Cheb

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Cheb (Begriffsklärung) aufgeführt.
Cheb
Wappen von Cheb
Cheb (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Karlovarský kraj
Bezirk: Cheb
Fläche: 9636,1106[1] ha
Geographische Lage: 50° 5′ N, 12° 22′ O50.07944444444412.370555555556459Koordinaten: 50° 4′ 46″ N, 12° 22′ 14″ O
Höhe: 459 m n.m.
Einwohner: 32.617 (1. Jan. 2014) [2]
Postleitzahl: 350 02
Kfz-Kennzeichen: K
Verkehr
Straße: R6, E48, E49
Bahnanschluss: 170 Cheb–Plzeň(–Prag)
179 Cheb–Nürnberg
140 Cheb–Chomutov
147 Cheb–Plauen
Nächster int. Flughafen: Letiště Cheb (Cheb Airport) ICAO: LKCB, IATA: –
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 19
Verwaltung
Bürgermeister: Pavel Vanoušek (Stand: 2013)
Adresse: náměstí Krále Jiřího z Poděbrad 1/14
350 20 Cheb
Gemeindenummer: 554481
Website: www.mestocheb.cz
Lageplan
Lage von Cheb im Bezirk Cheb
Karte

Cheb [ˈxɛp] (deutsch: Eger) ist eine im Karlovarský kraj liegende Stadt im äußersten Westen Tschechiens. Die Stadt liegt am Fluss Ohře (deutsch: Eger) im nördlich und südwestlich an Deutschland grenzenden Chebsko (deutsch: Egerland), dessen historisches Zentrum die Stadt bildet.

Geographie[Bearbeiten]

Stöckl

Acht Kilometer nordöstlich der Stadt ist das Naturschutzgebiet Soos bei der Ortschaft Nový Drahov (Rohr) eine Natur-Attraktion. Es handelt sich um ein Torf- und Mineralwiesenmoor mit ausströmendem Gas aus Mofetten, Kohlendioxid fördernden Gasquellen vulkanischen Ursprungs.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind der Komorní hůrka (Kammerbühl) nordöstlich der Stadt und der Železná hůrka (Eisenbühl) südlich an der tschechisch-bayerischen Grenze. Es sind Reste der beiden jüngsten böhmischen Vulkane, die als Naturschutzgebiete ausgewiesen sind. Goethe hatte dort geforscht.

Für Wassersportler sind die beiden Stauseen der Stadt von Interesse. Westlich von Cheb befindet sich der von der Eger gespeiste Skalka und südöstlich der von der Wondreb durchflossene Jesenice.

Der 634 Hektar große Egerer Stadtwald liegt direkt hinter der Grenze auf deutschem Gebiet und gehört zur Gemeinde Neualbenreuth.

Name[Bearbeiten]

Denkmal der ersten urkundlichen Erwähnung Egers

Der Name der Stadt war 1061 Egire. Ab dem 14. Jahrhundert sind Eger und Cheb dokumentiert, 1374 sogar im selben Text, „Egra in boemica lingua Cheb“. Der tschechische Name kann auf eine alte Form von ohyb (Biegung) zurückgeführt werden und bezieht sich wahrscheinlich auf den Verlauf des Flusses bei der Stadt[3]. Daneben wird erwogen, Slawen hätten eine ursprünglich germanische Bezeichnung (Chub) für eine Höhen- oder Hanglage über dem Fluss übernommen.[4]

Im Deutschen ist die Stadt nach dem Fluss Eger benannt, an dessen Ufern sie liegt. Der Gewässername hat indoeuropäische Wurzeln: Agriā hat in etwa die Bedeutung ‚der stark strömende, wilde Fluss‘.[4]

Ab 1850 hieß die Stadt amtlich Eger und Cheb. Seit 1945 ist der offizielle Name Cheb.

