Charlie und die Schokoladenfabrik (1971)

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Filmdaten
Deutscher Titel Charlie und die Schokoladenfabrik
Originaltitel Willy Wonka & the Chocolate Factory
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1971
Länge 100 Minuten
Altersfreigabe FSK o.A.
Stab
Regie Mel Stuart
Drehbuch Roald Dahl,
David Seltzer (ungenannt)
Produktion David L. Wolper,
Stan Margulies
Musik Leslie Bricusse,
Anthony Newley
Kamera Arthur Ibbetson
Schnitt David Saxon
Besetzung
Synchronisation

Charlie und die Schokoladenfabrik (dt. DVD-Titel: Willy Wonka und die Schokoladenfabrik) ist eine Literaturverfilmung von Mel Stuart aus dem Jahre 1971 nach dem Kinderbuchklassiker Charlie und die Schokoladenfabrik von Roald Dahl. 2014 wurde der Film in die National Film Registry aufgenommen.[1]

2005 wurde das Buch mit Charlie und die Schokoladenfabrik ein zweites Mal verfilmt.

Handlung[Bearbeiten]

Charlie Bucket ist ein armer Junge, der zusammen mit seiner Mutter und vier bettlägerigen Großeltern lebt. Er gehört zu den fünf glücklichen Gewinnern goldener Eintrittskarten, welche Willy Wonka, der Besitzer einer wundersamen Schokoladenfabrik, in seinen Schokoladentafeln versteckt hat. Die Eintrittskarten berechtigen zu einer Führung durch seine sagenumwobene und seit Jahren der Öffentlichkeit nicht zugängliche Fabrik.

Mit vier anderen Kindern – einschließlich erwachsener Begleitpersonen – begibt er sich mit seinem „auferstandenen“ Großvater auf den Weg in die verrückte Welt des exzentrischen Schokoladenfabrikanten. Wonka führt sie durch die Fabrik, in der sie Dinge sehen, von denen Kinder nur träumen können – Räume gefüllt mit Süßigkeiten, Flüssen und Wasserfällen aus Schokolade und Wonkas Arbeitern, den kleinen und orangefarbenen Oompa Loompas.

Wonka übergibt den Kindern jeweils ein Lutschbonbon, welches weder seinen Geschmack verliert noch sich jemals auflösen wird. Nach und nach fallen die vier anderen Kinder ihrer Habgier, ihrer Gefräßigkeit oder ihrem Übermut zum Opfer, bis nur noch Charlie und sein Großvater übrigbleiben. Fälschlicherweise nehmen die beiden an, die vorher versprochene lebenslängliche Versorgung mit Schokolade gewonnen zu haben. Aber nach Meinung Wonkas haben sie sich durch das Trinken eines in der Erprobungsphase befindlichen Sprudels disqualifiziert.

Opa Joe ist verärgert, verspricht, mit Wonka abrechnen zu wollen, und ermutigt seinen Enkel, das Geheimnis des Lutschbonbons Wonkas Konkurrenten auszuhändigen. Als Charlie das Bonbon allerdings zurückgibt, ist Wonka begeistert und sagt, dass Charlie den Hauptpreis, seine Schokoladenfabrik, gewonnen habe. Wonka und seine zwei Gäste steigen in den Wonkavator und schießen mit diesem durchs Dach der Fabrik. Als der Wonkavator hoch über der Stadt schwebt, erklärt Wonka, dass Charlie sein Nachfolger werden soll.

