Charles M. Huber

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Charles M. Huber (2014)

Charles Muhamed Huber (* 3. Dezember 1956 in München als Karl-Heinz Huber) ist ein deutscher Schauspieler, Autor und Politiker. Er wurde bekannt durch die Fernsehserie Der Alte. Bei der Bundestagswahl 2013 wurde er für die CDU in den Deutschen Bundestag gewählt.

Herkunft und Familie[Bearbeiten]

Huber wurde als unehelicher Sohn des senegalesischen Diplomaten Jean-Pierre Faye (Neffe des ehemaligen Präsidenten Senegals und Philosophen Léopold Sédar Senghor) und der deutschen Hausangestellten Olga Huber in München geboren.[1] Er wuchs größtenteils bei seiner Großmutter mütterlicherseits auf und lernte seinen Vater erst mit 28 Jahren kennen. Huber absolvierte eine Ausbildung zum Zahntechniker[2], bevor er eine Karriere als Schauspieler und Politikberater in der Öffentlichkeit begann. Sein Künstlername lautet Charles Muhamed. Die Wahl des Namens ist eine Erinnerung an seine Kindheit, in der er den Spitznamen Charles trug, sowie eine Sympathiebekundung an Muhammad Ali.[3] In seiner 2004 erschienenen Autobiographie Ein Niederbayer im Senegal beschreibt Huber seine Kindheit als Afrodeutscher, der bei seiner Großmutter in den 1960er Jahren in Großköllnbach (Markt Pilsting, Landkreis Dingolfing-Landau) aufwuchs, seine Jugend in München und sein schwieriges Verhältnis zum afrikanischen Teil seiner Herkunft. 2004 wurde er in das Deutschschweizer P.E.N.-Zentrum aufgenommen.

Charles Huber ist verheiratet und hat vier Kinder. Er ist Ehrenkommissar der bayerischen Polizei.

Karriere als Schauspieler[Bearbeiten]

Huber begann seine Schauspiel-Laufbahn in Münchner Kellertheatern. Als erster Seriendarsteller mit afrikanischen Wurzeln außerhalb der USA erreichte er in 120 Ländern Bekanntheit durch die deutsche Krimiserie Der Alte, in der er 1986 bis 1997 den Polizeikommissar Henry Johnson verkörperte, nachdem er ein Jahr zuvor eine Gastrolle gespielt hatte. Des Weiteren wirkte er unter anderem in den Spielfilmen Kolp, Enemy Mine, Erkan & Stefan, Die Oma ist tot und Kehraus mit. 1996 spielte Huber (neben Anna Nicole Smith) in dem amerikanischen Film Skyscraper mit.

1999 schloss er an der New York Film Academy seine Regieausbildung ab. Sein Abschlussfilm, der Kurzfilm The Arrival, wurde 1999 bei den Internationalen Hofer Filmtagen gezeigt. 2004 spielte er in dem Bühnenstück Miss Daisy und ihr Chauffeur, 2010 übernahm er die Hauptrolle des Musicals Mandela.

Engagement für Afrika[Bearbeiten]

Huber ging 1996 nach seinem Ausstieg aus der ZDF-Serie Der Alte nach Äthiopien, wo er als Berater für das Tourismusministerium arbeitete. Die inhaltliche Ausgestaltung des äthiopischen Pavillons bei der Expo 2000 in Hannover mit über 1,3 Millionen Besuchern stammt von ihm und seiner Frau Shobha. Seit Anfang 2000 ist Huber als Berater diverser Bundesministerien und als Teilzeitberater der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO (FAO) tätig, war in außenpolitischen Arbeitskreisen anfänglich der SPD und dann bei der CSU und berät Firmen, die den afrikanischen Markt erschließen wollen.

Im Jahr 2002 gründete er die Organisation Afrika Direkt e. V., die unter anderem Künstler, Jugendliche und Notleidende im Senegal unterstützt, aber auch Jugendliche und sozial benachteiligte Kinder aus Deutschland, zum Beispiel aus dem Waisenhaus München, in den Senegal einlädt.[4] 2006 setzte er sich für die verbesserte Integration von afrikanischen Sportlern im Profifußball ein und brachte den senegalesischen Präsidenten nach München.