Geschichte[Bearbeiten]

Früh- und Hochmittelalter[Bearbeiten]

Die Kaiserpfalz
Romanische Doppelkapelle

Eger wurde am 13. Februar 1061 das erste Mal urkundlich als Egire genannt. 1125 errichteten die Markgrafen des bayerischen Nordgaues, die Grafen von Vohburg, eine Burg an der Stelle einer älteren slawischen Anlage. 1167 kam Eger in den Besitz des staufischen Kaisers Friedrich Barbarossa.[5] Eger wurde schon vor 1179 zur Stadt erhoben. König Friedrich II. unterzeichnete dort am 12. Juli 1213 die Goldbulle von Eger, durch die die Rechtsstellung der Bischöfe des Reiches gestärkt und der Kirchenstaat vergrößert wurde. 1242 erhielt Eger Nürnberger Stadtrecht, 1277 wurde es Freie Reichsstadt. Infolge des Aussterbens der Staufer 1268 kam Eger wenige Jahre später erstmals für kurze Zeit unter böhmische Hoheit. Am 4. Oktober 1322 verpfändete Ludwig der Bayer die Stadt mit deren Zustimmung für 20.000 Mark Silber an den böhmischen König Johann. Der Stadt Eger wurde in einer Urkunde vom 23. Oktober 1322 weitgehende Eigenständigkeit gegenüber dem Königreich Böhmen zugesichert, einschließlich der Wahrung ihrer Stellung als Freie Reichsstadt. Dieser Status wurde dennoch in einem langen Prozess ausgehöhlt und ging schließlich verloren. Das Reichspfand wurde nie eingelöst.

Stadtansicht von 1572

Als wirtschaftlich aufstrebende Stadt hatte sich Eger mit den verarmten Landadeligen der Umgebung auseinanderzusetzen, z. B. in der Adelsfehde Ende des 14. Jahrhunderts. Vergehen wurden dokumentiert im Buch der Gebrechen und in zwei Achtbüchern. Am 5. Mai 1389 wurde in Eger während eines Reichstages der Landfrieden von Eger zwischen König Wenzel und einem Städtebund südwestdeutscher Reichsstädte geschlossen, nachdem Wenzel zuvor erfolglos versucht hatte, seine Interessen den Städten gegenüber durchzusetzen.

Hussitenkriege und Dreißigjähriger Krieg[Bearbeiten]

Ermordung Wallensteins in Cheb 1634

In den Hussitenkriegen beteiligte sich die katholische Stadt Eger aktiv auf der Seite der antihussitischen Koalition. Sie entsandte mehrmals Bereitschaftstruppen und nahm an allen Kreuzzügen gegen die Hussiten teil. Im Juni 1430 geriet die Stadt in große Gefahr, als die Hussiten auf ihrem Rückweg von Nürnberg nach Böhmen Eger passierten. Sie brannten in der Obertorvorstadt einen Teil der Stadtmauern nieder, konnten aber durch Zahlung einer hohen Summe zum Abzug bewegt werden. Am 25. April 1459 wurde in der Stadt der Vertrag von Eger über die Grenze zwischen Böhmen und dem Kurfürstentum Sachsen geschlossen.

Später schloss sich Eger der lutherischen Reformation an, geriet dadurch unter massiven Druck des Kaisers Rudolf II., indem der Stadt 1609 die den böhmischen Ständen zugestandene Religionsfreiheit versagt und 1626 die böhmische Gegenreformation auch in Eger durchgeführt wurde.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde dort am 25. Februar 1634 Albrecht von Wallenstein ermordet.

18. und 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

1723 wurde Eger freie königliche Stadt. 1809 ereilte den Nordteil der Stadt ein großer Brand. Die dabei vernichteten mittelalterlichen Bauten wurden nicht wieder aufgebaut. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Eger Sitz des Gerichtsbezirks Eger im Bezirk Eger.

Bis 1851 gehörte Franzensbad (Františkovy Lázně) dem Magistrat der Stadt Eger. Das Mineralwasser der Franzensbader Quellen, die ursprünglich als Egerer Sauerbrunnen bezeichnet wurden, erhielten Kurgäste, die sich damals in Eger aufhielten. 1866 war Eger im Laufe des Deutschen Krieges Ziel der sogenannten Lokomotivflucht, bei der mehr als 140 sächsische Lokomotiven und mehr als 1000 Waggons vor dem Zugriff der preußischen Streitkräfte evakuiert wurden.

