Charlie und die Schokoladenfabrik

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Charlie und die Schokoladenfabrik (Begriffsklärung) aufgeführt.

Charlie und die Schokoladenfabrik (Originaltitel: Charlie and the Chocolate Factory) ist ein 1964 erschienenes Kinderbuch des norwegisch-walisischen Schriftstellers Roald Dahl. Die Originalausgabe wurde von Quentin Blake illustriert. Die erste deutsche Ausgabe mit Illustrationen von Horst Lemke erschien 1969 im C. Bertelsmann Verlag. Die Übersetzung schuf Inge M. Artl, die Verse übertrug Hans Georg Lenzen.

Handlung[Bearbeiten]

Das Buch erzählt die Geschichte des kleinen Charlie Bucket, der mit seinen Eltern und seinen vier Großeltern in einem kleinen Haus zusammenlebt. Die Familie lebt in ärmlichen Verhältnissen und hat kaum genug zu essen. Von seinen Großeltern hört Charlie die fantastischen Geschichten über Wonkas Schokoladenfabrik, die in der Nähe von Charlies Zuhause steht und die keine gewöhnliche Fabrik ist. Man erzählt sich zum Beispiel von Arbeitern, die keine Menschen sind.

Dann lässt Willy Wonka, der geheimnisvolle Besitzer der Schokoladenfabrik, in der Zeitung verlautbaren, dass er in fünf Tafeln der Wonkaschokolade goldene Tickets versteckt hat. Wer sie findet, hat die einmalige Chance, die Fabrik von innen zu besichtigen. Bald darauf stürmen alle Kinder und sogar die Erwachsenen die Läden der ganzen Welt, um mindestens ein Ticket zu finden.

Charlie hat Geburtstag und bekommt von seiner Familie eine Tafel Schokolade geschenkt. Er öffnet sie und findet nichts. Andere sind erfolgreicher. Nach kurzer Zeit verkündet die Zeitung, dass bereits vier der fünf Tickets gefunden wurden. Diese vier Kinder sind: Der gefräßige Augustus Glupsch, die verwöhnte Veruschka Salz, die kaugummikauende Violetta Beauregarde und der Fernsehspielesüchtige Micky Schießer. Doch Charlie bekommt die letzte goldene Karte, als er mit gefundenem Geld eine Tafel Schokolade kauft. Zusammen mit Großvater Josef trifft Charlie die anderen vier Kindern und deren Eltern vor der Fabrik, wo sie von Willy Wonka persönlich empfangen werden. Sie lernen die verschiedenen Produkte und Erfindungen in Wonkas Schokoladenfabrik und die zwergenhaften Oompa Loompas kennen, die dort arbeiten.

Während der Führung durch die Fabrik bringen sich die vier anderen Kinder nacheinander durch unbedachtes und unverschämtes Verhalten in gefährliche Situationen: Augustus fällt aus Gier nach Schokolade in einen Schokoladenfluss; Violetta isst trotz der Warnungen Willy Wonkas einen Kaugummi, der sie in eine Blaubeere verwandelt; Veruschka möchte eins von Willy Wonkas dressierten Eichhörnchen fangen und als Haustier behalten und wird von den anderen Eichhörnchen in den Müllschlucker geworfen; Mickey betätigt verbotenerweise eine von Willy Wonka erfundene Maschine, die ihn drastisch verkleinert. Alle vier Kinder verschwinden zusammen mit ihren Eltern. Zum Schluss ist nur noch Charlie übrig. Willy Wonka erklärt ihm, dass die Führung dazu diente, aus fünf Kindern das sympathischste auszuwählen und zum Erben seiner Schokoladenfabrik zu machen. Während die anderen Kinder, die alle aus der Fabrik gerettet werden konnten, nach Hause geschickt werden, fahren Charlie und sein Großvater mit Willy Wonka in dessen fliegendem Fahrstuhl zu Charlies Familie. Die ganze Familie beschließt, in die Schokoladenfabrik umzuziehen.

Zusätzliche Kapitel[Bearbeiten]

Roald Dahls Entwurf des Buches enthielt noch mehrere weitere Kinder, die nicht in die endgültige Fassung aufgenommen wurden.[1] Eins der gestrichenen Kapitel, das von dem besserwisserischen Mädchen Miranda Piker handelt, wurde 2010 in einem Sammelband neben anderen Texten von Roald Dahl veröffentlicht.[2]

Charaktere[Bearbeiten]

Charlie Bucket

Die Figur des Charlie Bucket steht für die Kinder, denen ihre Familie wichtiger ist als Reichtum und Wohlstand.

