Charlie Chan

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Charlie Chan ist die vom amerikanischen Schriftsteller Earl Derr Biggers erfundene Figur eines chinesisch-hawaiischen Detektivs.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines [Bearbeiten]

Charlie Chan war der Held von sechs Biggers-Romanen, die zwischen 1925 und 1932 erschienen. Der Autor ließ sich für seine Figur u. a. vom Leben Chang Apanas inspirieren, der als chinesisch-hawaiischer Polizeiermittler in Honolulu tätig war.

Heute ist der orientalische Detektiv vor allem als Held diverser Filme bekannt, die ab 1926 als Mischung aus Krimi und Komödie entstanden. In den allermeisten Fällen handelt es sich dabei um Whodunits mit den dazugehörigen unvermeidlichen Red Herrings. Chans besonderer Charme liegt in der oft neuartigen, für den westlichen Kulturkreis damals fremden Logik und Weisheit begründet, mit der er seine Fälle löst. Zum obligatorischen Running Gag der „fernöstlichen“ Weisheiten, die der stets höfliche und gefasste Chan in den Filmen zum Besten gibt, gesellen sich wiederkehrende Standard-Aussprüche wie „Thank you so much!“ und „Contradiction, please!“.

Als humoristische Note wirkt in den meisten der Filme einer von Chans ungestümen und oft tollpatschigen Söhnen mit (Sohn Nr. 1 bis 4), die ihrem Vater jeweils u. a. als Stichwortgeber dienen oder in die eher raren Action-Sequenzen eingebunden sind. Unfähige Gesetzesvertreter, die Chans Ermittlungen erschweren, verstehen sich von selbst.

Die Popularität der Chan-Filme reichte bis nach China, zum einen, weil eine chinesische Filmfigur erstmals nicht als Schurke à la Fu Manchu fungierte, zum anderen, weil Chans Familie stets mit chinesischen Darstellern besetzt war.

Im Juli 2003 erwirkten chinesischstämmige US-Bürger einen Sendestopp der alten Kino-Filme beim US-Sender FOX, weil die Darstellung des asiatischen Detektivs in den Filmen nicht mehr als angemessen anzusehen sei. Der Bann wurde jedoch schon nach wenigen Wochen wieder aufgehoben.[1]

Die Filmserie von Fox und Monogram (1931-49) [Bearbeiten]

Nach zwei Stummfilmen und einem Tonfilm mit wechselnden Hauptdarstellern kam es zwischen 1931 und 1942 zur klassischen Serie von Fox bzw. 20th Century Fox: Von deren insgesamt 27 Filmen gelten vier als verschollen. Bis 1937 wurde Charlie Chan von Warner Oland gespielt, nach dessen Tod übernahm 1938 Sidney Toler die Hauptrolle. Sohn Nr. 1 Lee Chan (dargestellt von Keye Luke) kam 1935 ins Spiel und wurde drei Jahre später, synchron zum Hauptdarstellerwechsel, durch Sohn Nr. 2 Jimmy Chan (Victor Sen Yung) ersetzt. Tolers Chan war humoristischer angelegt als der seines Vorgängers, was sich vor allem in teils sarkastischen Kommentaren gegenüber seinem Sprössling äußerte.

Ab 1944 wurde die Serie vom Poverty Row-Studio Monogram bis 1949 mit weiteren 17 Filmen fortgeführt. Chan wurde weiterhin von Toler gespielt und nach dessen Tod ab 1947 von Roland Winters, wobei dessen Leistung allgemein nicht als ebenbürtig zu der seiner Vorgänger empfunden wird. Die Söhne wechselten innerhalb der Monogram-Filme – zu nennen ist vor allem Sohn Nr. 3 Tommy Chan (Benson Fong) – während sich das humoristische Element nun zum Großteil auf Mantan Moreland in der neu eingeführten Rolle von Chans Chauffeur Birmingham Brown verlagerte. In den deutsch synchronisierten Filmen wurden alle drei Chan-Darsteller vom Schauspieler Klaus Höhne gesprochen.