Österreichische Geographen errechneten zur Zeit des Kaiserreiches den 939 Meter hohen Tillen in der Nähe Egers, unmittelbar an der Grenze zu Bayern, als den geographischen Mittelpunkt Europas und dokumentierten dies auf einer Kupferplatte auf dem Gipfel. Nach aktuelleren Berechnungen liegt der Mittelpunkt Europas jedoch nördlich von Vilnius in Litauen.

Während der k.k. Monarchie war Eger Garnisonsstadt. 1914 lagen dort das IV. Bataillon des Böhmischen Infanterieregiments „Albrecht von Württemberg“ Nr. 73 und das k. k. Landwehr-Infanterie-Regiment „Eger“ Nr. 6.

Am 21. Oktober 1918 bildeten die deutschen Abgeordneten des österreichischen Reichsrates eine deutschösterreichische Nationalversammlung. Am 28. Oktober 1918 wurde in Prag die Gründung der Tschechoslowakei proklamiert. Am 11. November 1918 war mit dem Rückzug Karls I. von allen Regierungsgeschäften die Auflösung der Donaumonarchie perfekt. Am 16. Dezember 1918 gegen 12:45 Uhr wurde Eger von 500 Mann des tschechoslowakischen Infanterieregiments 35 aus Pilsen besetzt. Die Stadt ergab sich erst nach der Drohung mit der Beschießung durch Artillerie.

Tschechoslowakische Republik und Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Marktplatz

Am 3. März 1919, einen Tag, bevor am 4. März 1919 anlässlich der in Österreich stattfindenden Wahlen gegen die Zugehörigkeit zur Tschechoslowakei demonstriert wurde, kam es in Eger zu einem Volksaufstand und einer Schießerei mit zwei Toten.

Einen Tag nach der Unterzeichnung des Münchener Abkommens wurde Eger am 1. Oktober 1938 von deutschen Truppen besetzt. Bis 1945 gehörte die Stadt zum Deutschen Reich. Am 3. Oktober besuchte Adolf Hitler die Stadt und wurde dort von der Bevölkerung begeistert empfangen. Am 1. Mai 1939 schied sie aus dem Landkreis Eger aus und bildete einen eigenen Stadtkreis. Ihr wurde gleichzeitig die Gemeinde Matzelbach angegliedert. Eger gab dem westlichen der drei Regierungsbezirke im Reichsgau Sudetenland seinen Namen. Der Amtssitz des Regierungspräsidenten befand sich in Karlsbad.

Ab 1945 gehörte Cheb wieder zur Tschechoslowakei. Der größte Teil der deutschböhmischen Bevölkerung wurde aufgrund der Beneš-Dekrete 1945 enteignet und vertrieben. Nach 1945 zogen viele Neubürger aus Zentral- und Südböhmen, Mähren, tschechische Repatrianten, Slowaken sowie Roma nach Cheb. Diese Neubürger und ihre Nachkommen stellen seither den größten Teil der Einwohnerschaft. 1954 übernahm die Stadt Amberg in Deutschland die Patenschaft für die vertriebenen Sudetendeutschen aus der Stadt und dem Kreis Eger. In der Zeit der deutschen Teilung war Cheb wegen seiner geografischen Nähe zu beiden deutschen Staaten Ort von Familientreffen.

Gegenwart[Bearbeiten]

Seit dem Jahre 2002 ist Cheb Mitglied der Vereinigung Freunde im Herzen Europas. Im Januar 2004 wurden die Urkunden einer Städtepartnerschaft der Stadt Cheb mit der deutschen Stadt Hof unterzeichnet. Auch mit den deutschen Nachbarstädten Waldsassen und Marktredwitz bestehen seit dem Fall des Eisernen Vorhangs freundschaftliche Beziehungen. Im Sommer 2006 veranstaltete Cheb zusammen mit Marktredwitz die Grenzenlose Gartenschau 2006 Marktredwitz - Cheb/Eger. In der Stadt gibt es ein tschechisch-deutsches Begegnungszentrum. Die Stadt führte 2009/10 vor dem Verwaltungsgericht Regensburg mit Deutschland einen Rechtsstreit wegen eines Stadtwaldes auf bayerischem Gebiet.[6][7]

Die Stadt war bis 2003 Verwaltungssitz des Okres Cheb.

