Chemins de Fer de Provence

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Ehemaliger Endbahnhof Gare du Sud in Nizza, 1982

Die Chemins de Fer de Provence (CP / C.P.) ist eine meterspurige Schmalspurbahn von Nizza (französisch: Nice) nach Digne-les-Bains (vor 1988: Digne) in Südfrankreich. Die gleichnamige Bahngesellschaft existierte von 1925 bis 1972, das Logo wurde von der Nachfolgegesellschaft CFTA beibehalten.

Die Strecke gehört dem französischen Staat, jedoch nicht zum staatlichen Betreiber des französischen Schienennetzes Réseau ferré de France (RFF). Aktuell wird die Bahn von der "Compagnie ferroviare du Sud-France" (CFSF) betrieben. Sie ist auch als Train des Pignes bekannt, diese Bezeichnung trug allerdings ursprünglich die stillgelegte Bahn von Nizza nach Meyrargues.

Geschichte[Bearbeiten]

Strecken der SF und er TAM
Alter Schmalspurbahnhof in Digne
(links ein Triebwagen am neuen Bahnsteig), 1986
CP-Schmalspurtriebwagen Baureihe SY und SNCF Alpazur (Regelspur) in Digne, 1986
Schmalspurtriebwagen von Soulé-Garnéro der Bahnverbindung Alpazur in Digne, 1986
Kreuzung zweier Spurweiten im Bahnhof Digne, 1986
Bahnhof von Annot

Im Jahr 1860 wurde die Grafschaft Nice an Frankreich angegliedert. Vier Jahre später erreichte, von Marseille her, eine normalspurige Strecke der Eisenbahngesellschaft PLM die Stadt Nizza. Sie berührte das Hinterland aber kaum, und eine Unterbrechung im Jahr 1872 ließ auch aus militärischen Gründen eine zweite Verbindung bedeutsam erscheinen.

Der "Freycinet-Plan" von 1879 sah den Bau zahlreicher Strecken von lokaler Bedeutung vor, darunter von Digne über Castellane nach Draguignan, wo die PLM-Strecke erreicht worden wäre, und von Nizza nach Puget-Théniers. 1881 wurde statt ersterer die Strecke Digne–Puget-Théniers genehmigt, so dass hier eine durchgehende Verbindung entstand.

Die PLM, die von Digne her an der Strecke baute, stellte 1884 die Arbeiten ein. Daraufhin wurde die "Compagnie des chemins de fer du Sud de la France" (SF / S.F.) ins Leben gerufen, zugleich wurden die Pläne aber deutlich reduziert. Drei Strecken kamen bis 1911 letztlich zur Ausführung:

  • von Nizza nach Digne über Puget-Théniers (150 Kilometer)
  • von Nizza nach Meyrargues über Grasse und Draguignan (210 Kilometer)
  • von Toulon nach Saint-Raphaël (100 Kilometer) mit einer Zweigstrecke von Cogolin nach Saint-Tropez (10 Kilometer)

Hinzu kamen mehrere Anschlussstrecken der "Tramways des Alpes-Maritimes" (TAM) in den Seitentälern des Flusses Var. Angesichts der schwierigen topografischen Verhältnisse wurde, um enge Kurven zu ermöglichen, die Meterspur als Spurweite gewählt. Endstation in Nizza war der Gare du Sud, 400 Meter vom PLM-Bahnhof entfernt. Die denkmalgeschützte Glaswand des Gebäudes stammt vom russischen Pavillon der Weltausstellung von 1889. 1899 wurde zwischen den beiden Stationen ein Verbindungsgleis quer durch die Stadt gelegt, das aber dem Güterverkehr vorbehalten blieb. Bis 1939 konnten über die Straßenbahngleise Güterzüge der C.P. auch den Hafen von Nizza erreichen. Auf diesem Weg wurde das Kraftwerk der "Energie électrique du Littoral méditerranéen" mit Kohlen versorgt, die Behinderung des städtischen Verkehrs machte dem ein Ende.