Augustus Glupsch (engl. Augustus Gloop)

Augustus ist ein übergewichtiger und gefräßiger Junge. Er steht für Kinder, die gierig sind und sich ungesund ernähren.

Veruschka Salz (urspr. Verrucka Salz[3], engl. Veruca Salt)

Veruschka ist die Tochter eines reichen Industriebesitzers und lebt im Luxus. Sie steht für Kinder, die von ihren Eltern zu sehr verwöhnt werden und dadurch habgierig werden und sich einbilden, alles bekommen zu können.

Violetta Beauregarde (urspr. Violetta Wiederkäu[3], engl. Violet Beauregarde)

Violetta ist ehrgeizig und setzt alles daran, Preise zu gewinnen, selbst in sinnlosen Disziplinen wie Dauer-Kaugummikauen. Sie steht für sture Kinder, die immer ihre Ziele durchsetzen wollen, ganz gleich wie unvernünftig diese sind.

Micky Schießer (urspr. Micky Mattschei[3], engl. Mike Teavee)

Micky ist ein Junge, der am liebsten den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzt und immer Plastikwaffen mit sich trägt, da er sich gerne Cowboyfilme ansieht. Er steht für Kinder, die fernsehsüchtig und von Gewalt fasziniert sind und sich weigern, den Tag im Freien zu verbringen oder mit anderen Kindern zu spielen.

Willy Wonka

Der Besitzer von Wonkas Schokoladenfabrik hat geniale Ideen in Schokolade und Süßigkeiten verwirklicht. Seine Fabrik ist eine exotische Traumwelt. Ein wesentlicher Teil der Handlung des Buches besteht in seiner Führung der Kinder und ihrer Eltern durch diese Fabrik.

Umpa-Lumpas (engl. Oompa Loompas)

Sie sind zwergengroße Wesen, die Willy Wonka bei einer Dschungelexpedition traf. Da ihr Leibgericht Kakaobohnen sind, die im Dschungel aber sehr selten sind, lud Willy Wonka sie ein, in seiner Schokoladenfabrik zu leben und zu arbeiten. Er zahlt ihnen ihren Lohn in Form von Kakaobohnen.

Rezeption und Kontroversen[Bearbeiten]

Charlie und die Schokoladenfabrik gilt als Klassiker der englischsprachigen Kinderliteratur, rief aber auch von Anfang an Kritik hervor.[4] Einige Kritiker sahen die Beschreibungen der Unfälle als sadistische Gewalt gegenüber Kindern an.[5] Deshalb befindet sich das Buch auf der von der American Library Association geführten Liste der Bücher, gegen die in US-amerikanischen Bibliotheken Beschwerden eingereicht wurden.[6]

Die Darstellung der Umpa-Lumpas löste kurz nach dem Erscheinen des Buches eine öffentliche Debatte aus. In der ursprünglichen Fassung sind die Umpa-Lumpas, die für Willy Wonka arbeiten und als Versuchspersonen in seinen Experimenten dienen, ein Pygmäenvolk aus Afrika. Die National Association for the Advancement of Colored People kritisierte dies als rassistische Darstellung, die Vorurteile gegenüber Schwarzen verstärke und überholte Argumente zur Rechtfertigung der Sklaverei reproduziere. Roald Dahl versicherte, keine solchen Aussagen beabsichtigt zu haben, und änderte für weitere Auflagen des Buches das Aussehen der Umpa-Lumpas und ließ ihren genauen Herkunftsort offen.[7]

Adaptionen[Bearbeiten]

Film[Bearbeiten]

Charlie und die Schokoladenfabrik wurde zweimal verfilmt: 1971 erschien der Musicalfilm Charlie und die Schokoladenfabrik unter der Regie von Mel Stuart mit Musik von Anthony Newley und Leslie Bricusse. 2005 erschien die Neuverfilmung Charlie und die Schokoladenfabrik unter der Regie von Tim Burton.

Videospiele[Bearbeiten]

1985 wurde unter dem Namen Charlie and the Chocolate Factory ein Videospiel veröffentlicht, das auf dem Film von 1971 basierte. Zu dem Film von 2005 entstand ebenfalls ein Videospiel unter demselben Namen.

