Charivari (Heirat)

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Ein Charivari ist in Frankreich eine Art Polterabend, der im Falle einer Wiederverheiratung veranstaltet wurde.

Es handelte sich um einen ritualisierten Klamauk, den die Eltern und Freunde des Witwers oder der Witwe organisierten, der oder die sich erneut verheiraten wollte. Mehr oder weniger obszöne Gesänge und Tänze unter den Fenstern sowie Tierschreie sollten die Eheleute dazu bringen, Getränke zu reichen.

Der aus dem Mittelalter stammende Brauch, der oft in Form einer Katzenmusik einer sich wieder verheiratenden Witwe dargebracht wurde, bestand in einem wüsten Lärmen unter Absingen obszöner Lieder. Das Ehepaar musste sich davon gewöhnlich durch die Zahlung eines Lösegelds befreien. Da dies oft bis zur Erpressung führte, verbot das Konzil von Tours (1163) unter Androhung der Exkommunikation die Aufführung von Katzenmusiken. Trotzdem hat sich dieser Brauch besonders in ländlichen Gegenden bis ins 19. Jahrhundert erhalten.

Bibliographie[Bearbeiten]

  • G. Desplat, Charivaris en Gascogne. La « morale des peuples » du XVI au XX siècle, Berger-Levrault, 1982 ;
  • C. Gauvard et A. Gokalp, « Les conduites du bruit et leur signification à la fin du Moyen Âge : le charivari », Annales. Économies, sociétés, civilisations, 1974, pp.693–704 ;
  • J. Le Goff et J.-C. Schmitt (s.dir.), Le Charivari, actes de la table ronde organisée à Paris (1977) par le CNRS et l'EHESS, Mouton, coll. « Civilisations et sociétés », 1981 ;
  • H. Rey-Flaud, Le Charivari. Les rituels fondamentaux de la sexualité, Payot, 1985.