Charité

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Charité (Begriffsklärung) aufgeführt.
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Logo
Trägerschaft Land Berlin, Körperschaft des öffentlichen Rechts
Ort Berlin
Bundesland Berlin
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 31′ 37″ N, 13° 22′ 38″ O52.52694444444413.377222222222Koordinaten: 52° 31′ 37″ N, 13° 22′ 38″ O
Vorstandsvorsitzender Karl Max Einhäupl
Betten 3213
Mitarbeiter 12.922 (2010)
davon Ärzte 3.736 (Wissenschaftler und Ärzte)
Jahresetat 1,2 Mrd. €
Zugehörigkeit Humboldt-Universität, Freie Universität
Gründung 1710
Website www.charite.de
Bettenhochhaus der Charité
Standorte in Berlin
Berlin-Mitte – Eingang zum Gelände der Charité (Friedrich-Althoff-Haus)
Bettenhochhaus am Standort Berlin-Mitte von Südwesten aus hinter dem Bundeskanzleramt gesehen

Die Charité [ʃaʀiˈteː] (französisch Nächstenliebe/Barmherzigkeit) ist ein berühmtes und traditionsreiches Krankenhaus in Berlin. Im Jahr 1710 als Pesthaus gegründet, ergänzte die Charité nach der Gründung der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität 1810 das Universitätsklinikum und wurde zur bedeutenden Lehr- und Forschungsstätte. Seit 2003 sind die medizinischen Fakultäten der Humboldt- und Freien Universität Berlin unter dem Namen Charité – Universitätsmedizin Berlin vereinigt. Mit 3.200 Betten und 7.000 Studenten ist die Charité das größte Universitätsklinikum Europas.

Organisation[Bearbeiten]

Die Charité ist das älteste Krankenhaus Berlins. Mit rund 13.000 Mitarbeitern gehört sie zu den größten Arbeitgebern in Berlin. Der Jahresumsatz 2010 betrug etwa 1,2 Milliarden Euro. Ihr Leitspruch lautet „Forschen, Lehren, Heilen, Helfen“.

Geleitet[1] wird die Charité durch den Vorstand.[2] Er hat seinen Sitz am Campus Mitte und setzt sich aus dem Vorstandsvorsitzenden Karl Max Einhäupl, dem Ärztlichen Direktor Ulrich Frei, der Dekanin der Fakultät Annette Grüters-Kieslich und dem Direktor des Klinikums Matthias Scheller zusammen. Dieses Leitungsgremium wird durch den Aufsichtsrat[3] kontrolliert. Ihm gehören die in der Berliner Landesregierung zuständigen Senatoren, die Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft Sandra Scheeres und der Senator für Finanzen Ulrich Nußbaum, sowie weitere Vertreter aus Wissenschaft, Gesellschaft und der Wirtschaft an. Das sind aktuell der Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Günter Stock, sowie Dietrich Niethammer, Birgit Radow, Ulla Schmidt, Peter Jung, sowie drei gewählte Vertreter der Mitarbeiter an.[4] Vorstandsvorsitzender seit September 2008, ist der Neurologe Karl Max Einhäupl, der bis dahin Ärztlicher Leiter des Charité Centrums für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie sowie ehemaliger Vorsitzender des Wissenschaftsrates war.[5] Er löste am 2. September 2008 Detlev Ganten ab. Amtierende Dekanin ist Annette Grüters-Kieslich, Direktor des Klinikums ist Matthias Scheller.[6]

Die Charité ist an vier Hauptstandorten untergebracht:

Die Kliniken auf dem Campus Berlin-Buch (Robert-Rössle- und Franz-Volhard-Klinik) wurden 2001 durch die Helios Kliniken übernommen. Das heutige Helios Klinikum Berlin-Buch mit seinen 1200 Betten gehört seither nicht mehr zur Charité. Dennoch bleibt die Charité als Lehrbetrieb in den Kliniken vertreten und beschäftigt rund 300 Mitarbeiter auf dem Campus Buch.

