Chauchat

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Chauchat
Chauchat Memorial de Verdun.jpg
Allgemeine Information
Militärische Bezeichnung: Fusil Mitrailleur Modèle 1915
Ausstattung
Gesamtlänge: 1145 mm
Lauflänge: 469 mm
Technische Daten
Kaliber: 8 × 50 mm R Lebel
Mögliche Magazinfüllungen: 20 Patronen
Munitionszufuhr: Kurvenmagazin
Kadenz: 250 Schuss/min
Feuerarten: Serie- und Einzelfeuer
Anzahl Züge: 4
Drall: rechts
Ladeprinzip: luftgekühlter Rückstoßlader
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Das als Chauchat oder CRSG bekannte Fusil Mitrailleur Modèle 1915 (FM 1915) ist ein französisches leichtes Maschinengewehr.

Geschichte[Bearbeiten]

Das FM 1915 ist eine Konstruktion des damaligen Hauptmanns Louis Chauchat, der seit 1903 im Arsenal Puteaux mit der Entwicklung eines Selbstladegewehrs für die französischen Streitkräfte befasst war. Hierbei wurde er von seinem Assistenten, dem Feinmechaniker und technischen Zeichner Charles Sutter unterstützt.

Gemeinsam schufen sie bereits 1911 ein leichtes Maschinengewehr, das als Vorläufer des FM 1915 zu betrachten ist. Diese als Chauchat-Sutter C7 bezeichnete Waffe zeigte sich aber bei Tests im Jahre 1912 als störungsanfällig, so dass eine Überarbeitung erforderlich war. Im Januar 1913 wurde dann das verbesserte FM 1913 getestet. Es funktionierte befriedigend – bis auf die Magazine, die einer weiteren Verbesserung bedurften.

Am 19. Juli 1915 wurde beschlossen, das weiter überarbeitete FM 1915 in die Bewaffnung der französischen Streitkräfte aufzunehmen. Für die Fertigung wurde ein Vertrag mit der in einem Vorort von Paris ansässigen Firma Société des Cycles Clement et Gladiator geschlossen; die Firma hatte bis dahin Fahrräder gefertigt. Fertigungsleiter bei Clement et Gladiator war zu dieser Zeit Paul Ribeyrolles.

Das FM 1915 wird auch als CSRG bezeichnet (Chauchat, Sutter, Ribeyrolles, Gladiator). Ursprünglich sollten 55.000 Stück gefertigt werden. 1916 folgte eine weitere Bestellung über zusätzliche 55.000 Stück. Im Dezember 1916 wurde die Bestellung auf insgesamt 155.000 Stück erhöht; zusätzlich wurde Auftrag über weitere 25.000 Stück an die Forges et Acieries de la Marine à Homecourt in St. Charmond vergeben. Als die Fertigung 1918 eingestellt wurde, hatten Clement et Galdiator 247.944, die Forges et Acieries 20.195 FM 1915 hergestellt.

1924 wurde das FM 1915 durch das FM 1924 ersetzt, eine neue Waffe im Kaliber 7,5 x 54 mm.

Neben der französischen Armee wurde das FM 1915 auch von den US-Streitkräften verwendet – neben Modellen im ursprünglichen Kaliber wurde bei Clement et Gladiator für sie das Modell 1918 im amerikanischen Ordonanzkaliber .30-06 Springfield gefertigt (hier betrug die Magazinkapazität nur 16 Schuss). Da sich sowohl das FM 1915 als auch das Modell 1918 nicht bewährten, wurde die Entwicklung des Browning Automatic Rifle vorangetrieben, diese Waffe kam jedoch zu spät, um im Ersten Weltkrieg noch eine Rolle zu spielen.

Auch die belgische Armee verwendete das FM 1915; es wurde für sie auf die belgische Ordonanzpatrone 7,65 x 54 mm eingerichtet und erst Mitte der Dreißiger Jahre ersetzt.

Auch Griechenland, Polen, Russland und Serbien verwendeten das FM 1915.