Die Strecke von Nizza nach Digne entstand ab 1883 in Teilabschnitten. Von Nizza aus galt es, das Tal des Var, und insbesondere den Verwaltungsort Puget-Théniers, zu erschließen. Von Digne aus baute man zunächst in Richtung Castellane, die Umlenkung der Strecke wurde erst 1901 beschlossen. Am 3. Juli 1911 wurden die beiden Teilstrecken vereinigt. Der Zugverkehr begann im August 1891 und wurde, je nach Baufortschritt, abschnittsweise erweitert. In Digne liegen der Normalspur- (PLM / SNCF) und der Schmalspurbahnhof (C.P.) nebeneinander, der alte C.P.-Bahnhof wurde später zugunsten einer Bahnsteiganlage direkt am SNCF-Bahnhof aufgegeben.

Eröffnungsdaten der Bahnstrecke Nizza–Digne:

  • 14. August 1891 von Digne nach Mezel (13 Kilometer)
  • 1892 von Mezel nach Saint-André-de-Méouilles (heute: Saint-André-les-Alpes; 31 Kilometer)
  • 1892 von Nizza nach Colomars und weiter nach Puget-Théniers (zwei Etappen; 13 und 45 Kilometer)
  • 1907 von Puget-Théniers nach Pont-de-Gueydan (12 Kilometer)
  • 1908 von Pont-de-Gueydan nach Annot (8 Kilometer)
  • 1911 von Annot nach Saint-André-de-Méouilles (Zusammenführung der beiden Teilstrecken)

Der Zusammenbruch der Panamakanal-Gesellschaft "Compagnie Universelle du Canal Interocéanique" löste 1888 einen der größten Finanzskandale des 19. Jahrhunderts in Frankreich aus. In dessen Folge beging der Vizepräsident der SF 1894 Selbstmord, die Anklage gegen den ebenfalls involvierten Direktor brachte die SF um ihre Kreditwürdigkeit. Aufgrund der zunehmenden finanziellen Schieflage wurde ein neuer Vertrag mit dem Staat ausgehandelt und 1925 die "Compagnie des Chemins de fer de (la) Provence" (C.P.) gegründet. Sie übernahm zunächst alle Strecken, gab 1933 aufgrund dennoch wachsender finanzieller Probleme die Strecken Nizza–Digne und Nizza–Meyrargues ab. Unter staatlicher Zwangsverwaltung wurde sie von den Ponts et Chaussées betrieben, der C.P. blieb nur Küstenstrecke .

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg brachte der beginnende Ersatz der Dampfzüge durch Triebwagen (Nizza-Digne erst 1935) den Strecken einen Aufschwung. Der Krieg, insbesondere der Befreiungskampf im Département Alpes-Maritimes, führte zu schweren Schäden an Infrastruktur und rollendem Material. 1945 wurde die Strecke Nizza–Meyrargues nur noch bis Tanneron betrieben und Anfang 1950 endgültig stillgelegt. Die Küstenstrecke war bereits 1948-49 aufgegeben worden, beide Strecken wurden abgebaut.

1952 hob der Staat die Zwangsverwaltung auf, die Strecke von Nizza nach Digne wurde unter die "provisorische Verwaltung" der C.P. gestellt. Bereits 1959 verlangte er jedoch "einschneidende" Maßnahmen zur Sanierung und wiederholte die Einstellungsdrohungen 1967 und 1968. Die Städte Digne und Nizza, die beiden Départements Alpes-Maritimes und Var sowie die "Région Provence-Alpes-Côte d’Azur-Corse" gründeten daraufhin 1968 das "Syndicat mixte Méditerranée-Alpes" (SYMA). Ihm wurde 1972 für 99 Jahre das Betriebsrecht übertragen und die Betriebsführung 1974 an die "Société générale de chemins de fer et de transports automobiles" (CFTA) weitergegeben. Der regelmäßige Güterverkehr wurde 1977 eingestellt, bedarfsweise verkehrten aber weiterhin Güterzüge.

