Charles Laughton

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für den Politiker gleichen Namens siehe Charles E. Laughton.
Charles Laughton (1940), Fotografie: Carl van Vechten

Charles Laughton [ˈlɔtn] (* 1. Juli 1899 in Scarborough, England; † 15. Dezember 1962 in Hollywood, Kalifornien) war ein zunächst britischer, ab 1950 amerikanischer Theater- und Filmschauspieler sowie Regisseur.

Charles Laughton gehörte jahrzehntelang zu den weltweit führenden Charakterdarstellern und wurde unter anderem mit dem Oscar als Bester Hauptdarsteller für Das Privatleben Heinrichs VIII. (1933) ausgezeichnet. Es folgten Hauptrollen in Filmklassikern wie Meuterei auf der Bounty, Der Glöckner von Notre Dame, Zeugin der Anklage und Spartacus. Laughtons einziger Film als Regisseur war Die Nacht des Jägers (1955), welcher damals an den Kinokassen floppte, heute aber bei vielen Filmkritikern als einer der besten Filme aller Zeiten gilt.

Leben[Bearbeiten]

Nach seiner Ausbildung an der Royal Academy of Dramatic Art in London stand er erstmals 1926 auf der Bühne. 1928 spielte er in dem Stück Alibi als erster Schauspieler die Rolle des Detektivs Hercule Poirot von Agatha Christie. Sein Filmdebüt gab er ebenfalls 1928 in Daydreams (nach H. G. Wells), in dem seine spätere Ehefrau Elsa Lanchester ebenfalls mitspielte. Beide sollten bis 1957 in insgesamt elf Filmen miteinander aufreten, zuletzt unter der Regie von Billy Wilder in Zeugin der Anklage, wo Lanchester die überfürsorgliche, nervende Pflegerin von Laughtons Figur spielte.

Seine erste Zusammenarbeit mit dem Regisseur Alexander Korda war Das Privatleben Heinrichs VIII. (1933). Für diese Rolle wurde er 1934 in Abwesenheit mit einem Oscar als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Es folgten unter anderem Der Tyrann (1934), Meuterei auf der Bounty (1935) und Rembrandt (1936). 1935 erhielt er den New York Film Critics Circle Award für seine Leistungen als britischer Kapitän Bligh in Meuterei auf der Bounty und als Butler Ruggles in Ein Butler in Amerika. 1936 wurde er für seine Leistung in Meuterei auf der Bounty für den Oscar als „Bester Hauptdarsteller“ nominiert. Die Rolle des Mr. Micawber in der MGM-Produktion von Charles DickensDavid Copperfield (1935) gab er jedoch nach einigen Drehtagen an den Komiker W. C. Fields ab, weil er sich nicht für witzig genug hielt. Er gründete 1937 mit dem ehemaligen UFA-Chef Erich Pommer seine eigene Filmgesellschaft, die Mayflower Pictures Corporation. Diese hatte jedoch nur kurzzeitig Bestand.

In William Dieterles Film Der Glöckner von Notre Dame (1939) nach Victor Hugo lieferte er die – nach breitem Kritikerkonsens – bislang beste Darstellung des Glöckners. Der Film kam unter der Auflage in die Kinos, dass kein Plakat und Aushangbild die Maske von Laughton zeigen durfte. Der düstere Film noir Die Nacht des Jägers aus dem Jahre 1955, der einzige Film, in dem Laughton Regie führte, war seinerzeit ein Misserfolg und wurde erst Jahre nach seinem Tod von Filmliebhabern und -kritikern wiederentdeckt und gilt heute als Meisterwerk. Das französische Filmmagazin Cahiers du cinéma listete Die Nacht des Jägers 2008 hinter Orson Welles' Citizen Kane auf dem zweiten Platz der besten Filme aller Zeiten. Als Theaterregisseur hingegen feierte Laughton schon zu Lebzeiten Erfolge.

Im Jahr 1950 nahm Laughton die amerikanische Staatsbürgerschaft an. 1958 wurde er für seine Hauptrolle in Zeugin der Anklage für den Oscar als „Bester Hauptdarsteller“ nominiert. Das Gerichtsdrama zählt unter Kritikern zu den besten Gerichtsdramen der Filmgeschichte. Die schauspielerische Leistung Laughtons als erfahrener, trickreicher Staranwalt mit gesundheitlichen Problemen empfand Regisseur Billy Wilder als so herausragend, dass er sagte, er würde „den Film gerne ein zweites Mal drehen, und dabei sämtliche Rollen ausschließlich mit Laughton besetzen“. Seine letzten Filmrollen spielte Laughton 1960 in Spartacus unter Regie von Stanley Kubrick den Volkstribun Sempronius Gracchus, außerdem einen alten US-Senator im Politikdrama Sturm über Washington (1962) von Otto Preminger.

In den in Deutschland erschienenen Filmen wurde Laughton synchronisiert von O. E. Hasse, Paul Dahlke, Bum Krüger, Alexander Golling, Josef Dahmen, Kurt Seifert, Leonard Steckel und Eduard Wandrey.

Privatleben[Bearbeiten]

Laughton war von 1929 bis zu seinem Tod 1962 mit der englischen Schauspielerin Elsa Lanchester verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos, es wird bis heute über eine geheimgehaltene Homosexualität von Laughton und über eine ausschließlich platonische Ehe zwischen den Schauspielern spekuliert. Kurz vor seinem Tod stand er noch in Verhandlungen mit Billy Wilder, weil dieser vorhatte, ihn für die Rolle des Moustache in seinem neuen Film Das Mädchen Irma la Douce zu besetzen. Laughton wollte die Rolle spielen, Billy Wilder musste aber bei seinem letzten Besuch erkennen, dass sein Freund schon zu krank war. Wilder schilderte in seinen Erinnerungen sehr eindrücklich, wie Laughton versucht habe, seine Krebs-Krankheit zu verbergen. Kurz nach Wilders Besuch starb Laughton im Alter von 63 Jahren.

Charles Laughton wurde auf dem Forest-Lawn-Friedhof in Hollywood beigesetzt.

Filmografie[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Missler: Charles Laughton. Seine Filme – sein Leben. Heyne, München 1990, ISBN 3-453-00119-2.
  • Elsa Lanchester: Elsa Lanchester. Herself. St. Martin’s Press, New York 1983, ISBN 0-312-24377-4.
  • Marc Hairapetian: Der Überfluß des Lebens. Zum 100. Geburtstag von Charles Laughton. In: film-dienst. 52. Jahrgang Nr. 14/1999, S. 13–15, ISSN 0720-0781.

Weblinks[Bearbeiten]