Am 11. September 2010 wurde in Cheb in Anwesenheit von 3000 Menschen eine Kriegsgräberstätte mit 5600 deutschen Toten eingeweiht, von denen 473 Zivilisten waren.[8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1910 hatte Eger 26.694 Einwohner, davon 23.038 Deutsche des K.u.k. Reichs, 3.519 Reichsdeutsche (überwiegend Eisenbahner und deren Familien), 133 Tschechen und 4 Sonstige[9]
  • 1930 hatte Eger 31.403 Einwohner, davon waren 27.791 Deutsche, 3.493 (11 %) Tschechen und 119 Sonstige.[10]
  • 1945 hatte Eger 45.000 Einwohner
  • 1947, zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs und nach der Vertreibung und Aussiedlung der deutschen Bevölkerung, waren es nur noch 14.533 Einwohner.
  • 1990 hatte die Stadt wieder 29.962 Einwohner und 1837 Häuser.
  • Heute lebt in Cheb auch eine große Bevölkerungsgruppe von Vietnamesen, deren Familien in der Vergangenheit als Gastarbeiter tätig waren und Roma, die nach dem Zweiten Weltkrieg angesiedelt wurden.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Stadtansicht

Die Stadt Cheb gliedert sich in je 19 Katastralbezirke[11] und Ortsteile[12]:

Ortsteile / Name des Katastralbezirkes - wenn abweichend

Grundsiedlungseinheiten sind Bříza, Cetnov, Dolní Dvory, Dřenice, Háje, Horní Dvory, Hradiště-průmyslový obvod, Hrozňatov, Cheb-historické jádro I, Cheb-historické jádro II, Chvoječná, Jesenická přehrada, Jindřichov, Klášterní dvůr (Köstelhof), Klest, Komorní Dvůr (Kammerhof), Loužek, Maškov (Matzelbach), Na Vyhlídce, Nádraží, Nádrž Skalka, Pelhřimov, Pod Horní branou, Pod Chlumečkem, Podhoří, Podhrad, Podhrad-východ, Sídliště Zlatý vrch, Skalka, Slapany (Schloppenhof), Střížov, Svatý Kříž (Heiligenkreuz), Tršnice, U Horní brány, U Hradiště, U Lodní brány, U nádraží, U nemocnice, U stadiónu, U Zátiší, Za klášterem, Za nádražím, Zahrádky, Zátiší-Myslivna und Zlatý vrch.[13]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Romanische Doppelkapelle
2013 errichtete Stauferstele am Eingang zur Kaiserburg

Kaiserburg[Bearbeiten]

Von der in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbauten Kaiserburg Eger ist neben dem Schwarzen Turm und einem Teil des östlichen Burgwalls die romanische Doppelkapelle aus den Jahren 1179 bis 1188 erhalten. Eine achteckige Öffnung stellt die Verbindung zwischen den Geschossen her. Das Obergeschoss weist ein Kreuzrippengewölbe über vier polygonalen Säulen auf. Viele Bauteile sind mit bauplastischem Schmuck versehen. Vor dem Eingang zu Kaiserburg steht eine Stauferstele. Sie wurde am 12. Juli 2013, dem 800. Jahrestag der Goldbulle von Eger enthüllt.[15]

Kirchen und Klöster[Bearbeiten]

St.-Nikolaus-Kirche

Die gotische Franziskanerkirche mit Kloster und Kreuzgang wurde 1285 unter der Teilnahme von Rudolf I. geweiht, nachdem ein Vorgängerbau 1270 abgebrannt war. Der weithin sichtbare hohe Turm wurde jedoch erst im 14. Jahrhundert an die Südseite des Chores angebaut. Der Kreuzgang verfügt über ein gemaltes Gewölbe aus dem 15. Jahrhundert. Insgesamt gelten Kirche, Kloster und Kreuzgang zu den schönsten und am besten erhaltenen Bauten des südwestlichen Stadtkerns, die Innenausstattung verfiel jedoch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit Ausnahme der Klosterbibliothek.