Die Standorte in Mitte, Lichterfelde und Wedding bilden jeweils große Teile der gesamten Medizin ab. Es bestehen spezielle Forschungs- und Behandlungsschwerpunkte, wie zum Beispiel das Zentrum für Weltraummedizin am Campus Benjamin Franklin, das Deutsche Rheumaforschungszentrum und das Allergie-Centrum-Charité am Campus Charité Mitte oder auch das Zentrum für Molekulare und klinische Kardiologie am Campus Berlin-Buch.

Mit zahlreichen Sonderforschungsbereichen der Deutschen Forschungsgemeinschaft zählt die Charité zur Spitze der wissenschaftlich-medizinischen Einrichtungen in Deutschland. Heute stammt ein Drittel aller Patente Berlins aus der Charité. Im Bereich der universitären Lehre werden derzeit elf unterschiedliche Studiengänge angeboten, so etwa Humanmedizin, Zahnmedizin und Pflegewissenschaften, aber auch Fächer wie BioInformatik, Medizinische Physik und International Health. Die Charité ist in den Krankenhausplan der Stadt Berlin eingebunden, nimmt aber auch überregionale Versorgungsaufgaben wahr. Jährlich werden etwa 125.000 Patienten stationär und 900.000 Patienten ambulant behandelt (Stand: 2009).[8]

Im Jahr 2003 machte die Charité Verluste von 53 Millionen Euro.[9] Das Defizit konnte in den Folgejahren durch Sparmaßnahmen zurückgefahren werden und betrug 2010 17,7 Millionen Euro. Die Charité hat in den Jahren 2011 und 2012 geringe Überschüsse erwirtschaften können (2011: 8,2 Millionen Euro, 2012: 5,2 Millionen Euro). Aufgrund der Sanierung des Bettenhochhauses am Campus Charité Mitte wird für das Geschäftsjahr 2012 mit einem Einnahmerückgang gerechnet.[10]

Die Bereiche Material- und Versorgungswirtschaft sowie Bau und Technik der Charité, das sogenannte Facilitymanagement, wurden zum 1. Januar 2006 in eine eigens im Oktober 2005 gegründete Gesellschaft, die Charité CFM Facility Management GmbH (kurz: CFM), ausgegliedert. In die CFM gingen neben großen Teilen der Charité-Verwaltung die ehemaligen Charité-Tochtergesellschaften KRS und Medilog auf, die die Charité gemeinsam mit dem Unternehmen Zehnacker Facility Management gegründet hatte. Gesellschafter der CFM sind die Charité (51 %) und die VDH Health Care Services GbR (49 %), hinter der sich die Unternehmen Vamed Deutschland, Dussmann und Hellmann Worldwide Logistics verbergen. Die CFM erbringt für die Charité einen Großteil der nichtmedizinischen und nichtpflegerischen Leistungen wie z. B. Catering, Reinigung und Logistik. Sie hat rund 2.200 Mitarbeiter. Nach eigenen Angaben erzielte die CFM im Jahr 2007 einen Umsatz von rund 125 Millionen Euro und einen Gewinn von 449.000 Euro.[11]

Mit der Vergabe des mehrere hundert Millionen Euro schweren Auftrages im Facilitymanagement an die VDH Health Care Services und mit der Gründung der Charité CFM Facility Management GmbH beschäftigt sich inzwischen die Europäische Kommission, die nach Medienberichten prüft, ob Europarecht verletzt worden ist.[12] Weiterhin geriet die CFM Facility Management bereits mehrfach wegen Niedrigstlöhnen sowie unzureichender Arbeitsbedingungen in die Kritik.[13][14] Einer der CFM-Geschäftsführer, Frank-Michael Frede, machte mit einer Vergangenheit als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR Schlagzeilen, für das er den Decknamen „Schwalbe“ trug. Er wurde 2009 enttarnt.[15]

