Chart-Pattana-Partei

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Chart-Pattana-Partei (thailändisch: พรรคชาติพัฒนา, RTGS: Phak Chat Phatthana, übersetzt „Partei für nationale Entwicklung“ oder „Nationale Entwicklungspartei“) ist eine politische Partei in Thailand.

Sie wurde 1992 von dem ehemaligen Ministerpräsidenten Chatichai Choonhavan gegründet. In den 1990er-Jahren gehörte sie landesweit zu den vier stärksten Parteien. Wie die meisten anderen thailändischen Parteien bestand sie aus mehreren innerparteilichen Gruppierungen und Flügeln. Sie hatte keine feste Organisationsstruktur und verfolgte keine bestimmte politische Ideologie, sondern diente den Interessen der Politiker, die sich in ihr zusammengeschlossen hatten. Häufig traten ihre Abgeordneten auch zu anderen Parteien über.[1] Ihre Hochburgen lagen im Nordosten Thailands (Isan).[2][3] 2005 ging sie in der Thai-Rak-Thai-Partei auf. Nach deren Verbot 2007 wurde sie wiederbelebt, konnte aber nicht wieder ihre frühere Bedeutung gewinnen. Infolge von Fusionen mit anderen Parteien wechselte sie mehrmals ihren Namen. So hieß sie ab 2007 Ruam Jai Thai Chart Pattana, ab 2010 Ruam Chart Pattana, 2011 kurzzeitig Chart Pattana Puea Pandin. Seit August 2011 hat sie wieder ihren ursprünglichen Namen.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung 1992[Bearbeiten]

Offiziell entstand die Chart-Pattana-Partei durch Umbenennung der 1982 von General Arthit Kamlang-ek gegründeten Thailändischen Volkspartei. Diese war 1992 jedoch nur noch eine leere Hülle, da General Arthit und alle wichtigen Mitglieder ausgetreten waren.[4] Kurz vor der Wahl im September 1992 übernahmen Chatichai Choonhavan, der bis zum Militärputsch 1992 Ministerpräsident gewesen war und eine Gruppe weiterer Politiker der Chart-Thai-Partei um Chatichais Neffen Korn Dabbaransi die Partei und benannten sie um. Sie hatten ihre vormalige Partei verlassen, da diese an der militärnahen Koalitionsregierung von General Suchinda Kraprayoon teilgenommen hatte und es außerdem Konflikte um die Parteiführung gab. In den heftigen Auseinandersetzungen zwischen der militärgestützten Regierung und der Demokratiebewegung hatte die thailändische Presse sie daher als eine der „Teufels-Parteien“ bezeichnet. Die Gruppe um Korn war mit dieser Allianz unzufrieden und überzeugte auch Chatichai, aus der Partei auszutreten.[2] Die neue Partei sollte als Vehikel für eine zweite Amtszeit Chatichais dienen.[5] Ihr traten außerdem Mitglieder der ebenfalls der Militärjunta nahestehenden Partei Samakkhi Tham bei, die sich nun von dieser distanzieren wollten. Dazu gehörten General Arthit Kamlang-ek (der also zu seiner früheren Partei zurückkehrte), Somchai Khunpluem (der „Pate von Chonburi“)[6] und der Unternehmer Suwat Liptapanlop aus Nakhon Ratchasima.[7] Hinzu kam der Generalsekretär der Demokratischen Partei, Prachuab Chaisarn.[2]

Chatichai war es wichtig, dass die Partei nichts mit der Militärjunta und ihrem gewaltsamen Vorgehen gegen die Massenproteste im Mai 1992 zu tun hatte. Er präsentierte sie als eine neue Partei, die vorwiegend aus jüngeren Abgeordneten bestand, für Demokratie eintrat und in der polarisierten politischen Landschaft eine neutrale Position einnahm. Es gelang der Partei, finanzstarke Geldgeber zu gewinnen und Abgeordnete von anderen Parteien zum Übertritt zu bewegen.[4] Bei der Wahl im September 1992 wurde sie mit 60 Sitzen drittstärkste Kraft. Sie trat der Koalitionsregierung unter Führung von Chuan Leekpai und seiner Demokratischen Partei bei, verließ diese jedoch nach weniger als einem Jahr wieder.