Die ehemalige Klarakirche des Klarissenordens gegenüber wurde 1708 bis 1711 nach einem Plan von Christoph Dientzenhofer errichtet. Sie zählt zu den wertvollsten Barockbauten der Stadt. Die Kirche ist profaniert und wird als Konzertstätte genutzt.

Die Kirche St. Nikolaus (Kostel svatého Mikuláše) wurde im 13. Jahrhundert als dreischiffige Basilika errichtet. Davon blieben das Westportal und der untere Teil des Turms erhalten. Das dreischiffige Langhaus sowie das Presbyterium und die Sakristei stammen aus der gotischen Zeit. Nach dem Brand 1742 wurden zwei Türme mit Barockkuppeln nach einem Entwurf des einheimischen Baumeisters Balthasar Neumann neu errichtet. Nach einem Brand von 1809 erhielt die Kirche eine historistische Inneneinrichtung im neogotischen Stil (Altar, Chorgestühl und Orgel). Bei einem US-amerikanischen Fliegerbombenangriff am 20. April 1945 brannten die Balthasar-Neumann-Kirchtürme ab.

In der Innenstadt befindet sich die gotische Bartholomäuskirche.

Historisches Stadtzentrum[Bearbeiten]

Rolandsstatue

Am Marktplatz, dessen Anlage aus dem 13. Jahrhundert stammt, steht neben dem barocken, aus Geldmangel unvollendeten Rathaus des italienischen Architekten Giovanni Battista Alliprandi und vielen weiteren geschichtsträchtigen Gebäuden auch eine Gruppe von Häusern, die im Kern in die spätgotische Zeit zurückgehen, das so genannte Egerer Stöckl (Špalíček). Dieses Wahrzeichen des Marktplatzes ist ein Komplex von elf bizarr teilweise in Fachwerk ausgeführten Häusern, in denen jüdische Kaufleute wohnten. Nach der ältesten Darstellung aus dem Jahr 1472 gab es ursprünglich drei solcher Häuserblöcke, der Grundriss der beiden anderen Blöcke bleibt bis zur heutigen Zeit nachvollziehbar, doch die verfallene Bausubstanz blieb bei den Restaurierungsarbeiten in den 1960er Jahren nicht erhalten. Auf dem Platz stehen zwei Marktbrunnen, der eine mit einer Herkules-, der andere mit einer Roland-Statue.

Das Grüner-Haus am Marktplatz gehörte dem Geschlecht der Werndls, deren Familienwappen über dem Portal angebracht ist. In diesem Haus weilte Johann Wolfgang von Goethe des Öfteren.

Museum[Bearbeiten]

Das Museum Cheb befindet sich in dem im 15. Jahrhundert erbauten gotischen Bürgerhaus (Pachelbelhaus), in dem Wallenstein am 25. Februar 1634 ermordet wurde. Neben Wallensteins Sterbezimmer und einer Reihe von Reminiszenzen an den Friedländer (zum Beispiel an sein 1632 erschossenes Pferd, Sattel, Reitschuhe und die Partisane, mit der er erstochen wurde) enthält das Museum eine Bildergalerie seiner Familie und zahlreiche Antiquitäten aus bürgerlichem Privatbesitz, darunter ein Sekretär aus dem 18. Jahrhundert und Biedermeier-Mobiliar, sakrale gotische und barocke Skulpturen, Tafelbilder, Keramiken und Ansichtenglas aus Franzensbad. Als wertvollstes Exponat gilt das Egerer Antependium, eine romanische Stickerei aus dem ehemaligen Klarissen-Kloster. Zum Museum gehört ferner eine Dokumentation über die 20 grenznahen Dörfer im Egerland, die infolge der Vertreibung nach 1945 aufgegeben wurden.

