Charles Mordaunt, 3. Earl of Peterborough

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Earl of Peterborough, von Godfrey Kneller, vor 1723, National Portrait Gallery

Charles Mordaunt, 3. Earl of Peterborough (* 1658; † 25. Oktober 1735 in Lissabon) war ein britischer Staatsmann und Militär.

Leben[Bearbeiten]

Peterborough war der Sohn von John Mordaunt, dem 1. Viscount Mordaunt (Viscount Mordaunt of Avalon und Baron Mordaunt of Reigate, Surrey, seit 1659), und von Elizabeth Carey. Er studierte ab 1674 am Christ Church College der Universität Oxford und wählte danach die Militärlaufbahn. Unter dem Admiral Sir John Narborough (um 1640–1688) war er am Kampf gegen Piraten im Mittelmeer beteiligt. Ein erfolgreicher nächtlicher Überfall mit Kanonenbooten auf die Piratenschiffe im Hafen von Tripolis zwang den Bei zu Verhandlungen. Nach dem Tod des Vaters 1675 wurde er in dieser Zeit gleichzeitig Viscount Mordaunt. Er nahm noch an den Militäroperationen gegen Tanger teil und kehrte dann nach England zurück, um als Whig-Parteigänger in die Politik zu gehen. Er opponierte heftig gegen den Thronantritt von Jakob II. und wich deshalb 1686 nach dessen Thronantritt in die Niederlande aus, wo er Wilhelm von Oranien diente, dessen Thronantritt in Großbritannien er eifrig betrieb. Peterborough stieg nun in höchste Ämter auf, wurde 1689 Lord of the Treasury und zum Earl of Monmouth ernannt. Er verlor zwar ein Jahr später sein Amt wieder, blieb aber in der Gunst des Königs, den er 1691 nach den Niederlanden begleitete. Ein eigenmächtiges Vorgehen in der Wiedereinführung einer dreijährigen Parlamentszeit führte aber zur Verstimmung mit der Krone. Der endgültige Bruch kam 1697, als er beschuldigt wurde, am Komplott von Sir John Fenwick beteiligt gewesen zu sein und in den Tower geworfen wurde. Nach ein paar Monaten wurde er zwar entlassen, verlor aber seine Ämter. Im selben Jahr 1697 wurde er nach dem Tod seines Onkels Earl of Peterborough.

Unter Queen Anne war er ab 1702 wieder politisch aktiv. 1705 wurde er wieder Mitglied der Regierung (Privy Council) und erhielt das Kommando über eine Expeditionsstreitkraft im Spanischen Erbfolgekrieg, bestehend aus britischen und niederländischen Truppen. Gleichzeitig hatte er mit Admiral Sir Cloudesley Shovell das Flottenkommando inne. 1705 belagerte er erfolgreich Barcelona und eroberte im Januar 1706 Valencia. Dabei kam es aber zu Konflikten mit dem Erzherzog Karl von Österreich, dem Peterborough den Weg auf den spanischen Thron ebnen sollte, was sich auch auf die militärische Lage auswirkte. Während Peterborough in Valencia war, belagerten überlegene französische Kräfte den Erzherzog in Barcelona, und nur das Eingreifen der britischen Flotte unter Sir John Leake (der damit gegen Anordnungen von Peterborough verstieß) brachte diesem Entsatz. Beim Vormarsch auf Madrid kam es zu Verzögerungen aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zwischen Peterborough und Lord Galway und dem Erzherzog.

Peterborough wurde schließlich 1707 nach London zurückberufen, wo sein Verhalten Gegenstand heftiger Debatten im Unterhaus zwischen Tories, die Peterborough unterstützen, und Whigs wurde. Beim Volk war er aber beliebt, da ihm in Spanien mit relativ wenig Soldaten einige „Husarenstücke“ gelangen, während der Krieg in den Niederlanden stagnierte. Am Ende wurde er 1708 rehabilitiert. Er wurde in diplomatischer Misson nach Wien gesandt, war 1710 bis 1711 britischer Gesandter beim Heiligen Römischen Reich, erhielt das Kommando eines Kavallerie-Regiments und wurde Ritter des Hosenbandordens (1713). Mit dem Regierungsantritt von Georg I. 1714 verlor er seine Protektion und zog sich zurück. Er starb in Lissabon, sein Leichnam wurde nach England überführt und in Turvey in Bedfordshire begraben.

Peterborough war nur von kurzer Statur, aber sehr lebhaft und hitzköpfig. Er war zweimal verheiratet. Seine erste Frau Carey Fraser (Heirat 1678) starb 1709. Mit ihr hatte er drei Kinder, Lady Henriette Mordaunt (gestorben 1760), Henry Mordaunt (er starb 1710) und John Mordaunt (Viscount Mordaunt, um 1681 – 1710). 1722 heiratete er die damals bekannte Opernsängerin Anastasia Robinson (um 1695 bis 1755), eine Ehe, die zunächst geheim gehalten wurde.

Literatur[Bearbeiten]

  • Collin Robert Ballard The great Earl of Peterborough, Skeffington and Son, London, 1926
  • William Stebbing Peterborough, 1890