Chemin de Fer du Vivarais

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Billard-Triebwagen 314 bei Colombier-le-Vieux

Der Chemin de Fer du Vivarais, abgekürzt CFV, war eine Museumseisenbahn in Frankreich - der Museumsbahnbetrieb wird nun von der SNCFV (Société Nouvelle du Chemin de Fer du Vivarais) fortgeführt. Von Tournon im Rhonetal führte die meterspurige Strecke durch die imposante Schlucht des Doux nach Lamastre. Zwischen 1969/70 und 2008 verkehrten mit Dampflokomotiven bespannte Züge und Dieseltriebwagen (Autorails), die Dampfzüge wurden meist mit Mallet-Dampflokomotiven bespannt. Die Streckenlänge betrug 33 Kilometer, die Fahrt dauerte etwa zwei Stunden bei Dampftraktion und circa eine Stunde mit dem Triebwagen. Der Museumsbetrieb wurde von April bis Oktober durchgeführt. Bemerkenswert war das Dreischienengleis zwischen dem Bahnhof Tournon und dem Abzweig Saint-Jean-de-Muzols, das in zwei Tunnel (640 und 40 Meter) den Ortsrand unterquerte und auf einem 165 Meter langen Eisenviadukt über den Fluss Doux führte. Bei der für Sommer 2013 geplanten Wiedereröffnung der Bahn soll dieses Teilstück nicht mehr von den Museumszügen befahren werden. Neuer östlicher Endpunkt der Strecke wäre dann Saint-Jean-de-Muzols.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Bahnstrecke von Tournon über Lamastre wurde am 12. Juli 1891 von der Compagnie de chemins de fer départementaux (CFD) eröffnet und 1903 bis Le Cheylard verlängert. In Tournon entstanden ein Gemeinschaftsbahnhof mit der Compagnie des chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée (PLM) und auf 2,2 Kilometern Länge ein gemeinschaftlich genutztes Dreischienengleis. Am 31. Oktober 1968 wurde die Gesamtstrecke stillgelegt, am 14. Juni 1969 begann der touristische Verkehr zwischen Lamastre und Saint-Jean-de-Muzols. Ab Februar 1970 wurde wieder bis zum Bahnhof Tournon gefahren.

Offiziell wurde der Museumsverkehr auf der Strecke Tournon–Lamastre am 18. April 1970 eröffnet. 1973 wurden die Gleise, Bahnhöfe und Fahrzeuge vom CFV erworben. 2004 wurde der Betreiber zu einer „Gemischtwirtschaftlichen Gesellschaft“ und in CFTM umbenannt, mit dem Département Ardèche als Mehrheitsaktionär.

Strecke[Bearbeiten]

Ausgangspunkt war der Bahnhof Tournon, der gemeinsam mit der PLM und deren Nachfolger SNCF betrieben wurde. Hier befand sich das Bahnbetriebswerk. In nördlicher Richtung verlief die Bahn auf einem Dreischienengleis, das zugleich das nördliche Richtungsgleis der Hauptbahn (Linksverkehr) darstellte. Nach der Brücke über den Doux zweigte das Schmalspurgleis nach Westen ab und folgte im weiteren Verlauf dem Tal des Flusses. Die Strecke wies mehrere gemauerte Brücken, Einschnitte und bei Mordane einen weiteren, 265 Meter langen Tunnel auf. Von Tournon (123 m über NN) bis Lamastre (373 m über NN) wurde ein Höhenunterschied von 250 Metern überwunden.

Stationen[Bearbeiten]

Bahnhof Lamastre
Mallet-Lokomotive Nr. 403 in Boucieu-le-Roi, 1975
Zug mit Mallet-Lokomotive Nr. 413 im Bahnhof Tournon
  • Tournon-sur-Rhône (km 0,0; 123 m über NN)
  • Saint-Jean-de-Muzols (km 2,6)
  • Troyes (km 7)
  • Mordane (km 9)
  • Clauzel (km 11)
  • Colombier-le-Vieux–Saint-Barthélemy-le-Plain (km 13)
  • Boucieu-le-Roi (km 18,5; 276 m über NN)
  • Tincey (km 19)
  • Arlebosc (km 22)
  • Le Garnier (km 24)
  • Le Plat-Empurany (km 26,1)
  • Lamastre (km 32,6; 373 m über NN)