Das Berliner Medizinhistorische Museum (BMM) der Charité ist bekannt für seine pathologisch-anatomische Sammlung. Die Charité ist Mitglied der Studentischen Darlehnskasse.[16]

Charitézentren[Bearbeiten]

Damit Forschung, Lehre und Krankenversorgung besser organisiert werden können, hat die Charité 17 Charitézentren (Eigenschreibweise: CharitéCentren) gegründet. Innerhalb der Zentren arbeiten mehr als 100 Kliniken und Institute.[17][18] 13 Charitézentren sollen den Schwerpunkt auf der Krankenversorgung und vier Zentren den Schwerpunkt auf Forschung und Lehre haben. Die Charitézentren sind größtenteils standortübergreifend organisiert. Damit soll die Integration der Standorte gefördert werden. Außerdem sollen alle Charitézentren eine eigenständige Leitung mit Ergebnisverantwortung erhalten.

  • CC 01: Human- und Gesundheitswissenschaften (ZHGB)
  • CC 02: Grundlagenmedizin (1. Studienabschnitt)
  • CC 03: Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
  • CC 04: Therapieforschung
  • CC 05: Diagnostische und präventive Labormedizin
  • CC 06: Diagnostische und interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin
  • CC 07: Anästhesiologie, OP-Management und Intensivmedizin
  • CC 08: Chirurgische Medizin
  • CC 09: Unfall- und Wiederherstellungschirurgie
  • CC 10: Charité Comprehensive Cancer Center
  • CC 11: Herz-, Kreislauf- und Gefäßmedizin
  • CC 12: Innere Medizin und Dermatologie
  • CC 13: Innere Medizin mit Gastroenterologie und Nephrologie
  • CC 14: Tumormedizin
  • CC 15: Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie
  • CC 16: Audiologie/Phoniatrie, Augen- und HNO-Heilkunde
  • CC 17: Frauen-, Kinder- und Jugendmedizin mit Perinatalzentrum und Humangenetik

Sonderisolierstation[Bearbeiten]

Alte Isolierstation des Robert-Koch-Instituts im Virchowklinikum

Die Sonderisolierstation der Charité dient zur Absonderung und Behandlung von Patienten mit hochansteckenden Infektionserkrankungen wie viralem hämorrhagischem Fieber oder Pocken. Sie liegt als freistehender Pavillon mit zwei oberirdischen und zwei unterirdischen Etagen in einem parkähnlichen Gelände des Virchowklinikums. Im Quarantänefall kann sie weiträumig abgesperrt werden. Die Station wurde 1978 als größte Einrichtung dieser Art in Deutschland in Betrieb genommen und ist seit ihrer Renovierung von 2006 bis 2010 wieder mit modernster Technik ausgestattet. In ihr können bis zu 20 Patienten unter Quarantänebedingungen intensivmedizinisch behandelt werden. Normalerweise dient die Station als Infektions- und Lungenstation.

Der Gebäudekomplex besteht aus einem reinen Bereich, in dem sich eine Überwachungszentrale, Aufenthaltsräume für Personal und Lagerräume befinden. Personal betritt den Quarantänebereich über Sicherheitsschleusen mit speziellen Vollschutzanzügen, die eine gefilterte Luftzufuhr haben. Patienten werden mit Spezialfahrzeugen direkt von außen in die ebenerdig liegenden Patientenzimmer eingeschleust. Bis zum Patientenzimmer sorgen vier Unterdruckstufen für eine Luftströmung vom reinen zum unreinen Bereich. Die Abluft wird durch Hochleistungsfilter gesäubert. Abfall und Abwässer werden in den Kelleretagen vor Ort getrennt autoklaviert und aufbereitet. Während des Ausschleusens von Personal und Material findet ein intensiver Desinfektionsvorgang statt. Ein großes Team von medizinischen, technischen und logistischen Mitarbeitern wird fortlaufend geschult und übt den Einsatzfall.

