Charles Hapgood

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Charles Hutchins Hapgood (* 17. Mai 1904; † 21. Dezember 1982) [1] war ein amerikanischer Historiker, der von der vormaligen Existenz einer jungpaläolithischen Hochkultur und deren Untergang infolge kataklysmischer Ereignisse ausging. Im Rahmen seiner Forschungen widmete er sich vor allem seiner höchst umstrittenen Theorie der Erdkrustenverschiebung (earth crust displacement) und der Überlegung, dass vor 12.000 Jahren eine, in der nördlichen Antarktis beheimatete Zivilisation im Verlauf einer, durch eine solche Verschiebung der Erdkruste hervorgerufenen, Kette von Katastrophen vernichtet worden sei. Diese prähistorische Seefahrerkultur soll u.a. über ein enormes geographisches Wissen verfügt haben, das von Überlebenden jener Katastrophen an Menschen auf verschiedenen Kontinenten übermittelt worden sei. [2] Laut Hapgood spiegele sich dieses Wissen noch in viel später entstandenen Kartenwerken, wie der Karte des Piri Reis (vermutl. 1513 erstellt), wider. Mit diesem, diversen fachwissenschaftlichen Paradigmen widersprechenden, aber im Grundsatz nicht im Gegensatz zur von ihm kritisierten [3], heute allgemein anerkannten, Theorie der Plattentektonik von Alfred Wegener stehenden [4], Ideengebäude konnte Hapgood sich in der scientific community nicht durchsetzen.

Leben[Bearbeiten]

Die Karte des Piri Reis von 1513 betrachtete Charles H. Hapgood als wesentliches Indiz für die Richtigkeit seiner These wiederholter Verschiebungen der Erdkruste.

Charles H. Hapgood beendete 1929 sein Studium mittelalterlicher und moderner Geschichte an der Universität Harvard mit Erlangung des Master-Grades. Die Arbeit an seiner geplanten Dissertation zur Französischen Revolution musste er im Verlauf der Großen Depression abbrechen. Zeitweise unterrichtete er als Dozent in Vermont, und er leitete ein Gemeinschaftszentrum in der Gemeinde Provincetown.

Während des Zweiten Weltkriegs war Hapgood für das Center of Information (das spätere Office of Strategic Services, Vorläufer der Central Intelligence Agency) sowie für das Rote Kreuz tätig. Zudem diente er als Verbindungsoffizier zwischen dem Weißen Haus und dem Büro des Kriegsministers (Secretary of the War). Nach Kriegsende lehrte er am Keystone College (1945–1947), Springfield College (1947–1952), Keene State College (1956–1966), und dem New England College (1966–1967), wo er Vorlesungen in Weltgeschichte, amerikanischer Geschichte und Wissenschaftsgeschichte sowie in Anthropologie und Ökonomie hielt.

In Massachusetts sprach einer seiner Schüler ihn auf den mythisch-legendären Kontinent Mu an, was ihn zu einem Kurs-Projekt zum Thema 'Atlantis' veranlasste, welches sein anhaltendes Interesse an putativen, verschollenen Zivilisationen der Vorzeit und am Katastrophismus begründete.[1] 1958 veröffentlichte Hapgood sein Buch The Earth's Shifting Crust, in der er seine Theorie der Erdkrustenverschiebung (auch Polverschiebung) beschrieb. 1966 erschien sein Folgewerk Maps of the Ancient Sea Kings, in dem er seine Polverschiebungstheorie näher erläuterte und von einem antiken Seefahrervolk sprach, welches in vormals eisfreien Gebieten der Antarktis gelebt haben soll. Großes Interesse brachte er auch der umstrittenen Sammlung so genannter Acámbaro-Figuren aus Mexiko entgegen, deren teilweise Authentizität er gegen die in wissenschaftlichen Kreisen vorwiegend vertretene Fälschungsannahme verteidigte.[5] In fortgeschrittenem Alter befasste er sich zudem auch mit parapsychologischen sowie esoterischen Themen. Dabei arbeitete er mit dem Medium Elwood Babbitt aus Neuengland zusammen, mit dessen Hilfe er Kontakt zu verstorbenen Größen der Weltgeschichte aufnehmen wollte.

Bereits im Jahr 1941 hatte Charles H. Hapgood Tamsin Hughes geheiratet, aber die Ehe wurde 1955 geschieden. Er starb 1982 im Alter von 78 Jahren an den Folgen eines Verkehrsunfalls, bei dem er von einem Auto angefahren und schwer verletzt wurde.[1]

Polverschiebung[Bearbeiten]

Theorie[Bearbeiten]

