Charles III. de Bourbon-Montpensier

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Charles de Bourbon-Montpensier, Stich von Thomas de Leu

Charles III., Herzog von Bourbon-Montpensier (* 17. Februar 1490; † 6. Mai 1527 in Rom), genannt der „Connétable von Bourbon“, war ein französischer Politiker und erfolgreicher Heerführer.

Leben[Bearbeiten]

Charles war der zweite Sohn Gilberts von Bourbon, Graf von Montpensier. Nach dem Tod seines Bruders Louis II. wurde er 1501 Herzog von Montpensier. Er wurde im Jahr 1505 durch seine Vermählung mit Suzanne de Bourbon-Beaujeu, der Tochter seines Onkels Peter II., achter Herzog von Bourbon sowie der Erbe der großen Besitztümer zweier Zweige des Bourbonengeschlechts.

Für seine in den Schlachten bei Agnadello und bei Marignano (wo er die Vorhut kommandiert hatte) 1515 bewiesene Tapferkeit erhob ihn Franz I. zum Connétable von Frankreich und Statthalter von Mailand. Jedoch war der König mit seinem Auftreten unzufrieden und rief ihn bald nach Frankreich zurück; der Connétable war seinerseits verärgert, weil der König bei den Kampagnen in den Niederlanden seinen Stiefbruder, Charles IV. von Alençon, bevorzugte.

Der Tod seiner Gemahlin Suzanne 1521 führte zum endgültigen Bruch mit Franz I.:[1] die Königinmutter Luise von Savoyen beanspruchte (juristisch unrechtmäßig) die Reichtümer des Hauses Bourbon auf Grund ihrer Verwandtschaft mit Suzanne. Um die Auseinandersetzung zu beenden, schlug sie vor, den Connétable zu heiraten; als dieser jedoch dieses Ansinnen ablehnte, brachte Luise ihren Sohn dazu, dass dem Connétable seine Erbgüter zu Gunsten der Krone vorenthalten und sonstige Vorrechte entzogen wurden – und dies noch bevor der Streit gerichtlich geklärt werden konnte.

Dadurch erbittert, ging Charles zu Kaiser Karl V. über, der ihm die Provence und Dauphiné in Verbindung mit Bourbonnais und Auvergne als eigenes Königreich sowie seine Schwester Eleonore, die Portugal als Witwengut besaß, zur Gemahlin versprach. Faktisch hätte dieser Geheimplan – an dem auch König Heinrich VIII. von England beteiligt war – zur Aufteilung Frankreichs geführt. König Franz eilte auf die Nachricht hiervon nach Moulins, bot Charles Versöhnung und Zurückerstattung seiner Güter an und forderte ihn auf, mit ihm nach Italien zu ziehen. Der Connétable entfloh aber verkleidet in die Franche-Comté und von da (September 1523) zu den Spaniern nach Italien. Dies stellte einen eindeutigen Verrat dar, doch wurde Charles durch Franz und Luise faktisch in eine unhaltbare politische Situation gedrängt. Der Titel Connétable wurde ihm aberkannt, seine gesamten Güter eingezogen. In zeitgenössischen Berichten wurde die Schuld für das Überlaufen Bourbons stark dem König angelastet,[2] der wiederholt das Standesbewusstsein Bourbons gekränkt und ihn gedemütigt hatte.

Wegen seines Feldherrntalents freudig aufgenommen, kämpfte er 1524 gegen seine Landsleute in der Schlacht bei Gatinara und führte mit dem Marchese von Pescara, der ihm zugleich zur Kontrolle mitgegeben wurde, im Juni das spanische Heer nach Frankreich, wo er Marseille vergeblich belagerte. Hierauf siegte er im Februar 1525 in der Schlacht bei Pavia an der Spitze der Kaiserlichen.

Jedoch fühlte er sich von Karl schlecht behandelt; trotz der Versprechungen im Madrider Frieden (1526) erhielt er seine Güter nicht wieder, obendrein wurde des Kaisers Schwester Eleonore mit Franz I. verlobt. 1526 auf das Herzogtum Mailand vertröstet und vom Kaiser zum Oberfeldherrn in Italien ernannt (jedoch nicht mit den erforderlichen Mitteln ausgestattet), eroberte er am 24. Juli die Zitadelle von Mailand. Im Februar 1527 zog er gegen Rom, um den Papst Clemens VII. zu strafen, der den Wiederausbruch des Kriegs herbeigeführt hatte, und um durch Plünderung der reichen Stadt den rückständigen Sold für die Landsknechte zu gewinnen.

Vom Papst mit dem Bann belegt, kam er am 5. Mai vor Rom an, und seine Söldner begannen am Morgen des 6. Mai mit der Erstürmung der Stadt. Bei diesem Angriff kam er ums Leben – angeblich durch eine Kugel aus der Hand des Goldschmiedes Benvenuto Cellini. Die Soldateska war nicht mehr zu kontrollieren, es folgte der berüchtigte Sacco di Roma. Als zwei Monate später das Heer aus Rom abzog, wurde der Leichnam Bourbons mitgenommen und in Gaeta bestattet.

Dynastische Bedeutung[Bearbeiten]

Da keines seiner Kinder älter als ein Jahr wurde, erlosch mit dem Konnetabel der ältere Zweig des Hauses Bourbon. Bereits nach seinem Verrat hatte der König die Primogenitur auf den Nächsten in der Erbfolge, Charles de Bourbon, duc de Vendôme, übertragen. Dadurch wurde dessen Enkel Heinrich von Navarra nachmals Thronanwärter und schließlich 1589/1598 König von Frankreich.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Charles III. de Bourbon-Montpensier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. René Guerdan: Franz I. König der Renaissance. Frankfurt a. M. 1978, S. 145ff.
  2. René Guerdan: Franz I. König der Renaissance. Frankfurt a. M. 1978, S. 156f.