Charles Handy

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Charles und Elizabeth Handy.

Charles B. Handy[1] (* 1932 in Kildare, Irland) ist ein irischer Wirtschafts- und Sozialphilosoph sowie Autor.

Biografie[Bearbeiten]

Handy absolvierte sein Grundstudium am Oriel College, Oxford; abgeschlossen Summa cum laude in Greats (Literae Humaniores, einem Studium mit klassischen Inhalten, Geschichte und Philosophie). Nach dem College arbeitete Handy zwölf Jahre als Manager für den britischen Ölkonzern Royal Dutch Shell in Süd-Ost Asien und London. Nach dieser Zeit studierte er weiter an der MIT Sloan School of Management, wo er auf Warren Bennis, Chris Argyris, Ed Schein and Mason Haire traf und ein Interesse an den Funktionsweisen von Unternehmen entwickelte.

Nach seiner Rückkehr nach England 1967, war Handy einer der Mitbegründer der London Business School. 1972 verließ er Shell, da er eine volle Professur für Managementpsychologie an der London Business School erhielt. Hier wurden die Fragen der Veränderung von Gesellschaft und Arbeitswelt und die nötige Reaktion darauf der Mittelpunkt seiner Arbeit.

Von 1977 bis 1981 arbeitete Handy in einem Konferenz- und Ausbildungszentrum für Ethik und Werte in Windsor Castle (der Privatresidenz der Queen of England).

Von 1987 bis 1989 war er Vorsitzender der Royal Society of Arts in London. Er hält Ehrendoktortitel von sieben britischen Universitäten. In Großbritannien ist er wegen seines BBC-Radio-Programmes „Gedanken für Heute“ (Thoughts for Today) einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Handy gilt als einer der einflussreichsten Managementdenker.

Handy und seine Ehefrau Elizabeth, die auch sein Geschäftspartner ist, haben zwei erwachsene Kinder und leben wechselnd in England und Italien.

Kernpunkte von Handys Arbeit[2][Bearbeiten]

Handy beschäftigt sich hauptsächlich mit den Veränderungen, denen Arbeit und Organisationen in der modernen Gesellschaft und Wirtschaft unterliegen. In diesem Zusammenhang beschreibt er vier Organisationsformen und deren Kulturen, die er durch vier klassische griechische Götter repräsentiert. Die Organisationen sind in der folgenden Tabelle kurz beschrieben.

Club-Kultur Rollen-Kultur Aufgabenkultur Existentielle Kultur
Gott Zeus Apollo Athene Dionysos
Bild Spinnennetz griechischer Tempel Netzwerk
Ordnungs-
prinzip
zentrale Person geschriebene Regeln, feste Rollen wechselseitige Übereinkunft, wechselnde Rollen Verhandlung
Erfolgs-
rezept
Handle wie der Chef! Halte dich an die Regeln! Passe dich immer wieder neu an! Mache Kompromisse!
Umwelt Junge Unternehmen Stabile, vorhersagbare Umwelt, wiederkehrende Aufgaben instabile Umwelt, wechselnde Aufgaben -
Probleme - Veränderungen repetitive Aufgaben, Routine Erreichen eines Konsens
korrespondiert mit Mintzberg's Einfachstruktur Mintzberg's Maschinenbürokratie
Tom Burns' mechanistischer Organisation
Mintzberg's Adhokratie
Tom Burns' organistischer Organisation
-

Die drei ersten Kulturen (Klub-, Rollen-, Aufgaben-Kultur) sind recht konventionell. Nach Handy gibt es keine industrielle existentielle Organisation, aber der Industrie-Trend zum Outsourcing wird seiner Meinung nach mehr Organisationen dieses Typus hervorbringen.

Weiterhin sieht Handy einen Paradigmenwechsel in der Industrie. In einem ähnlich dramatischen Umbruch, wie die Subsistenzwirtschaft im 19ten Jahrhundert von der industriellen Revolution abgelöst wurde, so glaubt Handy wird die industriell revolutionierte Wirtschaft von der Wissenswirtschaft (engl. knowledge economy) abgelöst werden.

Shamrock

Dies erfordert eine Umstrukturierung der Unternehmen. Handy verwendet das irische Nationalemblem, das Shamrock (dreiblättriges Kleeblatt). Die Shamrock-Organisation basiert auf drei wesentlichen Elementen:

Das erste nennt Handy professionellen Kern (engl. professional core), bestehend aus Facharbeitern, Technikern und dem Management. Hier sieht Handy die differenzierenden Kenntnisse und Fähigkeiten des Unternehmens konzentriert. Diese Mitarbeiter werden hoch entlohnt, wofür man von ihnen außerordentliche Leistungen, Flexibilität und Einsatz verlangt. Diese Gruppe wird in einer Aufgaben-Kultur (Athene) gemanagt.