Musik[Bearbeiten]

Die Oper The Golden Ticket von Peter Ash und Donald Sturrock wurde 2010 uraufgeführt.[8] Auf Grundlage des Buches wurde das gleichnamige Musical mit Musik und Texten von Marc Shaiman und Scott Wittman am Londoner Westend am 25. Juni 2013 uraufgeführt. Regie führte Sam Mendes.[9]

Nachwirkung[Bearbeiten]

Marilyn Manson lehnte sein Musikvideo Dope Hat an Mel Stuarts Film von 1971 an und übernahm daraus das Lied Family Trip/Choclit Factory.

Bela B. stellt in dem Musikvideo zu seiner Single Tag mit Schutzumschlag Willy Wonka dar. Auch die Oompa-Loompas und die Kinder mit jeweils einem Erwachsenen tauchen darin auf. Die Gestaltung ist eng an Tim Burtons Verfilmung von 2005 und Johnny Depps Darstellung des Willy Wonka angelehnt.

Nach der Originalversion des Namens der Veruschka Salz benannte sich Anfang der 90er Jahre die US-amerikanische Alternative-Rock-Band Veruca Salt.

In der Episode Skorpione wie wir (The Scorpion's Tale) der Zeichentrickserie Die Simpsons gibt sich der Pharmaunternehmer Walter Hotenhoffer, gesprochen von Werner Herzog, als Augustus Glupsch/Augustus Gloop zu erkennen, der dadurch traumatisiert worden sei, dass er in das Rohr im Schokoladensee gesaugt worden ist.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1972: New England Round Table of Children’s Librarians Award (USA)
  • 1973: Surrey School Award (Großbritannien)
  • 2000: Millennium Children’s Book Award (Großbritannien)
  • 2000: Blue Peter Book Award (Großbritannien)

Fortsetzung[Bearbeiten]

1972 veröffentlichte Roald Dahl das Buch Charlie und der große gläserne Fahrstuhl. Die Geschichte wird darin direkt fortgesetzt: Von Charlies Haus aus beginnt eine Reise rund um die Welt im gläsernen Fahrstuhl, zusammen mit Charlies gesamter Familie. Durch ein Versehen landen die Passagiere nicht wie geplant wieder in der Fabrik, sondern im Orbit der Erde.

Ausgaben[Bearbeiten]

Buchausgaben[Bearbeiten]

Der Roman ist in verschiedenen Bindungen bei mehreren Verlagen erschienen. Auswahl:

  • Charlie und die Schokoladenfabrik (Originaltitel: Charlie and the Chocolate Factory). Deutsch von Inge M. Artl und Hans Georg Lenzen (Verse). Mit Illustrationen von Quentin Blake. Sonderausgabe. Rowohlt Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 2005, ISBN 3-499-21336-2 (Taschenbuch).
  • Charlie und der große gläserne Fahrstuhl. Rowohlt Taschenbuch-Verlag, Reinbek 2003, ISBN 3-499-21212-9.
  • Charlie und die Schokoladenfabrik / Charlie und der große gläserne Fahrstuhl, Wunderlich 1987, ISBN 3805204523 (Doppelband).

Hörbuch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSally Lodge: New Dahl Book Contains Missing Chapter of 'Charlie and the Chocolate Factory'. In: Publishers Weekly. 5. August 2010, abgerufen am 11. November 2011.
  2. Roald Dahl: The Missing Golden Ticket and Other Splendiferous Secrets. Puffin 2010, ISBN 978-0142417423.
  3. a b c Deutsche Übersetzung von Inge M. Artl und Hans Georg Lenzen (Verse), Bertelsmann Verlag Gütersloh 1969
  4. Ian Ousby (Hrsg.): The Cambridge Guide to Literature in English. Cambridge University Press 1993, ISBN 0521440866, S. 269.
  5. Don D’Ammassa: Encyclopedia of Fantasy and Horror Fiction. New York, Checkmark Books 2006, ISBN 0816061920, S. 52.
  6. Jonathon Green: The Encyclopedia of Censorship. New York 1990, ISBN 0816015945, S. 139.
  7. Donald Sturrock: Storyteller: The Authorized Biography of Roald Dahl. London, HarperPress 2010, ISBN 978-0007254767, S. 492–497.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatRachel Lee Harris: A ‘Golden Ticket’ for St. Louis Opera Fans. In: New York Times. 23. Mai 2010, abgerufen am 10. November 2011.
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatTim Masters: Charlie and the Chocolate Factory musical opens in West End. In: BBC News. 25. Juni 2013, abgerufen am 4. Februar 2014 (englisch).