Gedeckte Brücke über die Eger

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Eisenbahn[Bearbeiten]

Der Bahnhof Cheb ist ein regionaler Eisenbahnknoten. Ursprünglich wurde er zwischen den Strecken der Actiengesellschaft der bayerischen Ostbahnen, der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen und der Voigtländischen Staatseisenbahn errichtet und von der Egerer Bahnhofsgemeinschaft betrieben, die bis zum Zweiten Weltkrieg bestand. Die bayerischen und sächsischen Anteile hatte die Deutschen Reichsbahn übernommen. Der Bahnhof wurde auch von deutschen Schnellzügen im Binnenverkehr genutzt, die den Fahrtweg über tschechoslowakisches Gebiet abkürzten, um Umsteigeverbindungen zu den nahen Badeorten anbieten zu können. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Tschechoslowakische Staatsbahn den Bahnhof, der nach wie vor ein wichtiger Grenzübergang nach Bayern und Sachsen ist. Direktverbindungen gibt es derzeit ab Nürnberg mit schnellen Regional Express Neigetechnikzügen der DB Regio AG. Die Vogtlandbahn verkehrt ab Marktredwitz und bedient zwischen Marktredwitz und Cheb alle Zwischenhalte. In Cheb hält der SC Pendolino der Linie Bohumín–Ostrava–Prag–Pilsen–Františkovy Lázně; es gibt weitere Direktverbindungen nach Nürnberg und Plauen in Deutschland und Košice (Slowakei).

Bahnlinien[Bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Cheb ist über die Schnellstraße R6 nach Prag an das tschechische Schnellstraßennetz angebunden. Über die Europastraßen E48 (Bayreuth–Prag) und E49 (Magdeburg–Wien) und insgesamt fünf Straßengrenzübergänge sind die deutschen Bundesländer Bayern und Sachsen auf Bundesstraßen zu erreichen.

Luftverkehr[Bearbeiten]

Der Flughafen Cheb (ICAO: LKCB, IATA: -) ist der älteste Flughafen in Tschechien. Er wurde 1918 erbaut. Seit 2010 ist er für zivile Inlandsflüge wiedereröffnet.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Cheb ist Standort der Fakultät für Ökonomie der Westböhmischen Universität in Pilsen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Kaspar Schlick (* um 1396, † 1449), als Kanzler dreier Könige und Reichskanzler unter Kaiser Sigismund eine der politisch bedeutendsten Persönlichkeiten der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts
  • Johannes Widmann (um 1460, † nach 1498), deutscher Mathematiker
  • Johannes Sylvius Egranus (Johannes Wildenauer) (* um 1480-1553), deutscher Theologe, Humanist und Reformer, befreundet mit Martin Luther
  • Michael Heuffner (1483–1511), deutscher Bildhauer und Maler
  • Balthasar Brusch (* 24. Juni 1512, † 1589), deutscher Buchbinder und Buchhändler, Verfasser einer Stadtchronik und einer Familienchronik
  • Johann Habermann (* 10. August 1516, † 1590), deutscher lutherischer Theologe und Erbauungsschriftsteller
  • Johann Adam Schertzer (* 1. August 1628, † 1683), deutscher protestantischer Theologe
  • Johann Brusch von Neiberg (* 15. Dezember 1666, † 1742), deutscher römisch-katholischer Jurist und Syndicus der Stadt Eger
  • Balthasar Neumann (* 27. Januar 1687, † 1753), deutscher Baumeister des Barock
  • Bernhard Adler (* 12. September 1753, † 1810), deutsch-böhmischer Arzt und Begründer des Kurortes Franzensbad bei Eger
  • Lorenz Johann Adam Köstler von Stromberg (* 7. Januar 1807, † 1888), Brunnenarzt und Ehrenbürger von Franzensbad und Eger
  • Joseph Sebastian Grüner (* 16. Februar 1780, † 1864), Polizeirat und Heimatforscher des Egerlandes
  • Adam Wolf (* 12. Juli 1822, † ?), österreichischer Historiker
  • Heinrich Gradl (* 13. Februar 1842, † 1895), deutscher Historiker, Stadtarchivar von Eger
  • Joseph Ulbrich (* 23. Oktober 1843, † 1910), österreichischer Staatsrechtler
  • Karl Hermann Wolf (* 27. Januar 1862, † 1941) Journalist und deutschnationaler Politiker
  • Albin Dötsch (* 27. Oktober 1872, † unbekannt), österreichischer Politiker (SDAP)
  • Karl Wilfert (* 17. Februar 1879, † 17. Januar 1932), deutscher Bildhauer
  • Hugo Zuckermann (1881–1914), deutsch-jüdischer Schriftsteller
  • Adolf Mayerl (* 28. August 1884, † 1954), deutscher Bildhauer und Keramik-Künstler
  • Johannes Watzal (* 22. Februar 1887, † ?), deutscher Bildhauer
  • Hans Hermann Adler (* 7. April 1891, † 1956), deutscher Zeitungswissenschaftler, Professor (Universität Heidelberg)
  • Rudolf Serkin (* 28. März 1903, † 8. Mai 1991), US-amerikanischer Pianist russisch-jüdischer Herkunft
  • Adolf Scherbaum (* 23. August 1909, † 2. August 2000), deutscher Trompeter
  • Wilhelm Jobst (* 27. Oktober 1912, † 28. Mai 1947) deutscher Mediziner und SS-Hauptsturmführer
  • Helmut Lederer (* 8. August 1919, † 11. Februar 1999), deutscher Bildhauer und Fotograf
  • Josef Weidl (1915–1972), Bildhauer
  • Erich Riedl (* 23. Juni 1933), deutscher CSU-Politiker, Mitglied des Deutschen Bundestages
  • Gerd Wolf (* 11. November 1933), deutscher Physiker
  • Kurt Sieber (* 20. Juni 1936), deutscher FDP-Politiker
  • Peter Glotz (* 6. März 1939, † 25. August 2005), deutscher SPD-Politiker, Publizist und Medienwissenschaftler, Mitglied des Deutschen Bundestages
  • Elisabeth Wicki-Endriss (* 1944), deutsche Schauspielerin, Witwe von Bernhard Wicki
  • Otmar Seidl (* 30. Oktober 1944), deutscher Internist, Psychoanalytiker und Soziologe
  • Daniela Kolářová (* 21. September 1946), tschechische Schauspielerin
  • Zdenka Becker (* 1951), tschechoslowakisch-österreichische Schriftstellerin
  • Pavel Nedvěd (* 30. August 1972), tschechischer Fußballnationalspieler
  • Martin Fenin (* 16. April 1987), tschechischer Fußballnationalspieler

