Charles-Augustin Sainte-Beuve

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Charles Augustin Sainte-Beuve)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Charles-Augustin Sainte-Beuve.

Charles-Augustin Sainte-Beuve (* 23. Dezember 1804 in Boulogne-sur-Mer, Frankreich; † 13. Oktober 1869 in Paris) war ein französischer Literaturkritiker und Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Er erhielt seine Schulbildung in Boulogne-sur-Mer und im Pariser Lycée Charlemagne und studierte danach Medizin an der Universität Lüttich. Schon früh wurde er wegen seiner poetischen Neigungen Mitglied des sich um Victor Hugo scharenden romantischen Literaturzirkels „Cenakels“. Sainte-Beuves literarischer Aufstieg begann mit Tableau historique et critique de la poésie française et du théâtre français au XVIe siècle von 1828, einer historisch-kritischen Arbeit im Stile F. Walter Scotts. In den folgenden Jahren verfasste er Poesiebände unter Pseudonym (Poésies, Consolations und Pensées d'août). „Dunkle, unbestimmte Sehnsucht, überwallendes Gefühl und ein Übermaß von Selbstzergliederung“ (Meyers Konversationslexikon) machen seine Protagonisten zu Geistesverwandten des „Werther“.

„Lieber tot als nass“ - Paul-François Dubois vs. Sainte-Beuve bei Paris 1830

Nach der Julirevolution ließ er sich eine Zeitlang vom Saint-Simonismus mitreißen; er schrieb für die Pariser Blätter „Globe“ und „National“ und verfasste mit Volupté (1834) einen Roman. Erst mit der Anstellung bei der „Revue des Deux Mondes“, konnte er seine frühen literarhistorischen Arbeiten fortsetzen und seine Talente voll entfalten. Honoré de Balzac, der leidenschaftliche Erzähler eigener Erlebnisse, hat ihm in Les illusions perdues (dt.: Verlorene Illusionen) von 1839 in der Figur des talent- wie skrupellosen Emporkömmlings Lucien Chardon ein fragwürdiges Denkmal gesetzt.

1840 erhielt Sainte-Beuve die Stelle eines Konservators an der Bibliothek Mazarin; 1845 wurde er zum Mitglied der Académie française ernannt. Nach dem Staatsstreich Napoleons III. erhielt Sainte-Beuve die Professur der lateinischen Poesie am Collège de France, jedoch führten seine Vorlesungen zu Unruhe unter der mehrheitlich republikanisch gesinnten Studentenschaft, so dass er bald Leseverbot erhielt. Da auch seine Lehrtätigkeit an der École Normale Supérieure (1857–61) ein jähes Ende fand, zog er sich in das Privatleben zurück. Napoleon III. belohnte seine Dienste im Jahre 1865 durch eine Berufung in den Senat.

Werke[Bearbeiten]

  • Histoire du Port Royal (1840–48)
  • Causeries du lundi, eine Sammlung seiner in verschiedenen Zeitschriften erschienenen Feuilletonartikel (1851–61)
  • Chateaubriand et son groupe littéraire (1860)
  • Poésies complètes (1863)
  • Critiques et portraits littéraires (1832–39)
  • Portraits littéraires (1844)
  • Portraits contemporains (1846)
  • La galerie de femmes célèbres (1859)
  • La nouvelle galerie de femmes célèbres (1863)

Deutschsprachige Ausgaben[Bearbeiten]

  • Literarische Portraits aus dem Frankreich des XVII. - XIX. Jahrhunderts. Herausgegeben von Stefan Zweig. 2 Bände. Frankfurter Verlags-Anstalt, Frankfurt am Main 1923. Mit 22 Essays und einer Einleitung Zweigs.

Siehe auch[Bearbeiten]

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Charles-Augustin Sainte-Beuve – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Charles Augustin Sainte-Beuve – Quellen und Volltexte (französisch)

Notizen[Bearbeiten]

  1. über Jean de La Fontaine, Molière, Jean de La Bruyère, Le Sage, Diderot, Madame de Staël, Pierre-Jean de Béranger, Victor Hugo und Honoré de Balzac. Da Sainte-Beuve sich teilw. mehrfach literarisch-kritisch über den Autor im Lauf seines Lebens geäußert hat, ist die fehlende Nennung der frz. Quellen in dieser Edition zu bedauern. Die Quellen, die aus den o. g. Editionen 1834 - 1863 stammen, sind in WP wie folgt dargestellt: beim einzelnen Autor ist ein Link, entweder als Anmerkung oder unter Weblinks, und mit seiner Hilfe kann der Originaltext (transkribiert oder als Scan) gelesen werden. - Zu deutschsprachigen Printausgaben: es gibt evtl. weitere Ausgaben solcher Porträts, auch auf Deutsch meistens in der alten Schreibweise "Portraits", z. B. übers. v. Stefan Zweig. Es gibt weitere, noch frühere Kompilationen, stets mit verschiedenen Dargestellten, je nach den Interessen des Hg.