Charles Robert Maturin

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Porträt von Charles Robert Maturin, 1819

Charles Robert Maturin (* 25. September 1782 in Dublin; † 30. Oktober 1824 ebenda) war ein irischer protestantischer Geistlicher und Verfasser von Schauerromanen und -schauspielen.

Leben[Bearbeiten]

Maturin war der Sohn eines hugenottischen Emigranten und Geistlichen. Er ist ein Großonkel von Oscar Wilde. Gleich seinem Vater strebte er ein kirchliches Amt an und studierte am Trinity College in Dublin Theologie. Nach erfolgreicher Beendigung seines Studiums wurde er von der Church of Ireland zum Geistlichen geweiht.

Unter dem Pseudonym Dennis Jasper Murphy debütierte er als Schriftsteller, aber er konnte mit seinen ersten drei Werken (u.a. „Fatal revenge“) weder Kritiker noch Leser überzeugen. Zusammen mit Ann Radcliffe und Matthew Gregory Lewis schrieb Maturin mysteriöse Erzählungen und Schauerromane. In ihrem literarischen Schaffen lehnten sie den Realismus der Aufklärer ab und fühlten sich mehr dem Mittelalter verpflichtet; das sie allerdings in romantischer Weise verzaubert und voller Geheimnisse sahen und schilderten.

Mit ihrem literarischen Schaffen erlangten sie bald die Aufmerksamkeit von Sir Walter Scott, der Maturins Werke Lord Byron empfahl. Honoré de Balzac und Charles Baudelaire drückten später ihre Verehrung für Maturins Werk aus, insbesondere für seinen berühmtesten Roman, Melmoth der Wanderer, der als einer der besten englischsprachigen Schauerromane gilt.[1]

Unklarheit und Kontroverse besteht noch immer über die Urheberschaft des Gedichts The Universe: Der weitgehend unbekannte Dichter James Wills erklärte kurz nach der Veröffentlichung, dass das Gedicht aus seiner Feder stamme. Maturin habe einen hohen Vorschuss für ein Gedicht erhalten, dass er nicht vollenden konnte und deswegen Wills überredet, ihm The Universe zu überlassen. Maturins Biograph Robert Lougy erklärt, dass das Gedicht - ob Plagiat oder nicht - eher mittelmäßig wäre und von Maturins Talent wenig zu erkennen gäbe.[2]

Im Alter von 42 Jahren starb Charles Robert Maturin am 30. Oktober 1824 in Dublin.

Werke[Bearbeiten]

Romane
  • The Fatal Revenge; or, the Family of Montorio (1807)
  • The Wild Irish Boy (1808)
  • The Milesian Chief (1812)
  • Women; or, Pour Et Contre; a Tale (1818)
  • Melmoth the Wanderer (1820)
  • The Albigenses (1824)
Schauspiele
  • Bertram or the Castle of Aldobrand (1816)
  • Manuel (1817)
  • Fredolfo (1819)
  • Osmyn the Renegade (1830, posthum veröffentlicht)

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard GarnettMaturin, Charles Robert. In: Sidney Lee (Hrsg.): Dictionary of National Biography (DNB), Band 37 (Masquerier – Millyng), MacMillan & Co, Smith, Elder & Co., New York City, London 1894, S. 7476 (englisch)
  • Syndy M. Conger: Matthew G. Lewis, Charles Robert Maturin and the Germans. An Interpretative Study of the Influence of German Literature on Two Gothic Novels. Institut für Englische Sprache und Literatur der Universität Salzburg 1977. Nachdruck: Arno Press, New York 1980, ISBN 0405126522.
  • Oscar F. W. Fernsemer: Die dramatischen Werke Charles Robert Maturins mit einer kurzen Lebensbeschreibung des Dichters. Oldenbourg, München 1913 (Zugleich Diss. Universität München 1912).
  • Claude Fierobe: Charles Robert Maturin, 1780-1824. L'homme et l'œuvre. Service de reproduction des thèses, Université de Lille III, 1975 (Zugleich Diss. Universität Toulouse, 1972).
  • Niilo Idman: Charles Robert Maturin: His Life and Works. Helsingfors centraltryckeri, Helsingfors 1923; Nachdruck: Constable & Co., London 1923 (Zugleich Diss. Universität Helsingfors).
  • Jim Kelly: Charles Maturin: Authorship, Authenticity and the Nation. Four Courts Press, Dublin und Portland OR 2011, ISBN 9781846823046.
  • Dale Kramer: Charles Robert Maturin. Twayne, New York 1973, ISBN 0805713824.
  • Robert E. Lougy: Charles Robert Maturin. Bucknell University Press, Lewisburg, Penn. 1975, ISBN 0838779417.
  • Christina Morin: Charles Robert Maturin and the Haunting of Irish Romantic Fiction. Manchester University Press, Manchester und New York 2011, ISBN 9780719085321.
  • Willem Scholten: Charles Robert Maturin, the Terror-novelist. Diss. Universität Amsterdam 1933.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Kindlers neues Literaturlexikon, München 1988, Bd. 11, S. 343.
  2. [1] Robert E. Lougy: Charles Robert Maturin, S.75.