Regierungsbeteiligung und Auflösung unter Thaksin[Bearbeiten]

Bei der Wahl 1995 verlor die Chart-Pattana-Partei einige Sitze und blieb in der Opposition. Nach der vorgezogenen Neuwahl 1996 war sie Juniorpartner in der Koalitionsregierung von Chavalit Yongchaiyudh. 1998 löste Korn Dabbaransi seinen Onkel Chatichai Choonhavan, der sich aus der Politik zurückzog, als Parteichef ab. Ab 1998 gehörte sie dem zweiten Kabinett von Chuan Leekpai an. Bei der Wahl 2001 musste sie schwere Verluste zugunsten der neuen Thai-Rak-Thai-Partei (TRT), die die Wahl erdrutschartig gewann, hinnehmen. Sie ging zunächst in die Opposition. Im Dezember des gleichen Jahres trat sie jedoch der TRT-geführten Koalition des Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra bei, wodurch die Regierung dann fast drei Viertel der Sitze im Parlament kontrollierte.[8] Thaksin drängte die Chart-Pattana-Partei, mit seiner TRT zu verschmelzen. Das befürworteten auch einige ihrer Mitglieder, nicht aber die Parteiführung um den neuen Vorsitzenden Suwat Liptapanlop. Daraufhin warf Thaksin sie im November 2003 aus seiner Koalition. Die Politiker, die weiter Teil der Regierung sein wollten, einschließlich des Mitgründers und ehemaligen Parteivorsitzenden Korn Dabbaransi, traten zu Thaksins TRT über. Die Chart-Thai-Partei war in ihrem Kernland im Nordosten jedoch immer noch stark. Es gelang ihr bei der Kommunalwahl 2004 in Nakhon Ratchasima gegen die TRT zu gewinnen.[9] Thaksin übte weiteren Druck aus und vor der Wahl 2005 ging auch der Rest der Partei in der TRT auf,[10] die nach der Wahl mehr als drei Viertel der Sitze auf sich vereinte.[11]

Wiederbelebung seit 2007[Bearbeiten]

Nach dem Putsch im September 2006 löste das „Verfassungstribunal“ die TRT-Partei 2007 auf und verhängte ein fünfjähriges Politikverbot für alle 111 ihrer Funktionsträger, darunter auch Suwat Liptapanlop. Die verbleibenden Politiker der Chart Pattana und diejenigen der Ruam Jai Thai („Vereinte Thai“) schlossen sich im September 2007 zur Ruam Jai Thai Chart Pattana zusammen.[12] Ihr faktischer Chef ist seither Suwat, der jedoch infolge seiner Betätigungssperre kein politisches Amt annehmen durfte. Offiziell ist daher sein Schwager Wannarat Channukul Parteivorsitzender. Zur ersten Parlamentswahl nach dem Putsch, im Dezember 2007, präsentierte sie sich als neutrale Alternative zu den beiden rivalisierenden Großparteien (Demokratische Partei und TRT-Nachfolgerin Partei der Volksmacht). Ihr gehörten sowohl frühere Vertreter des Thaksin-Lagers, als auch dessen Gegner an.[13] Die Partei gewann acht Sitze. Sie schloss sich der von der Partei der Volksmacht geführten Regierung unter Samak Sundaravej an. In ihr diente Suwats Frau Poonpirom Liptapanlop als Energieministerin. Im Dezember 2008 lief die Partei zum Lager der Demokratischen Partei über und verhalf Abhisit Vejjajiva zu einer Mehrheit. In seinem Kabinett war Wannarat Energieminister. Vor der Wahl 2011 verschmolz die Ruam Chart Pattana mit dem Rumpf der Puea-Pandin-Partei zur Chart Pattana Puea Pandin.[14]