1980 ließ der "Groupement d'études pour le Chemin de fer de Provence" den ersten touristischen Dampfzug auf der Strecke verkehren. Ein Jahr später konnte die C.P. der SNCF die Einrichtung einer Umsteigeverbindung von Genf nach Nizza über Digne (seit 1988: Digne-les-Bains) abringen. Auf beiden Spurweiten verkehrten als Alpazur beschriftete Dieseltriebwagen. Die Entfernung zwischen den beiden Städten war auf diesem Weg 220 Kilometer kürzer als über Marseille. Seit der Stilllegung der Normalspurstrecke von Digne nach Saint-Auban durch die SNCF im Jahr 1989 ist dieser Verkehr nicht mehr möglich. Die von der C.P. gewünschte Übernahme oder Pachtung dieser Strecke wird von der SNCF seit den 1930er Jahren abgelehnt.

Am Vergnügungspark Zygofolis in Nizza wurde 1987 eine neue Station errichtet. Die Stadtverwaltung von Nizza erkaufte sich ihre Zustimmung zum Weiterbetrieb der Gesamtstrecke über Colomars hinaus mit der Zusage zur Verlegung des Endbahnhofs. 1992 wurde knapp 200 Meter westlich des Gare du Sud ein neuer Bahnhof Nice CP gebaut, der heute Endbahnhof ist. Das Portal des ehemaligen Gare du Sud ist als Ruine noch erhalten und soll laut den dort aufgehängten Tafeln restauriert werden.

Die Entgleisung eines Güterzugs in Entrevaux im Jahr 1992 führte zu Betriebseinschränkungen, die bis Mitte 1993 andauerten. Im Herbst 1994 zerstörte ein Hochwasser des Var mehrere hundert Meter der Trasse, die daraufhin erst nach 18 Monaten wieder in Betrieb genommen werden konnte. Am 1. Januar 2007 wurde die Région Provence-Alpes-Côte d’Azur (PACA) alleiniger Gesellschafter des SYMA, der daraufhin aufgelöst wurde. 2005 wurde die CFTA in "Compagnie ferroviare du Sud-France" (CFSF) umbenannt, sie gehört aktuell zum Unternehmen Veolia transport.

Am Morgen des 8. Februar 2014 kam es auf der Strecke zwischen Annot und St.-Benoît zu einem Unfall. Ein etwa zwanzig Tonnen schwerer abstürzender Felsblock traf auf das führende Fahrzeug eines AMP 800-Doppeltriebwagens auf dem Weg von Nizza nach Digne-les-Bains, woraufhin der Zug entgleiste. Von den dreißig Passagieren kamen zwei ums Leben, acht Fahrgäste wurden verletzt, darunter einer schwer. Leicht verletzt wurde auch der Triebfahrzeugführer.[1]

Streckenbeschreibung[Bearbeiten]

Viaduc de Moriez

Die Gesamtstrecke ist 150 Kilometer lang, eingleisig und nicht elektrifiziert. Neben den beiden Endbahnhöfen existieren 14 Zwischenbahnhöfe und 48 Bedarfshaltestellen. Die Spurweite beträgt 1000 mm, der kleinste Kurvenradius 150 m, die größte Steigung 30 ‰. Das Planum und die Bauwerke waren ursprünglich für ein normalspuriges Gleis vorgesehen, für eine Schmalspurbahn ist das Lichtraumprofil daher großzügig. Es existieren 31 Brücken, davon 16 gemauert und 15 aus Metall. Der gemauerte Viaduc de Moriez bei Saint-André-les-Alpes ist 109 Meter lang und weist neun Bögen auf.[2] Von den 25 Tunneln hat der "Tunnel de la Colle-Saint-Michel" als längster eine Länge von 3457 m. Hier befindet sich mit 1023 m der höchste Punkt der Strecke.

Seit 1992 beginnt die Strecke am neuen Endbahnhof der Chemins de Fer de Provence mitten in Nizza, von dort führt sie über einen Abschnitt, der fünf Tunnel enthält, hinab in das Tal des Flusses Var. Das Tal ist zunächst noch breit, wird dann aber immer enger, so dass das Gleis mehrfach im Tunnel verläuft. Bis Entrevaux folgt die Strecke dem Fluss Var, direkt neben der Straße. Ab Entrevaux gewinnt die Strecke nun an Höhe, bis nach dem Tunnel de la Colle-Saint-Michel der Scheitelpunkt erreicht wird. Von da an führt die Strecke wieder bergab in Richtung Digne-les-Bains.

