Charif

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Während des Charif sind die Berge um Salala nebelverhangen

Charif (arabisch ‏مهرجان خريف صلالة‎, DMG Mihraǧān ḫarīf Ṣalāla; engl. Khareef) ist der im Oman umgangssprachlich gebräuchliche Ausdruck für den asiatischen Südwestmonsun, dessen Ausläufer Dhofar im Süden des Landes von Mitte Juni bis Mitte September streifen.

Begriff[Bearbeiten]

Der Begriff Monsun stammt aus dem Arabischen (arabisch ‏موسم‎, DMG mausim) und bedeutet „Jahreszeit“, in der für die Seefahrt günstige, da konstante und kräftige, Winde herrschen. Ab dem 16. Jahrhundert verwenden die Portugiesen in Goa den Begriff auch für „Wind“ (port. Monção).[1]

Entstehung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Entstehung eines Monsuns

Der Südwestmonsun ist eine der weltweit dynamischsten Wechselwirkung zwischen Atmosphäre, Ozean und Kontinent. Er entsteht durch das Zusammenwirken zweier Mechanismen. Zuerst setzen Luftdruckunterschiede zwischen einem Tiefdruckgebiet über Asien und hohem Luftdruck über den relativ kalten südlichen subtropischen Indischen Ozean die Zirkulation in Gang. Seine Kraft erhält der Monsun durch eine von Physikern genannte „sensible“ (= spürbare) Erwärmung der Troposphäre über dem südlichen subtropischen Indischen Ozean mittels direkter Sonneneinstrahlung. Dies verstärkt den Monsun und bringt in den Monaten Juni bis August über dem Arabischen Meer starken Winde mit Windgeschwindigkeiten bis zu 15 m/s mit sich. Die Sommermonsunwinde über der westlichen Arabischen See wälzen das Wasser um und führen zu einem Auftrieb an kaltem nahrungsreichen Wasser. Das planktonreiche Wasser zieht viele Fischschwärme an, die wiederum eine reiche Nahrungsgrundlage für viele andere Tiere darstellen.[2]

Auswirkungen auf Natur und Tourismus[Bearbeiten]

Während des Charif sind Starkregen, wie man sie z. B. in Indien beobachten kann, eher selten. Die aufziehende Feuchtigkeit steigt an den Hängen des Qara-Gebirges auf und kondensiert dort. Die Bergkämme sind während dieser Zeit in dichtem Nebel gehüllt und der Niederschlag fällt als ständiger, sehr feiner Nieselregen. Das jährliche Wetterphänomen ist auch dafür verantwortlich, dass in dieser Region deutlich gemäßigtere Temperaturen als auf der restlichen Arabischen Halbinsel herrschen.

Der Charif führt regelmäßig zu einem Erblühen der Natur. Auch ist die Wasserversorgung des Gebiets rund um die Küstenstadt Salala von den regelmäßig wiederkehrenden Niederschlägen abhängig. Der Regen versickert in dem zerklüfteten Kalkstein recht schnell und füllt die Grundwasserreserven auf. Das Wasser tritt an zahlreichen Quellen wieder an die Oberfläche. Dank des jährlichen Regens ist in und um Salala Ackerbau möglich.

Dem Charif und seinen positiven Auswirkungen ist das jährlich von Ende Juli bis Ende August in Salala stattfindende Khareef Festival gewidmet. Musikanten, Dichter und Schauspieler aus der gesamten arabischen und muslimischen Welt nehmen an den 48-tägigen Feierlichkeiten teil. Das Festival ist eine bedeutende regionale Veranstaltung, die 2007 rund 306.000 Besucher angelockt hat. Obwohl 60 % der Besucher Omani sind, kommen immerhin 30 % der Reisenden aus anderen Golfstaaten, vor allem aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und ein kleiner, aber ständig steigender Anteil von weiter her.[3]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Neff, Ulrich: Massenspektrometrische Th/U-datierung von Höhlensintern aus dem Oman: Klimaarchive des asiatischen Monsuns, Diss., Univ. Heidelberg, 2001, S. 26.
  2. vgl. Clemens, Stefen/Prell, Warren/Murray, David/Shimmield, Graham/Weedon, Graham: Forcing mechanisms of the Indian Ocean monsoon, in: Nature, No. 353, 24. October 1991, S. 720-725, hier: S. 720.
  3. o. V.: The Report: Oman 2008, Oxford: Oxford Business Group, ISBN 978-1-902339-89-4, S. 106.