Besetzung und Synchronisation[Bearbeiten]

Rolle Darsteller Dt. Synchronsprecher
Willy Wonka Gene Wilder Wolfgang Draeger
Charlie Bucket Peter Ostrum Thomas Behnke
Opa Josef Jack Albertson Eduard Wandrey
Herr Zart Roy Kinnear Horst Niendorf
Herr Sonnenschein David Battley Horst Gentzen
Herr Wiederkau Leonard Stone Edgar Ott
Frau Bucket Diana Sowle Ilse Kiewiet
Schoko-Verkäufer Bill Aubrey Woods Lothar Blumhagen
Arthur Schluckviel Günter Meisner Günter Meisner
Mickie Glotze Paris Themmen Steffen Müller
FBI-Agent Ed Peck Arnold Marquis
Angela Zart Julie Dawn Cole Susanne Lissa
Frau Glotze Dodo Denney Ursula Lillig
Mrs. Curtis Gloria Manon Barbara Ratthey
Violetta Wiederkau Denise Nickerson Ina Patzlaff
Computerprogrammierer Tim Brooke-Taylor Andreas Mannkopff

Produktion[Bearbeiten]

Die Idee zur Verfilmung des Buchs Charlie und die Schokoladenfabrik kam, als Mel Stuarts Tochter nach dem Lesen des Buches ihren Vater bat, eine Filmversion zu erstellen. Nachdem Stuart dem Produzenten David L. Wolper das Buch vorlegte, konnte dieser die Quaker Oats Company überzeugen, die Rechte für das Buch zu kaufen und den Film zu finanzieren. Diese plante, zum Filmstart einen Schokoriegel auf den Markt zu bringen, um diesen mit dem Film zu bewerben. Tragischerweise hatte der Schokoriegel einen Fehler in der Rezeptur, und die Schokolade schmolz in den Regalen der Supermärkte und musste vom Markt genommen werden. Der Schokoriegel verschwand in der Versenkung, der Film wurde zum Klassiker.

Drehbuch[Bearbeiten]

Roald Dahl, der auch die Buchvorlage geschrieben hatte, gilt als Drehbuchautor des als Kindermusical ausgelegten Films, obgleich der im Abspann nicht erwähnte Drehbuchautor David Seltzer dieses erheblich überarbeitete. Zum Beispiel legt Seltzer die zahlreichen, nicht im Buch vorkommenden Zitate klassischer Literatur in Wonkas Mund. Einige Teile der Handlung des Buches wurden in Hinsicht des Erfolgs des Kinofilms angepasst – am erwähnenswertesten sind die hinzugefügten Musiknummern. Im Gegensatz der verbreiteten Meinung, der Originalfilmtitel Willy Wonka & the Chocolate Factory trage einer erweiterten Rolle Willy Wonkas Rechnung – eher das Gegenteil ist der Fall –, wurde der Titel geändert, weil zur Erscheinungszeit des Films „Charlie“ die übliche Bezeichnung im Vietnamkrieg für die Soldaten des Vietcong war.

Besetzung[Bearbeiten]

Regisseur Mel Stuart und Produzent David Wolper widersetzten sich dem Wunsch Dahls, die Rolle Willy Wonkas mit dem britischen Komiker Spike Milligan zu besetzen. Joel Grey, der von den beiden bevorzugte Broadwaysänger schied wegen seiner geringen Körpergröße aus. Das eine Woche andauernde Vorsprechen im New Yorker Plaza Hotel endete schließlich mit der Wahl des Hollywoodschauspielers Gene Wilder. Für die Besetzung der Kinder und deren Eltern arbeiteten die Produzenten mit Casting-Agenturen in New York, London und München zusammen. Minderwüchsige für die Rollen der Oompa Loompas wurden in der ganzen Welt gesucht.

Dreharbeiten[Bearbeiten]

Mit einem Budget von drei Millionen US-Dollar wurde der Film aus Kostengründen in der Bavaria Film in München gedreht. Zudem war das als Kulisse der Schokoladenfabrik dienende Gaswerk der Stadt München der Standortwahl förderlich. Die Dreharbeiten begannen am 31. August 1970 und endeten am 19. November desselben Jahres. Für Charlies Stadt, die während des Fluges im Wonkavator zu sehen ist, wurden Luftaufnahmen von Nördlingen verwendet.

Zuspruch[Bearbeiten]

Obwohl der Film im ersten halben Jahr mit nur vier Millionen Dollar weniger als erhofft einspielte, reagierten Kritiker und Kinobesucher positiv auf den Film. Dahl missfiel die Verfilmung seines Buches allerdings so sehr, dass er sich weigerte, die Rechte der Fortsetzung (Charlie and the Great Glass Elevator) zu verkaufen; erst 1989, ein Jahr vor seinem Tod, stimmte er einer weiteren Verfilmung eines seiner Bücher zu.