Geschichte[Bearbeiten]

18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die Charité 1740
Nosocomium regium militare majus quod a charitate nomen habet = Das große königliche Militärhospital, das seinen Namen von der Barmherzigkeit („a c(h)aritate“) hat

Als Anlass zur Gründung der Charité kann eine Kabinettsorder des preußischen Königs Friedrich I. vom 14. November 1709 gelten. Darin ordnete der König die Gründung von „Lazareth-Häusern“ außerhalb der Städte an, um „bei jetzigen gefährlichen Pest-Läufften“ entsprechend vorbereitet zu sein. Auslöser der königlichen Anordnung war eine Pestepidemie in Osteuropa, die schon die Provinz Preußen teilweise entvölkert hatte und nun auch die Mark Brandenburg und Berlin bedrohte. Am 13. Mai 1710 gründete man die Vorsorgeeinrichtung für Berlin, die Bauarbeiten für das Haus begannen. Tatsächlich trat der befürchtete Ernstfall aber nicht ein; die Pestepidemie in den Jahren 1709 bis 1711 streifte Brandenburg nur in der Uckermark und drang nicht bis Berlin vor. Das vor dem Spandowischen Tor außerhalb der Stadtmauern errichtete „Lazareth“ wurde nicht für Pestkranke benötigt und diente zunächst als Armen- und Arbeitshaus (‚Spinnhaus‘) für Arme, Bettler, unehelich Schwangere und Prostituierte, sowie als Garnisonslazarett. Am 9. Januar 1727 verfügte König Friedrich Wilhelm I. (der „Soldatenkönig“) in einer weiteren Kabinettsorder die Umwandlung des Lazaretts in ein Bürgerhospital und ordnete in einer Randbemerkung an: „Es soll das Haus die Charité heißen.“ Erster Direktor wurde der Leibarzt des Königs, Johann Theodor Eller (1689–1760).

Das ursprüngliche Pesthaus war ein quadratisch angelegtes, zweigeschossiges Gebäude mit einer Länge von 48 Metern, bei dem die Angestellten des Hospitals im Erdgeschoss wohnten und die Kranken, nach Männern und Frauen getrennt, im Obergeschoss. 1713 erfolgte zusätzlich die Eröffnung eines Theatrum anatomicum, sodass das Haus zusammen mit dem 1724 gegründeten Collegium medico-chirurgicum auch zur Ausbildungsstätte von Militärärzten avancierte. In den Jahren 1785 bis 1800 erfolgte in mehreren Abschnitten ein Erweiterungsbau der Charité und durch die veränderten Stadtmauern lag die Charité seit dem Jahr 1800 innerhalb des Berliner Stadtgebietes.

Speziell in den 1790er Jahren war die Charité einer vorher in dem Ausmaß neuartigen Kritik ausgesetzt, die sich möglicherweise gegen das qualitative Niveau in der Krankenversorgung richtete. Friedrich Wilhelm III. setzte eine dreiköpfige Kommission zur Prüfung der Kritik ein, der mit Ludwig Formey auch einer der damals führenden Kritiker angehörte. Als Ergebnis der Kritik stellte sich heraus, dass die Mängel noch gravierender waren, als man angenommen hatte. Daraufhin wurde eine Kabinettsorder erlassen, der zufolge die Charité zweckmäßiger eingerichtet werden sollte. Der Fonds wurde aufgestockt; der König erbot sich, das benötigte Geld selbst herzugeben. Auch die Bürger spendeten erhebliche Geldbeiträge.[19]

19. Jahrhundert bis 1945[Bearbeiten]

Die Charité um 1850
Friedrich-Althoff-Büste
Sauerbruch eröffnet die chirurgische Unfallklinik, 1929

