Chemin des Dames

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Der Chemin des Dames (deutsch: Damenweg) ist ein markanter Höhenzug im Dreieck der Städte Laon, Soissons und Reims im Norden Frankreichs. Er verläuft in Ost-West Richtung nördlich des Aisnetals. Dem Höhenzug folgt die Départementstraße 18. Diese ist über die Route Nationale (RN) 2 (Soissons-Paris) und die RN 44 Richtung Reims zu erreichen.

Chemin des Dames D18 bei Hurtebise

Namen[Bearbeiten]

Der Name Chemin des Dames stammt aus der Zeit Ludwig XV., der in dieser Gegend das Jagdschloss Chateau de Bove besaß. Die an den Jagdgesellschaften teilnehmenden Männer jagten in den Tälern und an den Hängen, während die Frauen den auf dem Höhenzug verlaufenden Weg zum Schloss bevorzugten.

Geschichte[Bearbeiten]

Unterführung des Canal de l’Oise à l’Aisne

1890 wurde der Canal de l’Oise à l’Aisne (dt: Oise-Aisne-Kanal) eröffnet. Er führt in einer Länge von 2364 m unter dem Chemin des Dames hindurch. Der südliche Tunneleingang ist bei Braye-en-Laonnois zu finden.

Napoleonische Kriege[Bearbeiten]

Napoleondenkmal, Plateau de Californie

Wegen der strategisch exponierten Lage (auf dem Weg nach Paris) war diese Gegend wiederholt Schauplatz von kriegerischen Auseinandersetzungen. Am 7. März 1814 gelang Napoleon I. unter großen Verlusten ein letzter Sieg über die verbündeten preußischen und russischen Truppen in der Schlacht bei Craonne. 100 Jahre später wurde ein Denkmal an der umkämpften Hurtebise-Ferme errichtet. Eine weitere Napoleonstatue aus den 1870er Jahren markiert den Beobachtungsstandort des Generals.

Erster Weltkrieg 1914–1918[Bearbeiten]

Nach dem Rückzug von der Marne bezogen die deutsche 1. und 2. Armee am 12./13. September 1914 eine Auffangstellung am Nordufer des Flusses Aisne und dem ihn überragenden Höhenzug des Chemin des Dames. Obwohl zwischen beiden deutschen Armeen zunächst eine Lücke klaffte, gelang den sie verfolgenden britischen Einheiten der Durchbruch über den Höhenkamm nicht. Das nach der Belagerung und dem Fall der Festung Maubeuge herbei eilende VII. Reserve-Korps schloss die Lücke und damit die Front, welche bis 1917 zwischen Craonne und Cerny auf dem Kamm und zwischen Cerny und der Aisne in einem Bogen unterhalb des Bergrückens verlief. Dutzende von Tunneln und ausgebauten Grotten entstanden und boten den sich gegenüberliegenden Truppen sicheres Quartier. In einem unterirdischen Steinbruch bei Hurtebise, der Drachen-Höhle zwischen Craonne und Cerny, errichten die Deutschen ab 1915 einen Gefechtsstand mit Verbandsplatz und Schlafstellen für ein ganzes Bataillon. Nach der Frühjahrsoffensive 1917 und bis zum Rückzug der Deutschen auf das nördliche Ufer der Ailette lagen sich in dieser unterirdischen Festung die feindlichen Truppen nur durch eine Mauer getrennt gegenüber. Der deutsche Name „Drachen-Höhle“ wurde von den Franzosen nach dem Krieg übernommen. Die Höhle wurde später touristisch erschlossen, und heute ist dort ein Museum eingerichtet.

Museum Caverne du Dragon

Im April 1917 begann die Schlacht an der Aisne. Die logistisch vorzüglich geplante, aber den Gegner völlig unterschätzende französische Offensive des General Nivelle endete in einem katastrophalen Misserfolg, der umfangreiche Meutereien in der französischen Armee auslöste. Erst im Oktober konnten die französischen Truppen den westlichen Teil des Höhenzuges einnehmen; die Deutschen zogen sich nach Norden zurück und behielten diese Stellung bis zum Beginn ihrer Frühjahrsoffensive am 27. Mai 1918.

Der Höhenzug Chemin des Dames gehört zu den stark umkämpften Regionen der Westfront im Ersten Weltkrieg (Zone rouge); auf wenigen Quadratkilometern fand eine der blutigsten Materialschlachten des gesamten Krieges statt.

Spuren des zerstörten Dorfes Craonne

Die meisten Dörfer im Umkreis des Chemin des Dames waren bei Kriegsende vollständig zerstört. Viele wurden in einer internationalen Hilfsaktion wieder aufgebaut. Das Dorf Craonne war so stark zerstört, dass es nach dem Krieg nicht mehr wieder aufgebaut wurde, sondern unter dem Namen Nouveau Craonne in der Nähe neu erbaut wurde.

Wegen der geringen militärischen Erfolge und der enorm hohen Verluste am Anfang der Offensive kam es zu Meutereien in der französischen Armee. Der deutschen Seite kam ihre Tragweite und die sich daraus ergebende Chance nicht zu Bewusstsein. Während dieser Meutereien entstand das sog. Chanson de Craonne.

Deutscher und französischer Soldatenfriedhof, Cerny-en-Laonnois.

Über diese Schlacht schrieb 1930 der französische Schriftsteller Gabriel Chevallier den Roman Heldenangst.[1] Darin beschreibt er schonungslos, realitätsnah und stilistisch brillant seine persönlichen Fronterlebnisse ohne jedes Heldenpathos.

Zweiter Weltkrieg 1940[Bearbeiten]

Auch im Zweiten Weltkrieg war der Damenweg während des Westfeldzugs 1940 hart umkämpft. Anfang Juni 1940 setzten sich dort französische Einheiten fest und konnten für mehrere Tage einen Sperriegel gegen die deutschen Angreifer bilden. Zwei französische Panzerbataillone unternahmen vom Chemin des Dames aus einen Vorstoß in Richtung Laon. Den Panzern war es bereits gelungen, zwischen Vauxaillon und Pinon in die Flanke einer deutschen Infanteriedivision zu stoßen, als sie von Stukas in einem Wäldchen fast aufgerieben wurden. Nur wenige französische Panzer schafften es in der Nacht zum 6. Juni wieder zu den eigenen Linien.[2] Den deutschen Truppen gelang um den 5. Juni der Durchbruch über den Damenweg.

Museen und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Verschiedene Displays auf Wanderwegen und zahlreiche Soldatenfriedhöfe verschiedener Nationen veranschaulichen die Schlachten um den Chemin des Dames. In dem unterirdischen Steinbruch „Drachenhöhle“ (Caverne du Dragon) wird das Elend des Soldatenlebens im Ersten Weltkrieg museal veranschaulicht.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gabriel Chevallier: Heldenangst, Erlebnisse eines Frontsoldaten am Chamin des Dames. Erstveröffentlichung: 1930, zurückgezogen: 1938, Wiederveröffentlicht: 2008 bei le diletante, Paris. Deutsche Erstveröffentlichung: 2010 bei Nagel & Kimche im Carl Hanser Verlag, München, ISBN 978-3-312-00441-6
  2. Der II. Weltkrieg – Schritt über die Grenze (Teil 2), Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching 1989, S. 338, ISBN 3-88199-536-6

Weblinks[Bearbeiten]