Die zweite Gruppe sind die Sonder- und Spezialleistungen, die über den Markt billiger beschafft werden können (vgl. Transaktionskostentheorie), also Organisationen von Spezialisten, die über vertragliche Bande, aber nicht mehr in Vollzeit für das Unternehmen (oder andere) tätig sind. Handy bezieht sich hier nicht nur auf Komponenten und Materialien, sondern auch auf Dienstleistungen, z. B. Firmenkantine, Maschinenreinigung, Wartung- und Instandhaltung etc. Durch diese Praxis werden auch neue Kenntnisse wichtiger, z. B. Just in time-Liefersysteme und ähnliche Entwicklungen. Die Entlohnung dieser Personengruppe findet nach Aufgabenstellung statt, nicht nach Zeitlöhnen.

Als dritte Gruppe sieht Handy flexible Arbeitskräfte, eine (große) Gruppe von Personen, die nicht über einen permanenten Arbeitsplatz verfügen, sondern von den Unternehmen nur bei Bedarf und für die Dauer des Bedarfs angeworben werden. Diese Gruppe darf vom Management trotzdem nicht als belanglos weil leicht ersetzbar betrachtet werden, da sich ansonsten die Kosten in Form von Qualitätsmängeln etc. niederschlagen. Diese Gruppe wird in einer Rollen-Kultur (Apollo) geführt, wobei die Führung fair genug sein muss, um die erforderliche Produktivität zu erreichen.

Mit dem Auftauchen von Shamrock-Organisationen kommt es zu einer weiteren Diskontinuität in den Machtstrukturen von Organisationen. Statt wie bisher Macht im Zentrum einer Organisation zu konzentrieren, sieht Handy das Erscheinen von föderalen Organisationen (engl. federal organization) voraus. In föderalen Organisationen konzentrieren sich Wissen und Kenntnisse in den Shamrock-organisierten Teilorganisationen. Hier wird auch über Strategie, Investition usw. entschieden. Der Antrieb zur Zusammenarbeit ist für die Teilorganisationen der mögliche Zugewinn an Skalenerträgen oder ähnlichen Vorteilen. Die Firmenzentrale übernimmt nur noch unterstützende Funktionen für die Teilorganisationen, z. B. Großinvestitionen, Entwicklungsinvestitionen oder Ernennung der Spitzenkräfte. Die vordringlichste Aufgabe des Zentrums ist die Formung und Erhaltung der Vision.

Handy beschreibt die föderale Organisation in einer Analogie mit Universitäten, wo die zentrale Verwaltung weder die Kenntnisse, noch die Möglichkeit hat, die Fachbereiche direkt zu führen. Hierfür müssen zwei Kriterien erfüllt werden.

  1. Subsidiarität, Funktionen, die effizienter auf niedrigeren Ebenen entschieden werden können auch dort entscheiden zu lassen. Dies erfordert von der zentralen Führung erhebliches Vertrauen in die föderalen Elemente. Subsidiarität kann sich nur beweisen, wenn die zentrale Führung Kontrollfunktionen aufgibt und den Elementen genügend Zeit zur Entwicklung der benötigten Kenntnisse und Fähigkeiten gibt.
  2. Erweiterungsdrang, der Drang der föderalen Elemente, ihren Aufgabenbereich zu erweitern und auszudehnen. Handy verwendet das Bild des invertierten Doghnuts (amerikanisches Schmalzgebäck mit einem Loch in der Mitte). Beim invertierten Doghnut ist das Loch in der Mitte gefüllt und dann besteht eine torusförmige Lücke nach außen. Dem Job wird mit dieser Lücke ein Spielraum gegeben, in den sich der Jobinhaber und seine Aufgaben erweitern können.

Während traditionelle Unternehmen in Apollo-Kulturen organisiert waren, mit engen Aufgaben- und Arbeitsbeschreibungen, so wandelt sich diese Organisationsform in Handys föderalen Organisationen mehr und mehr zu Athene-Kulturen mit entsprechend flexiblen Aufgabe- und Arbeitsstellungen.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Ich und andere Nebensächlichkeiten, Düsseldorf, 2007
  • The empty Raincoat, London 1994 Hutchinson
  • The Age of Unreason, London 1989 Business Books
  • Twenty-One ideas for Managers: Practical Wisdom for Managing Your Company and Yourself
  • The Hungry Spirit, London 1997 Hutchinson
  • Understanding Organizations London 1976 Penguin
  • Gods of Management : The Changing Work of Organizations, London 1986 Business Books
  • The Future of Work, Oxford 1984 Basil Blackwell
  • The Making of Managers, London 1988 Longman

Quellen[Bearbeiten]

  1. Teile der Biografie entnommen aus BBC: “Charles Handy - biography” am 20. September 2006
  2. Derek S. Pugh and David J. Hickson Writers on Organizations, 5th ed. (1996), Penguin Books ISBN 0-14-025023-9

Weblinks[Bearbeiten]