Aufgrund wiederholter Fernsehausstrahlungen im englischsprachigen Raum stieg die Popularität und der Film erreichte Kultstatus. 2005 wurde mit Charlie und die Schokoladenfabrik das Buch ein zweites Mal verfilmt; Regisseur Tim Burton erklärte allerdings, dass es sich nicht um ein Remake des ersten Films handle, sondern vielmehr um eine weitere Interpretation des Buches.

Deutsche Fassungen[Bearbeiten]

In der ursprünglichen deutschen Fassung wurden fast alle Gesangsnummern entfernt, die nur bedingt die Handlung fortführen. Das Lied, das Charlies Großvater singt, ist in gekürzter Fassung auf der VHS-Version des Films enthalten, Willy Wonkas Song beim Betreten des ersten Raums mit dem Schokoladenfluss liegt ebenfalls gekürzt vor. Auch wurden die Oompa Loompas in gekürzter Fassung synchronisiert, allerdings nur, sofern keine Bildbearbeitung nötig war. Ansonsten wurde wieder gekürzt. Verucas Lied wurde entfernt und durch gesprochenen Dialog ersetzt.

Da die Kürzungen allerdings so undurchschaubar ausfielen, war es nicht möglich, diese auf die DVD zu bringen. Lediglich der Chor über dem Abspann ist auch auf der DVD in deutscher Fassung vorhanden. Weitere Szenen, die in der deutschen Fassung entfernt worden waren, betreffen zum größeren Teil Sequenzen, die damals als zu gruselig für einen Familienfilm angesehen wurden. Beispielsweise fehlt die gesamte psychedelische Fahrt mit dem Boot durch den Tunnel, in der die Fahrgäste mit ihren Ängsten konfrontiert werden. Außerdem ist das Bild des Betrügers entfernt worden, weil es einen Nazi-Mann zeigt; und der Dialog, in dem die Herren darüber sprechen, dass das fünfte Ticket eine Fälschung sei, wurde bis zum Unverständnis hin gekürzt. Weiterhin wurde Wonkas Erklärung gegen Ende auch etwas entschärft.

Die vollständige Filmfassung wurde erstmals auf ARTE am 22. August 2006 ausgestrahlt; wobei die fehlenden Sequenzen mit deutschen UT gezeigt wurden. Zudem ist diese Fassung in Deutschland auf DVD inklusive der englischen Fassung neu erschienen.

Die deutsche Synchronbearbeitung entstand 1971 in den Ateliers der Berliner Synchron GmbH. Das Dialogbuch verfasste Ruth Leschin, die Synchronregie übernahm Friedrich Schoenfelder. In dieser Fassung sind auch die Namen der Figuren zum besseren Verständnis teilweise übersetzt oder verändert worden. [2]

Musik[Bearbeiten]

Die Lieder und die Filmmusik wurden von den berühmten britischen Songwritern Leslie Bricusse und Anthony Newley entworfen. Der Titel The Candy Man in der Interpretation von Sammy Davis jr. wurde am bekanntesten.

Musiknummern[Bearbeiten]

  1. „Golden Ticket“ (Pure Imagination/Main Title Theme)
  2. „The Candy Man“, aufgeführt von Aubrey Woods (Nummer-1-Hit in den USA von Sammy Davis, Jr.)
  3. „Charlie's Paper Run“
  4. „Cheer Up, Charlie“, aufgeführt von Diana Sowle
  5. „Lucky Charlie“
  6. „(I've Got A) Golden Ticket“, aufgeführt von Jack Albertson and Peter Ostrum
  7. „Pure Imagination“, aufgeführt von Gene Wilder
  8. „Oompa Loompa Doompa-De-Do“, aufgeführt von den Oompa Loompas
  9. „The Wondrous Boat Ride“, aufgeführt von Gene Wilder
  10. „Everlasting Gobstoppers“, Oompa Loompa
  11. „Bubble Machine“
  12. „I Want It Now“, aufgeführt von Julie Dawn Cole
  13. „The Rowing Song“, aufgeführt von Gene Wilder
  14. „Wonkamobile, Wonkavision“, Oompa Loompa
  15. „Wonkavator“ (Pure Imagination/End Title)

