Charles Bedaux

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Bedaux mit seiner Filmcrew in Kanada, 1934

Charles Eugène Bedaux (* 26. Oktober 1886 in Paris; † 18. Februar 1944 in Miami) war einer der schillerndsten Millionäre des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Er entwickelte erfolgreich das auf Frederick Winslow Taylor basierende Scientific Management weiter und reüssierte als Unternehmensberater auf dem Gebiet. Befreundet sowohl mit der britischen Königsfamilie wie mit führenden Nazis betätigte er sich auch als erfolgreicher Großwildjäger und als Entdecker.

Die frühen Jahre[Bearbeiten]

Charles Bedaux wurde 1886 in Paris geboren.[1] 1903 verließ er die Schule und schlug sich als Gelegenheitsarbeiter durch, bis er sich mit dem erfolgreichen Zuhälter und Lebemann aus dem damals berüchtigten Standteil Pigalle, Henri Ledoux, anfreundete. Ledoux lehrte Bedaux, sich angemessen zu kleiden, Selbstvertrauen und sich auf der Straße auch im Kampf durchzusetzen. Als Ledaux 1906 ermordet wurde, emigrierte Bedaux in die Vereinigten Staaten und nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Er heiratete und hatte einen Sohn, Charles Emile Bedaux (1909–1993).[2]

Erfolg im Scientific Management[Bearbeiten]

Bedaux wurde zu einem der führenden Unternehmensberater im Bereich des Scientific Management. Er entwickelte Verfahren zur Produktivitätsbeurteilung und Sollzeitermittlung, mit denen er bei seinen Klienten große Verbesserungen erzielte und vor allem die Mitarbeiterproduktivität deutlich erhöhte. Er wurde in seiner Arbeit von Taylor stark beeinflusst und war auch ein Anhänger der Zeit- und Bewegungsstudien der Gilbreths. Er konzentrierte sich auf den Zusammenhang von Arbeitsermüdung (engl.: fatigue, siehe auch: Arbeitsstrukturierung) und Erholung indem er für jede Arbeit das jeweils angemessene Verhältnis der beiden Werte herausarbeitete. Dieses bezeichnete er mit „B“ und schuf Anreizsysteme, die Mitarbeiter veranlassen sollten, dieses Verhältnis bei ihrer Arbeit einzuhalten.[3]

1916 beeindruckte Bedaux das Industrial Committee of Grand Rapids – seinem damaligen Wohnort – mit einem Konzept zur Restrukturierung der örtlichen Fabriken. In der Folge bot ihm einer der Teilnehmer, Frederick Bearly, das Startkapital an, um sich selbstständig zu machen. Am 1. Mai 1916 trennte sich Charles Bedaux mit der Fertigstellung eines Auftrags für Wolverine Brass von seinem bisherigen Partner, M. A. Morrini, und errichtete seine eigene Charles Bedaux Company. Wolverine Brass wurde an diesem 1. Mai sein erster Kunde.[4] Innerhalb eines Jahrzehnts gelang es ihm, mit zahlreichen Dependancen in den USA, aber auch in Europa und schließlich in Afrika, Australien und im Nahen Osten Fuß zu fassen.[5]

Subarktis Expedition in Kanada[Bearbeiten]

Unter dem Titel Bedaux Canadian Sub-Arctic Expedition unternahm Bedaux 1934 eine großangelegte Expedition durch die Wildnis des nördlichen British Columbia. Es war eher eine Publicity-Veranstaltung als ein seriöses wissenschaftliches Unternehmen, diente aber auch der Erprobung der neu entwickelten Halbkettenfahrzeuge von Citroën, mit dessen Mitgründer, André Citroën, Bedaux befreundet war.[6] Die Expedition wurde durch den bereits mit dem Academy Award ausgezeichneten Kameramann Floyd Crosby aufgezeichnet. Mit dabei waren auch mehrere Dutzend Cowboys aus Alberta und ein umfangreiches Filmteam. Um den Weg der Expedition festzuhalten, schickte die kanadische Regierung zwei Geografen, Frank Swannell und Ernest Lemarque, mit.