Technik[Bearbeiten]

Das FM 1915 ist ein luftgekühlter, zuschießender Rückstoßlader mit langem Rohrrücklauf und Drehkopfverschluss. Die Munition wird aus abnehmbaren Kastenmagazinen zugeführt. Die Konstruktion weist deutliche Parallelen zur Selbstladebüchse Model 8 von Remington auf, die auf einem Patent von John Moses Browning aus dem Jahr 1900 basiert.

In schussbereitem Zustand befindet sich der Verschlussträger mit dem Drehkopfverschluss in hinterer Stellung, die Lauf in vorderer. Wird der Abzug betätigt, schnellt der Verschlussträger unter Druck der Schließfeder vor. Ein beweglich am Verschlussträger befestigter Zuführhebel schiebt die oberste Patrone aus dem Magazin nach vorn und oben, sodass sie in den Weg der Verschlusskopfes gerät. Der Verschlusskopf schiebt die Patrone in das Patronenlager des Laufes und legt sich mit seinem Stoßboden gegen den Hülsenboden. Der Verschlussträger gleitet weiter vor; durch eine Steuerkurve wird hierbei der Verschlusskopf gedreht, so dass seine Verriegelungswarzen in entsprechende Widerlager der Laufverlängerung eintreten. Dann trifft der Schlagbolzen auf das Anzündhütchen der Patrone und zündet die Treibladung. Durch den Gasdruck, der beim Abbrand der Treibladung entsteht und auf den Hülsenboden wirkt, werden der Lauf und die mit ihm verriegelte Einheit aus Verschluss und -träger gegen die Kraft der Schließ- und Laufvorholfeder zurückgeworfen.

Sind die beweglichen Teile am hinteren Ende ihrer Bewegung angekommen, wird der Verschlussträger von einem Sperrhebel festgehalten; der Lauf gleitet unter Druck der Laufvorholfeder wieder nach vorn, der Auszieher im Verschlusskopf hält die leere Patronenhülse fest. In der Vorwärtsbewegung nimmt er den Verschlusskopf mit, bis dieser durch die Steuerkurve gedreht und entriegelt wird. Danach läuft der Lauf allein vor; ist er weit genug vorgelaufen, dass die leere Patronenhülse ihn nicht mehr berührt, wird sie vom gefederten Auswerfer aus der Waffe geschleudert. Erreicht der Lauf seine vorderste Stellung, betätigt er einen Übertragunghebel, der wiederum den Sperrhebel betätigt, der den Verschlussträger festhält. Ist der Abzug noch gedrückt, schnellt der Verschlussträger erneut vor und führt die nächste Patrone zu.

Das FM 1915 kann sowohl halb- als auch vollautomatisch schießen. Ursprünglich hatte das FM 1915 keinen Mündungsfeuerdämpfer (siehe Bild); später wurde ein trichterförmiger Vorsatz verwendet, der auch bei vielen älteren Waffen nachgerüstet wurde.

Im Einsatz[Bearbeiten]

Die französische Armee setzte das FM 1915 erstmals in begrenzter Stückzahl 1916 im Verdun-Sektor ein; zum Großeinsatz kam es dann an der Somme.

Die Bedienmannschaft bestand zunächst aus zwei Mann, dem Schützen und einem Munitionsträger (Pourvoyeur). Der Schütze trug 320 Patronen in 16 Magazinen, das FM 1915, eine Pistole mit zwei Ersatzmagazinen und seine sonstige persönliche Ausrüstung, der Pourvoyeur seine persönliche Ausrüstung, einen Karabiner, eine Schaufel und 906 Schuss Munition in Schachteln. Die zweiköpfige Bedienmannschaft war damit überladen und konnte kaum mit den restlichen Infanteristen Schritt halten, weswegen bald ein zweiter Pourvoyeur dazukam. 1917 erhöhte sich die Stärke der Bedienmannschaft auf vier Mann (zusätzlich ein Korporal als Gruppenführer). Zusammen mit drei bis vier Gewehrgranatschützen und meist acht Gewehrschützen, die auch Handgranatenwerfer waren, bildete die Bedienmannschaft eine Demi-Section de Combat (Halbzug). 1918 erhöhte man die Stärke nochmals auf nunmehr sechs Mann (Neben Gruppenführer, Schütze und Pourvoyeur drei Karabinerschützen mit zusätzlichen Magazinen).