Kritik[Bearbeiten]

  • „Verfilmung eines Kinderbuches, die Musical-Elemente mit Ansätzen von Märchen und Satire vermischt, dabei jedoch Krampf und Kitsch mit Phantasie verwechselt.“ - Lexikon des internationalen Films [3]
  • „Willy Wonka und die Schokoladenfabrik erweist sich als hübscher Film für Jung und Alt, der zwar ein wenig vorhersehbar daherkommt, aber nicht wirklich verstaubt wirkt. Man sieht ihm natürlich das Alter an, doch das erweist sich nicht weiter als störend. Da der Film auch im deutschen Fernsehen recht stiefmütterlich behandelt worden ist und nunmehr fast 40 Jahre alt ist, fehlt natürlich hier zu Lande der Nostalgie-Faktor etwas, aber dafür überzeugt der Film durch seine phantasievolle Umsetzung. Fazit: Willy Wonka ist ein Musical für Jung und Alt, das jedoch auch düstere Züge annimmt.“ – Peter Osteried, Movieman.de
  • „Beiläufiger Realismus in Charlies englischem Arbeitervorort und die sanfte Erinnerung an die Kraft des Wünschens werden mit augenzwinkernden satirischen Seitenhieben auf den drohenden Verlust der Kindheit gepaart. Die Fantasie schlägt auch hier zusammen mit den zwergenhaften Umpa-Lumpas, die in der Fabrik arbeiten, Purzelbäume. Nur funktioniert das, anders als bei Tim Burton, mit Handarbeit und nicht mit Computertricks. Und Gene Wilder ist durch seine unverkrampfte Ironie sogar der gegenüber Johnny Depp um einen kleinen Tick bessere Willy Wonka.“ – Andreas Fischer, cineastentreff.de
  • „Altbackenes Musicalmärchen ohne viel musikalischen Schwung; die Ansätze zur Satire bleiben schwach.“ (Wertung: 1½ Sterne = mäßig)Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz in Lexikon „Filme im Fernsehen“(Erweiterte Neuausgabe). Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 124 [Kritik bezieht sich noch auf die alte deutschsprachige 86-Minuten-Version]
  • „Regisseur Mel Stuart drehte dieses witzige, fantasievolle Kinderabenteuer nach der berühmten literarischen Vorlage von Roald Dahl. Gene Wilder überzeugt in diesem zeitlos schönen Stück Kino als Schokoladenfabrikant (...).“ - Prisma-Online-Filmdatenbank [4]
  • „Charlie und die Schokoladenfabrik, ein Kinderfilm, weist eine besondere Qualität auf, die meist sogar in Erwachsenenfilmen zu kurz kommt: Man weiß nie, was als nächstes passiert.“ – Anita Earle, San Francisco Chronicle [5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

1972

Medien[Bearbeiten]

  • DVD: Willy Wonka und die Schokoladenfabrik. Warner Home Video 2005

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Susan King: 25 titles added to National Film Registry, Los Angeles Times online, 17. Dezember 2014, abgerufen am 18. Dezember 2014
  2. Charlie und die Schokoladenfabrik (1970) in der Synchrondatenbank von Arne Kaul; abgerufen am 21. Oktober 2008
  3. „Lexikon des internationalen Films“ (CD-ROM-Ausgabe), Systhema, München 1997
  4. Charlie und die Schokoladenfabrik bei prisma-online.de; abgerufen am 1. November 2008
  5. hier zitiert nach Ronald M. Hahn, Volker Jansen, Norbert Stresau: Lexikon des Fantasy-Films. 650 Filme von 1900 bis 1986. Heyne, München 1986, ISBN 3-453-02273-4, S. 73