Im Jahr 1795 wurde die Pépinière zur Aus- und Weiterbildung von Militärärzten gegründet, die 1809 die Bücherei des aufgelösten Collegium medico-chirurgicum übernahm. Rudolf Virchow und Hermann von Helmholtz waren Stipendiaten dieser Akademie. Im Jahr 1801 wurde Christoph Wilhelm Hufeland als königlicher Leibarzt und leitender Charité-Arzt berufen. 1810 wurde Hufeland auch Dekan der Medizinischen Fakultät der neu gegründeten Berliner Universität. An der Universität fand in den folgenden Jahren die Ausbildung von „zivilen“ Medizinstudenten statt, während die Charité Militärärzte und Militärchirurgen ausbildete. Die Ausbildung an der Charité verlief dabei wesentlich praxisorientierter „am Krankenbett“, während die Ausbildung an der Universität sehr theoretisch-allgemeinbildend war, entsprechend dem Bildungsideal Wilhelm von Humboldts. Hufeland sah dagegen die Vorteile der praxisorientierten Ausbildung und erstrebte eine engere Verbindung von Charité und Universität. Die Trennung beider Institutionen bestand zunächst fort, wurde jedoch nach und nach durchbrochen, nachdem die Universität immer mehr eigene Kliniken auf dem Charité-Gelände errichten ließ. 1828 wurde ein Teil der Medizinischen Klinik von der Ziegelstraße in die Charité verlegt. Es folgten mehr und mehr Kliniken, bis 1927 die chirurgische Universitätsklinik als letzte Klinik in die Charité verlagert wurde.[20]

Carl August Wilhelm Berends wurde 1815 Leiter der Charité. Rudolf Virchow wurde 1856 zum Direktor des pathologischen Instituts berufen und konnte damit seiner Zellularpathologie zum wissenschaftlichen Durchbruch verhelfen. Der Grundsatz seiner Lehre omnis cellula e cellula revolutionierte die medizinische Wissenschaft.

Am Gesundheitsamt, das 1876 gegründet wurde, arbeiteten Emil Adolf von Behring und Paul Ehrlich. Robert Koch war seit 1880 am Kaiserlichen Gesundheitsamt in Berlin tätig. In direkter Nähe zur Charité steht ein Denkmal für Robert Koch, der in dieser Zeit dort arbeitete und die Erreger von Milzbrand, Tuberkulose und Cholera (unbeachteter Erstbeschreiber der Cholera war 30 Jahre früher Filippo Pacini) entdeckte.

Von 1896 bis 1917 erfolgten großzügige Um- und Neubauten im Bereich der Charité. Deren Genehmigung ist ganz wesentlich Friedrich Althoff, Ministerialdirektor im Preußischen Kultusministerium, zu verdanken. Damit wurden die baulichen Voraussetzungen für die erfolgreiche Weiterentwicklung der Medizinischen Fakultät geschaffen. Ein Denkmal im Klinikgelände ehrt den verdienstvollen preußischen Wissenschaftspolitiker Friedrich Althoff. Die in rotem Backstein ausgeführten Bauten stehen heute unter Denkmalschutz. Es gibt heute noch ein „Althoff-Gebäude“ mit einem „Althoff-Saal“ an der Charité.

Ihr höchstes Ansehen genoss die Charité zwischen 1870 und 1918 im Deutschen Kaiserreich. Die Berufungspolitik, nur noch verdiente Ordinarien zu berufen, führte zu weniger jüngeren und wissenschaftlich noch kreativen Ordinarien. So hatte beispielsweise Ferdinand Sauerbruch (1875–1951) den Zenit seiner Karriere schon überschritten, als er 1927 an die Charité kam.