Das FM 1915 wurde zur Feuerunterstützung für die vorgehenden Infanterie eingesetzt; hierbei sollte im Gehen aus dem Hüftanschlag geschossen werden, wobei einer der Pourvoyeurs die Magazine wechselte. Bei der Abwehr von Gegenangriffen ersetzte das FM 1915 die schweren Maschinengewehre, die der Infanterie nicht so schnell folgen konnten.

Im Zusammenwirken mit den Gewehrgranatschützen gingen die Bedienmannschaften gegen deutsche Maschinengewehrnester vor, wobei sich häufig zwei Demi-Sections gegenseitig Deckung gaben.

Schwächen[Bearbeiten]

Das FM 1915 hatte deutliche Schwächen. Die aufgrund der Form der – für automatische Waffen wenig geeigneten – Patronen nötigen halbmondförmigen Magazine bestanden aus relativ dünnem Blech und verbogen leicht (insbesondere, da sie vom Schützen vorn am Koppel in Magazintaschen getragen wurden und beim Sich-Hinwerfen des Schützen zusammengepresst werden konnten). Zwei große Öffnungen an der Magazinseite führten dazu, dass leicht Schlamm oder Staub in die Magazine gelangte. Tatsächlich führte man fast siebzig Prozent aller Ladehemmungen auf die Magazine zurück. Weitere Öffnungen an der Waffe selbst (Auswurffenster, Kühlöffnungen, Spannhebelschlitz) ließen leicht Schmutz in die Waffe eindringen. Wurden längere Feuerstöße geschossen, dehnten sich die Kühlrippen im Laufmantel aus, so dass der Lauf aufgrund der entstehenden Reibung nicht mehr vollständig vorlief.

Die Visierung des FM 1915 ist in Schussrichtung seitlich nach links versetzt. Der Schütze muss darauf achten, dass er seinen Kopf vor der Schraubmuffe am hinteren Gehäuseende an das Gehäuse legt, damit ihm der Rückstoß keinen schmerzhaften Schlag gegen den Wangenknochen versetzt (dieser Schlag wurde als "la gifle" bekannt). Wird die Waffe nicht fest genug gehalten, kann es vorkommen, dass die Rückstoßenergie nicht ausreicht, um die Nachladebewegung vollständig auszuführen.

Das Modell 1918 erwies sich als noch schlechter; ihm hat das FM 1915 vermutlich auch seinen Ruf als schlechtestes Maschinengewehr aller Zeiten zu verdanken. Bei diesen Waffen war das Patronenlager nicht korrekt gebohrt; besonders im Bereich des Hülsenhalses war es meist zu eng für die amerikanische Patrone, was zur Folge hatte, dass es beim Ausziehen der leeren Hülsen häufig Probleme gab.

Die Füße des Zweibein waren zu klein, so dass die Waffe bei weichem Untergrund einsinken konnte. Die belgische Armee rüstete ihre FM 1915 nach dem Krieg mit einem Zweibein mit größeren Füßen und insgesamt stabilerer Konstruktion aus.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerard Demaison, Yves Buffetaut: Honour Bound – The Chauchat Machine Rifle. Collector Grade Publications, Cobourg Ontario Kanada 1995, ISBN 0-88935-190-2.
  • Vladimír Dolínek, Vladimír Francev, Jan Šach: Illustriertes Lexikon der Waffen im 1. und 2. Weltkrieg. Deutsche Bearbeitung von Harald Fritsch. Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Utting 2000, ISBN 3-89555-223-2, (Dörfler Waffenkunde).
  • Chris McNab: Handfeuerwaffen des 20. und 21. Jahrhunderts. Pistolen, Revolver, Gewehre, Maschinenpistolen, Maschinengewehre, Granatwaffen. Kaiserverlag, Klagenfurt 2007, ISBN 978-3-7043-1440-6, (Wissenswertes – Sport, Technik).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chauchat – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien