorf im Besitz der Familie Somnitz befunden.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde Charbrow 1938 in Degendorf umbenannt.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Degendorf im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt und anschließend unter polnische Verwaltung gestellt. In Anlehnung an seinen traditionellen Namen Charbrow wurde Degendorf in Charbrowo umbenannt. Es begann bald die Zuwanderung polnischer Neusiedler, die die deutschen Einheimischen aus ihren Häusern und Gehöften drängten. Bis etwa 1947 wurde die deutsche Bevölkerung aufgrund der so genannten Bierut-Dekrete aus dem Dorf vertrieben.

Kirchspiel[Bearbeiten]

Von dem Diplomaten und Erbherrn auf Charbrow Lorenz Christoph von Somnitz (1612–1678) gestiftete Dorfkirche.
Dorfkirche, Rückansicht

Seit der Reformation hatten bis zum Jahr 1671 lutherische Pfarrer die Kirchengemeinde betreut. Anschließend waren in der Gemeinde bis 1736 evangelisch-reformierte Geistliche tätig gewesen, danach bis 1945 wieder lutherische. Die Kirche stand seit Mitte des 18. Jahrhunderts unter dem Patronat der Familie von Somnitz-Charbrow. Wie ebenfalls in Osseken und einigen anderen Orten des kaschubischen Winkels wurde in der Dorfkirche noch im 19. Jahrhundert außer auf Deutsch auch auf Kaschubisch gepredigt.[7] Bekannte Pfarrer waren:

  • Paul Caßius (* 5. Oktober 1667, † 25. Januar 1727), war von Juli 1690 bis Mitte Oktober 1701 Pfarrer in Charbrow.[8]
  • Johann Behnke (* 1739), war um 1780 Pfarrer in Charbrow.[9]
  • August Bechthold, war um 1870 Pfarrer in Charbrow[10]
  • Kurt Trowitzsch, letzter deutscher Pfarrer vor 1945[11]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

  • 2008: 560

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Charbrowo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Szukacz.pl, Charbrowo - Informacje dodatkowe, abgerufen am 17. Juni 2010
  2. August Karl Holsche: Geographie und Statistik von West-, Süd- und Neu-Ostpreußen. Nebst einer kurzen Beschreibung der Geschichte des Königreichs Polen bis zu dessen Zerteilung. 2. Band, Berlin 1804, S. 249.
  3. Johann Jakob Sell: Geschichte des Herzogtums Pommern von den ältesten Zeiten bis zum Tode des letzten Herzogs, oder bis zum Westfälischen Frieden. 1. Teil, Berlin 1819, S. 349-350, Fußnote b).
  4. Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow. Teil I ,Königsberg 1858, S. 183.
  5. Staatsarchiv Danzig: Wegweiser durch die Bestände bis zum Jahr 1945 (Czesław Biernat, Hrsg.). Oldenbourg, München 2000, S. 515.
  6. Ludwig Wilhelm Brüggemann (Hrsg.): Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern: II. Teil, 2. Band, Stettin 1784, S. 1066-1067, Nr. 12.
  7. Statistiken des zollvereinten und nördlichen Deutschlands (Georg von Viebahn, Hrsg.). II. Teil: Bevölkerung, Bergbau, Bodenkultur. Berlin 1862, S. 78.
  8. Das neue gelehrte Europa (Johann Christoph Strodtmann und Ferdinand Stosch, Hrsg.), 17. Teil, Wolfenbüttel 1763, S. 919-920.
  9. Das gelehrte Teutschland. Lexikon der jetzt lebenden Teutschen (Georg Christoph Hamberger und Johann Georg Meusel, Hrsg.). Band 1, Lemgo 1796, S. 215.
  10. August Bechthold: Chronik der Kirche zu Charbrow, Kreis Lauenburg in Pommern, 1869.
  11. Kurt Trowitzsch: Chronik der Kirchengemeinde Charbrow, 1951.