Suwat Liptapanlop engagiert sich auch als Sportfunktionär, beispielsweise als Präsident des thailändischen Tennisverbands. So gelang es ihm prominente Sportler für die Partei gewinnen. Bei der Wahl zählte sie den ehemaligen Tennisprofi Paradorn Srichaphan, den früheren Fußball-Nationalspieler Piyapong Piew-on und die olympische Taekwondoin Yaowapa Boorapolchai zu ihren Kandidaten.[15] Die Partei gewann sieben Sitze, die meisten davon für Wahlkreise in der Provinz Nakhon Ratchasima, Suwats und Wannarats Heimatprovinz. Sie schloss sich der Regierungskoalition unter Führung der siegreichen Pheu-Thai-Partei und Yingluck Shinawatra an. In ihrem Kabinett übernahm Wannarat Channukul das Industrieressort. Im September kürzte die Partei den sperrigen Namen und nahm wieder ihren ursprünglichen an.[16] Wannarat trat im Januar 2012 aus Gesundheitsgründen zurück und wurde durch M.R. Pongsvas Svasti ersetzt.[17]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Suchit Bunbongkarn: Thailand. Democracy Under Siege. In: Driven by Growth. Political Change in the Asia-Pacific Region. M.E. Sharpe, 1999, S. 173.
  2. a b c Surin Maisrikrod: Thailands Two General Elections in 1992. Democracy Sustained. Institute of South East Asian Studies, 1992, S. 7.
  3. Michael Kelly Connors: Thaksin's Thailand. Thai Politics in 2003-04. In: Thailand's Economic Recovery. Institute of Southeast Asian Studies, Singapur 2006, S. 31.
  4. a b David Murray: Angels and Devils. Thai Politics from February 1991 to September 1992 – A Struggle for Democracy? White Orchid Press, Bangkok 1996, S. 2003.
  5. Tom Wingfield: Democratization and economic crisis in Thailand. In: Political Business in East Asia. Routledge, 2002, S. 266.
  6. Sombat Chantornvong: Local Godfathers in Thai Politics. In: Money & Power in Provincial Thailand. NIAS Press, Kopenhagen 2000, S. 64.
  7. Yoko Ueda: The Entrepreneurs of Khorat. In: Money & Power in Provincial Thailand. 2000, S. 183.
  8. William R. Thompson: Thailand. In: Asia & Pacific Review 2003/04. The Economic and Business Report. S. 338.
  9. Michael Kelly Connors: Thaksin's Thailand. Thai Politics in 2003-04. In: Thailand's Economic Recovery: Institute of Southeast Asian Studies, 2006, S. 32.
  10. Bidhya Bowornwathana: The Politics of Combating Corruption when Big Businessmen are at the Helm. Lessons from Thaksin and Berlusconi. In: The Many Faces of Public Management Reform in the Asia-Pacific Region. Emerald Group, 2009, S. 75.
  11. Prayad Hongthongkham: The General Election on February 6, 2005. A Political Transformation. In: Thailand Monitor, 16. Mai 2005, Thai World Affairs Center, Institute of Asian Studies, Chulalongkorn University.
  12. 2 Thai political groups merge for co-founding new party. In: People's Daily Online, 14. September 2007.
  13. Duncan McCargo: Thailand. State of Anxiety. In: Southeast Asian Affairs 2008. ISEAS Publications, Singapur 2008, S. 341.
  14. Ruam Chart Pattana to be renamed. in: Bangkok Post, 7. April 2011.
  15. Budsarakham Sinlapalavan, Khanittha Theppajorn: All the talk's about jocks. In: The Nation, 15. Mai 2011.
  16. Chart Pattana Puea Pandin renamed "Chart Pattana". In: Bangkok Post, 18. September 2011.
  17. Cabinet Reshuffle. Drastic overhauling for Cabinet. In: The Nation, 18. Januar 2012.