Nach Meinung von Charles Hapgood kommen Verlagerungen der geographischen Erdpole durch – in erdgeschichtlichem Maßstab – plötzlich eintretende, massive Verschiebungen der Erdkruste auf der unter ihr befindlichen Asthenosphäre zustande. Als einen Auslöser für solche, innerhalb weniger Jahrhunderte stattfindenden Prozesse betrachtete er die glazialen Eismassen, welche die nördliche Hemisphäre während eiszeitlicher Perioden bedecken.[6] Unterstützung erhielt er dabei u.a. durch Albert Einstein, der z.B. das Vorwort zu Hapgoods Buch The Earth's Shifting Crust verfasste, sowie durch den vormaligen Ordinarius für Erdgeschichtsforschung an der Harvard University, Kirtley F. Mather (1888–1978), seinerzeit ein prominenter US-amerikanischer Geologe, der seine Kollegenschaft dazu aufforderte, dass die "zahlreichen ungelösten Probleme, auf welche Mr. Hapgood unsere Aufmerksamkeit lenkt", zum "Gegenstand intensivierter Debatten von Wissenschaftlern auf der ganzen Welt gemacht werden" sollten.[7] Tatsächlich lassen sich Veränderungen in der Neigung der Erdachse (Präzession, Nutation) nachweisen, aber keine so plötzlichen, dass etwa eine Krustenverschiebung zustande kommen würde. Nicht auf solchen Veränderungen geht die durch paläomagnetische Messungen nachgewiesene Umkehr der Magnetpole zurück, die im Mittel alle 250.000 Jahre stattfindet. Diese Polumkehr ist, soweit bekannt ist, nicht mit katastrophischen Ereignissen verbunden, und nahe menschliche Vorfahren (etwa der Homo erectus oder die Australopithecinen) haben mehrere Magnetpolumkehrungen überlebt.[2] Während katastrophische Polsprung-Szenarien im Bereich universitärer Forschung somit als unbewiesen bzw. widerlegt gelten, finden sie nach wie vor einige Beachtung in der Atlantisforschung grenzwissenschaftlicher Ausprägung (siehe: Lokalisierungshypothesen zu Atlantis, unter: Antarktische Atlantis-Lokalisierungen).

Verwendung des Themas[Bearbeiten]

Im Zusammenhang mit dem Hype um ein, für das Jahr 2012 angenommenes, Ende der Welt wurde das Ablaufen der Zählung des Maya-Kalenders von zahlreichen 'Weltuntergangs-Propheten', wie etwa Patrick Geryl und Gino Ratinckx[8], mit dem vermeintlichen Bevorstehen eines Polsprungs oder einer Polwende in Verbindung gebracht. Angeblich sollte in diesem Zusammenhang auch der spekulative Planet Nibiru eine Rolle spielen.[9] Dieses Ereignis sollte, so eine häufig genannte Datierung, am 21. Dezember 2012 stattfinden – also genau 30 Jahre nach Hapgoods Tod, wobei dieser selber, im Zusammenhang mit dem Ende des Maya-Zyklus, vom Jahr 2013 sprach.

Cineastisch wurde das Thema 'Polverschiebung' u. a. in dem amerikanischen, erstmals 2006 ausgestrahlten TV-Katastrophenfilm Absolute Zero (deutscher Titel: Eiskalt wie die Hölle) aufgegriffen, bei dem Robert Lee Regie führte und für den Sarah Watson das Drehbuch schrieb (Hauptrollen: Jeff Fahey und Erika Eleniak).[10] In diesem Film, in dem eingangs bereits ein Polsprung vor ca. 10.000 Jahren angedeutet wird, kommt es auch in der Gegenwart zu einem solchen Ereignis, welches Florida und alle Gebiete innerhalb 30° nördlich und südlich des bisherigen Äquators unter einer massiven Eis- und Schneedecke verschwinden lässt. Im amerikanisch-kanadischen Leinwand-Epos 2012 von Roland Emmerich, das am 11. November 2009 seine Weltpremiere hatte, wird das Polsprung-Motiv ebenfalls filmisch adaptiert, wobei besonders dramatisch die anzunehmenden Sekundäreffekte einer plötzlichen Verschiebung der Erdkruste, wie Erdbeben, Vulkanausbrüche und Megatsunamis, dargestellt werden.

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Hapgood, Charles H.: Great Mysteries of the Earth, Putnam, 1960
  • Hapgood, Charles H.: Die Weltkarten der alten Seefahrer - Die Entdeckung der Antarktis vor 6000 Jahren und Amerikas vor Kolumbus. Deutsche Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch von Ulrike Bischoff. Verl. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2002. (Original 1966/1996). ISBN 3-86150-419-7. Original-Titel der amerikanischen Ausgabe: Maps of the Ancient Sea Kings
  • Hapgood, Charles H.: Voices of spirit: through the psychic experience of Elwood Babbitt, 1975, Delacorte, ISBN 0-440-05983-6

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c http://drs.library.yale.edu:8083/saxon/SaxonServlet?style=http://drs.library.yale.edu:8083/saxon/EAD/yul.ead2002.xhtml.xsl&source=http://drs.library.yale.edu:8083/fedora/get/beinecke:hapgoodch/EAD
  2. a b http://www.skrause.org/writing/papers/hapgood_and_ecd.shtml
  3. Siehe: Charles H. Hapgood, Earth's Shifting Crust: A Key to Some Basic Problems of Earth Science, Pantheon Books, 1958, S. 26-33 (Kapitel: I: Past Theories of Polar Shift; 2. The Wegener Theory)
  4. Rand und Rose Flem-Ath, "Was Albert Einstein silly? - Plate Tectonics Versus Earth Crust Displacement???", auf: FLEM-ATH - expect the unexpected, abgerufen am 19. Mai 2013.
  5. Hapgood, Charles Hutchins: Mystery in Acambaro: An Account of the Ceramic Collection of the Late Waldemar Juisrud in Acumbaro, GTU, Selbstverlag, Mexico, 1972
  6. Steve Krause, Hapgood’s Theory of Earth Crust Displacement, 6. Dezember 1996, abgerufen am 19. Mai 2013.
  7. Rand und Rose Flem-Ath, op. cit.
  8. Patrick Geryl und Gino Ratinckx, The Orion Prophecy, Kempton, Illinois 2001
  9. Siehe etwa: Rob(ertino) Solàrion, Nibiru: Slow-motion Doomsday Planet X, 1st Books Library, 2004
  10. Eiskalt wie die Hölle (TV 2006), bei: IMDb, abgerufen am 19. Mai 2013.