Weitere Adaptionen [Bearbeiten]

Synchron zu den Verfilmungen von Fox und Monogram kam es ab den späten 1930er Jahren auch zu einigen chinesischen Charlie Chan-Filmen, die in Shanghai und Hong Kong produziert wurden und in denen Chan zur Abwechslung von seiner Tochter Manna assistiert wurde.

Auch in späteren Jahren gab es noch Filme um den Detektiv, am bekanntesten ist wahrscheinlich Charlie Chan und der Fluch der Drachenkönigin (Charlie Chan and the Curse of the Dragon Queen, 1980) mit Peter Ustinov in der Hauptrolle. Des Weiteren wurden Chans Fälle auch als Hörspiel, Fernsehserie, Comicstrip und Zeichentrickserie adaptiert.

Von den diversen kurzlebigen Comic-Adaptionen der Figur ist vor allem der allererste Charlie Chan-Comicstrip von Alfred Andriola zu erwähnen, der von Oktober 1938 bis Mai 1942 in amerikanischen Zeitungen lief: Der Zeichner war von Biggers persönlich ausgesucht worden.

1957/58 spielte J. Carrol Naish den Detektiv in der amerikanisch-britischen Fernsehserie „The New Adventures of Charlie Chan“, in der auch Rupert Davies mitwirkte, der später in England zum Kommissar Maigret wurde. Die 39 Folgen zu 30 Minuten waren kurioserweise in London angesiedelt.

Im Fernsehfilm Happiness is a Warm Clue (auch: The Return of Charlie Chan, 1973) spielte Ross Martin die Rolle, der in den 1960er Jahren als Artemus Gordon in der Serie „Verrückter wilder Westen“ (The Wild Wild West) bekannt geworden war.

In der Cartoon-Serie „The Amazing Chan and the Chan Clan“ (1972 - 1974) von Hanna/Barbera wurde Charlie Chan von Keye Luke gesprochen, der in den alten Schwarz-weiß-Filmen der 1930er Jahre als Sohn Nummer 1 Lee Chan aufgetreten war. Er war damit der einzige Chinese, der in westlichen Verfilmungen die Rolle des Charlie Chan zumindest sprach.

Neben diesen sich teilweise parodistisch gebenden Adaptionen gab es noch weitere offensichtliche Chan-Parodien: In den 1960er Jahren tauchte z. B. in zwei Folgen der Fernsehserie Get Smart der hawaiianische Detektiv Harry Hoo auf, dargestellt von Joey Forman (in den Episoden „The Amazing Harry Hoo“ und „Hoo Done It“). Bekannter ist Peter Sellers’ Darstellung des Sidney Wang in der Komödie Eine Leiche zum Dessert (1976), der groteskerweise mit einem adoptierten japanischen Sohn auftritt.

Filmzitate [Bearbeiten]

  • Charlie Chan: „Danke, sehr vielmals.“ (ständige Redewendung in fast allen Filmen)
  • Charlie Chan zu seinem Sohn: „Das war flüssiger als Wasser, nämlich überflüssig.“ (mehrmals)
  • Charlie Chan: „Belohnung für Dummheit ist Jagd nach neuem Job

Filmographie [Bearbeiten]