In der folgenden Zeit wurde der Name Charité durch zahlreiche herausragende Ärzte und Wissenschaftler international bekannt, so etwa durch Rudolf Virchow, Hermann von Helmholtz, Robert Koch, Paul Langerhans, Paul Ehrlich und Emil Adolf von Behring. Aber auch die Begründer medizinischer Spezialgebiete und weitere namhafte Experten wie Ferdinand Sauerbruch, Ernst von Bergmann, Wilhelm Griesinger, Albrecht von Graefe, Heinrich Schulte, Otto Heubner, Caspar Friedrich Wolff, Karl Bonhoeffer, Heinrich Adolf von Bardeleben, Hans Erhard Bock, August Bier, Friedrich Kraus, Walter Stoeckel, Johann Friedrich Dieffenbach, Theodor Schwann, Friedrich Gustav Jakob Henle, Johann Lukas Schönlein, Ludwig Traube, Bernhard von Langenbeck, Theodor Billroth, Curt Schimmelbusch, Leonor Michaelis, August von Wassermann, Emil Fischer, Rahel Hirsch, Selmar Aschheim, Bernhard Zondek, Rudolf Nissen, Hermann Oppenheim, Herbert Herxheimer, Gustav Killian, Carl Adolf Passow, Samuel Mitja Rapoport, Traube und Hermann Gutzmann wirkten hier. Acht spätere Nobelpreisträger begannen ihren wissenschaftlichen Weg an der Charité, wie zum Beispiel Werner Forßmann und Albrecht Kossel.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden zahlreiche jüdische Mitarbeiter entlassen. 1938 folgte Max de Crinis Karl Bonhoeffer in der Leitung der Klinik.[21]

Nachkriegszeit bis Gegenwart[Bearbeiten]

Krankenpflege in den Semesterferien 1972: Für drei Wochen arbeiten Medizinstudenten der Berliner Humboldt-Universität in ihren Ferien an der Charité
Charité, Campus Benjamin Franklin in Berlin-Lichterfelde (ehemals Klinikum Steglitz bzw. Universitätsklinikum Benjamin Franklin)

Die Zerstörungen bei Bombenangriffen und während der Kämpfe um Berlin im April 1945 wurden bald nach dem Krieg beseitigt.

Durch die Teilung Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Charité in Ost-Berlin. Ganz im Westen des damaligen Bezirks Mitte gelegen, grenzte sie ab 1961 direkt an die Berliner Mauer – an Spree und Humboldthafen/Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal in Form einer Wassergrenze.

Die Spaltung der Stadt teilte auch die Hochschul- und Krankenhauslandschaft: In der DDR galt die Charité als führendes Krankenhaus der ‚Hauptstadt der DDR‘, angegliedert an die Humboldt-Universität. In West-Berlin funktionierte man das städtische Krankenhaus Westend zum Universitätsklinikum Charlottenburg um und baute außerdem das Universitätsklinikum Benjamin Franklin; beide Einrichtungen gehörten zur Freien Universität Berlin.

Von 1977 bis 1982 wurde das 21-geschossige Bettenhaus der Klinik an der Luisenstraße erbaut. 1986 beschloss der Berliner Senat, die Universitätsmedizin vom Westend nach Wedding in das Städtische Rudolf-Virchow-Krankenhaus zu verlagern. Die damit verbundene umfassende Neu- und Umbautätigkeit endete erst 1998 und machte den Standort zum modernsten Klinikum Europas.

Nach der Wiedervereinigung erfolgte die Neustrukturierung der Berliner Hochschul- und Krankenhauslandschaft: Zum 1. April 1995 wurde das Universitätsklinikum Rudolf Virchow von der Freien Universität Berlin (FU) abgetrennt und der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) zugeordnet. 1997 zu einer gemeinsamen medizinischen Fakultät verschmolzen, bildeten die bis dahin noch eigenständigen Klinika ab 1998 die Charité. Der neue Name lautete Universitätsklinikum Charité der Humboldt-Universität Berlin mit dem jeweiligen Zusatz Campus Charité Mitte bzw. Campus Virchow-Klinikum.