Politische Tätigkeiten[Bearbeiten]

Politisch interessiert war Huber seit seiner Jugend[5] und gehörte bis 2004 der SPD an.[6] Seitdem steht er den Unionsparteien nahe. Im Bundestagswahlkampf 2009 unterstützte Huber die CSU, unter anderem bei Fernsehauftritten, und kreierte drei Internet-Wahlspots für Kanzlerin Angela Merkel. Bei der Bundestagswahl 2013 trat er für die CDU als Direktkandidat im Wahlkreis Darmstadt an,[7] nachdem er zunächst für die CSU – mit Fürsprache Edmund Stoibers – in München-Ost hatte kandidieren wollen.[6] Eine Findungskommission um die frühere hessische Kultusministerin Karin Wolff hatte sich für Huber ausgesprochen.[8] Für den Wahlkampf verlegte er seinen Wohnsitz von München nach Mühltal bei Darmstadt,[9] und um für den Wahlkreis antreten zu können, tauschte er sein CSU-Parteibuch gegen das der CDU.[10] Am 30. Oktober 2012 wurde Charles M. Huber von der CDU Darmstadt mit 94 Prozent Zustimmung als Kandidat für den Bundestag aufgestellt.[11] Huber unterlag bei der Bundestagswahl am 22. September 2013 als Direktkandidat der früheren Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) mit 63.400 zu 65.812 Stimmen.[12] Den Einzug in das Parlament schaffte er dennoch knapp über den 19. Platz auf der hessischen CDU-Landesliste.[13]

Im Deutschen Bundestag ist Huber seither ordentliches Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung[14], stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss[15], im Unterausschuss Zivile Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und vernetztes Handeln[16] sowie im Ausschuss für Wirtschaft und Energie[17]. Er bekleidet zudem das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden des Arbeitskreis Afrika der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sowie der Parlamentariergruppe Französischsprachige Staaten West- und Zentralafrikas[18]. Huber ist stellvertretendes Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der NATO[19].

Am 2. März 2014 kündigte die Darmstädter CDU Huber die Zusammenarbeit auf und warf ihm fehlende Präsenz im Wahlkreis vor.[20] Huber beklagte dagegen mangelnde Unterstützung durch die CDU,[9] nachdem es bereits im Wahlkampf zu Spannungen gekommen war.[21]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Charles M. Huber – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Charles M. Huber: Der Schauspieler wuchs ohne Vater auf. In: Bunte.de, 31. August 2013.
  2. Bundestag: Welche Abgeordneten kommen, bleiben, gehen In: SPON, online, abgerufen am 22. Oktober 2013
  3. Marc Widmann: CDU-Kandidat Charles M. Huber. Er heißt eigentlich Karl-Heinz Huber. In: Süddeutsche.de, Der Weg nach Berlin, 10. November 2012.
  4. Über uns. In: Afrika Direkt, abgerufen am 24. August 2012.
  5. Hannelore Crolly: Der „Assi vom Alten“ will in den Bundestag. In: Die Welt, 21. August 2013.
  6. a b Johannes Welte: Huber kämpft um Bundestags-Kandidatur. In: tz.de, 23. Juli 2012, abgerufen am 8. Juli 2014.
  7. Werner Breunig: CDU folgt in Darmstadt Stoibers Empfehlung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. August 2012.
  8. Charles M. Huber. Premiere am CDU-Stand. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. September 2012.
  9. a b Werner Breuning: Kreisvorsitzender „soll abtreten“. Fall Huber führt zu Streit in Darmstädter CDU. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. März 2014.
  10. Ein alter Bekannter. In: Frankfurter Rundschau, 24. August 2012.
  11. CDU nominiert Charles Huber zum Bundestagskandidaten – Pentz und Kotoucek: „94 Prozent starkes Signal für überzeugenden Kandidaten“. In: CDU-Darmstadt.de, 31. Oktober 2012.
  12. Wahlkreisergebnis: Bundesland Hessen Wahlkreis 186 – Darmstadt – Endgültiges Ergebnis der Bundestagswahl 2013. In: Bundeswahlleiter.de.
  13. Daniel Baczyk: Darmstadt: Charles M. Huber schafft es doch nach Berlin. In: Echo-Online.de, 23. September 2013.
  14. Mitglieder des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. In: Bundestag.de.
  15. Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses. In: Bundestag.de.
  16. Mitglieder des Unterausschusses für Zivile Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und vernetztes Handeln. In: Bundestag.de.
  17. Mitglieder des Ausschusses für Wirtschaft und Energie. In: Bundestag.de.
  18. Vorstände der Parlamentariergruppen in der 18. Wahlperiode. In: Bundestag.de.
  19. Deutsche Delegation in der Parlamentarischen Versammlung der NATO. In: Bundestag.de.
  20. Darmstädter CDU kündigt Huber Zusammenarbeit auf. In: Echo-Online.de, 2. März 2014.
  21. Jens Schneider: Einsamer CDU-Kandidat aus Bayern. In: Süddeutsche.de, 17. September 2013.