Betrieb[Bearbeiten]

Touristischer Dampfzug während der Sommersaison (in Annot)

Auf der Gesamtstrecke NizzaDigne-les-Bains verkehren täglich vier Zugpaare, die durchschnittliche Fahrtzeit beträgt 3:20 Stunden (3:30 Stunden im Jahr 1935 mit Renault-Triebwagen). Von Nizza bis Colomars gibt es zudem einen Vorortverkehr mit zusätzlich 20 werktäglichen Zugpaaren bei ca. 25 Minuten Fahrzeit, 7 dieser Züge laufen weiter bis Plan du Var. Ein Teil Fernzüge hält zwischen Nizza und Colomars nicht an allen Stationen und legt die Strecke in 15 bis 21 Minuten zurück. Als Fahrzeuge kommen ein- und zweiteilige Dieseltriebwagen, teilweise in Mehrfachtraktion, zum Einsatz.

Während der Sommersaison verkehrt zwischen Puget-Théniers und Annot ein touristischer Dampfzug. Die verwendete Zuglokomotive E327 stammt allerdings nicht vom ehemaligen S.F./C.P.-Netz, sondern aus der Bretagne. Der vom Verein CECP eingesetzte Zug verkehrt an ausgesuchten Wochenenden von Mai bis Oktober. In der Wintersaison nutzen Touristen die Strecke, um über Thorame-Haute weiter in das Wintersportzentrum Val d'Allos zu gelangen.

1943 wurde die Rekordzahl von 1.014.327, 1970 das Minimum von 143.652 Passagieren auf der Strecke ermittelt. Im Jahr 2006 wurden 479.936 Fahrgäste gezählt. Der Rekord im Güterverkehr lag bei 336.710 Tonnen im Jahr 1926.

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Henschel BB 1200 im Depot Nice-Lingostière

Sämtliche Fahrzeuge werden in der Betriebswerkstatt Nice-Lingostière unterhalten.

Dieseltriebwagen

  • sechs vierachsige Dieseltriebwagen der Baureihe SY von CFD mit 48 Sitzplätzen, Indienststellung 1972 (vier Fahrzeuge) und 1977 (zwei Fahrzeuge)
  • ein Doppeltriebwagen mit 120 Sitzplätzen von Soulé-Garnéro, Indienststellung 1984 als "Alpazur"; dieser Dieseltriebwagen stellte 1984 mit 115 km/h auf der Strecke vermutlich einen Geschwindigkeitsrekord für Meterspurfahrzeuge in Frankreich auf
  • vier Doppeltriebwagen mit 88 Sitzplätzen (plus 16 Klappsitze) der Baureihe AMP 800 von CFD, Indienststellung ab 2010; die AMP (Autorail métrique Provence) 800 besitzen zwei Deutz-Dieselmotoren und erreichen bei einer Leistung von 880 kW eine Höchstgeschwindigkeit von 83 km/h; sie sind 40,00 m lang, 2,73 m breit und weitgehend mit den AMG 800 für Korsika und AMT 800 für Tunesien identisch

Diesellokomotiven

  • Zwei Lokomotiven von Brissoneau & Lotz, Baujahr 1951, eingesetzt für Reisezüge im Sonderverkehr
  • eine vierachsige Drehgestelllokomotive (BB 1200) von Henschel, Baujahr 1966, eingesetzt im Güter- und Bahndienstverkehr; um die Gleisanlagen zu schonen ist ihre Höchstgeschwindigkeit auf 25 km/h begrenzt

Reisezugwagen

  • ein von CP im Jahr 2006 modernisierter Wendezug mit 120 Sitzplätzen

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chemins de Fer de Provence – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Le Monde.fr vom 8. Februar 2014, abgerufen am 9. Februar 2014
  2. Viaduc de Moriez bei Structurae (französisch), abgerufen am 31. März 2014