Die Expedition startete am 6. Juli 1934 in Edmonton und sollte die rund zweieinhalb tausend Kilometer nach Telegraph Creek in Britisch Columbia zurücklegen. Der größte Teil des Weges führte durch noch kaum kartografiertes, wegloses Gebiet.[7]

Die Expedition war nicht erfolgreich. Weder gelang es, das Ziel zu erreichen, noch wurde der Film jemals fertiggestellt. Erst 1995 wurde das Filmmaterial in einer Fernsehbiografie über Bedaux durch den Kanadischen Regisseur George Ungar mit dem Titel „The Champagne Safari“ aufgearbeitet.[8]

Duke and Duchess of Windsor[Bearbeiten]

Château de Candé

1927 übersiedelte Bedaux mit seiner zweiten, amerikanischen Frau, Fern Lombard (1890–1974), in das von ihm erworbene und modernisierte französische Schloss Candé.

Am 3. Juni 1937 wurde der Ort Schauplatz eines gesellschaftlichen Großereignisses. Der abgedankte britische König Eduard VIII., jetzt Duke of Windsor, heiratete dort seine Geliebte Wallis Simpson.

Späte Jahre[Bearbeiten]

Während der Pariser Besetzung durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg schloss Bedaux Bekanntschaft sowohl mit führenden Nazis als auch mit Vertretern des Vichy-Regimes. Bedaux war mit einem Pipelinebau in Nordafrika durch die Deutschen beauftragt, als sein Sohn und er im November 1942 während der Operation Torch durch die FFL dort arrestiert wurde.[9] Bedaux wurde in die USA zurück verfrachtet und dort wegen Landesverrates festgehalten. Er wurde als Berater des Dritten Reiches festgesetzt und – wie der als wenig seriös geltende Publizist Martin Allen glaubt – für die Abwicklung der jüdischen Unternehmen im besetzten Frankreich verantwortlich gemacht.[9]

In Erwartung einer Untersuchung seiner Aktivitäten während des Krieges durch eine Grand Jury beging er im Gefängnis von Miami am 18. Februar 1944 Selbstmord.[2][9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christy, Jim: The Price of Power : A Biography of Charles Eugene Bedaux. Garden City, NY: Doubleday 1984. - ISBN 0-385-18909-5
  • Berton, Pierre: My Country : The Remarkable Past. Toronto: Anchor, 2002. ISBN 978-0-385-65928-4
  • Glass, Charles: Americans in Paris : Life and Death Under Nazi Occupation. London: Harper Collins, 2009. - ISBN 978-0-00-722853-9
  • Higham, Charles: Trading with the enemy : an exposé of the Nazi-American money plot 1933-1949.New York : Dell Book, 1983. - ISBN 044019055X
  • Kunze, Helmut: Bedaux-Verfahren : Der neue Weg, Steigerung der Produktivität ; Mensch und Arbeit im Rahmen des Bedaux-Verfahrens, Grundlagen, Methoden, Verfahrenstechniken. Haar: Löhr & Partner, 1977. ISBN 3-9800164-0-4
  • Rochau, Erwin: Das Bedaux-System : Praktische Anwendung und kritischer Vergleich mit dem REFA-System. 3. Aufl. Würzburg: Konrad Triltsch, 1952.
  • Unteutsch, Wilhelm: Das Bedaux-System und seine Kritik. Berlin: VDI-Verl, 1935 (dnb, Diss. RWTH Aachen)
  • Jonathan Petropoulos:Royals and the Reich. Oxford University Press, 2006. ISBN 0-19-516133-5

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Britannica: Charles Bedaux. Abgerufen am 22. Juni 2012.
  2. a b Traxel, David: Dropout Millionaire. In: The New York Times, 2. Juni 1985. Abgerufen am 22. Juni 2012. 
  3. Rochau, Erwin: Das Bedaux-System : Praktische Anwendung und kritischer Vergleich mit dem REFA-System. 3. Aufl. Würzburg: Konrad Triltsch, 1952. S. 19–31
  4. Christy, Jim: The Price of Power : A Biography of Charles Eugene Bedaux. Garden City, NY: Doubleday 1984. - ISBN 0-385-18909-5. S. 35.
  5. Bedaux (Hrsg.): Charles Bedaux. Abgerufen am 22. Juni 2012.
  6. Grosse, Noelle: Rumours surround legendary Bedaux trek. In: Saskatoon Sun, 11. Oktober 1998. Archiviert vom Original am 28. September 2007. Abgerufen am 22. Juni 2012. 
  7. Dyke, Bob: Bedaux Expedition. Abgerufen am 10. Juli 2007.
  8. Mostra (Hrsg.): The Saffari Champagne. Abgerufen am 22. Juni 2012.
  9. a b c Martin Allen: Hidden Agenda : How the Duke of Windsor Betrayed the Allies. Macmillan, London 2000, ISBN 0333901819.