Krise 2008[Bearbeiten]

Vierzig Jahre nach der Rettung des Teilstücks Tournon - Lamastre vor der Stilllegung stand die Bahn vor einer weiteren Krise: seit 2008 fand kein Fahrbetrieb statt, es stand keine betriebsbereite Dampflok zur Verfügung und die Strecke wies Sicherheitsmängel auf.[1] Größtes Problem hierbei war die Mitbenutzung der normalspurigen Rhone-Strecke der SNCF mittels Dreischienengleis. Diese Strecke weist nur Transitgüterverkehr auf und dessen Betreiber möchten die Fahrplantrassen der Schmalspurbahn für ihre Züge nutzen.

Zukunft[Bearbeiten]

Am 18. Februar 2011 haben das Département Ardèche und der neue Betreiber die Société Nouvelle du Chemin de Fer du Vivarais, abgekürzt SNCFV, eine Vereinbarung über den Weiterbetrieb als Museumsbahn unterzeichnet. Die Société Nouvelle du Chemin de Fer du Vivarais wurde vom Reiseveranstalter Kléber Rossillon und dem Reisebusunternehmen Courriers Rhôdaniens gegründet. Geplant ist ein Investitionsvolumen von 13 Millionen Euro.[2] Der bisherige Haltepunkt Saint-Jean-de-Muzols, unmittelbar vor Einmündung in die SNCF-Hauptstrecke bei Tournon mit dem problematischen gemeinsamen Dreischienenbetrieb, soll zum Endbahnhof ausgebaut werden. Im Sommer 2011 wurde auf einem 12 Kilometer langen Abschnitt ein Fahrraddraisenenverkehr eingerichtet. Dabei kommt der Billard Triebwagen 213 zum Einsatz. Er bringt die Draisinen wieder an ihren Anfangspunkt.[3] Ab 2013 soll es wieder dampflokbespannte Züge geben, sie sollen zwischen Saint-Jean-de-Muzols und Boucieu-le-Roi verkehren.[4] Der Dampfbetrieb soll 2013 mit den Mallet-Lokomotiven 403 (aus dem Jahr 1903) und 414 (1932) durchgeführt werden. Im Juli und August 2013 will man täglich außer montags, im September und Oktober an den Wochenenden fahren.[5] Die erste öffentliche Testfahrt fand am 19. Juni 2013 statt, die feierliche Inbetriebnahme soll am 2. Juli erfolgen.[6]

Der bisherige Endbahnhofs Tournon-sur-Rhône wird aufgegeben - die dort vorhandene Fahrzeug- und Ersatzteilsammlung wurde größtenteils abgeholt und auf die verbleibenden Bahnhöfe der Strecke verteilt [7]. Die überdachte Abstellanlage neben dem Lokschuppen in Tournon und die darunter abgestellten 12 historischen Fahrzeuge wurden am 09.April 2014 gegen 18:45h durch ein Feuer teilweise oder vollständig zerstört [8]. Die schmalspurigen Gleisanlagen im Bahnhofsbereich sind teilweise schon demontiert, einige mit Planen wetterfest konservierte vierachsige Wagen warten noch auf ihre Abholung. [9].

Trivia[Bearbeiten]

Im November 1942 wurde das Gebiet der Unbesetzten Zone von den deutschen Truppen okkupiert. Die Besatzer durchsuchten die Fahrgäste im Endbahnhof Tournon, weshalb Passagiere mit Waren für Schwarzmarkt schon vorher ausstiegen. Dies brachte dem kleinen Bahnhof Saint-Jean-de-Muzols bis 1944 hohe Zahlen an ein- und aussteigenden Personen.

Galerie[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pressemitteilung vom April 2008
  2. http://ortferroviaire.canalblog.com/archives/2011/02/20/20441318.html
  3. Vélorail en Ardèche
  4. http://finance.groups.yahoo.com/group/europeanrail/message/26668
  5. Eisenbahn Magazin 7/2013, Alba Verlag, Düsseldorf
  6. Le Dauphiné: Le train Ardèche est reparti, 5 ans après 19. Juni 2013
  7. siehe Bilder hier vom September 2013: [1]
  8. Feuerwehr-Magazin (französisch): [2]
  9. Ortsbesichtigung 21.Juni 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chemins de fer du Vivarais – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien