Chefchaouen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Stadt; für die Provinz siehe Chefchaouen (Provinz)
Chefchaouen
Wappen fehlt
Hilfe zu Wappen
Chefchaouen (Marokko)
Chefchaouen
Chefchaouen
Basisdaten
Staat: Marokko
Region: Tanger-Tétouan
Provinz: Chefchaouen (Provinz)
Koordinaten 35° 10′ N, 5° 16′ W35.171388888889-5.2697222222222570Koordinaten: 35° 10′ N, 5° 16′ W
Einwohner: 35.709 (2004[1])
Höhe: 570 m
Blick auf Chefchaouen vom Tal
Blick auf Chefchaouen vom Berg
Zentraler Platz und Altstadt
Blaugetünchte Häuser, im Hintergrund das Minarett der Moschee der Andalusier
Gassen der Altstadt
Garten in der Kasbah
Touristisches

Chefchaouen, Chaouen oder Xauen (arabisch ‏ شفشاون‎, DMG-Umschrift Šafšāw(a)n, Aussprache (IPA) ʃəfˈʃɑˑwən) ist eine nordmarokkanische Stadt mit etwa 40.000 Einwohnern in der gleichnamigen Provinz in der Region Tanger-Tétouan. Zusammen mit anderen Regionen des Mittelmeerraumes ist die traditionsreiche Küche der Stadt im Jahr 2013 als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit durch die UNESCO anerkannt worden.[2]

Name[Bearbeiten]

Der Name Accawen bedeutet im Tamazight „Die Hörner“ und bezieht sich auf die zwei Bergspitzen, welche von der Stadt aus zu sehen sind. Chaouen ist eine nichtoffizielle Kurzform des Stadtnamens, aus der die spanische Form Xauen entstand. Dieser Name taucht in den Dokumenten des spanischen Protektorates Marokko auf. In jüngerer Zeit wird im Spanischen häufiger die Form Chauen verwendet, die aus der französischen Form Chaouen entstand.

Lage[Bearbeiten]

Chefchaouen liegt in den südlichen Ausläufern des Rif-Gebirges in einer Höhe von etwa 560 bis 600 m ü. d. M. etwa 62 km (Fahrtstrecke) südlich von Tétouan bzw. etwa 112 km südöstlich von Tanger.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

Die große Moschee von Chefchaouen „El Masjid El Aadam“ ließ der Stadtgründer Moulay Ali Ben Moussa Ben Rached El Alami im Jahr 1471 (islamischer Zeitreichnung: 969) errichten. Sie dient neben Gottesdiensten auch als Ausbildungsstätte für Religion und Humanismus. Moulay Ali Ben Moussa Ben Rached El Alami kam aus Al-Andalus, um Marokko gegen die Portugiesen zu verteidigen. Das Jahr 1471 gilt auch als Stadtgründungsjahr; zu der Zeit lebte dort eine kleine, hauptsächlich berberische Bevölkerung. Einen großen Einwohnerzustrom ereilte die Stadt 1492. Aus Spanien ausgewiesene Muslime und Juden (Alhambra-Edikt der Katholischen Könige) wanderten zu. Dieser „Boom“ prägt heute noch die Architektur der Altstadt: Wie in andalusischen Dörfern gibt es kleine Gassen zwischen weiß getünchten Häusern und unregelmäßige Abgrenzungen, häufig mit Schattierungen von Blau (gegen den bösen Blick). Chefchaouen wurde in einem kleinen Tal errichtet und die Altstadt erstreckt sich bergauf. Auf den Anhöhen in dieser Richtung befinden sich die Quellen von Ras al-Ma und die restaurierte Moschee Jemaa Bouzafar. Das Stadtzentrum bilden die Plaza Uta al-Hammam, die Zitadelle. Die Moschee der Andalusier hat nur ein Minarett und einen achteckigen Grundriss. Die neue Stadt wurde unterhalb der Altstadt (Medina) von Chefchaouen gebaut.

Heilige Stadt[Bearbeiten]

Chefchaouen galt über Jahrhunderte als heilige Stadt, die Ausländern unter Androhung der Todesstrafe versperrt war; dies hat dazu beigetragen, dass in ihr mittelalterliche Architektur erhalten blieb. Dass sich die städtische Struktur dynamisch ändert, ist eine neue Erscheinung.

Beginn des Protektorates[Bearbeiten]

Spanische Truppen setzten die Öffnung Chefchaouens durch, als sie Nordmarokko unter ihre Kontrolle zwingen wollten. Ein Protektorat sollte entstehen, welches 1906 auf der Algeciras-Konferenz kodifiziert wurde. Als die spanischen Protektoratstruppen nach Chefchaouen kamen, hatte die Stadt eine erheblich sephardisch jüdische Bevölkerung, welche judeoespañol sprach. Chefchaouen war Hauptbasis der spanischen Protektortasarmee. Im Jahr 1956 wurde hier die letzte spanische Flagge des Protektorates eingeholt. Wie in anderen Städten im Bereich des ehemaligen spanischen Protektorates ist auch in Xauen kastilisch noch verbreitet.

Abd el-Krim in Haft[Bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg fachte Walter Zechlin (1879–1962), Konsul des Deutschen Reichs in Tétouan, in Französisch-Marokko antikoloniale Bestrebungen an und verhandelte mit Mohamed Abd el-Krim. Zechlin wurde 1917 nach Madrid versetzt und Abd el Krim kam von 1916 bis 1917 in Haft der spanischen Schutztruppe; er wurde in der Alcazaba von Chefchaouen festgesetzt.

Rifkrieg[Bearbeiten]

Im Rifkrieg wurde Chefchaouen − in Vorbereitung auf den Senfgaseinsatz − im Jahr 1924 vollständig geräumt[3]. Im November 1925 bombardierte die Flugstaffel Escadrille Cheériffian unter der Leitung von Charles Sweeney, eines US-Piloten aus der Lafayette Escadrille, Chefchaouen. Als die Bombardierung bekannt wurde, zog die französische Regierung unter Aristide Briand und Édouard Herriot, die Escadrille Cheériffian ab[4].

Tourismus[Bearbeiten]

Nach Anfängen durch die Hippies in den 1960er und 1970er Jahren ist Chefchaouen heute ein Touristenzentrum mit Hotels, Pensionen, Restaurants, Shops etc.. Der Konsum von Haschisch ist dagegen deutlich zurückgegangen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die gesamte Altstadt mit ihren reizvollen engen Gassen, kleinen Plätzen, blau- und weißgetünchten Häusern lädt zum Spazieren ein. Die blaue Farbe soll angeblich vor dem Bösen Blick schützen.
  • Die aus Stampflehm erbaute Alcazaba mit ihrem Garten kann besichtigt werden. Ihre Räume beherbergen einige Ausstellungsstücke zur Geschichte und Kultur der Stadt.
Umgebung
  • Etwa 1,5 km außerhalb und ca. 150 m oberhalb des Ortes liegt die inzwischen restaurierte Moschee Jamaa Bouzzafer, die während des Rifkabylen-Aufstands entstand und hauptsächlich als Versteck und Beobachtungsposten diente. Von hier bieten sich schöne Blicke auf die Stadt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Chefchaouen ist mit folgenden Städten partnerschaftlich oder freundschaftlich verbunden:

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chefchaouen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsstatistik Marokko
  2. Chefchaouen, UNESCO-Welterbe
  3. Alejandro del Valle, Jesús Verdú España y Marruecos p. 79
  4. Weider History Group, Rif War
  5. www.anmp.pt