Im Ort wirkten[Bearbeiten]

  • Rüdiger von Sparneck (~1300–1364/1368), Burggraf von Eger
  • Nikolaus Medler (1502–1551), deutscher Theologe, Reformator und Mathematiker
  • Kaspar Brusch (1518–1559), deutscher Humanist, Hofpfalzgraf, mit der Dichterkrone gekrönter Poet und Geschichtsforscher, ging in Eger zur Schule
  • Abraham Leuthner (ca. 1639–1701), Maurer- und Baumeister, baute Dominikanerkirche und Kloster in Eger um
  • Johann Franz Loew von Erlsfeld (1648–1725), deutsch-böhmischer Arzt und Jurist, Rektor der Karls-Universität Prag, ging in Eger zur Schule
  • Karl Huss (1761–1836), Scharfrichter, Heilkundiger und Sammler
  • Andreas Buberl (1832–1907), deutscher Militärarzt, Kurarzt, Volkstumsforscher, Ehrenbürger von Eger und Franzensbad
  • Michael Müller (1849–1914), deutscher Arzt und Heimatkundler
  • Karl Siegl (1851–1943), Historiker, deutscher Stadtarchivar und Museumsleiter
  • Mira Mladejovska (1895–1969), tschechische Museums- und Archivleiterin
  • Heribert Sturm (1904–1981), deutscher Stadtarchivar und Museumsleiter
  • Vojtěch Cach (1914–1980), tschechischer Schriftsteller und Dramatiker
  • Adolf Fischer (* 1925), deutscher Familien- und Ortsgeschichtsforscher, ging in Eger zur Schule

Literatur[Bearbeiten]