Mitte 2003 wurde die Berliner Hochschulmedizin erneut umstrukturiert: Es kam zur Fusion der Charité mit der medizinischen Fakultät der Freien Universität Berlin. Die Entscheidung erwuchs hauptsächlich aus der angespannten Haushaltslage des Landes Berlin, das der fusionierten Charité eine Einsparvorgabe für das Budget für Forschung und Lehre in Höhe von 98 Mio. Euro mit auf den Weg gab. Trotz einiger Einwände seitens der FU Berlin und des Universitätsklinikums Benjamin Franklin (UKBF) in Lichterfelde blieb der Name „Charité“ erhalten. Lediglich das Logo, ursprünglich ein Schriftzug basierend auf der Handschrift von Friedrich Wilhelm I., wurde durch ein Doppel-C ersetzt, das durch den Hamburger Designer Peter Schmidt entworfen wurde. Der Name der zu beiden Universitäten gehörenden Fakultät lautet Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Vorfälle[Bearbeiten]

Im Oktober 2012 fand man auf zwei der fünf Neonatalogie-Stationen der Klinik bei mindestens 22 Säuglingen Serratia-Keime. Am 5. Oktober 2012 war ein infizierter Säugling an seiner Grunderkrankung verstorben.[22][23] Die Eltern des toten Kindes wurden erst nach der Bestattung über die Infektion informiert.[24]

Im November 2012 wurde der Fall eines Pflegers bekannt, der an der Klinik eine oder mehrere Patientinnen sexuell missbraucht haben soll.[25][26] Das Verbrechen an einer 16-Jährigen wurde von der Klinikleitung erst eine Woche später der Polizei gemeldet.[27] Der Präsident der Berliner Ärztekammer verteidigte dieses Vorgehen.[28]

In der Erste-Hilfe-Stelle wurde 2013 ein zehn Monate altes Baby mit Masern infiziert, da der behandelnde Arzt zu diesem Zeitpunkt an Masern erkrankt war.[29]

Internationale Partnerschaften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Charité – Sammlung von Bildern
 Wikisource: Charité – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1]
  2. [2]
  3. [3]
  4. [4]
  5. Prof. Karl Max Einhäupl an der Spitze der Charité. charite.de, abgerufen 7. Juni 2008.
  6. Vorstand der Charité Berlin, abgerufen am 11. November 2008.
  7. Geschichte des Campus Benjamin Franklin (CBF)
  8. Neue Behandlungsmethoden vorgestellt. In: Berliner Morgenpost, 7. August 2010.
  9. Charité macht 53 Millionen Euro Verlust. In: Berliner Zeitung, 27. Februar 2004
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBerliner Charité erzielt Gewinn, 2013 droht wieder Verlust. In: Berliner Morgenpost. 22. Februar 201, abgerufen am 3. August 2013.
  11. Charité CFM Facility Management GmbH weiter auf Erfolgskurs. presseportal.de, abgerufen 6. Juni 2008
  12. EU prüft Charité: Klage vor Gerichtshof droht. In: Die Welt
  13. Nur 5,55 Euro für die Wachleute. In: Berliner Morgenpost
  14. IG Bau: Arbeit ohne Mundschutz im OP. In: Berliner Morgenpost
  15. Chef der Charité-Tochter CFM war Stasi-IM. In: Berliner Morgenpost
  16. dakaberlin.de
  17. charite.de Auflistung der CharitéCentren, abgerufen am 23. Februar 2012
  18. Bildung der ChariteCentren kommt voran, Pressemeldung des Landes Berlin vom 30. September 2005, abgerufen am 13. September 2009
  19. Vgl. Johann Daniel Falk: Denkwürdigkeiten der Berliner Charité aufs Jahr 1797 in alphabetischer Ordnung nebst einem Gegenstück zu Herrn Biesters Darstellung aus den Acten. Weimar 1799, S. 38 f.
  20. zeit.de
  21. Lebenslauf Max de Crinis, Online-Edition Mythos Elser
  22. spiegel.de
  23. faz.net
  24. zeit.de
  25. Pfleger vergeht sich offenbar an 16-Jähriger. In: Focus
  26. spiegel.de
  27. abendblatt.de
  28. fr-online.de
  29. Julia Merlot: Baby-Infizierung in Charité: Experten fordern Impfzwang für Ärzte. In: Spiegel Online, 25. Juni 2013. Abgerufen am 26. Juni 2013.