mit George Kuwa als Charlie Chan
  • The House Without a Key (1926) (Die Opiumhöhle von Hawaii)
mit Kamiyama Sojin als Charlie Chan
  • The Chinese Parrot (1927) (Der Chinesenpapagei)
mit E. L. Park als Charlie Chan
  • Behind That Curtain (1929)
mit Warner Oland als Charlie Chan
  • Charlie Chan Carries On (1931, der Film existiert nur noch in der synchron gedrehten spanischen Version mit anderen Schauspielern unter dem Titel „Eran trece“ mit Manuel Arbó als Charlie Chan)
  • The Black Camel (1931) (Charlie Chan - Der Tod ist ein schwarzes Kamel, mit Bela Lugosi und Dwight Frye sechs Monate nach Dracula, ältester noch existierender Film der Reihe mit Oland)
  • Charlie Chan's Chance (1932, verschollen)
  • Charlie Chan's Greatest Case (1933, verschollen)
  • Charlie Chan's Courage (1934, verschollen)
  • Charlie Chan in London (1934) (Charlie Chan in London)
  • Charlie Chan in Paris (1935) (Debüt von Keye Luke als Lee Chan)
  • Charlie Chan in Egypt (1935) (Charlie Chan in Ägypten, mit Rita Hayworth in einer kleinen Rolle)
  • Charlie Chan in Shanghai (1935) (Charlie Chan in Shanghai)
  • Charlie Chan's Secret (1936) (Charlie Chan's Geheimnis)
  • Charlie Chan at the Circus (1936) (Charlie Chan im Zirkus)
  • Charlie Chan at the Race Track (1936) (Charlie Chan beim Pferderennen)
  • Charlie Chan at the Opera (1936) (Charlie Chan in der Oper, mit Boris Karloff)
  • Charlie Chan at the Olympics (1937) (Charlie Chan bei den Olympischen Spielen (in Deutschland))
  • Charlie Chan on Broadway (1937) (Charlie Chan am Broadway)
  • Charlie Chan at Monte Carlo (1938) (Charlie Chan in Monte Carlo)
mit Sidney Toler als Charlie Chan
  • Charlie Chan in Honolulu (1938) (Charlie Chan in Honolulu)
  • Charlie Chan in Reno (1939) (Charlie Chan in Reno)
  • Charlie Chan at Treasure Island (1939) (Charlie Chan auf der Schatzinsel)
  • City in Darkness (1939)
  • Charlie Chan's Murder Cruise (1940) (Charlie Chan auf Kreuzfahrt)
  • Charlie Chan at the Wax Museum (1940) (Charlie Chan im Wachsfigurenkabinett)
  • Charlie Chan in Panama (1940) (Charlie Chan in Panama)
  • Murder Over New York (1940) (Mord über New York)
  • Dead Men Tell (1941) (Charlie Chan auf dem Schatzsucherschiff)
  • Charlie Chan in Rio (1941) (Charlie Chan in Rio)
  • Castle in the Desert (1942) (Das Schloss in der Wüste)
  • Charlie Chan in the Secret Service (1944)
  • The Chinese Cat (1944)
  • Meeting at Midnight (1944)
  • The Shanghai Cobra (1945)
  • The Red Dragon (1945) (Charlie Chan in Mexico)
  • The Scarlet Clue (1945)
  • The Jade Mask (1945)
  • Shadows Over Chinatown (1946) (Schatten über Chinatown)
  • Dangerous Money (1946) (Gefährliches Geld)
  • Dark Alibi (1946) (Ein fast perfektes Alibi)
  • The Trap (1946, anderer Titel: Murder at Malibu Beach) (Die Falle)
mit Roland Winters als Charlie Chan
  • The Chinese Ring (1947)
  • Docks of New Orleans (1948)
  • Shanghai Chest (1948)
  • The Golden Eye (1948)
  • The Feathered Serpent (1948)
  • The Sky Dragon (1949)
mit Peter Ustinov als Charlie Chan
  • Charlie Chan and the Curse of the Dragon Queen (1980) (Der Fluch der Drachenkönigin)

Literatur [Bearbeiten]

  • Georg Seeßlen: Die orientalischen Detektive – Charlie Chan in ders.: Mord im Kino. Geschichte und Mythologie des Detektiv-Films. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1981, ISBN 3-499-17396-4, S. 165-176
  • Yunte Huang: Charlie Chan : the untold story of the honorable detective and his rendezvous with American history, New York ; London : Norton, 2010, ISBN 978-0-393-06962-4

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. "FOX Reconsiders Charlie Chan Ban (Version vom 10. März 2004 im Internet Archive)" - engl. Materialsammlung zur Kontroverse