  • Eger (tschech. Cheb). In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 5, Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1892, S. 328.
  • Emanuel Poche: Böhmen und Mähren. Kunstdenkmäler in der Tschechoslowakei. Hrsg. v. Reinhardt Hootz. Bd 2. Deutscher Kunstverlag, München-Berlin 1986. ISBN 3-422-00377-0
  • Jaromír Boháč, Jiří Strádal: Cheb (Eger) im Spiegel der Zeit. Město Cheb, Cheb 2003 (Deutsch, englisch, tschechisch).
  • Heinrich Giegold: Tschechen und Deutsche - Die Geschichte einer Nachbarschaft. Frankenpost, Hof 1993, 51997.
  • Anton Grassold: Beschreibung der alten Burg zu Eger in der Google-Buchsuche, Eger: Kobetsch 1831
  • Heimatkreis Eger - Geschichte einer deutschen Landschaft in Dokumentationen und Erinnerungen. Herausgeber: Egerer Landtag e.V. Heimatverband für Eger, Stadt und Land mit umfangreiche Beiträgen zur Entwicklung der Stadt Eger, Ortsbeschreibungen des umgebenden Egerlandes, und mit Kartenübersichten im Anhang, Seite 1 bis 568, Amberg in der Oberpfalz 1981
  • Denkmäler im Egerland - Dokumentation einer deutschen Kulturlandschaft zwischen Bayern und Böhmen. Herausgegeben von Lorenz Schreiner, unter Mitwirkung des Staatsarchives in Cheb/Eger unter J.Bohac sowie von Viktor Baumgarten, Roland Fischer, Erich Hammer, Ehrenfried John und Heribert Sturm mit reichhaltiger Bebilderung und weiterführenden, umfangreichen Literaturhinweisen, Seite 1 bis 848, Amberg in der Oberpfalz, 2004
  • Rudolf Sitka: Die Gnadenorte der Sudetenländer. Wallfahrtsort Kinsberg (vulgo: Loretto), (Stary Hroznatov) bei Eger/Cheb, Seite 56, Heimatverlag Renner, Kempten (Allgäu) 1954

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cheb – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Cheb – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/554481/Cheb
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  3. Antonín Profous: Místní jména v Čechách : Jejich vznik, původ, význam a změny. Bd. II., CH-L. Česká akademie věd a umění, Praha 1949.
  4. a b Karlheinz Hengst: Warum heißt Eger als Fluss tschechisch Ohře und als Stadt Cheb? In: Erzgebirgische Heimatblätter 35(2013)1, S. 3–5, ISSN 0232-6078
  5. Ernst Theodor Gaupp: Deutsche Stadtrechte des Mittelalters, mit rechtsgeschichtlichen Erläuterungen. Erster Band: Die Stadtrechte von Straßburg, Hagenau, Molsheim, Colmar, Annweiler, Winterthur, Landshut in Bayern, Regensburg, Nürnberg, Eger, Eisenach und Altenburg. Breslau 1851, S. 182-193 online.
  6. Tschechien Aktuell: Klage gegen Deutschland. Prager Zeitung. Abgerufen 17. November 2009
  7. Stadtwald von Eger Die Zeit des Kalten Krieges ist vorbei. Süddeutsche Zeitung. Abgerufen 6. Januar 2011
  8. Martin Dodenhoeft:Und warum sind Sie hier? Gespräche auf der Kriegsgräberstätte in Cheb. Stimme und Weg 4/2010, S. 10-11 (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge)
  9. Dr. Josef Hemmerle, Edgar Pscheidt u.a.: Eger, ehemals eine freie Reichsstadt. Amberg, 1986, S. 132, Katalog zur Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg, dem Stadtarchiv München und dem Sudetendeutschen Archiv München.
  10. dieselbe Quelle wie für das Jahr 1910 auf derselben Seite
  11. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/554481/Obec-Cheb
  12. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/554481/Obec-Cheb
  13. http://www.uir.cz/zsj-obec/554481/Obec-Cheb
  14. Susanne Sodan: Neuer Glanz für Sidonies Burg, Sächsische Zeitung, Freital, 30. August 2013, S. 8 und Neuer Glanz für die Burg der Königstochter Sidonie, Freie Presse, Freiberg, 30. August 2013, S. 10.
  15. Stauferstele Cheb auf stauferstelen.net mit historischen Hintergrundinformationen. Abgerufen am 22. März 2014.